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Per Asperam ad astram

SA 7.42
SU 18.44
1-2 Bft aus Südwest

Gestern wurde FrauFreitag wieder in der Stadt angespült. R. sei Dank fand sie sich schnell zurecht. Das nächtliche Internet verschluckt einen seltsamen Text. Danke.
Auf dem Plan, gestern für heute gemacht, steht:

Schlafen
Schönheitspflege
Sport i.w.S.
Slevogt
Schreiben

sonst: Jogginghose, Bett, neues Buch anfangen

Wenn ich mal rapportieren darf: läuft gut.
Nach den Punkten 1 und 2 erstmal raus, schauen, was die Stadt so meint. Sie liegt farblos unter einer Hochnebeldecke. Schwül ists und irgendwie leise, ausgestorben. Der Rhein fließt immerhin, auch er farblos, geruchlos, die Volksfest-Stimmung des Sommers ist endgültig vorbei. Ein paar unverdrossene Jogger (ich beneide sie) beleben das Bild und riechen wiederum gut. Ich drehe ein paar Schleifen über Schleichwege, besuche MutterFreitag auf einen Plausch, entgehe den Tentakeln, die der Kapitalismus nach mir ausstreckt und lande schließlich im Landesmuseum der Landeshauptstadt, bei uns zu Hause auch „Bildermuseum“ genannt, in Abgrenzung zum „Tiermuseum“ (Naturhistorisches Museum), wo wir von 1998/99 bis 2010 etwa alle verregneten Sonntage (Eintritt frei) verbracht haben. Heute aber Bildermuseum, denn seit der Vernissage am 4.5. wollte FrauFreitag in die Slevogt-Ausstellung. Heute letzter Tag.
Leider bin ich nicht allein so spät dran.
Max Slevogt. 1868-1932.
Die kunstversierte Kollegin Frau Z. kann ihn nicht leiden. Ich hatte den ersten Kontakt zu ihm in der Schule. Und da ich zeichnerisch ein hoffnungsloser Fall bin, fand ich in den Geschichten zur Kunst einen kompensatorischen Ausweg. Hat viel Pfalz gemalt, das weiß ich noch.
Die Theaterbilder erkenne ich auch als Schulthema wieder und schau mir lieber was andres an.
Da sind unzählige Portraits, Zeichnungen, Studien, Skizzen-das fasziniert mich immer, wie aus einer schnellen Skizze auf einer Serviette oder Postkarte ein Ölgemälde wird. An den Wänden viel zu lesen, Slevogt- Zitate zum Themenkreis Kunst-Sehen-Licht-Schaffen-Handwerk-Farbe. Sehr schön. Mein Lieblingsbild heute: einmal diffuses Sonnenlicht im Wald, einmal Hamburger Fleet, das man leider nicht  als Postkarte mitnehmen kann. Dabei hätte ich es so gerne verschickt. Aber haha, das gibts ja im Internet anzuschauen. Also hier, statt Postkarte, mit lieben Grüßen von FrauFreitag.

max-slevogt-floating-market-on-a-canal-in-hamburg-118278Tierstudien, Stillleben, Städte und Landschaften, Licht. Immer wieder Licht. Diffuses Licht. Sonne. Gegenlicht. Licht im Raum. Mondlicht. Licht im Wald. Stadt bei Regen. Stadt nach dem Regen. Damit kriegt er mich heute, laufe ich doch auch dauernd draußen rum und suche nach Licht. Gerade an Tagen wie diesem. Ich verlasse die trubelige Ausstellung und gehe in die RömischeSteinAbteilung. Kein Mensch im ehemaligen Marstall, nur steingraues Licht und Ruhe. Blick in den Innenhof des Museums, Platanen, die ihre Blätter auf sommerliche Gartenstühle und Tische fallen lassen, rotbraune Blumen auf Hochbeeten in schwarzgrauem RegenkommtLicht, ach, Künstler müsste man sein -am besten mit SofortRente.

Einen Film gibt es zu sehen, der mir auch am besten gefällt: Cürlis, Schaffende Hände, 1923-33. Man sieht Liebermann, Slevogt und Corinth beim Schaffen. Ich könnte auch gut mal ein paar Jahre in Filmarchiven verbringen. Schon immer mein Traum. Leider kann ich ihn, den Film, hier nicht zeigen. Nicht alles ist im Internetz.

Zum krönenden Abschluss gehe ich noch ins oberste hinterste Stockwerk, Abteilung Jugendstil. Da hängt auch noch Slevogt, fernab der Massen. Aber viel wichtiger, dass allhier mein Lieblingsmöbelstück steht, ein Kommödchen mit Sumpfpflanzen-Intarsien. Irgendwann hol ich es ab. Uns die ganze Jugendstil-Glaskunst hier oben macht mich auch regelmäßig schwach. Ich gelobe hier an dieser Stelle feierlich, im Winter wieder öfter ins Museum zu gehen. Wenn es wieder dunkel ist, kann man das ja machen.

Draußen bricht ein bisschen Helligkeit durch und ich ziehe jetzt die Jogginghose an, um den Plan für heute zu Ende zu erfüllen. Herr Tazaki wartet schon.