Schlagwort-Archiv: Kinder

Aber die Hoffnung*

SA 7.45
SU 18.40
2 Bft aus Süd

(* nicht von mir. In der Schule gelernt. Hilde Domin. Alle Schulkamerad_innen liegen längst lachend am Boden.)

Unterdessen aber geschah es, dass Kind2 Geburtstag hatte. Gerade erst geboren sitzt es und spricht, mir zum Beispiel gerade gegenüber. Oft singt es auch. Jetzt ist es 16 und trinkt Bier. Apfelwein verschmäht es. Braves Kind.
In einem halben Jahr, so erfahre ich eben, wird es anfangen, Führerschein zu machen. Begleitetes Fahren. Statt Begleitetes Wohnen. Jetzt soll ich Gesellschaftsspiele mit ihm spielen. Außerdem sagt es gerade „ich will Schauspielerin werden“. Und meint das ernst. Bin ich im Film?
Aber all das ist ja im Rahmen und schockiert eine erfahrene FrauFreitag überhaupt kein bisschen.
Wozu dann also die Ansprache?
Ich zittere noch vor Verunsicherung. Denn eben kam es in die Küche und hatte einen vollen Müllsack in der Hand. Sehr voll. Mit „Zimmerinhalt“. Und sprach: „Wir brauchen Müllbeutel!“
„?“
Den vollen Beutel hochhaltend: „meine Kommode!“
Ich muss mich setzen. Denn das Zimmer des Kindes2 ist das dunkle Geheimnis unseres Hauses. Keiner darf das je sehen. Unglaubliche Szenen haben sich deswegen schon hier abgespielt. Nun hatte ich gerade beschlossen, nichts mehr, nimmermehr irgendetwas dazu zu sagen. Trotz der Gesundheitsgefährdung.
Ich starre es fassungslos an.
„Ich bin 16!“ ,grinst es.
Vielleicht hätte man mich irgendwie vorbereiten können?

Don’t mean a thing…

SA 7.28
SA 19.04
1-2 Bft aus Nordost
Flag-Phantasien

Zeuge eines kleines Wunders geworden.
Hintergrund:
Kind3 hat früher Klavier gelernt. Ziemlich lange tuckerten Etüden aller Art durchs Haus, es flog auch mal ein Notenheft durchs Zimmer. Die Unzufriedenheit wuchs mit dem Kinde und irgendwann war Schluss und es quittierte. „Da macht man keine Musik, da lernt man nur dummes Zeug“. Das war vor drei Jahren. In dieser Zeit hat die angehende Schauspielerin schon eine Akkordeon-Karriere hinter sich gebracht und die Stimme geschult. Jetzt sollte das Klavier wieder zum Einsatz kommen und ein Lehrer war auch schon ausgekuckt.

Vordergrund:
FrauFreitag und Kind3 also ab zur Klaviertestprobestunde.
In der Musikpraxis überall John Lennon-Plakate. Das ist schon mal anders.
Dann gehts los.
Akkorde werden erklärt und verstanden.
Improvisationsstunde 1. Lehrer swingt ein wenig Akkordvarianten, er wäre die linke Hand. Kind3 soll mal machen, was ihm dazu einfällt. Beim 2. Versuch geht ein Fensterchen an ihm auf und plötzlich kommt Musik raus, ins Zimmer, füllt erst zaghaft, dann kecker die Ecken aus, stolpert, rappelt sich wieder auf und steht am Ende wie ein Turner nach gelungener Kür. Bewegend! Und das war nur C-Dur!
Sogar von hinten sehe ich es strahlen. Das war es, was es immer wollte. Musik machen. Nicht Klavier lernen.

Let’s get started…

Fragmente

SA 6.59
SU 19.45
2 Bft aus Nord
Fluglärm immer noch entnervend

Klare Gedanken vermag die gute FrauFreitag derzeit nicht  zu fassen. Und Geschichten verfangen sich keine in den ausgelegten Fallen, nur hier eine Spur und da ein paar Fussel. Die winzig kleinen Dinger, die manchmal in der Reuse sind, werfe ich direkt ins Wasser zurück.
Das gabs vor vielen Jahren schon mal, die Welt fragmentierte. „Der Körper in Stücken“ hieß die Ausstellung in Frankfurt, wo viel Rodin zu sehen war.
http://photos1.blogger.com/blogger/4986/984/1600/Rodin-The-Cathedral.jpg

Meine eigene große Überschrift derzeit war Rilke.
http://www.musee-rodin.fr/sites/musee/files/styles/mav_326x122_retina/public/vue_perso/rilke_et_rodin_ph16496.jpg?itok=qEfMHtxC-hier mit Rodin.
Komisch. Mit dem kann ich heute gar nicht mehr so gut. Andere werden vom langen Liegen nur besser, wir haben das unlängst beim Wa-ha-ndern besprochen. Frisch zum Beispiel. Dostojewski.
Also Fragmentarisches. Davon aber jede Menge.
Ist es vielleicht ein Puzzle? Aber so ohne Idee rumzupuzzlen ist auch nicht eben einfach. Viele Teilchen in sehr verschiedenen Farben, ich weiß gar nicht, wie daraus ein Ganzes entstehen soll. Werde wohl alles noch etwas drehen und wenden müssen und huch, während ich das mache, merke ich, dass (natürlich!) alles auch noch zwei Seiten hat. Das schafft zusätzliche Möglichkeiten. So schaffe ich immer mal 2, 3 Teilchen zusammenzufrikkeln, da wirft mir das Leben schon wieder 5 neue hin.

Am liebsten würde ich gerade mal anhalten. Müsste mal Meer sehen. In Berlin?
http://youtu.be/Cz2wI8g-fjA

Oder, eher klassisch – für manche auch unerträglich.
http://youtu.be/fztkUuunI7g

Am besten immer abwechselnd.

Eine unwichtige Nebensache möchte ich an dieser Stelle öffentlich machen und zur Diskussion stellen:
Aus Eitelkeit und zu statistischen Zwecken hab ich mir vor einigen Wochen ein Plugin geladen, und wenn mir jemand vor sagen wir 6 Monaten gesagt hätte, dass ich je einen solchen Satz schreiben würde, dann hätte ich verächtlich gelacht und ausgespien und gefragt „Wasollndassein?“.
Jetzt aber weiß ich das und lade das und es heißt NewStat, was ich sauwitzig finde, weil die neue Reihe ja auch NeuStadt heißt. Zurück zum Text. Damit spioniere ich meine Leser aus. Wann, wer, wo , was wie oft, wie lange. Interessant. Sagt mir einfach eure IP und ich sage euch…
Eine Adresse tut sich dabei besonders hervor. Schon schön, aber eines verwundert mich doch sehr. Ich kenne nämlich niemanden in den USA. Und da sitzt dieser Jemand. Erstaunlich. Und der liest auch nicht. Der öffnet immer nur für wenige Sekunden die Seite. Hm. Was meint ihr? Ob der von der MSÄ (Name geändert) ist? Aber- ich hab doch nur ganz selten über Bolschewismus, Terror, Antikapitalismus u.ä. geschrieben. Zu selten eigentlich. Und rufe nur ganz manchmal auf, Mitglied zu werden im Asozialen Netzwerk…

http://die-kaenguru-chroniken.wikia.com/wiki/Das_Asoziale_Netzwerk

Rätselhaft. Ich hoffe, jemand kann mir das erklären. It frightens me.

Sonst. Muskelkater zwischen den Schulterblättern. Schöne Spaziergänge und Fahrten in herbstlichen Farben.
Viel Verwirrendes. Hamburg. Eine Stadt, ein Seufzer. Küchentischgespräche an verschiedenen Orten. Kastanien in den Taschen, neu, glatt und kühl. Wieder mal Kerb in Sauheim.  Wie Wachstumsstriche an Türrahmen. Schlendere kurz mit den Kindern da lang…letztes Jahr…davor…vor fünf…zehn…fünfzehn…Jahren. Die Baby-Karussells immer noch gut besetzt, aber von andren. Halli Galli, das einzige, was sie heute fahren können, ohne das Gesicht zu verlieren. Autoscooter. Weinstände. Hier und da Hallo sagen. Das Dorf als Sehnsuchtsort, war letzte Woche taz-Thema. Also ich bin schon froh um mein duales Leben. Und wenn ich in der Stadt mal Trübsal blase, dann bitte immer an Dorffeste denken. Das ist schon-speziell. Was noch? Blumenzwiebeln gekauft und geschaut, ob mein liebster Wintermantel von Motten gegessen wurde (Slava bogu, nein!), Tasche für die nächste Reise vorbreitet, Pflaumenkuchen in großer Menge hergestellt und gemeinsam verzehrt. Jetzt kommt die Jugend der Welt zum Dorffest (Udenheim, Schornsheim, und aus dem hessischen Odenwald), dann ziehen alle in ihren peer-groups los, das Dorf verunsichern. Cool. Dann muss ich das wenigstens nicht selber machen…und kann laufen gehen…und weiter puzzlen…

Stimmung: perfekt!

Ein Fundstückchen das mit Sicherheit all jenen gefällt, die Kind3 je persönlich kennengelernt haben.

Dieses übernachtet nach einer Party in meinem Bett und wir erzählen uns Sachen, bis zuerst ich lachkrampfgeschüttelt rauskullere, dann es selbst auch. Mit wenigen Menschen hab ich auf diese Art so viel vergnügliches Bauchmuskeltraining gehabt wie mit diesem Kind.

Vielleicht auch nicht witzig. Ich bin da befangen.
Also.
Kind3 ist auf nem Geburtstag eingeladen, dazu noch 4, 5 andere Pubertistinnen. Irgendwas wird gespielt (Wahrheit oder Pflicht?), da kippt die Stimmung und die Diva der Gruppe bekommt ihren obligatorischen Weinkrampf.  (Nach Aussagen des Kindes passiert das regelmäßig.) Schließt sich mit ihrer Vertrauten im Klo ein. Die andern 3 bleiben wort- und ratlos zurück. Minuten vergehen. Das Schluchzen im Klo verebbt, Maskara wird aufgefrischt, Näschen gepudert…Zeit vergeht weiterhin. Währenddessen folgende Performanz im betreten schweigenden Wohnzimmer. Kind nimmt einen neonrosa Memo-Zettel, schreibt STIMMUNG: PERFEKT! darauf, und klebt ihn auf seine Stirn. Verharrt so geraume Zeit.
Ich finde: witzig und absolut nachahmenswert. Aber vielleicht muss man auch hören, wie diese Geschichte von einer lakonischen 12jährigen erzählt wird.

Heute war Klaviervorspiel

Damit gehts los.

http://youtu.be/uPPP8DDh0SE

Bitte während des Lesens hören.

Wenn die Kinder keine 2 Jährigen mehr sind und sich nicht mehr im Supermarkt an der Kasse auf den Boden werfen und damit die Aufmerksamkeit aller bekommen –

-dann spielen sie vielleicht irgendwann Klavier.

So tut MeinKind 1. Schon seit 12 Jahren tut es das, es tut es sehr sehr gut und schön und zu Zeiten tat es wenig anderes. Seit nunmehr 7 Jahren hat es einen „neuen“ Lehrer. Ich könnte hier ein Loblied auf ihn singen, ich lass es aber. Und bei diesem phantastischen Lehrer ist immer in der schönen Sommerzeit ein Vorspielvormittag, traditionell kurz vor den Ferien, 1-1,5 Stündchen. Da kommen alle Schüler_innen und auch die seiner Frau, die lehrt das Cello.

Ich liebe diese Vorspieltage. Immer fangen die Kleinsten an. Die spielen 1, 2 oder gar 3 Stückchen, jedes dauert vielleicht eine Minute und das macht irre viel Freude. „Wenn ich ein Vöglein wär…“, „Ich bin ein Musikante…“, „Der König Karl hat heute vergessen seine Hose anzuziehen und geht in der Unterhose raus…“
Da sitzen kleine Jungs und Mädchen (feingemacht, Blume am Ohr…) auf dem Hocker vor dem großen Flügel, beinebaumelnd. Weils warm ist kann man bei vielen sehen, wie die Zehen in den Sandalen noch mitarbeiten. Das zieht mir immer den Stecker. Und die irre konzentrierten Gesichter von 6 Jährigen! Es sind schon sehr verschiedene Menschen, diese Kleinen. Manche sind schon ganz cool. Andere verbeugen sich schon wie Große. Manche sind Anarchisten. Man weiß gar nicht, was die da spielen und wann ein Stück aufhört und das nächste anfängt. Dann klatscht immer der Lehrer und hilft so den Eltern, den Einsatz nicht zu verpassen. Manche sind Dadaisten. Heben alles auf, was Halt gibt. Und manche sind wie Metronome.
Dann kommen die Größeren. Die spielen längere Stücke. Hier wieder ein Lob an den Meister: er findet immer das richtige Stück für jeden und macht alles mit. Für einen eher unwilligen 14 Jährigen wurde da mal ein Punkrockstück extra für Klavier gesetzt – eine Herausforderung für den Meister, eine Abwechslung fürs bürgerliche Publikum und ein Riesending für den Schüler. Er war dies Jahr trotzdem nicht mehr dabei…Sonst auch mal gerne was leicht poppiges oder etwas, reich an schwelgerischen Akkorden.
Zwischendurch lernt man immer was: wer Türk war, dass Gurlitt nicht nur ein Kunstsammler sein kann, dass Chopin neben seinen berühmten 24 Großen  Etüden auch noch drei für ein Klavierlehrbuch von – Mist, vergessen, irgendwas mit M. – komponiert hat.
Und ich muss sagen, es reißt mich auch immer, wenn ein 12 Jähiger präzise und gefühlvoll Chopin spielt, als wüsste er schon, was er da sagt…
Also ganz viel Gänsehaut.
Aber je länger das dauert, desto wärmer wird es im Raum unter dem Dach mit 12 Kindern und so 20 Eltern, vier Celli, 2,5 Flügeln…und FrauFreitag bekommt Adrenalinhände. Denn gleich ist MeinKind dran und ich habe das Gefühl, in solchen Situationen ist die Nabelschnur nicht durchtrennt und ich habe live was von seinen Aufregungen. Ein Körper. Und heute soll ich filmen. Himmel! Ich kann die Kamera nicht ruhig halten, so zittere ich. Ich weiß ja, was kommt. Immer als letztes spielt MeinKind. Und lange. Und schwer. Und so schön, dass man weinen möchte. Und das machen dann auch immer mal welche. Weil MeinKind nämlich mit ALLEM spielt, was es hat. Mit Talent, mit Herz, mit viel Gefühl und dabei sauber und scharf akzentuiert. Mutig auch. Ich halte die Kamera also mit 2 Händen und sie wackelt immer noch. Es kommt:

Schubert, Klaviersonate a-Moll, Sätze 1, 3 und 4.
Schubert, so lernen wir, ist erst seit etwa 60 Jahren als Komponist von Klaviermusik so recht geschätzt. Ich versuche mit MeinemKind darüber zu sprechen, was mir an diesem Stück so gefällt. Aber ich kenn nicht die richtigen Wörter. Ich haspele was von „verschiedenartig“, „vielfältig“, „gebrochen“, „energetisch“, aber das geht alles ein bisschen vorbei. Mit hochgezogener Braue schaut er mich an: „du meinst DIFFERENZIERT“. Gut, von mir aus. Schubert – sehr differenziert. Merken. Also mal selbst zuhören. Was sind die Wörter dazu? Gehen Wörter mit/über Musik??

Wie isses gelaufen?? Grandios! Paar Verspieler tun der Kunst keinerlei Abbruch. Langer Beifall. Da wird mir klar: das war vielleicht das letzte Mal, eben. Weil grade keiner weiß, was nächstes Jahr ist (weiß man nie, jaja, aber diesmal ist man sich dessen gewahr…).
So verabschieden wir uns kurz. Und lassen bewusst alles offen.
Ich mag den ersten Satz am liebsten, glaube ich…

Jetzt nochmal zuhören.

#Badesee, 1

Es gibt in der Familie die Tradition der „Undeinmalgeschichte“. Diese sind keine wirklichen Kurzgeschichten und auch keine Novellen, es sind Polaroids, allenfalls kurze Aufnahmen in Superacht. Man darf sie gerne immer mal wieder erzählen, sie sind Teil der persönlichen oral-history. Sie beginnen immer mit den inhaltsschweren Worten „Und einmal…“ und spielen in der fernen, der noch fernereren oder der näheren, schon gemeinsamen Vergangenheit.

„Mama, erzähl eine Undeinmalgeschichte!“, krähen manchmal die FrauFreitagKinder. Und man kann ein ganzes miesgestimmtes Abendessen rausreißen, indem man zum Beispiel zum 100sten Mal erzählt, „undeinmal hat meine Schwester beim Essen immer, also nicht nur einmal, immer den Kartoffelbrei durch ihre Zahnlücke wieder rausgequetscht. Nur um mich zu ekeln und immer so, dass die Eltern das nicht mitbekommen haben…“ Wenn ich dann noch in Stimmung bin, Dialoge im Original-Dialekt wiederzugeben, hängt die Brut offenen Mundes und begeistert an meinen Lippen, denn im Gegensatz zu den armen Kleinen ist FrauFreitag zweispachig. Gern schließt ein kleiner dialektologischer Exkurs die Geschichte ab.

Ich möchte an dieser Stelle zwei Undeinmalgeschichten erzählen, die inhaltlich verknüpft sind und daher beide unter #Badesee in die Welt kommen sollen.

1. Für A. und P.
Undeinmal waren wir bei unseren Freunden im Badeseeland zu Besuch. Es war hoher Sommer, ein schwüler Nachmittag, die Wäsche, die A. und ich hinten im Garten aufgehängt hatten, hing schlapp. Das gemeinsame Aufhängen von Wäsche ist, ebenso wie das nächtliche Zähneputzen, greifbarer Ausdruck unserer Freundschaft.

 

Die Wäsche also hing schlapp, wir auch. Ein Gewitter hing ebenfalls, und zwar drohend in der Luft, ich fühlte mich wie in einem Tschechov Stück, welchem nochmal?: „es ist schwül. Es wird sicher regnen…“.
So beschloss die Gesellschaft, dann eben mal jetzt noch schnell, wenn aber dann gleich, weil ja Gewitter angesagt ist, doch noch mal kurz an einen der zahlreichen Badeseen zu fahren, den weiteren mit dem schönen Blick.
Aufi gehts, wir werfen Handtücher und Kinder und A.s Papa in diverse Autos und fahren los durch den Badeseeländischen Sommer, Maisfelder, Blau-Weiß, Musik volle Pulle.
Angekommen am schönen Ort! Die Jugend steht erstmal Schlange vor der einzigen Umkleidekabine. Diese Jugend! Dann planschen wir ein bisschen rum. Ich schaue 360° – Postkartenidylle!
Doch was ist das? Ist es ein schmutziger Bär von geringem Verstand mit einem Ballon in der Hand, um die Bienen zu täuschen? Nein! Es quellen allmählich dunkle Wolken auf.

.

Auf diesem Bild sieht man, wie wir -mehr oder minder sorgenvoll – Ausschau halten…

Wir paddeln ein wenig weiter, aber hierzulande quillt es schnell und plötzlich ist es ziemlich dunkel.

P. ist ortskundig. Gelassen steht er neben mir im Wasser und sagt mit tiefer, beruhigender Stimme „DA KOMMT NICHT VIEL“…

Ich rufe trotzdem meine Küken aus dem Wasser und wir rennen geschwind zu den Autos, Faradaysche Käfige, (-> eine andere Undeinmalgeschichte, #München 1972, Deutsches Museum) und lassen darin das Gewitter über uns ergehen. Wir, die wir aus milderen Gefilden kommen, staunen ob der Gewalten und denken nur „aha, dazu sagen die hier NICHT VIEL…“. Auf der Heimfahrt, es hat jetzt doch merklich abgekühlt, wünschen wir uns ab und an schon mal ein Amphibienfahrzeug.
Wir sehen unterwegs

    • Fahrzeuge im Graben
    • liegende Maisfelder
    • Straßen unter Wasser, tief
    • Astbruch, reichlich
    • zerstörte Bauerngärten
    • Berge von Hagelkörnern, die tapfere Bewohner des Landes mit Schneeschaufeln heranbringen
    • Feuerwehren im Einsatz

Zum Glück hat A.s kluger Sohn die Wäsche abgehängt, rechtzeitig. Also alles in Ordnung!

Wenn wir in dieser Runde heute zusammenkommen, sagt eine_r ab und an unvermittelt nach einem Blick zum Himmel (geht auch drinnen) „Da kommt nicht viel…“

Leeres Kleines Haus

Wie wunderbar, hat man ein Kind. Zum Beispiel eines wie ich es habe, dieses, das Schauspieler_in werden möchte.

Bekanntlich führt das Gymnasium NO morgen das wundervolle Stück The Wind in the Willows auf. Das ebenfalls bekanntlich mithin schönste Kinderbuch der Welt. Na, mit vielen andern zusammen.   Das gibts also morgen, Kleines Haus,  einzige und ultimative und letzte Aufführung in dieser Besetzung, mit dem begabten Kind in der Rolle des Mr. Toad, des Kröterich!

Also, heute Generalprobe des Ganzen, ich lerne, man nennt das im Theatervolkjargon GP, also gee-pee, nicht dschii-pii.

Statt wie sonst immer in Samstageinkaufkochwaschputzen zu machen, geh ich mal mit. Und wie schlau das war! HA!! (sagte die Mutter des Kröterichs.)
Oder, wie der Maulwurf schon ganz richtig bemerkte: „Zum Teufel mit dem Frühjahrsputz!“

Da ist das Kleine Haus beinahe leer. Ich schlendere herum, während der Jugend erklärt wird, wie man sich verbeugt, wie man abgeht, wie man wieder von der anderen Seite auftritt. Wie wundervoll so ein leeres Theater ist, vor allem natürlich dieses. Es bedeutet mir viel.  Ich mache eine Menge Bilder von leeren Reihen, Stühlen, der Decke. Keinerlei Gedränge, Geschiebe, Gerede. Eine beinahe hallige Atmosphäre! Nur meine ganzen Theatererinnerungen und ich sind unterwegs. Hach, phantastisch, so eine Schauspielerin in der Familie!

GP geht los – ich verrate nichts, aber: es hat sich gelohnt! Musik, Gesang, Schauspiel – alles superb, Bombenstimmung dazu. Hinterher steht der Entschluss des Kindes fest: irgendwas mit Theater…

Ich hab nichts dagegen. Dann sitze ich immer im leeren Raum und häkle Topflappen oder löse Kreuzworträtsel oder schreibe in meinen „digitalen Schreibblock“. Oder sehe dem Kind beim Agieren zu.

Jetzt aber schnell einen kurzen Schönheitsschlaf! Heute Abend ist Kehraus im Kleinen Haus, da wird es voll sein! Hinterher Abschieds-Party, Romeo ist auch da, also muss man ja einigermaßen aussehen…

http://www.staatstheater-mainz.com/uploads/tx_stmzgallery/DER_GROSSE_KEHRAUS_9.jpg