Schlagwort-Archiv: Herbst

Perspektivwechsel

SA 7.14
SU 17.06
1 Bft aus Nordost

FrauFreitag hat Berlin rechts oben liegen lassen und ist auf ihr Landgut zurückgekehrt, dort nach dem Rechten zu sehen.
Weil man auch am Wochenende nicht den GANZEN Tag auf PowerPointPräsentationen starren kann oder will (auch wenn man soll), zieht sie ihre englischen Landlady-Sachen an und sprengt über die Felder. Wer nun glaubt, das sei vergleichsweise öde, der irrt.
Eine Hochnebeldecke deckt uns zu. Sie hält relativ warm und das Licht bleibt ganztags diffus. Das beugt Faltenbildung um die Augen vor.
Umso stärker fallen im Dauerdämmer all die Herbstfarben auf, die man überüberüberall sieht. Das hätte ich gerne mal erklärt, von jemandem, der mir dieses Phänomen erklären kann. Physiker oder so. Wieso ist das so?
FrauFreitag findet, jetzt ist die spannendste Jahreszeit. Sommer und Winter haben immer etwas statisches, sie sind die langen geraden Seiten des Jahreszeitensportplatzes. Man beißt sich durch. Zu warm oder zu kalt. Und immer mit einem Hauch Unendlichkeit.
Im Frühling und Herbst ist ständig was los. Wer nicht aufpasst, verpasst alles. Das sind die Kurven, in denen sich die Richtung ändert.

Weil sie selbst ihrer Scholle beraubt ist, strolcht FrauFreitag zuerst durch die Schrebergartenanlage. Dort berauscht sie sich am Geräusch fremder Blätterbesen. Überall wird gepflügt bzw. umgegraben, je nach Gartengröße und Ausstattung. Der Geruch von Laub und feuchter Erde – man möchte darin baden. Gibts das auch als Parfüm?
Alle sind fleißig und tun die Herbstarbeiten, die dran sind. Ausgraben, verpacken, Blumenzwiebeln eingraben, tschüss, bis zum Frühling, dann sehen wir uns wieder.
Braves Volk, denkt die Landadlige und reitet weiter.
Ihr Ziel: die Laufenten, die da vorne gehalten werden. Nichts, aber auch gar nichts, hilft verlässlicher gegen Griesgrämigkeit als ein Rudel Laufenten. Einst hatte ich selbst ein Pärchen…wer sie nicht kennt, schaut hier: (Das Menschen-Gerede bitte überhören. Nur dem Geschnatter lauschen.)

Kurz überlege ich, sie mit in mein Hexenhaus zu locken und ihnen dort im Salon einen Laufstall mit Schnecken einzurichten. Ihr frohes Gequak, wenn man nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt…die reinste Wonne.
Somit erheitert setzte ich meinen Weg fort, und prüfe, wie es den Pferden geht. Sie stehen malerisch in der Landschaft und wenden ihre Köpfe nach mir um. Recht so. Wir nicken uns zu.
Und die Schafe? Wollig. Gemütlich. Etwas dumm, aber nett. Auch die Heidschnucken stehen schmuck da in ihrem Pelz. Wir starren uns an. Hornträger. Bovidae.

Alles zum Besten auf den Ländereien. Ich finde noch ein paar Walnüsse und sehe, wie sich in der Ferne Vogelschwärme sammeln. Morgen ist November. Menschen habe ich keine getroffen. Alle waren in ihren Gärten hinter Hecken oder Mauern oder Wällen verborgen. Ist schon ganz anders als im Doppeldeckerbus in der Hauptstadt. Kaum zu glauben, dass es beides gibt.
Aber, und das ist ganz wichtig, man muss immer mal die Perspektive wechseln. Um dann wieder auf den Bildschirm zu starren…wenn mir langweilig wird, quake ich leise.

From Dawn to Dusk

 

SA 7.15
SU 19.21
3 Bft aus West

Herr-lich. Ein Wicküler Pilsener genießend („Hooger wie wir…“) denke ich den Tag zurück:

Um weniger Stress zu haben, hat FrauFreitag beschlossen, eine halbe Stunde früher aufzustehen, wenigstens 20 Minuten. Macht also halb 6 und fühlt sich nicht direkt überzeugend an. Dann aber doch, denn tatsächlich kann man viel entspannter alles machen, was so zu tun ist, ehe das Stück anfängt. Schon um kurz vor 7 sattle ich also fertig geschminkt mein Pferd und reite in den Sonnenaufgang, mit Hund ans Wasser, schauen, obs noch Sunflowers auf Sunflower Island gibt. Fazit: Es gibt und es lohnt sich, obwohl ich erstmals seit langem das Wort „Handschuhe“ denke, kurz vor Sonnenaufgang aufm Rad. Somit eingestimmt – an die Arbeit. Diese dient im Moment v. A. dazu, dass mir täglich neue graue Haare wachsen.  Ich habe jetzt alles in die Hände meines persönlichen Zeichners gelegt. Alles wird gut, das hat der schon vor 25 Jahren gesagt, also wird es das bestimmt jetzt bald werden…

Ich mach hier mal Werbung für ihn, klickt ihr:

http://skizzenblog.clausast.de/

Nachdem ich mir eine ellenlange Liste mit Dingen, die morgen zu tun und zu lassen sind auf den Arbeitsplatz gelegt habe, verlasse ich nach einigen Stunden den Lohnerwerb, um zu Hause an die echte Arbeit zu gehen. Ich schule zukünftige Fachkräfte und redigiere den Aufsatz „Tag einer Steinzeitfrau“, 2. Geschichtsstunde 7. Klasse. Manchmal staune ich über mein Wissen. „Hatten die eigentlich schon Männer?“, fragt das Kind. Es meint „angetraute Ehemänner“, aber ich sage natürlich „Natürlich, und was für welche!“ und habe im weiteren Verlauf keine Lust, seine Idee der heilen kleinen Steinzeitfamilie auch noch kaputt zu machen. Außerdem: was vermögen wir schon zu wissen, wie die Männer da so waren? Nüscht.

Nach einem heftigen Gewitter bricht sich die Sonne Bahn und vergoldet die Welt. Ich rufe zu einem SpSp auf, zu einem SpontanSpaziergang, aber nur der Hund will mit. Was wäre ich ohne ihn?! Also raus, dem Sonnenuntergang entgegen, hügelauf hügelab kann man die Sonne steigen und sinken lassen. Die Vollernter sind großteils durch, Fluglärm seit gestern erträglicher, nur die Autobahn lärmt still vor sich hin. Der Hund frisst Ernteausfälle – zum Guttempler würde er nicht taugen. Ich probier auch mal und wenn nochmal einer sagt, der Sommer sei nichts gewesen, dann zwinge ich ihn, diese Zuckertrauben zu essen, bis ihm schlecht wird. Würfelzucker in Perkelform. Das wird ein Jahrhundertjahrgang.  Ja! DER SOMMER WAR SEHR GROSZ.
Das Licht zaubert, über dem fernen Rheintal steigt Nebel und ich wandere über dem Nebelmeer.

casparselfie
Denke über alles mögliche nach, finde das Sein ganz erquicklich, stolpere durch Matsch und Pfützen, nasche hier und da, da fällt mir auf, dass ich es bald kaum noch schaffen werde, im Lichte zu wandeln. Ei, das wird eine Prüfung. Vielleicht kann ich meine Arbeitszeit unterbrechen von 12-16 h und dann in der Dunkelheit weiter? So grübelnd streife ich vorbei an I-Ahs Platz („wenn du verstehst, was ich meine“), und an Hazel-Rah aus Watership down, der gerade vor uns in seinen Bau schlüpft. Kurz frage ich mich, wie Menschen die Welt sehen, die nicht immerzu in Büchern spazieren gehen…denke an Thursday Next…und stehe vor meiner Haustür, wo man meiner erwartet.
Ist das Leben nicht schön, in all seiner Vülle? Schon irgendwie.

Verortung

Ebereschen hab ich heute nirgendwo gesehen.

SA 6.56
SU 19.53
2 Bft aus Nord
Fluglärm entnervend

Fühle mich ganz schön flexibel.
Hamburg, Mainz, Sauheim. Frisur bleibt Frisur.
Ebereschen also irgendwie nicht, auch keine schwer rollenden Seewolken, zwischen denen hysterisch grell die Sonne durchbricht, um die Hafenkräne anzuleuchten, die mir- ohne Adjektiv- zuwinken, als ich vorbei-, weg-fahre.
Fahren war herrlich, auch unterwegs alles Licht, das ein September zu verschenken hat. Ich hätte gerne die Notbremse gezogen. Worpsweder Bilderreigen, Birkenalleen, Moorlandschaften, erste gilbe Blätter vor Waldhintergrund- ein Traum. Irgendwann Frankfurt am Maine, dann weiß man, dass man aufgewacht ist. Spätestens dann. Flattere kurz durch Mainz, Lohnerwerb bestimmt mein Denken, bin unerhört angespannt weil in einer spannenden Phase. Unbedingt dran denken, ein Los zu kaufen. Sofortrente, aber sofort. Wenn ich dazu komme…

Auf der Suche nach Loslassen und Herbstfarben radle ich mit dem Hundekameraden ins Feld hinaus. Er kobolzt neben mir entlang und ich werde vergnügter mit jedem Meter. Über den letzten Pappeln kreisen zwei Reiher, andre vogelin maniger art machen letzte Besorgungen vorm Schlafengehen.

Kennt noch jemand Günter Eich?

Ende eines Sommers

Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!

Wie gut, daß sie am Sterben teilhaben!
Die Pfirsiche sind geerntet, die Pflaumen färben sich,
während unter dem Brückenbogen die Zeit rauscht.

[…]

Sonne sinkt schnell (s.o.), in der Luft Dunst wie Staub, nein, es ist keine verschmiert Brille, ich habs geprüft. In dem diesigen Falb leuchten Dahlien, Sonnenblumen und Kürbisse. Farben vor Brauntönen, je dunkler es wird, desto leuchtender, bis plötzlich alles Strahlen ausgeknipst ist.
Sommer ist vorbei, Kinder wieder im Schulmodus, alle wollen früh ins Bett. FrauFreitag auch, Jetlag.

Nächste Woche Berlin.

September von Erich Kästner

SA 6.45
SU 20.05
2 Bft aus Ost

Folgendes Gedicht fand ich heute Morgen im Posteingang und so schön, dass es von Mehren gelesen werden soll:

Der September

Das ist ein Abschied mit Standarten
aus Pflaumenblau und Apfelgrün.
Goldlack und Astern flaggt der Garten,
und tausend Königskerzen glühn.

Das ist ein Abschied mit Posaunen,
mit Erntedank und Bauernball.
Kuhglockenläutend ziehn die braunen
und bunten Herden in den Stall.

Das ist ein Abschied mit Gerüchen
aus einer fast vergessenen Welt.
Mus und Gelee kocht in den Küchen.
Kartoffelfeuer qualmt im Feld.

Das ist ein Abschied mit Getümmel,
mit Huhn am Spieß und Bier im Krug.
Luftschaukeln möchten in den Himmel.
Doch sind sie wohl nicht fromm genug.

Die Stare gehen auf die Reise.
Altweibersommer weht im Wind.
Das ist ein Abschied laut und leise.
Die Karussells drehn sich im Kreise.
Und was vorüber schien, beginnt.

[Erich Kästner]

Vermischtes

FrauFreitag erlebt uninspirierte Tage und hat mal wieder das „Espassiertnixinteressantesgefühl“. Blödsinn!

SA 6.05 (es ist soweit, ich stehe VOR Sonnenaufgang auf…)
SU 20.58
1-2 Bft aus NO wechselnd auf O und SO

Früh nach dem Aufstehen, wenn man noch dünnhäutig rumläuft, die Schale noch nicht trocken ist und in gewisser Weise die Weichen für den Tag gestellt werden können, kam im Radio was sehr Schönes.
Das schöne Kreisler-Lied „Liebesleid“ mag einigen bekannt sein, ich kenne die Einspielung von den Comedian Harmonists. Im Radio nun haben sie gesagt,  dass Herr Rachmaninov daraus eine Klavierbearbeitung gemacht hat. Es folgte folgende Einspielung von Rachmaninov höchstselbst aus dem Jahr 1921, auf einem Klavier mit irgendwie eingebautem Aufnahmemodus (Wachsrolle??). Ich war in meiner morgendlichen Angreifbarkeit höchst ergriffen, wusste ich gar nicht, dass Herr Rachmaninov den Jazz vorweg genommen hat. Hört mal den schönen Standard:

http://youtu.be/gGmILVnE_dg

Anschließend frühmorgendlicher Feldgang mit Hund. Es ist so wunderschön, dass der einen seiner Lebensfreude-Rennanfälle bekommt, die sofort gute Laune verbreiten. Gras ist klatschnass , die Sonne funkelt schon darin. Stoppelfelder sind großteils gepflügt, so dass es noch viel herbstlicher ausschaut und vor allem riecht es – nach nasser Erde, pilzig. Immer noch eine Strohnote dabei. Und faulende Pflaumen von den wilden Bäumen am Bahndamm. Bessere Luft gibt’s eigentlich nicht. Hier jedenfalls. Kühl ists auch, man merkt endlich mal wieder die eigene Haut als Grenze zur Außenwelt. Leider ist kein Verweilen, der Lohnerwerb ruft.

Man schafft sich durch den Arbeitstag (Sommerloch wohin man blickt) -und wieder heim. (Zeitsprung…)
Da fragt mich Kind1: „Hab dein Block über den Physio gelesen. Is it serious?“
„No. It is not. Not really. I’m not talking about serious things in my Schreibblock.“ Also nur halbseriös, nicht wirklich schlimm. Keine Sorge. Es gibt viel tiefere Canyons…aber da würde einem ja schwindeln!
Einige spätsommerliche Gartenarbeiten – gerade keine reifen Brombeeren…die Kinder 2 und 3 sind mit ihrem Vater gut bei der Omi angekommen.  Alles sehr gut.
Dann aber los, zum Training und immer noch schön vorsichtig.
Hintergrund:
unser lieber Trainer E. ist im Urlaub. Seit Wochen galt seine Hauptsorge gänzlich unbegründet der Ausdefiniertheit seiner Muskulatur. Also die Jungs habens auch nicht leicht. Der is also weg und bräunt sich. Jetzt macht der Chef, O. , das Training. Der hat das früher immer gemacht, das war schon hart. O. ist ein echter Boxer, macht aber auch gern MMA. In gewisser Weise ein gefährlicher Junge. Jetzt aber auch schon nicht mehr ganz jung. Boxernase. Arme, dick wie meine Oberschenkel, aber tätowiert. Sieht eigentlich ganz cool aus. Ärger wollte ich mit dem nicht haben, hab ich aber auch nicht. Wir sind ein bisschen Freunde. Wenn wir uns sehen. Und O. hat vor paar Jahren den schönen Satz zu mir gesagt: „Schade, dass du nicht viel früher angefangen hast. Du wärst ne richtig gute Boxerin geworden.“ Mehr Lob geht, glaub ich, nicht.
FrauFreitag, the Million-Dollar Baby! Yeahyeahyeah.
Ich geh also zu O. ins Training. Und? Bin allein! Alle Kolleginnen sind entweder im Urlaub, zu faul oder haben Angst vor O. Also – gibt’s Einzeltraining! Macht er eigentlich nie, aber ein paar Runden Pratzen is ma OK, sagt er. Gut. Schön vorsichtig aufwärmen. Stehfahrrad, Liegestützen, Rumpfbeugen, Kniebeugen, Schultern, Arme, Hände…warm. Uff.
O. ruf mich IN DEN RING. Hilfe, da schauen auch immer alle zu. Na, was solls? In einen Ring zu steigen/zu klettern, finde ich immer ganz besonders, vor allem wenns ein hoher ist. Alles verändert sich, stehst du im Seilquadrat. Fokussiert. Konzentriert. No way out. Dann wird die Uhr gestellt. 5 Mal 4 Minuten. 4!?? Normal sind 3, bei den Damen oft 2…herrje.
Und los geht’s, Ring frei zur ersten Runde. Pratzentraining heißt, der Chef hat knallblaue „Handschuhe“ an, mit einem knallgelben Zielfleck in der Mitte. Da muss man draufschlagen, treffen im Idealfall. Klappt das schön, gibt es ein sattes, befriedigendes Geräusch. Buammz. Kenn man vielleicht ausm Fernsehen. Dazu sagt der Chef immer, was er will, oder man muss es an der Haltung der Pratzenhände erkennen. Klingt leichter, als es manchmal ist. Erstaunlich, dass man sich manchmal nur 2,3 Minuten wirklich konzentrieren kann, dann immer mehr Fehler macht. Das ist ein Teil der Herausforderung: Kopf.
Körper ist der andere Teil. 4 Minuten sind lang.
Und O. findet immer was. Immer. Und zurecht! E. ist immer ziemlich gnädig. Zu nett eigentlich. O. nicht. „Wo hängtn deine Linke? Wo issn deine Deckung?!“ Ich versuche, die linke Deckung zu verbessern. „Zu langsam!!“ Ich mach schneller, vergesse darüber – die linke Deckung. Zack. Hab ich eine Pratze links im Gesicht. Und wieder. Und wieder. Und wieder. Das macht mich ja schon wütend. Dadurch wird man schneller und härter. Und siehe da! Plötzlich ist, wie von Zauberhand an mein linkes Jochbein geklebt, auch die Deckung da. Man muss einfach an zu viel auf einmal denken…Es klappt, da freut sich O. und ich erstma!
Dann die Beinarbeit. Scheiße, ganz schlimm, geht gar nicht. „Ich bind dir gleich dein rechtes Bein hinten fest!!“ Wie in Million-Dollar Baby!!. (Denke seit gestern an nichts anderes als an Deckung und Beine…) Das ist der dritte Teil: man muss die Kritik verkraften…

2,3,4 Runden, uff. Ich muss mich mal abtrocknen, das ist ja unglaublich. Bin schon völlig dehydriert. Und keiner in meiner Ecke. Letzte Runde. Schaff ich auch noch, logisch. Super, mittlerweile läuft auch die Kavallerie, also der männliche Teil des Boxclubs, ein. Da haben die noch was zu lachen. Geht mir aber sonstwo vorbei. Die sollen erst mal in mein Alter kommen, dann sind die bierbäuchig und so, kennen wir alles. Pfft. Zack, rumms, bumm, peng. Läuft doch! Na, sagt der Chef, geht doch. Konzentration wird aber immer schlechter. Aufmerksamkeitsspanne eines Säuglings.
Zeit! 5 Runden O. und überlebt und nicht wirklich angebrüllt worden, der grinst sogar und ich bedanke mich herzlich. WASSER! Endorphinschub – frei! Supercool, wer braucht denn irgendwas anderes?

Hol meinen Hund ab, drehe eine Runde auf meinem Rad durch den Abend, das Blauspektrum ist unglaublich. Ich hab irgendwie Drogen im Kopf und dazu dies Licht! Dann wird noch mit Freunden ein Urlaub im Herbst in der Türkei geplant, vage, wohin… FrauFreitag hat nämlich eine Ereigniskarte gezogen: „Sie erhalten eine Steuerrückzahlung“…und das Geld muss jetzt verurlaubt werden…vielleicht in Side…? Oder hat jemand nen besseren Vorschlag?

Lohnerwerb ist auch keine Lösung

Unter diesen Motto steht die morgige Auftaktveranstaltung, an der zunächst zwei Kooperationspartner_innen teilnehmen. Es sollen Impulse gesammelt, Wege aus der postkapitalistischen Zwangsjacke gesucht und Stachelbeerkuchen gegessen werden.
Ziel sind unbedingt lösungsorientierte Ansätze, wie es weiter gehen könnte. So jedenfalls nicht.
Über Ergebnisse kann man sich in Kürze an dieser Stelle informieren, ggf. auch an Projekten mitwirken. Ich bin für Selbstversorger_innentum.

SA 5.58
SU 21.09
1-2 Bft aus SO

FrauFreitag lebt heute ihre HausFrauen-Seite aus. Während Kind 1 spontan sein Zimmer streicht, räume ich meine Kammer leer, putze auch unterm Bett und hinter der Komode. Dann versuche ich mich in Umstellungen. Nicht so leicht, wenn das Bett fast die ganze Kammer ausfüllt. Das Ergebnis ist ebenso unorthodox wie meine Lebensweise, mal einen Praxistest durchführen. Jetzt was die neue Möbelkonstellation angeht. Mein Leben ist ohnehin ein einziger Praxistest. Sauber ist es jedenfalls, das Zimmer. L. sagt, das sei auch Feng-Shui-technisch sinnvoll. Ich glaube auch. Und für den besseren Durchblick sogar Fenster geputzt.
Weiterhin köstlich gekocht. Hat Kochen schon immer soviel Spaß gemacht? Dann mal versucht, weiter in meinem Roman zu lesen. Merke: wer schreibt, liest kaum noch. Irgendwie nervt mich das dauernde Gekokse in dem Buch. Ich glaube zwar, das könnte vielleicht meine Probleme lösen, kann es mir aber nicht leisten. Weil ich keine Juristin bin, wie der Protagonist. Mit Koks könnte ich vielleicht das Problem der 5-8 täglich fehlenden Stunden lösen. S. Titel.
Dann spontan eine Tour de Rheinhessen gefahren, weil ich endlich den kleinen Tisch im Internet gefunden habe. Eine Schreiberin braucht wenigstens einen Schreibtisch. Und da in meinem Zweitleben auch nur sehr wenig Platz in meinem Boudoir ist, darf der nur eine bestimmte Größe haben. Heute fiel er mir nun unverhofft in den Kofferraum meines nun endgültig volljährigen Opels. Ich sage nur: TÜV neu, ohne Mängel! Und 15 €! Sehr zufrieden.
Zuhause schreite ich die Ländereien ab. Schlamperei wohin man blickt. Eigentlich wollte ich nur dies kleine Unkräutlein auszupfen, jetzt liegt plötzlich ein Berg geschnittener abgetragener Himbeerruten da, der alle Müllkapazitäten sprengt. Dafür schmecken die Brombeeren außerordentlich gut. Die mag ich am liebsten. August ist ohnehin toll.
Heut früh im Feld, ob ihr es glauben wollt oder die Augen vor Tatsachen lieber verschließt:
erstes gebrochenes Licht. Stoppelfelder und pitschnasses Gras. Der sichtbare, fühlbare Anfang vom Ende des Sommers. Und wenn ich mal vergleiche, die Weißen Nächte auf Hooge (sofortige Akutsehnsucht) …und gestern bin ich mit B. beim Abendspaziergang schon in die Dunkelheit gekommen. Macht Euch nix vor Leute, das Fest ist fast vorbei. Und ich freu mich schon auf den Herbst-auf alles, erstmal auf noch mehr Brombeeren. Und meine schönen Pullover. Stiefel! Mantelzeit! Im Bett liegt man wohlig zugedeckt. Kühle Luft rötet die Wangen. Ach, das wird wunderherrlich!
Meine Meinung-der viel gelobte Sommer ist in Wirklichkeit eine Mogelpackung. Man kann gar nicht alle s.g. Freuden nutzen, weil es schlicht zu warm ist. Außerdem stresst er, weil man immer ALLES will. Im Garten und raus und Sport und Spiel und Spaß und Biergarten und das ganze Programm. Wie ist das zu schaffen, ist man Lohnknecht?
Schluss: Der Sommer kann gern langsam gehen. Und wenn ich nächstes Mal vielleicht postfordistisch lebe, dann kann er ja wieder kommen und wir versuchen es nochmal miteinander.