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The End of Million-Dollar Baby

SA 7.27
SU 19.06
1 Bft aus Nordwest

Nach grauenvoll wacher und schlecht verträumter Nacht mit Hund und Rad an die Teiche, Sonnenaufgang gucken. Wir erinnern uns. Knöchel kaputt, Rad geht, vorsichtig auf- und abspringen, dann kommt man mal raus. Und raus muss FrauFreitag, vor allem wenns was zu verdauen gibt. Ein Bild meines Knöchels hab ich gestern an Trainer E.  geschickt, alle Farben von fast schwarz bis hellgelb. Eine Minute später ruft er an. Das ist neu. Wir haben noch nie telefoniert. Nach kurzer Einleitung kommen wir zum Punkt. ICH hatte ja (5 Sekunden) überlegt, ganz mit der Kickboxerei aufzuhören. Er sagt jetzt, er würde es nicht mehr mit mir machen.

ZERBRECHLICH

Also kein Sparring mehr. Sonst schon noch. Aber eben keine Spaßkämpfchen .
Das Ende einer Karriere. Ersatzbank. Geriatrische Abteilung. FrauFreitag, fernsehend, Chips essend.
Erstaunlich, wie man mit einer absolut vernünftigen und nachvollziehbaren Entscheidung hadern kann. Alles logisch. Aber ich fasse es nicht.

Also raus und das war auch sehr gut so, denn an den Teichen komme ich auf eine wirklich tolle Geschichte, die ich hoffentlich nachher schreibe, wenn ich vom Arzt zurück bin…

2 Stunden später, was hat der Arzt gesagt?
WEITERMACHEN! In 2 Wochen. Auf Ärzte muss man auch mal hören…

„Gehstützen“ die-äh- 7.?

Und wieder macht es Käptn Ahab-Geräusche, wenn FrauFreitag sich an Deck nähert. Meist allerdings liegt sie noch und kühlt. So lautet der Auftrag. Schonen, hochlagern, kühlen.
Was los ist, möchtet ihr wissen?
Knöchel 90°. Am Boden wälzen, Sternchen sehen, das Übliche.
Dabei war gestern das erste Training wieder mit allem. Morgen wollte ich laufen gehen. Alles sollte wieder gut sein. Stattdessen Nacht voller Schmerz, dann musste ich meine persönliche sozialpädagogische Betreuerin anrufen, wg. Fahrdiensten und Türen aufhalten.

Jemand vom Fach hat vor Jahren mal zu mir gesagt, so ein Trauma käme immer, wenn jemand aus den Verkehr gezogen werden müsse. Ich möchte das hinterfragen. Der Verkehr wird ja nur erschwert und verkompliziert. Zum Beispiel eine Notdurft verrichten. Oder eine Tasse Tee von A nach B transportieren, ohne sich zu verbrühen, was ja alles immer noch komplizierter macht. Also gut. Sehen wir mal die positiven Aspekte. Eine Woche krankgeschrieben. Draußen schönes Wetter. Die Socken, die ich für die Kinder stricke, werden vor April fertig werden können. Bücher lesen. Downton Abbey schauen. Kleine Geschenke, Grußkarten, Apfelsinen und Staatl. Fachinger nehme ich gerne auf meinem Landsitz entgegen. Thank you.

Es geht

an die schöne blaue Donau. Ich will „küss die Hand“ und 3/4 Takt. Zentralfriedhof und Kaffeehaus.
Dauert aber noch…lang.

SA 6.13
SU 20.49
2 Bft aus SW

Jetzt erstmal herrliches kühles Regenwetter. Gummistiefel, Gras wie ein Schwamm unter mir. Wolken wie Rauch. Alles mault, ich nicht. 2 Kilo perfekte Birnen vom Boden aufgelesen. Schiffsmeldungen fertig gelesen. Kerzen angezündet.

Kann nicht schreiben, innen leer und muss Leichtathletik schauen. Zehnkampf. Die Buben haben alle so hübsche Badeanzüge an…

Vermischtes

FrauFreitag erlebt uninspirierte Tage und hat mal wieder das „Espassiertnixinteressantesgefühl“. Blödsinn!

SA 6.05 (es ist soweit, ich stehe VOR Sonnenaufgang auf…)
SU 20.58
1-2 Bft aus NO wechselnd auf O und SO

Früh nach dem Aufstehen, wenn man noch dünnhäutig rumläuft, die Schale noch nicht trocken ist und in gewisser Weise die Weichen für den Tag gestellt werden können, kam im Radio was sehr Schönes.
Das schöne Kreisler-Lied „Liebesleid“ mag einigen bekannt sein, ich kenne die Einspielung von den Comedian Harmonists. Im Radio nun haben sie gesagt,  dass Herr Rachmaninov daraus eine Klavierbearbeitung gemacht hat. Es folgte folgende Einspielung von Rachmaninov höchstselbst aus dem Jahr 1921, auf einem Klavier mit irgendwie eingebautem Aufnahmemodus (Wachsrolle??). Ich war in meiner morgendlichen Angreifbarkeit höchst ergriffen, wusste ich gar nicht, dass Herr Rachmaninov den Jazz vorweg genommen hat. Hört mal den schönen Standard:

http://youtu.be/gGmILVnE_dg

Anschließend frühmorgendlicher Feldgang mit Hund. Es ist so wunderschön, dass der einen seiner Lebensfreude-Rennanfälle bekommt, die sofort gute Laune verbreiten. Gras ist klatschnass , die Sonne funkelt schon darin. Stoppelfelder sind großteils gepflügt, so dass es noch viel herbstlicher ausschaut und vor allem riecht es – nach nasser Erde, pilzig. Immer noch eine Strohnote dabei. Und faulende Pflaumen von den wilden Bäumen am Bahndamm. Bessere Luft gibt’s eigentlich nicht. Hier jedenfalls. Kühl ists auch, man merkt endlich mal wieder die eigene Haut als Grenze zur Außenwelt. Leider ist kein Verweilen, der Lohnerwerb ruft.

Man schafft sich durch den Arbeitstag (Sommerloch wohin man blickt) -und wieder heim. (Zeitsprung…)
Da fragt mich Kind1: „Hab dein Block über den Physio gelesen. Is it serious?“
„No. It is not. Not really. I’m not talking about serious things in my Schreibblock.“ Also nur halbseriös, nicht wirklich schlimm. Keine Sorge. Es gibt viel tiefere Canyons…aber da würde einem ja schwindeln!
Einige spätsommerliche Gartenarbeiten – gerade keine reifen Brombeeren…die Kinder 2 und 3 sind mit ihrem Vater gut bei der Omi angekommen.  Alles sehr gut.
Dann aber los, zum Training und immer noch schön vorsichtig.
Hintergrund:
unser lieber Trainer E. ist im Urlaub. Seit Wochen galt seine Hauptsorge gänzlich unbegründet der Ausdefiniertheit seiner Muskulatur. Also die Jungs habens auch nicht leicht. Der is also weg und bräunt sich. Jetzt macht der Chef, O. , das Training. Der hat das früher immer gemacht, das war schon hart. O. ist ein echter Boxer, macht aber auch gern MMA. In gewisser Weise ein gefährlicher Junge. Jetzt aber auch schon nicht mehr ganz jung. Boxernase. Arme, dick wie meine Oberschenkel, aber tätowiert. Sieht eigentlich ganz cool aus. Ärger wollte ich mit dem nicht haben, hab ich aber auch nicht. Wir sind ein bisschen Freunde. Wenn wir uns sehen. Und O. hat vor paar Jahren den schönen Satz zu mir gesagt: „Schade, dass du nicht viel früher angefangen hast. Du wärst ne richtig gute Boxerin geworden.“ Mehr Lob geht, glaub ich, nicht.
FrauFreitag, the Million-Dollar Baby! Yeahyeahyeah.
Ich geh also zu O. ins Training. Und? Bin allein! Alle Kolleginnen sind entweder im Urlaub, zu faul oder haben Angst vor O. Also – gibt’s Einzeltraining! Macht er eigentlich nie, aber ein paar Runden Pratzen is ma OK, sagt er. Gut. Schön vorsichtig aufwärmen. Stehfahrrad, Liegestützen, Rumpfbeugen, Kniebeugen, Schultern, Arme, Hände…warm. Uff.
O. ruf mich IN DEN RING. Hilfe, da schauen auch immer alle zu. Na, was solls? In einen Ring zu steigen/zu klettern, finde ich immer ganz besonders, vor allem wenns ein hoher ist. Alles verändert sich, stehst du im Seilquadrat. Fokussiert. Konzentriert. No way out. Dann wird die Uhr gestellt. 5 Mal 4 Minuten. 4!?? Normal sind 3, bei den Damen oft 2…herrje.
Und los geht’s, Ring frei zur ersten Runde. Pratzentraining heißt, der Chef hat knallblaue „Handschuhe“ an, mit einem knallgelben Zielfleck in der Mitte. Da muss man draufschlagen, treffen im Idealfall. Klappt das schön, gibt es ein sattes, befriedigendes Geräusch. Buammz. Kenn man vielleicht ausm Fernsehen. Dazu sagt der Chef immer, was er will, oder man muss es an der Haltung der Pratzenhände erkennen. Klingt leichter, als es manchmal ist. Erstaunlich, dass man sich manchmal nur 2,3 Minuten wirklich konzentrieren kann, dann immer mehr Fehler macht. Das ist ein Teil der Herausforderung: Kopf.
Körper ist der andere Teil. 4 Minuten sind lang.
Und O. findet immer was. Immer. Und zurecht! E. ist immer ziemlich gnädig. Zu nett eigentlich. O. nicht. „Wo hängtn deine Linke? Wo issn deine Deckung?!“ Ich versuche, die linke Deckung zu verbessern. „Zu langsam!!“ Ich mach schneller, vergesse darüber – die linke Deckung. Zack. Hab ich eine Pratze links im Gesicht. Und wieder. Und wieder. Und wieder. Das macht mich ja schon wütend. Dadurch wird man schneller und härter. Und siehe da! Plötzlich ist, wie von Zauberhand an mein linkes Jochbein geklebt, auch die Deckung da. Man muss einfach an zu viel auf einmal denken…Es klappt, da freut sich O. und ich erstma!
Dann die Beinarbeit. Scheiße, ganz schlimm, geht gar nicht. „Ich bind dir gleich dein rechtes Bein hinten fest!!“ Wie in Million-Dollar Baby!!. (Denke seit gestern an nichts anderes als an Deckung und Beine…) Das ist der dritte Teil: man muss die Kritik verkraften…

2,3,4 Runden, uff. Ich muss mich mal abtrocknen, das ist ja unglaublich. Bin schon völlig dehydriert. Und keiner in meiner Ecke. Letzte Runde. Schaff ich auch noch, logisch. Super, mittlerweile läuft auch die Kavallerie, also der männliche Teil des Boxclubs, ein. Da haben die noch was zu lachen. Geht mir aber sonstwo vorbei. Die sollen erst mal in mein Alter kommen, dann sind die bierbäuchig und so, kennen wir alles. Pfft. Zack, rumms, bumm, peng. Läuft doch! Na, sagt der Chef, geht doch. Konzentration wird aber immer schlechter. Aufmerksamkeitsspanne eines Säuglings.
Zeit! 5 Runden O. und überlebt und nicht wirklich angebrüllt worden, der grinst sogar und ich bedanke mich herzlich. WASSER! Endorphinschub – frei! Supercool, wer braucht denn irgendwas anderes?

Hol meinen Hund ab, drehe eine Runde auf meinem Rad durch den Abend, das Blauspektrum ist unglaublich. Ich hab irgendwie Drogen im Kopf und dazu dies Licht! Dann wird noch mit Freunden ein Urlaub im Herbst in der Türkei geplant, vage, wohin… FrauFreitag hat nämlich eine Ereigniskarte gezogen: „Sie erhalten eine Steuerrückzahlung“…und das Geld muss jetzt verurlaubt werden…vielleicht in Side…? Oder hat jemand nen besseren Vorschlag?

FrauFreitag geht unter die Fuszballfans

und schon werden alle Weltmeister!

Will sagen:
Undeinmal bin ich abends in eine Kneipe gegangen, wo ich außer den Inhabern niemanden kannte. Um mir zum ersten Mal im Leben öffentlich Fußball anzugucken. Überhaupt richtig dabei zuzugucken. Nach, sagen wir, 1979. Weil ich ja finde, man sollte immer mal Sachen machen, die man noch nie gemacht hat, also wenigstens manchmal.
Und irgendwann habe ich meine Hände an meiner Stirn gemerkt, wie sie dagegen gehauen haben, meine Hände, die meine Haare gerauft haben, ich habe laut „Abseits“ gesagt und Luft zwischen den Zähnen eingesaugt. So Sachen.
Das alles war sehr lehrreich, lustig und auch wahnsinnig gruselig, insbesondere möchte ich hier die Generalmobilmachung NACH dem Spiel hervorheben sowie das gemeinsame Absingen der Hymne vorher.
Insgesamt: eine 1-, großer Film, nur ich bin nicht die richtige Besetzung dafür.

Dingsdafinale, FrauFreitag verletzt!

Während sich die Mannschaften aufwärmen, die Fans vorglühen und -schon- die Nationalhymne durchs Fenster zu mir herein klingt,  (irgendwie immer ein sehr seltsamer Moment) liege ich. Laut fluchend und mit dem Schicksal hadernd. Im Bett. Fragt nicht, wie lange ich gebraucht habe, bis ich hier war. FrauFreitag, was ist denn bloß passiert? Das will ich dir erzählen, es ist eine Geschichte voller Schmerz und Selbstmitleid.
Ich war im Training. Todmüde zuerst. Dann, nach 30 min. extrem-warming up, i.e. Rennerei, Seilspringerei, Schattenboxerei Hampelmännerei, etcetc, also wirklich warm, unter mir schon kleine Pfützen, …wollte Trainer E. mir einen Gefallen tun und mir die ersten 3 Minuten Pratzentraining widmen. Ich freu mich, bin endlich wach und heiß drauf, ein bisschen zu hauen und zu treten. Kombination war folgende: eine schnelle kleine Linke, eine ebensolche rechte Gerade, noch eine Rechte, diesmal lang und hart, dann ein freundlicher rechter Uppercut, linker Haken, rumms, rechter Kick als Abschluss. Ich mache schon wieder Geräusche wie diese Tennistante, kicke laut  mit „uoah“, bin wild und gefährlich, alles sehr schön, coole Kombination, macht echt Spaß, viermal, fünfmal, E. greift an, ausweichen, weiter gehts, nach dem Haken der Kick- ich hebe das Bein, schreie, setze den Fuß auf den Boden, schreie nochmal, liege, spiele den gefallenen Fußballer.
Hinter dem Feuerwerk, das ich sehe, weiß ich: Kacke. Das ist (wieder) ein Faserriss, wieder rechte Wade, gleiche Stelle wie vor 2 Jahren, und das hat lange gedauert. Sehr lange. Narbengewebe. Das Alter. Mein Leben, meine Karriere- ruiniert. Sitze, Bein senkrecht hoch, wiegele ab, „geht schon“ (Lawrence of Arabia-„natürlich tut’s weh“). Ein junger, muskulöser Mann massiert sehr aufmerksam mein Bein, aber irgendwie kann ich es nicht genießen. Wo bleiben jetzt die mit der Bahre? Eisspray? Physiotherapeuten? Ein Arzt vielleicht wenigstens? Helikopter? Pustekuchen, alle in Brasilien.
Over.
Auf links in die Kabine. Rufe Kinder an, Mann is ja keiner mehr da. P. kommt, sie ist ja jetzt größer als ich, äußerlich, also muss sie mal ihre durchgeknallte Mutter heimstützen.
Der Weg ist plötzlich 15 Mal weiter…auauau! Es schüttet.
Problem: ich komm ausm Trainig, habe ca. 100 Liegestütz gemacht, Schattenboxen mit Gewichten-meine Arme können nicht mehr.
Zeitschleifengefühl, Krücken, Behinderung-war doch erst, oder? Traumatisch.
Will das nicht. Nie wieder!
Bin extrem unzufrieden.

¿Wie bitte???
0:5?!?!?!?
Irgendwas stimmt doch heute nicht!

Misery and pain.

Nachtrag, 12.7.:
Am gleichen Abend, so berichtet mir meine Mitbewohnerin der Stadtwohnung, ist das Muhammad Ali-Poster von meiner Tür runtergefallen. Was für eine Koinzidenz!!