Schlagwort-Archiv: Reisen

Nur zu Besuch

SA 7.45
SU 17.55
3 Bft aus West
(Werte Berlin)

FrauFreitag ist in Berlin und fragt sich, welchen Status sie hat.
Also so richtig wohnen ist das natürlich nicht.  Eine Zahnbürste, ein paar Unterkleider, ein paar Bücher – das macht keinen Hausstand und keinen Daueraufenthalt aus. Obwohl sie auf der Straße schon ab und zu grüßen kann und im Penny weiß, welche Kassiererin die nette ist.
Touristin ist sie aber definitiv auch nicht. Dazu hält sie sich zu selten an den touristischen Plätzen auf und den Plan lernt sie immer schon im Schutz der Wohnung auswendig, um nicht damit an windigen Straßenecken Komödie zu spielen und nicht zu wissen, wie rum denn nun. (Ja, ich weiß. Da gibts auch ne App.)

Also vielleicht „zu Besuch“. Das steckt das schöne Wort suchen drin und außerdem bekommt der Besuch immer den besten Platz und das dickste Stück Torte. Das ist so wegen der Willkommenskultur.
Und was macht der Besuch der deutschen Hauptstadt so?
Also diese (Hauptstadt, nicht FF) trägt gerade die Farben der Saison, viel Gelbgold, Rot, Orange, Braun und Grün. Lässt allerlei davon auf den Boden fallen, zur Dekoration, ganz „als welkten in den Himmeln ferne Gärten“ (R.M. Rilke).  Dazu entweder bayrisch Blau-Weiß mit hoher Strahlkraft oder Steingrau. Jacke auf. Jacke zu. Und weil das alles so herrlich ausschaut und außerdem dringend Prokrastination betrieben werden muss, stürzt sich FrauFreitag erstmal in die U-Bahn. Nach Osten. Hier ist ja immer Osten oder Westen, hab ich schonmal gesagt. Und das ist ganz gut, da geht man wenigstens nicht verloren. Man kann nichts dagegen tun. Wir sind eben die Generation Kalter Krieg.
In der U-Bahn gehts immer schon los mit den ganzen Leuten. Das sind ja nicht nur sehr viele, sondern auch sehr verschiedene und mit vielen verschiedenen Sprachen, man kann hier super das Sendung-mit-der Maus-Spiel spielen. Meistens ist es heute Spanisch.
Dann steigt einer mit Becher ein, der spielt heute aber zum Glück keine Geige, sondern rappt. Von weitem hört sichs ganz cool an, aber dann aus der Nähe spricht er Rap wie Wrap aus, also Dürüm und kommt mir auch mit seiner Geschichte zu nah. Haft reimt sich auf bestraft und Leben auf nicht ergeben.
Nähe/Distanz ist hier eh so ein Thema. Also erstmal schnell raus aus der U-Bahn, ist eh gerade Endstation.
An der Warschauer Straße draußen wird hingegen wirklich cool gebeatboxt und schon wandelt die Stadt ihr Gesicht von deprimierend nach elektrisierend und ich drehe mich um und gehe tschkabummtschkabummkschsch nach Westen zurück, weil auf dieser Seite (natürlich Westen) des Ufers HerrMontag kunstschaffend tätig ist. Hier in Kreuzberg, genauer 52° nördlicher Breite, 13° östlicher Länge, entsteht gerade ein Schmuckstück, das Berlin hoffentlich bald einen neuen Touristenmagneten hinzufügen wird. Nur gewinnen muss er noch:
http://www.machtkunst-berlin.de/de/
In der Werkstatt ist alles in Ordnung, die Männer haben schmutzige Finger und Deutschlederhosen mit den sexy Zimmermannsreißverschlüssen an und es riecht nach Metall. Wenn man mich fragt: absolut preisverdächtig und wer Zeit hat bitte dann auch hingehen und abstimmen.
Aber bis dahin bitte nicht stören.
Also schwimme ich durch Kreuzberg und frage mich, was mir diese Stadt will. Ich beobachte sie wie einen Kerl, der spannend ist, aber von dem ich noch nicht weiß, ob ich ihn wirklich gut finde, ob ich ihn will. Und von dem ich nicht weiß, ob er mich will. Will Berlin FrauFreitag? Ich glaube, es schert sich einen Dreck um mich. Was mir ein glitzerndes Gefühl von Freiheit verleiht. Und von Glück, wenn ich mein bipolares Leben so betrachte. In Dinxheim in Rheinhessen ist es durchaus möglich, auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause keiner Menschenseele zu begenen – zumal nach 20 h. Denkt FrauFreitag, als sie sich durch die Oranienstraße drängt, in die sie irgendwie hineingespült wurde, ganz ohne zu suchen. Verrückt! Und wie sie so ausweicht, fällt ihr Blick auf einen Straßenaufsteller, der auf ein Museum im Hof hinweist.
Und schon ist klar, dass Berlin mich will, aber sowas von sehr, denn das Museum heißt „Museum der Dinge“ und da haut mich ja allein der Name schon um. Es ist im Seitenaufgang, 3. Stock und das Treppenhaus sieht aus, als müsse man zweifarbige Schuhe tragen (als Herr) oder einen Bubikopf unterm Hut (als Dame). Das finde ich schon immer sehr schön hier. Die Zeitsprünge. Eben noch 80er, dann, nur wegen einer Schrifttype in der S-Bahn: 1926. Und zurück nach heute, ins Museum der Dinge, das in 90 Minuten zumacht, aber der nette HERR an der Kasse sagt, das könne ich (die DAME) locker schaffen.
Sehr lehrreich.
Hier kann man was dazu lesen und anschauen:
http://www.museumderdinge.de/
Und hier lernt man sehr interessante Dinge über den Deutschen Werkbund:
https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Werkbund

In diesem Museum gibt es zahlreiche Dinge aller Art und Machart und man reist durch seine eigene/n Geschichte/n, denn den Kitschfischaschenbecher hatten meine Eltern und ich habe gern mit ihm gespielt, als ich noch FrolleinFreitag hieß. Und dann die Sachen, die Oma noch hatte! Oder die im Osten. Oder man selbst, im Westen, als man in den 80ern einen ersten eigenen Hausstand gegründet hat mit den schönen Flohmarktsachen, die hier als Designklassiker exponiert sind. Also wirklich sehr empfehlenswert für alle, die gern Dinge anschauen.
Trotzdem ist man wirklich nach gut einer Stunde fertig und stürzt sich wieder in die U-Bahn, die man ganz ohne zu suchen findet, und in der verirrte Spanier nach dem Deutschen Theater suchen – ja, richtig, in der U-Bahn. Zum Glück hab ich da diese App…diese jungen Leute mit ihren City-maps sind aber auch wirklich zu unbeholfen.

Hach, schon schön hier als immer wiederkehrende Besucherin mit Touristenvisum und dem besten Platz. Ja, ich glaube, ich will.

 

Unter der abnehmenden Mondsichel

SA 5.37
SU  18.08
3-4-Bft aus Südost
aktuell 36° im Schatten
(Werte Antalya)

Seit einigen Tagen erkunden FrauFreitag und HerrMontag- alias Mr McGyver- einen südlichen Orbit, erweitern ihren Horizont und ihren Wortschatz, retten Schildkröten aller Größen und Gattungen zu Wasser und zu Lande und sind vorzugsweise liegend anzutreffen.

FrauFreitag_Schildkroete_Cirali
Die türkische Mittelmeerküste hält uns in ihren warmen Armen und wiegt uns sachte durch die Tage und Nächte. Überall weht die blutrote Fahne und nachts sieht man am Himmel mehr als nur einen einzelnen Stern neben dem abnehmenden Mond. Under a milky way schaukeln wir in Hängematten und liegen auf Liegen,  umweht uns der warme Duft unbekannter Nachtblumen, ruft das Käuzchen, regnen Sternschnuppen vom Himmel und als wir sie aufhoben waren es lauter blanke Taler.
Die wir dann am nächsten Tag wieder ins Restaurant tragen können, wo unter Maulbeerbäumen getafelt wird, Katzen und Hühner unter dem Tisch unsere Beine umschmeicheln und die Mutter in der Ecke ein Gözleme nach dem anderen ausrollt, mit ruhigen und immer gleichen Bewegungen, im Gleichklang mit dem Rauschen des Meeres. Die Ewigkeit. Mit Gemüse, mit Käse oder mit Tahin. Oder mit Spinat.

Einkaufzettel schreibe ich zweisprachig. In Obst- und Gemüsewörtern bin ich schon ganz gut, Verben lasse ich bewusst weg. Unfallgefahr.

Heute liegt eine schwarze Katze HerrnMontag zu Füßen, der füllt seine Skizzenbücher mit der Welt, wie sie sein könnte, draußen auf unserer Terrasse, die man schon vormittags nicht mit bloßen Füßen betreten kann, weil sie so heiß ist, dass man sofort ein Tänzchen machen muss. Gestern war es eine getigerte und die davor trug ein Lätzchen.
Im warmen Wind bewegen sich Mobiles aus kleinen Meereshölzern, nicken die noch grünen Orangen am Baum, fallen die Oliven aus den jungen Bäumchen, und sobald es dämmert, summen hunderte Zikaden ihre Lieder um die Wette, und wenn man im Restaurant Musik anmacht, singen sie laut im Gegenrhythmus. Einen ganze Reihe junger Pappeln strebt am Rande des Gartens auf, erinnert mich kurz an zu Hause mit ihrem Gepappel, dicht gefolgt von einer Hecke mit Brombeeren, die – kein Wunder – schon als Rosinen zur Welt kamen. Indisches Blumenrohr in vielen Farben. Rote Libellen.
Die Berge, die unsere kleine Welt begrenzen, sind mit Pinien (?) bestickt, die ihre balsamischen Düfte zu uns schicken und wenn man durch die Hitze des hereinbrechenden Abends einen langen, steilen, gefährlichen und steinigen Pfad bergauf gegangen ist, findet man viele kleine Feuer, die dort seit Jahrtausenden brennen, die brennenden Steine der Lykier, gespeist von einem Gasgemisch aus dem Innern der Erde, das sich an der Luft selbst entzündet, den hereinbrechenden Abend erleuchtet und Geschichten befeuert.

Mehrfach täglich erinnert man uns rufend daran, dass Allah groß ist. Dann müssen wir uns von der Wärme ausruhen und mit jedem Tag, der vergeht, wird der Abstand zu dem was man „Realität“ nennt größer und wächst und dehnt sich aus, unüberbrückbar wie es von hier aus scheint -und in seltenen wachen Momenten fürchte ich mich vor dem harten Aufschlag, der uns spätestens am Frankfurter Flughafen erwarten wird. Wenn wieder alle klatschen…

 

Oder

SA 6.49
SU 20.09
2 Bft aus Nord

Das Oderbruch. *
Ferien. Kein Internet. Kein I-Phone 6.
FrauFreitag und HerrMontag fahren kurz vor Ostern mit dem WO-RT Auto aus der Hauptstadt Richtung NordOst. Ziel ist ein kleines Dorf im Epizentrum ehemaliger Deichaufregungen, darin wiederum ein verborgenes Häuslein. Meine neue Hallig.

Mein erstes Mal so weit im Osten der Republik. Ich hatte lange darauf gewartet. Jetzt schaue ich mehr oder weniger aus dem Fenster nach Polen. Viel Himmel über uns mit noch mehr Wolken, die teilweise dramatische Stücke inszenieren. Wir liegen  auf natürlich gegebenen Schilfmatten am Ufer und sonnen uns, gehen ein paar Meter weiter und werden mit Säcken voller Hagelkörner beworfen, und auch noch voll ins Gesicht. Kämpfen uns durch den Sturm über den Deich nach Hause durch, restlos ermattet, mir helfen die Bratkartoffeln, Herrn Montag nicht. FastVollmond über dem Wasser.

Am nächsten Tag  über die polnische Grenze hinweggesetzt und den sg. Polenmarkt besucht. Wildkapitalismus in Reinkultur, Bazar in alten Hallen/Gebäuden/Fabrikanlagen, stabil improvisierte Plastikabteilungen mit zum Teil unausdenklichen Angeboten. Joggingware beherrscht den Kleidermarkt, auch Jacken von Thor Steinar (sic?) im Sortiment – bestimmt hier die Nachfrage das Angebot? Sehr schöne Baumarktabteilungen in Bretterbuden, wir kaufen das Notwendigste ein. Vikovs Autoteilehandel mit angeschlossenem Sex-Shop, unvergessen. Blumen und Gartenkitsch neben verfallenden Fabrikgebäuden – was war hier vorher?
Mit vollem Tank und vollem Bauch (Kartoffelpuffer vs. Pirogi russkie) verlassen wir nach Stunden das Jahrmarktgelände und schauen uns das Oderufer von der östlichen Seite an, dabei immer ein Auge auf potentielle Hausverkäufe. Schön ist es hier, so schön, dass ich mich natürlich prompt verliebe in diese Landschaft unter dem großen OstHimmel.
Wolken werden über uns getrieben, als wir auf Dralon gebettet am Rande der Sümpfe lagern. Kein Laut, nur eine Krähe. Der Frühling ziert sich noch, unter dem Wind fühlt man ihn dennoch, egal wie er sich verstecken möchte.
Vor uns weite Schilfländer und dahinter der Fluss. Momente für die Lebensschatzkiste. Auf dem Parkplatz am Waldrand finden wir uns von Konsonanten umzingelt, Ls sind durchgestrichen und so verstehe ich leider die Naturerklärtafeln nicht so sehr gut.
Auf dem eher indirekten Weg zurück lernen wir Straßen der gänzlich anderen Art kennen, handgepflastert und voller tiefer Krater schraubt sich der Weg durch den Wald bergan, rechts Teiche mit Fischreihern, Bienenstöcke, offensichtlich von Bibern gefällte Bäume. Nach 6 (60?) km die Ortschaft, verfallene Kolchosanlage? Ehemalige Ställe? Selbst ich würde hier nicht bleiben wollen. Es gibt aber Menschen, Hunde auch, sie liegen an der Kette.
Kraniche balzen auf den großen Freiflächen.

Jetzt, schon nach Ostern und wieder zurück im Südwesten, wo der Frühling sich völlig unverstellt gibt und alle Menschen auf der Straße (vor mir) zu laufen scheinen, habe ich Sehnsucht. Sehnsucht nach dem Himmel, der Stille, dem Haus, dem Garten, dem Nichts. Die Straße führt Richtung Osten. Oder?

*Etymologisches PS:
Zur Frage, die FrauFreitag tagelang zwanghaft begleitet hat:
„Wieso eigentlich Oderbruch?“ [und wieso eigentlich „das„?]
Wers also wissen will:
Kluge, Etymologisches WB, 22. Auflage, Berlin 1989, S. 108  gibt Aufschluss:

Bruch [2], m/n (aha, darum also DAS!!)
„Sumpfland“, mhd. bruoch, ahd. bruoh, vgl. auch *brak, für „Sumpf, stehendes Wasser“ (s. Brackwasser!, Anmerkung FF)
etc.etc…
häufig in Ortsnamen, s. auch Ndl. broek

Wunderbar. Wieder was gelernt.

Bei Licht betrachtet

SA 6.36
SU 18.45
3 Bft aus Nordost
(Werte Saarlouis)

Es ist soweit – das letzte Modul der Fortbildungsreihe im Saarland ist angebrochen. Im Oktober hatte ich angefangen. November, Januar, Februar. Es war nicht alles schön. Kann man ja nachlesen. Heute ist alles anders. Vielleicht auch ich.
Auch hier in der südwestlichsten aller Provinzen ist Frühling, heute sogar der astronomische Anfang desselben. Und außerdem war Sonnenfinsternis. Klar hatte FrauFreitag keine Brille dafür, war sie doch erst spät darüber ins Bild gekommen. Ich hab so reingeschaut und sehe kaum schlechter als sonst. Hat sich in jedem Fall gelohnt. Aber egal. Die nächste sehen meine Enkel und Urenkel, inshallah!

Also Saarland, Frühling. Die Fahrt, die sonst oftmals arg bedückend erschien, war eitel Freude und Sonnenschein. Am Bahnhof angelangt, packe ich trotz relativer Eile die Kompaktkamera aus. Diese habe ich nicht zuletzt hierfür erworben. In wenigen Minuten schieße ich viele Bilder. Metall, Verfall, aberwitzige Gebilde von Architektur und Gartenkunst. Das tolle ist, die Kamera macht scharfe Bilder, obwohl ich nichts sehe. Begeisternd. Ich werde nur noch so durch Leben gehen. Und lasse an dieser Stelle mal Platz für die Ergebnisse, die folgen werden, sobald….ich Zeit finde.

 

 

Das war der Platzhalter.

Dann Bildung. Wie immer. Man lernt eben was. Ich mag das.
Und dann: Nahrungsfang. Ich wohne diesmal downtown Fraulautern. Es ist so schlimm, wie es klingt. Aber es gibt einen „Wok-Imbiss“, wo ich in Gesellschaft einiger riesiger bunter Fische (links), zweier goldener Elefanten (voraus, man sagt auch geradezu) und eines immens fetten Buddhas (rechts) eine absurd große Portion Eierreis, gebraten, anpicke. Den Rest esse ich im Laufe des Lebens. Schon dafür hat sich die Fahrt gelohnt, auch wenn mans nur rechnerisch betrachtet.

Dann aber Hotel. Europa. Gar nicht so schlimm. Das kleinste Zimmer der Welt, aber ich bin ja wendig. Das Badezimmer dafür sehr geräumig, die Dusche für eine Kleinfamilie ausreichend. Und sehr sauber. Ick freu ma schon! Und falls ich, wie man mir versichert hat, morgen früh auch ab halb 8 ein Frühstück bekommen werde- das Paradies!

Am Ende aller Enden, wie der Russe so sagt,  wars doch schön hier und ich bereue nichts. Statt dessen habe ich den wild entschlossenen Plan geschmiedet, baldigst hier Urlaub zu machen, um in kompetenter Gesellschaft einen Bildband zu entwickeln, nein, lieber  gleich mehrere:
1. Völklinger Hütte – Untergang eines Industriestandortes
2. Saarland – Deine architektonischen Meisterwerke
3. Stahlproduktion – wir bauen die Zukunft
4. Fraulautern – Deine Imbisskultur
5. Hotels – Ein- und Ausblicke

Meine Güte, hab ich noch viel zu tun!, sagte FrauFreitag und warf die Mütze hoch in die Luft.

Arts and Kraft

Vorwort:
Die Corioliskraft [kɔrjoˈliːskraft] wirkt quer zur Bewegungsrichtung eines Objekts, wenn man die Bewegung in einem rotierenden Bezugssystem beschreibt und sich der Körper nicht exakt parallel zur Rotationsachse bewegt. Sie ist eine Schein- oder Trägheitskraft. Ihr Name bezieht sich auf Gaspard Gustave de Coriolis, der sie 1835 erstmals korrekt aus den Grundgleichungen der Mechanik hergeleitet hat.

Aaaha. Und sieht auch schön aus. Spiralen:

Low_pressure_system_over_Iceland

SA 8.17
SU 16.25
2 Bft aus Nordwest

Hier schreibt FrauFreitag, hier schreibt FrauFreitag…aus dem Funkhaus des Westens.

Ja, sie war ein paar Tage weg, fort, funkstill, weit entfernt von allem und allen und hat vieles gesehen und  gehört und erlebt hat sie sogar fast doppelt so viel, weil sie sich nämlich das Schlafen abgewöhnt. Tatsächlich scheint es ratsam, zu gegebener Zeit aus rotierenden Systemen herauszurollen und sich einmal kurz außerhalb aller auf einen ein- und auswirkenden Kräfte im durchaus heterogenen Raum aufzuhalten.
Wo der ist?
Fast überall. Zunächst ging es mal mit dem Doppelstockbus laaaange nach Osten, wo ein Koffer von FrauFreitag bei HerrnMontag stehen geblieben war. Dieser (Koffer oder HerrMontag?? Tja…scheint fast, als würde hier einen neue Figur eingeführt…) wurde abgeholt und nach draußen gebracht, unter einen grauen preußischen Dezember-Himmel, Schlösser und Champagner kaufen, Seen sehen, Festbeleutungen von Shopping-Malls bewundern. Immer wird es schon gleich dunkel und man findet sich schwer zurechte in diesem wahnsinnigen herrlichen Bienenstock im ewigen Halbdunkel im ewigen Berlingrau und immer gibt es eine pittoreske Hochbahn mit Beleuchtung, die durch den Film fährt und überall die müden Gesichter der Menschen im Vorweihnachtsgeschäft. Der Koffer wird verladen, mutiert zum Umzugskarton und aus grauer Städte Mauern geht es ins Havelland, wo die Birnenzeit leider leider auch nicht gewartet hat und auch hier ist es völlig dunkel und FrauFreitag weiß gar nicht, wohin es sie verschlägt. In irgendeinem Nest in der Zone, sehr wenig Straßenbeleuchtung, ist erster Stopp und es gilt, einen Geburtstag zu feiern, was auch schön gelingt.
Das kleine Fest findet statt im alten Gasthaus des Nestes, das irgendwie sowas wie Bargelow oder so heißt, stummes w, langes o, und das ist wirklich schon weit weg von meinen bisherigen Rotationsspuren.
Im alten Gasthaus ist eine veritable Künstlerkolonie eingerichtet worden, FrauFreitag darf wunderschöne Dinge sehen, steilschiefe Treppen steigen, Hausgeschichten anhören, Dielen knarren überall und die Katze schnurrt und im Ofen ein rotes Feuer und im Glas ein grünes, aber alles nichts gegen das Leuchten aller Augen und die Schönheit des Lebens. Es wird fürstlich gespeist und viel geredet, und obwohl erst Montag ist, Dezember und Nordosten, fühlt FrauFreitag sich wohl und warm und schläft sehr gut im kalten Bierlager, das tatsächlich so heißt und mal eines war und das erscheint mir ganz wunderbar, so wunderbar wie der Tanzsaal, der jetzt ein Raum voller Kunst ist und irgendwie ist ja sowieso grade alles ein großes Ganzes und Kunst und Leben und Handwerk und Bücher werden eine super Collage und am besten zu allem noch Musike hörn!
Der Tag nach dem Geburtstag ist der Tag vor dem Geburtstag und das Road-Movie geht weiter. Einmal ganz rum und am Ende, dann doch wieder im Dunkeln, ankommen an der Baltischen See. Ich hab  den Mund voller Matjesbrötchen und das Herz voll Freude, es weht mir der Wind um die Ohren am dunkeln Strand , nur Weihnachtsbeleuchtung und der Leuchtturm weit draußen, die See rollt leise, immer vor und zurück, alle Geräusche wurden an der Eingangsbrücke abgegeben, Herr und FrauWochentag hören sich in die Stille hinein, nehmen Energien von Schutzschilden, feiner Sand unter den Füßen und Knirschen von Muscheln. Viel Zeit bleibt nicht da in der Dunkelheit, es gibt so viel zu tun, wir sind ja nicht zum Spaß hier und morgen ist Geburtstag (meiner nämlich dann doch) und wir müssen fröhlich einkaufen und uns installieren unter Reet, gegen die Kälte und heranrückende Ungemach ankämpfen, die Fenster und Türen schließen, mit Champagnerflaschen verrammeln, die Telefone ausschalten und verstecken, Freudenfeuer entzünden, ein Roadmovie lesen, Geschichten erzählen, Lachtränen trocknen und einen winterlichen Honigmond feiern. Und dann auch noch gleich Geburtstag . Und wenn die Zahl des Geburtstags eine Primzahl ist, kann das doch eigentlich nur ein PRIMAgeburtstag werden und das wird er auch.
Das nette Ostmeer steht ganz zu meiner Disposition, der Wind scharf im Rücken, die Polarforscherexpedition läuft sich am kilometerlangen Strand warm, hinter kleinen Erhebungen liegt auf der Leeseite ein bisschen Schnee, der Sand bildet Damastmuster, das Meer verschiedene Metallfarben, viele Farben Silber, Stahl und Grau fließen den endlosen Strand entlang, alle Menschen haben Ausgangssperre und nur eine Möwe ist da und kein Schiff. Nur Sandknirschen und Atmen und viel Schweigen vor Meeresrollen. Der Wind putzt das Hirn aus, der Dreck muss weg und rausgeweht werden, Platz brauchen wir, nicht Abstellkammern. FrauFreitag hat damit am Meer immer nur gute Erfahrungen gemacht. Ein 1A-Geburtstag, ich habs ja gewusst, und dann gibt’s auch noch Kuchen und Kaffee wie es sein muss, ich lerne dabei die Mentalität der Menschen hier kennen, es wird herrlich gekocht für mich und gegessen und das Feuer im Kamin brennt auch. So soll das Lebensjahr sein. So schön weit, windig, warm und wohlig. Prima eben.

Kaffee und Marzipan

SA 8.00
SU 16.29
2 Bft aus Nordost

FrauFreitag wacht auf und ist immer noch im Saarland. Im Zimmer riecht es auch nach kaltem Rauch und ich hoffe, das bin nicht ich. Immerhin ein bisschen geschlafen, also vergleichsweise munter. Aufstehen, schön machen, heute ist ein kleiner Auftritt angesagt. Ich möchte noch eine Herzensangelegenheit erledigen, dann gemütlich frühstücken, mehr so professionell, mit Papieren am Tisch. Dann Zähne putzen, Lippen anmalen, los. So macht man das. Also ich.

Kurz vor 8, ich tapse durchs dunkle Treppenhaus (kalter Rauch), alles still, kein Klappern, keine Dusche rauscht – bin ich denn ganz und gar verlassen? Ich glaube wohl, denn der Eingang zum Speisesaal ist abgeschlossen. Klopf ich mal. Warte. Nö. Also geh ich ums Haus rum, zum Haupteingang. Jacke hab ich natürlich im Zimmer gelassen, dafür ist es kalt und auf der Bundesstraße vor der Industrie rauscht Verkehr. Schnatter, klingel, wart. Nö. Alles dunkel. Mein Magen knurrt. Kurz nach 8. Um 8.45 spätestens muss ich hier weg. Also- wieder zurück, andere Seite, Obergeschoss. Erst mal alles packen, schon mal Zähne putzen und Lippen anmalen, dann klappt das auch mitm Frühstück. Vor meinen Augen tanzen Teetassen, ich denke an Brötchen.  Schleppe mein Gepäck runter, alles wie immer, zu. Da war doch irgendwo ne Telefonnummer?! Vorne, klar. Also, Jacke, ums Haus, anrufen. Geht keiner ran. Wieso wusste ich das? Hops, frier, hab noch nicht bezahlt – soll ich abhauen? Ich will n Tee. Wegen mir auch Kaffee. Gleich halb 9. Ruf nochmal an. Nochmal. Nochmal…hab beschlossen, mich AUF GAR KEINEN FALL ZU ÄRGERN, ist nur Blockmaterial. Ich ruf nochmal an. Ne verpennte Männerstimme! „Guten Morgen, mein Name ist Freitag. Ich wohne in Ihrem Hotel, hatte für kurz vor 8 Frühstück bestellt…?!“ Davon war ihm nichts bekannt. Er sei in ner Viertelstunde da. Ja, bitte. Dann muss ich nämlich auch dringend weg. Dieses Fastenbrechen am Morgen ist krass überschätzt. Ich faste.. aber ein Tee, hach so ein Tee…

Sitze im Treppenhaus im kalten Rauch und schaue auf die heller werdenden Industrieanlagen…da kommt er. Mittelmäßig bemüht schafft er es irgendwie, mir ne Rechnung (billiger) zu schreiben, sich zu entschuldigen, mir n Tee hinzustellen, von dem ich aber nur noch 2 Schluck nehmen kann, denn ich muss jetzt echt los! Ich frage, obs aufm Weg n Bäcker gäbe. „Ja.“, sagt er. Ich warte. Warte. Mein Kopf legt sich von allein schief. Ob er mir auch sagen könne, WO? Äh, ja, (andere Richtung). Macht nichts, auf der guten Fortbildung gibt’s immer Gebäck und Tee und Kaffee. Ich hab richtig Lust hinzugehen, wandere durchs triste Grau, neben mir der Verkehr, kalt ist es, gleich gibt’s Tee.
Angekommen dort, große Druckkannen, Tassen, kein Gebäck, kommt später, ich komm pünktlich, atme ein, drücke, es rauscht in die Tasse – meine Nase ruft noch „VORSICHT“, da hab ichs schon im Mund: irgendeine phantasievolle Aromenmischung, fälschlich „Tee“ genannt, könnte Adventskranzapfelpunsch heißen oder so.  Das kann ich kaum schlucken. Gehe ins Klo, wegschütten, muss lachen. Wer „Oh Boy“gesehen hat, weiß, wieso. Also Kaffee und Marzipan.
Dann Stuhlkreis. Wir sollen 2 positive Dinge berichten, die wir heute schon erlebt haben…
?

Tee gabs übrigens den ganzen Tag keinen richtigen und Kaffee war um 11 leer.

Morgen früh. Oh, yeah. Mandarinenblütenoolong. Im Bett. Eine Kanne. Das wäre ne positive Sache. Werd ich dann im Stuhlkreis erzählen

Fraulautern

SA 8.01
SU 16.29
3 Bft aus Nordost

Schon sind 6 Wochen vergangen und der nächste Teil der Fortbildung im Saarland steht an. FrauFreitag versucht also abzureisen, hockt im Nebel auf kalten Bahnsteigen und beobachtet die Störungen im Betriebsablauf. Schön, dass nicht nur ich die habe!

Irgendwann gehts aber doch los, es ist kuschelig warm im Zug und ich schlafe auf der Stelle, nein, fahrend, ein. Als ich wieder aufwache bin ich schon im tieferen Südwesten angekommen. Es ist trotz der trüben Aussichten wirklich ein schönes Stückchen Welt, denke ich. Das sollte man mal Leuten zeigen, die glauben, unser Bundesland sei nur eine Ansammlung von Reben. Und irgendwann bricht in der Gegend der saarländischen Grenze so plötzlich die Sonne durch, dass ich erschreckt die Augen zusammenkneifen muss. Zonenrandgebiet. Dann Saarbrücken, Umstieg, wieder Anschluss verpasst, diesmal bin ich schon davon ausgegangen. Der Nachteil ist, dass ich jetzt in den übervollen Schülerzug gerate. Der Vorteil: ganz viele Leute sprechen auf einmal Französisch. Ich stehe also in einem Gedränge, das der Berliner U-Bahn in nichts nachsteht, fahre durchs Randgebiet, lausche, was andere erzählen, sehe mir mal wieder die Wiege deutscher Stahlproduktion an und versuche möglichst gar nicht zu atmen, denn einer hier riecht wirklich nicht gut.

Wieder muss ich Saarlouis raus, diesmal aber in den Stadtteil Fraulautern, also nach links. Was mir nicht klar war, aber sofort wird: hier ist es WIRKLICH furchtbar. Nicht, weil es provinziell oder so ist. Nein. Ich muss mit meinem Köfferchen eine Bundesstraße entlang, darauf befinden sich schätzungsweise 6/7 aller saarländischen Automobilisten. Neben der Straße liegen kleine Industrie-und Gewerbegebiete, von denen ich nicht sicher sagen kann, ob sie noch in Betrieb sind. Ein „China-Imbiss“ mit abgeschabten Kanten. Ein Wurststand, an dem sich Bauarbeiter mit Wurst versorgen. Der Wind von vorne ist so kalt, dass ich „Winter“ denke. Ich frage mich, was hier die richtige Filmmusik wäre. Eine gläserne, verzerrte Gitarre? Ein erkältetes Saxophon? Dubstep? Alles zusammen!
Sonne hat sich auch schon wieder verborgen. Links steht eine riesige Wolke aus Stahlproduktions-Kondenswasser am Himmel und verdunkelt ihn. Ich pfeife durch die Zähne und finde das alles ganz cool – dann erreiche ich auch schon mein Hotel und bekomme doch ein wenig Angst. Es heißt „Zur Post“ und ich glaube, die meinen es ernst. Die Türöffner sind 70erJahre-gelbe Posthörner, überstrichen. Das war mal ne Post, ich schwörs. Ich muss klingeln, aus der Dunkelheit kommt wer und öffnet. Am Tresen steht ein Typ im karierten Holzfällerhemd, schwarz-weiß, trinkt Dosenbier und raucht. Das Personal hat russischen Akzent und führt mich weg. Nach oben, wo das Zimmer ist. Im Flur ist es sehr warm und riecht trotzdem nach kaltem Rauch, keine Ahnung, wie die das hinkriegen. Teure Antiquitäten im Treppenaufgang, echt schöne Schränke, vermutlich unverrückbare Immobilien. Ganz oben ist es. Nummern gibt’s nicht. Ein herrliches Einzelzimmer, Blick über die Gewerbegebiete zum Hochofen. Wenn man aufs Klo geht und die Tür auflässt, kann man die Kondenswolken sehen. Simone de Beauvoir hat ja auch immer im Hotel gewohnt, vielleicht sollte ich fragen, ob ich länger bleiben kann? WLAN geht. Es gibt keine Kleiderhaken, im Schrank eine Stange, aber keinen einzigen Bügel, also werfe ich meine Jacke auf den Boden, logge mich ein, organisiere mich und gehe fort, zur Bildung.  Auf dem Weg dahin, immer schön an der Bundesstraße lang, sehe ich einen älteren Mann, der die Straße vor seinem Haus mit einem nassen Lappen reinigt und bin beeindruckt. Das war, so dachte ich, ein Gerücht, das die Russlanddeutschen sich über uns erzählen…nee, ist echt! Hier könnte man jede Ecke photographieren und das Ergebnis „Deutschland“ nennen. So lehrreich!

Am Abend dann ist die Bildung vorbei. (Zeitsprung)
Ich falle auf DIE dunkle Straße und habe Hunger. Gegenüber blinkt „open“, sieht aber irgendwie unsauber aus. Aha, da ist noch was:
Ich betrete die Pizzeria „Sonneneck“. Nicht etwa „Solino“ oder „O sole mio“,  nein. „Sonneneck“. Alle Stühle sind mit Santa-Claus-Mützen-Hussen versehen. Ich setze mich einfach auf die Bank. Auf der rot-weiß-karierten Tischdecke steht ein ca. 25 cm hoher Weihnachtsbaum. Einige seiner Spitzen glühen LED-farbwechslig. Rot-Grün-Lila-Pink-Weiß-Blau. In der Ecke brennt ein elektrischer Heizofen. Ich bestelle ganz schnell einen Salat und ein Karlsberg. Nach 10 Minuten: „Bitburger?“ „Nein, Karlsberg, bitte. Ja, und einen Salat. Bitte.“
Mist. Sollte eigentlich mein 3. Tag ohne Alkohol werden. Naja, dann morgen. Am Tresen auch hier ein einsamer Wolf im karierten Hemd. Ich seh schon Karos überall. Am Nebentisch ein älteres Paar mit genau gleichen Frisuren: weiß, halblang. Ich vertreibe mir die 40 minütige Wartezeit mit Lauschen, natürlich mit großen Dialektologenohren. Hammerkrasse Sprache hier. Was die mit den starken Verben machen, ist einfach irre. Es füllt sich mit Saarländern um mich rum, klar, schließlich ist auch hier FreitagAbend. Fragt mich mal!

Der Salat war übrigens dann doch lecker, irgendwann. Ich bin trotzdem froh, wenn ich morgen hier wieder weg komme. Dabei: jetzt ists ja dunkel. Wenn ich den Blick hebe, seh ich nur ein paar Lichter in der Weite hinter der Bundesstraße, die Schreibtischlampe und meine Brille in der Fensterscheibe reflektieren. Könnte fast Simone de Beauvoir sein…

In einer österreichischen Pension

SA 7.26
SU 17.51 (Werte Wien, Differenz ~30 min)
3-4 Bft aus Nordwest, in Böen 6-7

Es ist schon Donnerstag. Die Damen Bergmann und Helianthus, die sich als wunderbare Reisegefährtinnen erwiesen haben, sind schon dahoam, bzw. tuckern im Liegewagen zurück. FrauFreitag bleibt allein in der österreichischen Pension.
Statt eifrig zu berichten, was sie erlebt, sitzt sie tagelang an Kaffeehaustischen und trinkt aan Fiaker, aan Überstürtzten Neumann, aan kleinen Braunen, aan Verlängerten. Nur keine Melange, das trinken immer die beiden andern. Dafür, dass ich das Kaffeetrinken noch übe, finde ich, mach ich das ganz schön. Und auch der Mohr im Hemd ist, einmal mutig über die Lippen gebracht, sehr fein. (Der Beweis für die These „Laktoseintoleranz ist psychisch“ wurde hiermit erbracht.)

Das Essen und Trinken also und die ganzen lustigen Wörter
Putzerei (Reinigung)
Bimm/Tram
Schneelage
Hausbesorger
Grundbirnen, speckig oder mehlig
Mehl, griffig oder fein

Man weiß gar nicht.
Alles anders. Ich bin begeistert.
Im BurgKino den 3. Mann gschaut, Wiener Kanalisation besichtigt. ORIGINALDREHORT!
Museen, Kunst, Kultur, Naturhistorie, Prater, Riesenrad, Anton Karas, Regen, Wind, Dunkelheit, Anton Karas, Johann Strauß, Hotel Sacher, der Steffl, die Hofreitschule, Sisi, Anton Karas, Orson Welles, Cafe Sperl, Central, Ritter, Drechsler, Museum, Tramfahrten, Das MAK, Schmetterlinge, Parks, Klimt, Anton Karas, Bier, Beisl, Jugendstil, Anton Karas, Naschmarkt, Billa-Supermarktstudien, Damen im Kaffeehaus, Ober im Kaffeehaus, Herren im Kaffeehaus, Mehlspeisen, Anton Karas, Museumsquartier, Leopoldstadt, Oper, Theater, Philharmonie, Anton Karas, Das doppelte Lottchen…
Wien, ach Wien (Falco!), Sympathie wars gläich, und jetzt, wo wir uns so schön anfreunden, ists scho vorbäi. Ich komm mal wieder. Wenn im Prater die Bäume blühen…

sich bilden, fort und fort

SA 7.52
SU 18.32
2 Bft aus Südwest

Wow.
FrauFreitag auf Weltreise, die 1.
Irgendwann kommt man an. In Saarlouis. Das dauert wirklich lange. Schon im Zug gehts los und die Menschen reden anders. Dann verpasst man mal wieder den Anschluss. Dann fährt man plötzlich Richtung Trier. Dann fängt man an zu staunen. Über die französische Anmutung draußen. Über ruinengewordende Geschichte. Über das Wort „Saarstahl“ und die ungeheure Anziehung der Völklinger Hütte. Meine Schwäche für Birkenschösslinge auf historischen Industrieanlagen wird hier voll befriedigt. Irgendwann steig ich mal aus. Aber heute muss ich weiter…
Dann finalement Saarlouis. Die Angewohnheit, den Bahnhof 3 km von der Siedlung entfernt anzulegen, kenne ich auch nur von den Franzosen, wo ich vor vielen Jahren mit schwerem Rucksack unter sengender Sonne vom Bahnhof ins Dorf wandern musste…heute ist zum Glück Oktober und ich habe leichtes Marschgepäck. Auf der Suche nach meiner Destination verschaffe ich mir einen Überblick. Bastionen wo man hinsieht. Dann finde ich das ‚Hotel‘. Das PVC-Parkett täuschend echt, die dunkle Holzdecke harmoniert aufs Beste mit den Möbeln und den Läufern. Ich frage mich, ob es irgendwo das Raumluftspray „Wie früher“ gibt. Wie bei Omma. Ich mache was Witziges zur Wiederbelebung. Ein Kollege hat mir ein Hochglanzmagazin mit teuren Reisezielen, Hotels, In-Locations etc geliehen, weil Wien auch drin vorkommt. Da liege ich unter Eiche und blättere lässig darin, im Geist mit Zigarettenspitze rauchend, dabei schau ich mir an, wie die Reichen und Schönen (und die Anderen) so residieren, klingele dem Boy, der Häppchen unter der Silberglocke bringt, gebe ihm ein übertrieben hohes Trinkgeld und werfe mir die Stola über, denn nun muss ich raus, mich fortzubilden. Sehr interessant soweit.
Am Abend heimkehrend gebe ich 2 € aus, um WLAN zu bekommen. FrauFreitag, ich weiß nich, ich weiß nich…
Für morgen sind wieder Streiks angesagt. Ich habe ehrlich Angst, hier nicht mehr weg zu kommen, und dann ist Murmeltiertag…