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Triathlon, neu interpretiert by FrauFreitag

SA 6.47
SU 20.02
1 Bft aus Ost

Es gibt Geschichten, die sind sofort UndeinmalGeschichten. Diese, frisch von heute, hat das Zeug dazu.

Vormittag voller Homeoffice und 5 riesigen Fenstern, die seit Dezember NIE geputzt worden waren – und das in der Stadt – die aber jetzt sowas von durchblicklich sind, danach ein aufregender Friseurbesuch im interkulturellen Bereich am Nachmittag, (Ergebnis: passabel). Es folgte ein weiterer spannender Besuch, diesmal beim Computerdoktor (Frage: Ist der oder das bei der Einweihungsparty im Dezember implodierte Laptop durch einen fast neunmonatigen Aufenthalt in meiner Sockenschublade wundersam genensen?? Antwort des erstaunlich unwirschen eiweißproduktverseuchten Gewichtheber-Artzes: Nö. Kannstu wegschmeißen. Na Tankepfön.). Grande Finale anschließende Zugfahrt mit dem RE nach Sauheim (Name geändert), wo ich drei süßen Jugendlichen gegenübersaß, die das Leben aber schon sowas von kannten, so dass ich  aufgemerkt habe, um auch für die Zukunft meiner Kinder zu lernen:
Merke:
1. Abtreiben kannste nur bis zur 12 Woche, danach is voll Scheiße, drum immer Gummis benutzen.
2. Hauptschulabschluss lohnt sich nicht, macht man einfach irgendnen Job in ner Firma, 450 EUR, dann kennen die dich und man hat bessere Chancen als jeder andere Bewerber, sogar mit Mittlerer Reife.
Vot tak (russ.: ach so!) Dann kann ich mir den Aufriss hier mit den Gören ja total sparen! Zugfahren lohnt immer. Hab ich schon immer gesagt. Die investierte Zeit zahlt sich mehr als aus. Die waren echt süß. Dann haben se mich gefragt: „Sagensema, sind wir ERWACHSEN?“ (Ich reiß mich zusammen ihnen nicht übers Haar zu streicheln und die Chipskrümel ausn Mundwinkeln zu wischen, natürlich mit einem mit Eigenspeichel angefeuchteten, gebügelten Stofftaschentuch.) Ich lächle vielmehr salomonisch und sage ebenso „Das könnt ihr nur selbst beantworten.“ Beide Jungs halten sich für erwachsen. Sie meinen -dessen verdächtige ich sie- damit, dass sie schon mal das hatten, was sie heute für Sex halten. So schauen sie jedenfalls. (Ich glaube, die sind 15. Echt jetzt.) Das Mädchen ist noch nicht so abgebrüht. Sie denkt kurz nach. Sagt dann: „Wir sind Kinder. Im Kopf. Wir denken, wir sind erwachsen.“
Somit beeindruckt steige ich in Sauheim aus und schaue mal nach der eigenen Brut. Anders, aber auch süß.
Süß auch die Brombeeren und plötzlich scheint die Sonne warm, ja HEISZ, mit der hatte ich heute jetzt nicht mehr gerechnet. Ich sattle spontan das Rad, nehme Kind3, das wieder völlig gesund ist, 2 Handtücher und den Hund und los gehts. (1. Teil Triathlon)
Ziel: die nahen Teiche, die im Winter erst ausgehoben worden sind, sich aber täglich mehr in etwas Natürliches verwandeln. Echt wahr, man kommt alle paar Tage und entdeckt IMMER was Neues. Faszinierende Vegetation, immer mehr und größere Frösche, Libellen. Heute neu: Bewuchs der Gewässer mit Wasserpflanzen. X-mal wollten wir schon, heute haben wir die Badekostüme an und nichts wie rein! Juchu! Kein Mensch da grade. Das Wasser sehr schlammig, fühlt sich aber trotzdem toll an. Und genau die richtige Temperatur. Kind3 meint, wenn ich das sage, kochts wahrscheinlich schon…nein, genau gut. Mitten im Gewässer: Sunflower Island. Ein etwa 8qm großes Eiland, bewachsen mit ca. 5 wirklich gigantischen Sonnenblumen. (War auch hier die Samenguerilla? Ich wars diesmal nicht! Ich schmeiß nur Unkrautsamen in überpflegte Gärten und Ringelblumen, Akeleien und sowas an Wegränder.)
(Jetzt kommt Teil 2 des Triathlon)
Also wir nach Sunflower Island, leider ist es von einem Dschungel aus Disteln bewachsen und somit unbewohnbar. Hauptdarsteller jetzt: der Hund. Der traut sich nämlich noch weniger ins Wasser als FrauFreitag, fiept rum, versuchts, lässts wieder, versuchts, lässts, fiept…und verwandelt sich in Lassie! Überzeugt, dass wir, das Rudel und besonders ich, Alpha, in Gefahr sind, jagt er um das Gewässer herum (das kann er sehr schnell!), stellt fest: auch hier – Wasser, das uns trennt. Aber nur wenig. Todesmutig stürzt er sich in die Fluten und durchquert kraftvoll die 2 Meter, die ihn von unserer Insel trennen. Großer Bahnhof beim Wiedersehen. Good boy! Aber leider: wir wollen den weiten, langen Weg, den durchs Tiefe, zurück. Er will nicht. Fiept kläglich. Ich mag Tiere nicht ärgern, aber manchmal müssen sie was LERNEN. Der Hund weiß scheinbar nicht, dass er qua seines Hundseins schwimmen kann. Ich erkläre es ihm wie folgt: ich locke ihn ans Ufer und schnappe ihn. Hier kann ich locker stehen, also trage ich ihn die paar Meter, bis es tiefer wird. Da zeige ich ihm, wie gut er schwimmen kann. Und er kanns wirklich! Und ist ganz erstaunt darüber! Also paddel paddel neben uns her. „Süß“, kreischt Kind3, aber ich merke, nee, der hat noch nicht genug trainiert. Jetzt wird es Zeit zu erwähnen, dass wir auch einen riesigen Schwimmring, Durchmesser ca. 1,40 m dabeihaben. Hatte das Kind beim Radfahren an, was im Dorfe für scheele Blicke gesorgt hat. We are very fond of Schwimmrings, und wie gut, dass er dabei ist. Jetzt, wo der Hund mitten im Tiefen schwächelt, lege ich ihn einfach zum Kind. Auf den Rand. Er schaut wie ein begossener Hund, merkt aber doch, dass er außer Gefahr ist. Vor Lachen schaffen wirs kaum ans Ufer. Hund verarbeitet seine Erfahrungen indem er Steinchen sucht, scharrt und versucht, das Kind aus weiterer Gefahr zu retten. Ich trockne am Rand auf den Felsbrocken und staune über die völlige Stille, den glatten See (nennen wirs einfach mal so), den himmlischen Frieden. Dann versuchen wir möglichst wenig schlammig in die Klamotten zu kommen, Denn jetzt kommen die, die darüber staunen und raunen, dass man einfach so in ein Wasser geht, das nicht mal gechlort ist. Sicher giftig. Also Flucht.
Nach soviel Freude zu Hause angekommen, beschließe ich, den Tag mit einem kleinen Joggversuch zu krönen. Ja, vorsichtig. 15 Minuten, nicht mehr und nicht bergan.
Und?
Super gelaufen! So schnell war ich schon lange nicht mehr. Mach ich gleich morgen wieder. 18 Minuten dann.
Triathlon. Echt cool.