Kategorie-Archiv: SchreibBlock

Hotelmorgen usw.

Arbeitseinsatz weiter nördlich.
Nach einer Nacht, die sich vor allem um die Frage „Klimaanlage an oder aus?“ drehte (> an), wacht FrauFreitag mit völlig verkrumpelten Atemwegen auf. Wahrscheinlich wäre „aus“ (und erschwitzen) die richtigere Entscheidung gewesen. Im Bad Slapstick mit mir selbst, als ich feststelle, dass ich zum 100000 Mal ein Kämmgerät vergessen habe mitzunehmen. Kind 3 lacht per SMS laut. Aber keiner hilft. Muss also so gehen, Finger und Zahbürstenstiel.

Frühstück. Hatte ich mir auch anders vorgestellt.
Man kann noch nicht raus, es füllt sich schnell und ich bekomme einen spontanklaustrophoben Anfall. Früher war ich jünger, denke ich, als ich vor allem fliehe. Egal. Ich muss ans Wasser. Sofort und pronto.
Am Rheinufer, unter sehr schönen und sehr alten Bäumen machen Senioren Frühsport zu spitzen, munteren Zahlenschreien einer asiatisch aussehenden Vorturnerin. Ich stell mir vor, ich sei in China, Tai-Qi, Park, morgens…mein Kopf denkt also „Frühsport“ und mir fällt sofort Vysotsky und sein Lied über morgendliche Gymnastik ein!

http://youtu.be/NUIuUEH4qTY

(Ich stelle diese Variante ein. Schlimm ist, dass er asynchron singt. Macht mir als Mundstarrerin das Verstehen schwer. Aber: es gibt für die Nichtrussisten hier die Übersetzung…tri tschetyre…)
Ich strahle beim Gedanken an Vasja am Tisch und das hilft mir in den Tag. Setze mich direkt ans Plinkplinkfunkel-Wasser. Aber wie schön so ein früher Morgen vor der Hitze ist! Und wo will der Rhein hin, so schnell? Eben! Also flüstere ich ihm ein paar Geheimnisse zu. Soll er mal der See weitersagen. Und warum werd ich jetzt bitte so zappelig? Die Füße wollen rein. Dürfen sie. So stehe ich direkt mit allem verbunden und warte, bis meine Zehen so schrumplig sind wie meine Atemwege. Dabei werde ich -magic!- plötzlich hydrophil und will so sehr ins Wasser wie noch nie never ever. Ich will jetzt und sofort und vor allem ohne Kostüm in die Nordsee und stelle es mir so doll vor, dass ich Gänsehaut bekomme. Man sacht ja, was man sich vorstellt, aktiviert, wenn mans nur doll genug macht, die selben Hirnareale…aber ich muss schon sagen – manches fand ich in echt doch schon mal besser als als bloßen Willen und Vorstellung. Lassen wir das.
Trotzdem erfrischt in den Arbeitstag, den ich mit nur einem albernen Anfall, einigem an Energieaufwand und 5 Fläschen Sprudel, einem Orangesaft und zwei Kaffee durchstehe. Außerdem schreibe ich permanent. Also mit.
Tagungsraum und- Klimaanlage. Krumpelschrumpelhust.
Herrliche Heimreise, pünktlich fahren wir an Vater Rhein hinunter. Warum isses da eigentlich so schön, fragen wir uns und stellen uns vor, wie es wäre, wenn nun all dies Wasser goldner Wein…

In Rheinhessen wird schnell die Badehose eingepackt und mit dem kleinen Kind die nächstgelegene Badeanstalt besucht . Ich will immer noch, obwohl mir die Augen brennen und ich mich frage, ob ich schon Fieber habe.

Eine ziemliche Enttäuschung. Chlorwasser statt Auftrieb im Salz. Scheißbadekleidung. Ich bin besseres gewöhnt. Sollte man vielleicht doch bei bloßen Vorstellungen bleiben? Ich weiß es wirklich nicht. Ich muss mich eincremen. Alles juckt.

Aber: schön wars doch, Kind ist froh und müde. Und das Rutschen hat echt richtig viel Spaß gemacht…vielleicht geh ich morgen wieder hin. Aber NUR zum Rutschen.

Physiotherapeut in Vollzeit gesucht.Oder wenigstens Teilzeit.

War ja klar wie was.

Ich sollte mir mal so einen Aufkleber auf die Stirn machen.

Aufgefallen war er mir ja schon letzte Woche, weil- klar-groß, stark, dunkelhaarig.  Und ein bisschen – aggro? Ein Funkenschläger, dachte ich noch.  Ein Feuerstein. Feuer statt Wasser. Mehr Klischee geht gar nicht.

Und heute war er für mich eingeplant. Kurz vor 10. „Zieh dich aus“ als zweiter Satz.  Schluck. Dann sagt er mir, dass er stark sehbehindert sei. Das kommt mir sehr entgegen…
Punkt. Absatz.

Durchatmen. Ich rauch mal eine, also symbolisch gesprochen. Das mag ja alles noch angehen. Man muss schließlich auch nicht jede Situation „sexualisieren“. Das hier ist sein Job, ich bin hier Patientin. Und das weiß ich auch. Ich bin ja nicht voll verblödet. Realistin ist mein 2ter Name.

Aber dann fasst er mein wehes Bein an.
Ich kenne einige Hände von Physiotherapeuten. Diese sind – anders.

Fasst zweimal hin, fasst an die Fersen. Und weiß Bescheid. Über alles, so scheint mir. Wenigstens über mein Fuß-Bein-System, was ja ein kompliziertes ist. Dabei hatte er die Narben noch gar nicht gesehen.
Ich bin geistesgegenwärtig genug um nebenbei festzustellen, dass er KEINEN Ring trägt. Ist aber vielleicht auch einfach kein Ringträger. Wunderschöne Hände. Um das Klischee abzurunden. Doppelname verheißt aber nix Gutes…
Sonst finde ich heraus:
-dass wir beide Schwimmen hassen – dann können wir das vielleicht gemeinsam tun!?
-und dass er nur ein Jahr jünger ist. Also als ich jetzt.

Liebe_r Leser_in. In solchen Situationen bin ich immer eine Lenor-FrauFreitag. Ein Teil steht neben mir. Deutet mit dem Finger auf mich und lacht. Kopflastig wird da alles besser gewusst. Jedoch. Diese Hände…

Was tun? – mal wieder die Frage.
Nächste Woche ist ein anderer eingeteilt.
Am 5.8. um 12h seh ich ihn wieder. Und auch zum letzten Mal.

Rezept erneuern? Ansprechen? Wie?  Worauf? Wie die Atmung flach halten? Und das Rezept? Soll ich es meinem Arzt erklären? Zahlt die Krankenkasse meine Romanzen? Und wenn er nein sagt? Ich meine, wie oft werden KGs angesprochen von Patienten? Täglich 3 Mal schätze ich. Die kotzen doch! Aber wert wär ers schon…

Was tun??
Fragt, völlig aus der Bahn, mit vor Sehnsucht weher Wade
FrauFreitag

und bittet um ernstgemeinte Zuschriften!

Heute war Klaviervorspiel

Damit gehts los.

http://youtu.be/uPPP8DDh0SE

Bitte während des Lesens hören.

Wenn die Kinder keine 2 Jährigen mehr sind und sich nicht mehr im Supermarkt an der Kasse auf den Boden werfen und damit die Aufmerksamkeit aller bekommen –

-dann spielen sie vielleicht irgendwann Klavier.

So tut MeinKind 1. Schon seit 12 Jahren tut es das, es tut es sehr sehr gut und schön und zu Zeiten tat es wenig anderes. Seit nunmehr 7 Jahren hat es einen „neuen“ Lehrer. Ich könnte hier ein Loblied auf ihn singen, ich lass es aber. Und bei diesem phantastischen Lehrer ist immer in der schönen Sommerzeit ein Vorspielvormittag, traditionell kurz vor den Ferien, 1-1,5 Stündchen. Da kommen alle Schüler_innen und auch die seiner Frau, die lehrt das Cello.

Ich liebe diese Vorspieltage. Immer fangen die Kleinsten an. Die spielen 1, 2 oder gar 3 Stückchen, jedes dauert vielleicht eine Minute und das macht irre viel Freude. „Wenn ich ein Vöglein wär…“, „Ich bin ein Musikante…“, „Der König Karl hat heute vergessen seine Hose anzuziehen und geht in der Unterhose raus…“
Da sitzen kleine Jungs und Mädchen (feingemacht, Blume am Ohr…) auf dem Hocker vor dem großen Flügel, beinebaumelnd. Weils warm ist kann man bei vielen sehen, wie die Zehen in den Sandalen noch mitarbeiten. Das zieht mir immer den Stecker. Und die irre konzentrierten Gesichter von 6 Jährigen! Es sind schon sehr verschiedene Menschen, diese Kleinen. Manche sind schon ganz cool. Andere verbeugen sich schon wie Große. Manche sind Anarchisten. Man weiß gar nicht, was die da spielen und wann ein Stück aufhört und das nächste anfängt. Dann klatscht immer der Lehrer und hilft so den Eltern, den Einsatz nicht zu verpassen. Manche sind Dadaisten. Heben alles auf, was Halt gibt. Und manche sind wie Metronome.
Dann kommen die Größeren. Die spielen längere Stücke. Hier wieder ein Lob an den Meister: er findet immer das richtige Stück für jeden und macht alles mit. Für einen eher unwilligen 14 Jährigen wurde da mal ein Punkrockstück extra für Klavier gesetzt – eine Herausforderung für den Meister, eine Abwechslung fürs bürgerliche Publikum und ein Riesending für den Schüler. Er war dies Jahr trotzdem nicht mehr dabei…Sonst auch mal gerne was leicht poppiges oder etwas, reich an schwelgerischen Akkorden.
Zwischendurch lernt man immer was: wer Türk war, dass Gurlitt nicht nur ein Kunstsammler sein kann, dass Chopin neben seinen berühmten 24 Großen  Etüden auch noch drei für ein Klavierlehrbuch von – Mist, vergessen, irgendwas mit M. – komponiert hat.
Und ich muss sagen, es reißt mich auch immer, wenn ein 12 Jähiger präzise und gefühlvoll Chopin spielt, als wüsste er schon, was er da sagt…
Also ganz viel Gänsehaut.
Aber je länger das dauert, desto wärmer wird es im Raum unter dem Dach mit 12 Kindern und so 20 Eltern, vier Celli, 2,5 Flügeln…und FrauFreitag bekommt Adrenalinhände. Denn gleich ist MeinKind dran und ich habe das Gefühl, in solchen Situationen ist die Nabelschnur nicht durchtrennt und ich habe live was von seinen Aufregungen. Ein Körper. Und heute soll ich filmen. Himmel! Ich kann die Kamera nicht ruhig halten, so zittere ich. Ich weiß ja, was kommt. Immer als letztes spielt MeinKind. Und lange. Und schwer. Und so schön, dass man weinen möchte. Und das machen dann auch immer mal welche. Weil MeinKind nämlich mit ALLEM spielt, was es hat. Mit Talent, mit Herz, mit viel Gefühl und dabei sauber und scharf akzentuiert. Mutig auch. Ich halte die Kamera also mit 2 Händen und sie wackelt immer noch. Es kommt:

Schubert, Klaviersonate a-Moll, Sätze 1, 3 und 4.
Schubert, so lernen wir, ist erst seit etwa 60 Jahren als Komponist von Klaviermusik so recht geschätzt. Ich versuche mit MeinemKind darüber zu sprechen, was mir an diesem Stück so gefällt. Aber ich kenn nicht die richtigen Wörter. Ich haspele was von „verschiedenartig“, „vielfältig“, „gebrochen“, „energetisch“, aber das geht alles ein bisschen vorbei. Mit hochgezogener Braue schaut er mich an: „du meinst DIFFERENZIERT“. Gut, von mir aus. Schubert – sehr differenziert. Merken. Also mal selbst zuhören. Was sind die Wörter dazu? Gehen Wörter mit/über Musik??

Wie isses gelaufen?? Grandios! Paar Verspieler tun der Kunst keinerlei Abbruch. Langer Beifall. Da wird mir klar: das war vielleicht das letzte Mal, eben. Weil grade keiner weiß, was nächstes Jahr ist (weiß man nie, jaja, aber diesmal ist man sich dessen gewahr…).
So verabschieden wir uns kurz. Und lassen bewusst alles offen.
Ich mag den ersten Satz am liebsten, glaube ich…

Jetzt nochmal zuhören.

Hitzebedingter Stream of C.

Ich habe eine Entschuldigung:
es sind 40°C und ab 26° fange ich an, schlechter und schlechter zu funktionieren.
Ich wollte mal was Vernünftiges machen bei dem Wetter: nämlich nix. Schon früh hab ich alles Wesentliche erledigt, das Haus verdunkelt (schon echt toll, Sommer…), Getränke kalt gestellt…da sollte ich mal eben schnell Kind 2 durch Rheinhessen fahren, zu einer Freundin. Mach ich. Ich hab ja ein automatisches Fahrzeug.
Nur Idioten unterwegs. Alle haben nen Sonnenstich. Nach ner Stunde bin ich wieder da. Leg mich ins abgedunkelte Wohnzimmer und denke nach.
Auf tritt Kind 3, das Schauspieltalent (jetzt neu: mit Fanclub!). Ob ich es mal eben zu einer Party durch Rheinhessen fahren könne? Klar. Dabei kann ich ja auch grade Kind 2 wieder abholen…
Stau auf der Spur ins Freibad. Ich sehs mit Schaudern. Zum Glück sind alle beschäftigt und plärren nicht nach Schwimmbadbesuchen…
Endlich zurück im abgedunkelten Haus, auf dem Sofa, denn im EG ists am ehesten auszuhalten. Fühle mich dumpf, irgendwie verstrahlt. Absolviere mit Mühe die Tageszeitung. Denke über einen Blogartikel nach, weiß nix. Schaue mal in Wikipedia nach. Lese den Artikel „Blog“. Frage mich, ob ich nachschauen muss, was ein RSS-Feed ist. Kenntnisse in HTML. Hm. Vielleicht sollte ich Poker lernen?

http://de.wikipedia.org/wiki/Blog

Ich hole den Ventilator. Der soll mir mal unters Kleid pusten.
Komme vom Hölzchen aufs Stöckchen. Da gibt es eine Liste der 100 meistbesuchten Blogs. A-HA. Muss ich, klar, anschauen.

Sehr interessant. Manche kenn ich ein bisschen. Manche scheinen mir richtig gute Zeitungen zu sein! Ich schaff das aber nicht. Ich hab zu viel. Und zu tun. Also scan ich mal drüber.
Manche haben übertrieben geile Namen.
Einer macht mir Angst.
St. Pauli ist auch dabei, soso.
So kann man also seine Zeit auch zubringen. Blögge lesen und schreiben.

Ich merke wie ein Teil meines Ich in Hitze diffundiert. Phantasiere auf Gälisch. Sehe Neufundländische Fischer vor mir. Sie haben rötliche Haare auf ihren Fischerhänden.
Es wäre mir echt mal grade egal, ob ich am Anleger, an Landsende oder bei Westerwaft in die See ginge, Hauptsache sie wäre grade da und ich auch. Mache mir Sorgen um meinen Geisteszusatnd. Schlafe ein, träume keltische Träume und wäre selbt rothaarig in einem windigen Land.

Schrecke wieder hoch. Muss  die Blogwelt erkunden, meine Nachbarn kennenlernen…da stoß ich auf was, was mich RASEND macht.
images

Jetzt muss ich SEHR weit ausholen, einen Schwinger ansetzen. Und das soll man ja nicht. Wir sind ja nicht aufm Jahrmarkt, sagt mein Trainer immer.
Also, Was is los? Warum kriegt die Freitag jetzt nen Anfall?
Ssssss. Ist ja meine eigene Schuld. Ich hab mich ja nie getraut.

[mit saudoofer Stimme:]

„och, ich hab ja nichts zu erzählen. Ich erleb ja nichts. Das will ja keiner lesen. Das können andere viel schöner (Thomas Mann, Hertha Müller, Goethe et alt.). ..“
Und!?
Was muss die kulturbolschewistische Beobachterin jetzt sehen?
(Schöne Zeitung wäre das, oder?
DER KULTURBOLSCHEWISTISCHE BEOBACHTER.
Und wehe im DruckSatz wird das R umgedreht!)
Was muss ich sehen? Da gibts son Mutti-Blog. Handelt von allem, was wir , also manche geneigten Leser, kennen. Bis zum Überdruss kennen, zum Abwinken, Durchwinken, Vorhang!
Pipi, wache Nächte, Zahnpasta, Supermarktbesuche mit 2 Jährigen.
Und von Nagellack. Nagellackfarben genaugenommen. Eieiei.

OK. I accept the challenge.

Ich hol noch mal aus.
Als mein Exmann mich gegen eine junge schöne Kleinkünstlerin versuchte auszutauschen“ [diabolisches Lachen], dachte ich über einen Song nach, den ich sie singen lassen wollte. (Zur Not, falls sie nicht freiwillig wollen würde, mit Gewaltandrohung.)
Sie sollte ihn wie folgt anmoderieren: das Libretto des nächsten Stücks ist von der Exfrau von meinem Neuen geschrieben worden. Es trägt den Titel: [Kunstpause]
„Warum ich nicht Künstlerin geworden bin in den letzten 23 Jahren“.
OK, das war eine kindische Idee. Wutgeboren. Aber zeitweise hilfreich. Und am Text hab ich rund um die Uhr gefeilt, bei jedem Essenmachen, bei jeder Waschmaschine, bei jedem SCHEISS. Dabei kam ich dann auf die Idee, einen neuen Ulyses zu verfassen, einen luciden stream of consciousness.
Zur Bewusstseinserweiterung guckt man hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstseinsstrom

Das hat mir so gut gefallen, dass es mir gleich viel besser ging. Und immer besser. Und irgendwann so gut, dass ich vom 10er gesprungen bin und dabei noch „guckt ma!“ gerufen habe [platsch], und ja, zugegeben, einige hatten ein bisschen geschubst und hinten gedrängelt. Also jedenfalls bin ich Blogbuchschreiberin geworden. Und fleißig.

„Und was is mit HTML?“, wird da von der Seite reingerufen… Kommt vielleicht noch. GEHT AUCH SO.
Labere Wörter in die Tastatur, denke an meine Leser_innen, grinse beim durch die Satzwelt rennen, weiterweiter, höre ich die Trainerstimme…Boxen oder Schreiben: Wir dürfen nicht nachlassen. (#Camus)
Wollte ja eigentlich am liebsten schon immer Briefe- oder Auftragsschreiberin werden. Berufe mit Zukunft, I know. Also, hier ist ab jetzt Wunschkonzert. Ruft rein, was mal dran wäre. Gemeinsame Undeinmalerlebnisse. Überschriften. #Schlagworte…bitte mitmachen, dann wirds „interaktiv“.

Wo war ich, wo wollt ich hin?
Richtig, die Konkurrenz.

Also. Vorschlag an die Leserschar:
Jede_ von Euch sagt 2 bis unendlich vielen Leuten, sie sollen HIERHER kommen, zum Lesen. Und die dann wieder. Und dann müsste ich ziemlich schnell, wer rechnet das bitte mal eben aus? , B.H-D vielleicht? ziemlich schnell unter den TOP 100 sein. Ohne Nagellackfarben. (Unter uns: ich gewöhne mir ja das Fingergebeiße ab. Auf Hooge war ich clean. Jetzt, naja, ich arbeite dran…). Und ja, von mir aus: Teilt mich auf euren Netzwerken. Und tretet bei:

http://asnetz.npage.de/

Und dafür, wenn schon Prostitution, dann richtig: ich schreib
WAS IHR WOLLT.

Mandel und Kaffeesahne

Wahrscheinlich weil ich dieses Jahr mein erstes Abitur als Mutter erlebt habe, wahrscheinlich deshalb denke ich in diesem Jahr öfter an meine Abizeit, eher noch an die Zeit direkt vor der allgemeinen Hochschulreife.

Für Frau K., heute K.-R.

Da war vor allem diese Zeit der Paukerei. Kein Unterricht, dafür ganze Tage bulimisches Lernen. Fach für Fach, Thema für Thema…
Wenn dann endlich genug gelernt war, Treffen mit B.
B. war meine Busfreundin. Nicht auf der gleichen Schule, aber seit der 7. Weggefährtin im Bus morgens 7.11 h, oft auch nach der Schule. Halbe Stunde Fahrt. Danach Telefonate; es gab soviel zu sagen, nie war man fertig. Die Telefone waren noch fest stationiert in den Wohnungen. Im Flur zumeist, und wenn man Glück hatte, hatte man ein langes Kabel und konnte in ein Zimmer, eine Toilette, einen Schrank flüchten und halbwegs privat telefonieren. Wieso sollten wir uns aufregen über Telefonabhöraffairen? Wir sind es gewöht in Chiffren zu sprechen, während die Eltern zuhören…zum Beispiel: lautes Ausatmen in die Sprechmuschel. Heißt: „kann jetzt nicht weiter über dies delikate Thema sprechen, Eltern_teile hören mit“. Meisterinnen der Verstellung. Also.
Lange Telefonate.
Danach-Treffen.
Pudweise wurde Schokolade verzehrt. Sie Mandel, ich Kaffeesahne. Die guten 200g Tafeln vom Discounter mit A. Eine Tafel für jede von uns, mindestens. Über einige Wochen. Bei ihr, denn da war man meist allein. Dann Jungs durchsprechen. Eltern durchleuchten. Themen des Französisch-Leistungskurses erörtern (Sartre, Camus, Beauvoir).
Was damals anfing, uns aber länger und mir bis heute erhalten geblieben ist:
rausgehen. Rausgehen um wieder klar zu werden. Und raus war: Rheinhessen. Felder. Weinberge. Wenige Obstbäume. In denen saßen wir. Kirschensommer. Schokoladenzeit. Der Geruch von faulendem Obst, Insektengesumm.
Bald würden wir Abitur haben. Die Welt würde uns erwarten. Alles würde passieren…aber jetzt spucken wir Kischkerne und reden klug daher über den Existenzialismus, haben den ersten Liebeskummer schon hinter uns, entwerfen Zukunftsszenarien, haben 100 Pläne aber keinen Plan. Lachen uns schlapp in den Ästen.
Und heute?
In Bäume klettere ich noch, aber seltener. Gegen Kirschen bin ich heute allergisch. Die Mandelschokolade gibts nich mehr, aber Kaffeesahne. Ich schaffe davon keine 200 g Tafel mehr auf einmal.
Liebeskummer? Reden wir nicht davon. (Dank zahlreicher Vergleichsgrößen versteht man besser mit Schmerzen umzugehen. Immer schön reinatmen, in den Schmerz. Ein großer Vorteil des Nichtmehrganzjungseins.)
Pläne? Immer mehr!
Einen Plan? Tssss…
Die Existentialisten haben nicht nur meinen Kleidungsstil geprägt (noch immer hält FrauFreitag schwarze Rollkragenpullover für existentiell), sondern werden wieder und neu rezipiert. Dabei habe ich mich endgültig für Camus und gegen Sartre entschieden. Er sieht auch besser aus.
Abitur ist immer mal wieder ein Thema, aber ich stehe auf einem andern Spielfeld.

Ein Grundstein jedenfalls wurde gelegt, damals in Rheinhessen vorm Abi in den Bäumen. Und jeden Sommer erwischt es mich wieder. Wenn das Korn wächst, reift und ich es plötzlich rieche. Wenn es verdorrt und ich sein Knistern in der Hitze höre. Wenn dann eines Abends ein Feld gemäht ist, ich es vermisse, denn das ist immer der Anfang vom Ende des Sommers. Dann fahren die Mähdrescher die ganz Nacht, wenn es so heiß und trocken ist wie heute. Und zurück bleiben Stoppelfelder, Herbstbilder.
Jeden Sommer. Immer einer mehr. Ein Sommer näher zum Herbst? Pfff.
Und jeden Sommer denke ich an meine Busfreundin, die ich jetzt, wenns gut geht, zweimal im Jahr sehe, nicht mehr im Bus 7.11h.
Was solls. Wir sind UNSTERBLICH. Somehow.

Rheinufer

Undeinmal waren wir zu Vieren abends am Rhein.
Picknick für uns und Räucherstäbchen gegen die Mücken.
Zwischen durchaus ernsten Themen soviel gelacht, dass ich kaum noch Luft bekommen habe.
Sehr sehr schöner Abend. Wie immer mit Euch!

Feststellung:
in der richtigen Gesellschaft, am Wasser und bei gutem Licht kanns hier auch hallig sein.
Rheinufer fast ein Sommerdeich.

FrauFreitag geht unter die Fuszballfans

und schon werden alle Weltmeister!

Will sagen:
Undeinmal bin ich abends in eine Kneipe gegangen, wo ich außer den Inhabern niemanden kannte. Um mir zum ersten Mal im Leben öffentlich Fußball anzugucken. Überhaupt richtig dabei zuzugucken. Nach, sagen wir, 1979. Weil ich ja finde, man sollte immer mal Sachen machen, die man noch nie gemacht hat, also wenigstens manchmal.
Und irgendwann habe ich meine Hände an meiner Stirn gemerkt, wie sie dagegen gehauen haben, meine Hände, die meine Haare gerauft haben, ich habe laut „Abseits“ gesagt und Luft zwischen den Zähnen eingesaugt. So Sachen.
Das alles war sehr lehrreich, lustig und auch wahnsinnig gruselig, insbesondere möchte ich hier die Generalmobilmachung NACH dem Spiel hervorheben sowie das gemeinsame Absingen der Hymne vorher.
Insgesamt: eine 1-, großer Film, nur ich bin nicht die richtige Besetzung dafür.

#Badesee 2

Vorwort:
Vor ein paar Tagen hatte ich diese Geschichte geschwind aus der Hand geschrieben, ein feines, fließendes Flow-Erlebnis, ich wars recht zufrieden. Aus mir unerklärlichen Gründen war der Entwurf, ups, verschollen statt veröffentlicht, durchs Netz gerutscht, weg. Schwierig, ihn wieder einzufangen…
Vor einiger Zeit hat mir jemand gesagt, dass er „seine Stimme nicht kenne“. Es ging hierbei zwar um die Singstimme, aber mir hat dieser Ausdruck gefallen, also habe ich ihn für alle Fälle behalten. Inwieweit diese Schönschreibübungen damit zusammenhängen? „Nun“, sagte Eule weise, „alles hat immer mit allem zu tun.“
Worum es genau genommen geht, ist, dass ich hoffe, den Ton von Badesee 2 hier noch einmal zu treffen, zu finden; er ist schön, besonders und schwierig. Ges-Dur.

Für A. -with love.

Undeinmal- ich habe die ganze Zeit, geglaubt, es sei im letzten Sommer gewesen, aber das kann gar nicht sein, denn da war ich completely anderswo, also wohl vor doch vor zwei Jahren- undeinmal war ich alleine im Badeseeland. Keine Erinnerung, wo Mann und Kinder stecken, jedenfalls in den Kulissen, es ist eine Geschichte nur von Zweien.
Treffpunkt, so ist verabredet, ist nach der Arbeit auf dem historischen Marktplatz (Inn-Salzach-Stil) einer kleinen badeseeländischen Stadt. Nach der Arbeit, also Nachmittag. Sommernachmittag genaugenommen, und geplant ist, dass wir zu Fuß am Fluss entlang wandern, bis zum See. Dort natürlich baden, dann zu Fuß wieder nach Hause, alles nicht gerade um die Ecke, aber durchaus machbar. Also treffen wir uns in einem kleinen Kaffee, ich glaube eher, einer Cafébar, eine dieser Einrichtungen, wo man sein Tablett selber schleppen muss…was uns aber keineswegs ärgert heute. A. kommt von der Arbeit. Wie auch FrauFreitag an den meisten Tagen, achtet A. sehr genau darauf, dass das Kostüm zum gespielten Stück passt. Heute also: das reizende Fräulein vom Büro an einem heißen Sommertag: Ausstattung könnte sein- ein dunkelblaues Kleid, vielleicht mit weißen Tupfen, Haare wegen der Hitze sicher hübsch aufgesteckt. Klassische Eleganz, sehr schön. Ich bin ja im Urlaub, da gehts ein wenig legerer, ein buntes ärmelloses Fähnchen, nie zu kurz, Haare sind kurz genug, also auch nicht aufgesteckt.
So treffen wir uns, Badesachen dabei, A. mit ihrem alten Radl an der rechten Hüfte, Sommernachmittag in der Stadt, Kaffee. Dann aber nichts wie raus aus den bunten Mauern, die historischen Gassen entlang zum Wasser runter schlendern wir, Sonnenbrillen, Feierabend, Ferienstimmung. Nee, eher hitzefrei! Eine spezielle Zeit ohne „ich muss jetzt“ oder „eben noch“ oder „X wartet“…freie Zeit, Blaumachzeit, alle können uns jetzt mal, denn wir haben unsre hübschen Sachen an, das Rad trägt die Handtücher, wir kommen am Fluss an und ich glaube, schon da hat es angefangen, so besonders und schön zu werden, dass wir so besonders und schön wurden, dass wir von weitem gegoldet haben, geleuchtet. Plaudend schlendern wir den Weg entlang, aus der Zeit gefallene Schulkinder bei Hitzefrei. Und völlig zurecht, denn heiß ist es, schwül, wir lassen das Städtchen hinter uns und treten ein in das lichte Wäldchen, das das Wasser begleitet. Aus Indien eingewanderte riesige Pflanzen, ein rechtes imperialistische Dreckzeug, aber groß, beeindruckend, blüht weiß, pink, lila am Wegrand und verdrängt URBAYRISCHE Vegetation, Schmetterlinge gaukeln herum, Mücken interessieren sich für uns, Sonne sprenkelt den Weg und wir fühlen uns großartig. „Komm. Steig auf, wir fahren ein Stück.“, sagt A. Sehr anmutig klettert FrauFreitag im bunten Kleid auf den Gepäckträger, Damensitz und Obacht, die Speichen, Bauchmuskeltaining mit hohem Spaßfaktor. A. hat das Wadentraining, behauptet aber fest, ich würde NICHTS wiegen. Somit völlig schwerelos gleiten wir dahin durch die waldigen Sonnensprenkel, Sommersprossen auf der Nase, Badeanzug dabei, sind kein bisschen soundso40, sondern 8, 12, allenfalls 17. Und wir sind uns der Filmreife unserer Szene auf der Metaebene so bewusst, dass wir kichern und Wanderlieder singen, laut und falsch, aber mit Verve.
So kommen wir erhitzt am See an, ganz unwaldig ist es, seit ein schweres Gewitter vor kurzem hier entlang gekommen ist. Herrlich ists trotzdem, das Wasser weich, kühl und klar. Fischlein schnuppern an meinen Zehen, Libellen schwirren.
A. verwandelt sich an Gewässern immer schnell in ein Wassertier und schwimmt weite Strecken. Ich bleibe hydrophob, tändele nur, suche beim Stehen festen Boden und schau mir die Seerosen an, liege auf dem Rücken und schau in den wolkiger werdenden Himmel. Während die Freundin wahrscheinlich schon am anderen Ufer nach dem Rechten schaut, liege ich bereits trocknend im Gras, beobachte Ameisen, wehre Mücken ab, staple kleine Steine. Als die kleine Meerjungfrau zurückkommt, sieht sie ausgeschwommen glücklich aus. Wir trocknen noch ein bisschen zusammen, dann fassen wir nach einigen Blicken zum Himmel den Entschluss, aufzubrechen, ist es doch noch ein gutes Stück bis nach Hause und Gewitter gibts hier, das kann man gar nicht beschreiben.
Drum, und weil es so schön war, wieder zusammen aufs Rad, alles Wasser bleibt zurück, jetzt rollen wir durch Dörfer, Spalierobst an den alten Hofgebäuden, Phlox bis zum Abwinken in den Bauerngärten, Kapuzinerkresse, Zwiebelturmkirchen, wir mitten im Idyll, zwei Goldmarien auf einem alten Fahrrad, die die Leute zum Hinterherschauen und Lächeln zwingen. Über allem wölbt sich wie üblich der Himmel, mehr oder weniger gewittergeneigt, manchmal auch große Kastanien, bald schon reif, Odelgeruch, Blumen duften in Gärten, Heu auf Wiesen, Geräusche von Melkmaschinen. Ewig, ewig könnte es so weiter gehen, noch an einem Kappellerl müssen wir vorbei, an den Linden, dem Maisfeld…da passiert es und das Rad gibt auf, kann nimmer, wen wunderts…also müssen wir doch wieder auf die Erde zurück, laufen das letzte Stückerl, schauen uns an, noch Glückssprenkel in den Augen und Mundwinkeln.
Was für ein schönes Ferienerlebnis.

Das Frotteekleid meiner Mutter

Als wir übers Bügeln sprachen, musste ich plötzlich dran denken.
Es gibt Menschen, die sehr gerne bügeln, andere eher weniger. So auch ich, eher sehr viel weniger, ich kanns auch nicht so besonders. Was mir hilft: man muss es performen.
Zum Beispiel im Moment. Schwülheißes Wetter, deshalb dauernder Leinenblüschenzwang beim Lohnerwerb. Hitze und Bügelzwang, ganz schlecht. Plan: lästige Tätigkeit mal DRAUSSEN performen. Im Hof. Outdoor-ironing.
Ich seh mich schon im Hof, bügelnd vor meinem geistigen Auge, da poppt eine Erinnerung auf. Meine Mutter, auf der Terrasse, bügelnd. Frühe 80er Jahre, Mutter noch keine 40. Und weil Sommer ist, hat sie ihr FROTTEEKLEID an.
Das Frotteekleid von Frau F. sen.:
M.E. muss es, das verraten die satten Farben, noch aus den 70ern stammen. Ich kenne es zudem ungefähr seit immer. Sommer, Mutter, Frotteekleid, eine Dreifaltigkeit.
In meiner Erinnerung sieht es so aus:
Das Grundmuster sind sehr breite rote und weiße Längsstreifen. Darauf groß angelegtes  Prilgeblüm. Orange, Grün? Es verschwimmt ein bisschen. Darin meine Mutter, 160 üppige Zentimeter. Das Kleid ist allenfalls überknielang, eher mitteoberschenkelkurz. Unten ist eine Art Rüschensaum angesetzt, 5-7 wellige Zentimeter. Darunter die Beine meiner Mutter, sehr wohlgeformt, damals durfte es noch etwas mehr sein. Ärmellos und leichter V-Ausschnitt. Auf dem Kopf, jenseits des Frotteekleides, gerne mal Lockenwickler. Sommersamstagabend, 1981, 82, 83..
Wo ist das Frotteekleid? Seit wann wird es eigentlich nicht mehr getragen?? Wenn es nun weg ist? Was, wenn sie es echt weggeschmissen hat? Die Kleidwerdung einer Ära, der optische Hintergrund meiner Kinder-, Pubertäts- und Jugendsommer! (Akustischer Hintergrund? Sportschau. Geruchlicher Hintergrund? Man hat in Wohnungen geraucht.-Dies spontanassoziative Antworten) Ich bin sicher, es gibt ein Foto. Fällt mir gerade ein! Wanderung durchs Morgenbachtal, ca 1979. Ich werde es finden! Und gleich morgen ruf ich meine Mutter an. Ich brauche dies Kleid!
Wenigstens für die Bügelperformance. Dazu Sportschau, Bindingbier und HB.
Sommer!

#Badesee, 1

Es gibt in der Familie die Tradition der „Undeinmalgeschichte“. Diese sind keine wirklichen Kurzgeschichten und auch keine Novellen, es sind Polaroids, allenfalls kurze Aufnahmen in Superacht. Man darf sie gerne immer mal wieder erzählen, sie sind Teil der persönlichen oral-history. Sie beginnen immer mit den inhaltsschweren Worten „Und einmal…“ und spielen in der fernen, der noch fernereren oder der näheren, schon gemeinsamen Vergangenheit.

„Mama, erzähl eine Undeinmalgeschichte!“, krähen manchmal die FrauFreitagKinder. Und man kann ein ganzes miesgestimmtes Abendessen rausreißen, indem man zum Beispiel zum 100sten Mal erzählt, „undeinmal hat meine Schwester beim Essen immer, also nicht nur einmal, immer den Kartoffelbrei durch ihre Zahnlücke wieder rausgequetscht. Nur um mich zu ekeln und immer so, dass die Eltern das nicht mitbekommen haben…“ Wenn ich dann noch in Stimmung bin, Dialoge im Original-Dialekt wiederzugeben, hängt die Brut offenen Mundes und begeistert an meinen Lippen, denn im Gegensatz zu den armen Kleinen ist FrauFreitag zweispachig. Gern schließt ein kleiner dialektologischer Exkurs die Geschichte ab.

Ich möchte an dieser Stelle zwei Undeinmalgeschichten erzählen, die inhaltlich verknüpft sind und daher beide unter #Badesee in die Welt kommen sollen.

1. Für A. und P.
Undeinmal waren wir bei unseren Freunden im Badeseeland zu Besuch. Es war hoher Sommer, ein schwüler Nachmittag, die Wäsche, die A. und ich hinten im Garten aufgehängt hatten, hing schlapp. Das gemeinsame Aufhängen von Wäsche ist, ebenso wie das nächtliche Zähneputzen, greifbarer Ausdruck unserer Freundschaft.

 

Die Wäsche also hing schlapp, wir auch. Ein Gewitter hing ebenfalls, und zwar drohend in der Luft, ich fühlte mich wie in einem Tschechov Stück, welchem nochmal?: „es ist schwül. Es wird sicher regnen…“.
So beschloss die Gesellschaft, dann eben mal jetzt noch schnell, wenn aber dann gleich, weil ja Gewitter angesagt ist, doch noch mal kurz an einen der zahlreichen Badeseen zu fahren, den weiteren mit dem schönen Blick.
Aufi gehts, wir werfen Handtücher und Kinder und A.s Papa in diverse Autos und fahren los durch den Badeseeländischen Sommer, Maisfelder, Blau-Weiß, Musik volle Pulle.
Angekommen am schönen Ort! Die Jugend steht erstmal Schlange vor der einzigen Umkleidekabine. Diese Jugend! Dann planschen wir ein bisschen rum. Ich schaue 360° – Postkartenidylle!
Doch was ist das? Ist es ein schmutziger Bär von geringem Verstand mit einem Ballon in der Hand, um die Bienen zu täuschen? Nein! Es quellen allmählich dunkle Wolken auf.

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Auf diesem Bild sieht man, wie wir -mehr oder minder sorgenvoll – Ausschau halten…

Wir paddeln ein wenig weiter, aber hierzulande quillt es schnell und plötzlich ist es ziemlich dunkel.

P. ist ortskundig. Gelassen steht er neben mir im Wasser und sagt mit tiefer, beruhigender Stimme „DA KOMMT NICHT VIEL“…

Ich rufe trotzdem meine Küken aus dem Wasser und wir rennen geschwind zu den Autos, Faradaysche Käfige, (-> eine andere Undeinmalgeschichte, #München 1972, Deutsches Museum) und lassen darin das Gewitter über uns ergehen. Wir, die wir aus milderen Gefilden kommen, staunen ob der Gewalten und denken nur „aha, dazu sagen die hier NICHT VIEL…“. Auf der Heimfahrt, es hat jetzt doch merklich abgekühlt, wünschen wir uns ab und an schon mal ein Amphibienfahrzeug.
Wir sehen unterwegs

    • Fahrzeuge im Graben
    • liegende Maisfelder
    • Straßen unter Wasser, tief
    • Astbruch, reichlich
    • zerstörte Bauerngärten
    • Berge von Hagelkörnern, die tapfere Bewohner des Landes mit Schneeschaufeln heranbringen
    • Feuerwehren im Einsatz

Zum Glück hat A.s kluger Sohn die Wäsche abgehängt, rechtzeitig. Also alles in Ordnung!

Wenn wir in dieser Runde heute zusammenkommen, sagt eine_r ab und an unvermittelt nach einem Blick zum Himmel (geht auch drinnen) „Da kommt nicht viel…“

Dingsdafinale, FrauFreitag verletzt!

Während sich die Mannschaften aufwärmen, die Fans vorglühen und -schon- die Nationalhymne durchs Fenster zu mir herein klingt,  (irgendwie immer ein sehr seltsamer Moment) liege ich. Laut fluchend und mit dem Schicksal hadernd. Im Bett. Fragt nicht, wie lange ich gebraucht habe, bis ich hier war. FrauFreitag, was ist denn bloß passiert? Das will ich dir erzählen, es ist eine Geschichte voller Schmerz und Selbstmitleid.
Ich war im Training. Todmüde zuerst. Dann, nach 30 min. extrem-warming up, i.e. Rennerei, Seilspringerei, Schattenboxerei Hampelmännerei, etcetc, also wirklich warm, unter mir schon kleine Pfützen, …wollte Trainer E. mir einen Gefallen tun und mir die ersten 3 Minuten Pratzentraining widmen. Ich freu mich, bin endlich wach und heiß drauf, ein bisschen zu hauen und zu treten. Kombination war folgende: eine schnelle kleine Linke, eine ebensolche rechte Gerade, noch eine Rechte, diesmal lang und hart, dann ein freundlicher rechter Uppercut, linker Haken, rumms, rechter Kick als Abschluss. Ich mache schon wieder Geräusche wie diese Tennistante, kicke laut  mit „uoah“, bin wild und gefährlich, alles sehr schön, coole Kombination, macht echt Spaß, viermal, fünfmal, E. greift an, ausweichen, weiter gehts, nach dem Haken der Kick- ich hebe das Bein, schreie, setze den Fuß auf den Boden, schreie nochmal, liege, spiele den gefallenen Fußballer.
Hinter dem Feuerwerk, das ich sehe, weiß ich: Kacke. Das ist (wieder) ein Faserriss, wieder rechte Wade, gleiche Stelle wie vor 2 Jahren, und das hat lange gedauert. Sehr lange. Narbengewebe. Das Alter. Mein Leben, meine Karriere- ruiniert. Sitze, Bein senkrecht hoch, wiegele ab, „geht schon“ (Lawrence of Arabia-„natürlich tut’s weh“). Ein junger, muskulöser Mann massiert sehr aufmerksam mein Bein, aber irgendwie kann ich es nicht genießen. Wo bleiben jetzt die mit der Bahre? Eisspray? Physiotherapeuten? Ein Arzt vielleicht wenigstens? Helikopter? Pustekuchen, alle in Brasilien.
Over.
Auf links in die Kabine. Rufe Kinder an, Mann is ja keiner mehr da. P. kommt, sie ist ja jetzt größer als ich, äußerlich, also muss sie mal ihre durchgeknallte Mutter heimstützen.
Der Weg ist plötzlich 15 Mal weiter…auauau! Es schüttet.
Problem: ich komm ausm Trainig, habe ca. 100 Liegestütz gemacht, Schattenboxen mit Gewichten-meine Arme können nicht mehr.
Zeitschleifengefühl, Krücken, Behinderung-war doch erst, oder? Traumatisch.
Will das nicht. Nie wieder!
Bin extrem unzufrieden.

¿Wie bitte???
0:5?!?!?!?
Irgendwas stimmt doch heute nicht!

Misery and pain.

Nachtrag, 12.7.:
Am gleichen Abend, so berichtet mir meine Mitbewohnerin der Stadtwohnung, ist das Muhammad Ali-Poster von meiner Tür runtergefallen. Was für eine Koinzidenz!!

#ich hab mal in einem Stück mit/gespielt…-Idee

Seit dem Kehraus (s. ebenda) geht mir der Ohr- und Gedankenwurm (Hirntrojaner) „ich hab mal in einem Stück gespielt…“ durch den Kopf.

Idee hierzu.

Vielleicht sind nicht wirklich alle hier echte Berufsschauspieler_innen.  (Oder ist hier eine_r?)

 Einschub: All the world’s a stage, and all the men and women merely players…eteze, [das gelangweilt, schon zu oft wiederholt]

Aber irgendwie mitspielen tun wir doch alle, tun wir nicht?
Drum erzählt, Freunde, Römer und Mitbürger, in was ihr spielt! Ich mach auch mit und schon wird mein Privatgrundstück zum Tummelplatz, zum Spielplatz- zur BÜHNE!
Hofft

FrauFreitag

Planwirtschaft, ein Aspekt

Vorwort:1. Der folgende Text ist schon ein bisschen älter. Ich finde ihn aber gerade passend.  Man erkennt das Alter des Textes z.B. an der Formulierung „mein Mann“. Das heißt heute Exmann. 2. Der Text ist mit einem schweren Kater geschrieben worden.3. Außerdem muss ich die Leser warnen. Es werden pikante und wahre Details aus einem früheren Leben berichtet. Das müssen Kinder zum Beispiel nicht lesen. Und auf keinen Fall zu Hause nachmachen!

 

Und jetzt kommt der Text:

Es muss am Raki liegen, dass ich mich heute so schwach und wacklig fühle.

Andererseits: als wir um acht gestern Abend losgingen, wollte ich eigentlich viel lieber ins Bett, weil ich nämlich schon seit fünf auf war. Es war außerdem Mittwoch, der schlimmste Tag in der Woche.

Das Wort „Lebensplanung“ geht mir in all der Wackligkeit heute nicht aus dem Kopf. Darüber hatten wir ja schon auf dem Weg geredet. Dass mein Mann glaubt, dass wir alles falsch gemacht haben, was ich so wahnsinnig hasse, weil ich davon das Gefühl bekomme, alles falsch gemacht zu haben. Kein Haus gekauft. Kein Nest gebaut. Immer Kompromisse und Provisorien.

Lebensplanung.

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen.
Ich habe einen Essensplan in der Küche. Darauf stehen Essen, die es in der Woche wahrscheinlich geben wird, wenn ich es mir nicht anders überlege. Darum schreibe ich immer drunter: „Kurzfristige Änderungen vorbehalten“. Es gibt außerdem einen PLAN, der festlegt, wer diese Woche den Müll rausbringt und wer sich um das Vorhandensein von Getränken kümmern soll. Damit versuche ich, diversen Streitereien vorzubeugen. Und den Überblick zu wahren, was nicht immer leicht ist.

Ich hasse Pläne eigentlich (außer wenn ich sie übererfüllen kann). Die Zettel an meinem Kühlschrank stürzen mich manchmal in eine tiefe Seinskrise. „Essensplan“, denke ich dann mit Schaudern.
Aber Lebensplan?

„Unser Lebensplan  (oder war es –planung?) ist eben so. Deshalb müssen wir das auch gar nicht diskutieren“

Ein starker Satz. Haben die gesagt, die auch noch da auf der Geburtstagsfeier waren. Natürlich ging es um das schöne Thema Kinderfremdbetreuung. Ganztagsschule und so Dinge. Achje.

Ist das eine Aussage. Stellen wir uns das vor! Da setzt sich ein junges, verliebtes (?) Paar hin und macht seine Lebensplanung. So wie wir unseren Essensplan. Am Küchentisch vielleicht. Da sitzen sie und planen.

Ich habe alles falsch gemacht.

Nie am Küchentisch den Lebensplan geschrieben. Dafür habe ich jahrelang meinen alten Küchentisch vor dem Sperrmüll gerettet. Wie könnte ich ihm das antun, Zeuge so vieler Szenen der er war? Er hatte zum Beispiel schon immer genau die richtige Höhe, um sich darauf zu setzten, die Beine anzuziehen und sich vögeln zu lassen. Man konnte sich auch mit dem Bauch drauflegen und den Rock heben. Zur Abwechslung. Und hinterher war man schon da, um an ihm was zu trinken. Wodka und Kräutertees.  Man konnte auch Rauschgifte probieren und hoffen, dass ihre Wirkung schnell aufhört. Ich erinnere auch auf ihm liegende Köpfe mit weinenden Schultern, weil die Zeit der auf diesem Küchentisch geschobenen Nummern nun m.E. definitiv vorbei sein sollte.

Und manchmal saß man nur so dran, um z.B. was zu trinken, und dann musste man mal drüberstreichen und lächeln.

In einem anderen Leben habe ich gern die kleinen Kinder mitten auf den Tisch gesetzt. Das war nämlich die Insel, auf der man gestrandet war, während die Mutter die Küche putzte. Oder das Schiff. Auf dem man den Ozean überquerte, während die Mutter die Küche putzte…

Millionen Bilder sind an ihm gemalt worden, Saftbecher ausgeschüttet, Popel drunter geschmiert, Kastanienmännchen gebastelt und Plätzchen gebacken. Dabei wollte ich nie unbedingt Kinder haben. Also das war nie in meinem Lebensplan. („Kurzfristige Änderungen vorbehalten“).

Sitzen die also da und machen den LEBENSPLAN. Oder haben sie das postkoital im Bett erledigt? („Schatz, willst du eigentlich lieber arbeiten gehen, oder zu Hause bleiben?“ „Och, eigentlich lieber zu Hause bleiben.“ „OK, ich schreib das auf. Dann müssen wir das später nicht mehr diskutieren. Das beugt unbedingt Streitereien vor.“)

Was hätte aus mir werden können, wenn ich den Küchentisch nicht immer so zweckentfremdet hätte? Mindestens Ministersgattin. Oder doch Ärztin?  Irgendwas Richtiges.  „Klar weiß ich, was ich will!“

Vor einiger Zeit sind wir umgezogen. Es gab einen neuen Küchentisch, der ist ganz hübsch und wir werden uns schon aneinander gewöhnen. Mein alter steht im Keller. Es durfte nicht auf den Sperrmüll. Ich finde, es ist ganz genau der richtige Tisch, um für geliebte Gartenarbeiten benutzt zu werden. Da kann man immer mal lächelnd über ihn streichen…Schließlich hat er seine Sache immer gut gemacht. Was ich von mir nicht durchgehend behaupten möchte.

Was habe ich eigentlich so für eine Lebensplanung gehabt? Wollte ich eigentlich schon seit  fünf auf sein und mich um acht zu müde fühlen für einen Geburtstag? Sicher auch so eine kurzfristige Änderung.

„Ich hab mal in einem Stück mitgespielt…“

da wurde, wie das vor einem Umzug, einem Auszug,  gehört, alles nochmal angeschaut, in die Hand genommen und Geschichten dazu erzählt. Von Stücken, in denen man mitgespielt hat. Vom Lachen, von Erwartungen, vom Kommen und Gehen, vom Leben.  Vom Sterben auch, und von allem andern. War das Haus am Mittag leer, ist es an diesem Abend voll, ich finde: voller Leben und Wahrheit. Ja, WAHRHEIT, man muss sich auch mal trauen, große Worte zu verwenden.  Zum Beispiel für diesen großen Abend.  Alles wird nochmal auf die Bühne gezerrt, auch Schauspieler, die seit Jahren weg sind, solche, die gerade auf der großen Bühne nebenan spielen, unterwegs Verstorbene sogar.  Fast drei Stunden ohne Pause dürfen wir zuhören, zuschauen, Teil haben. Dann ist endgültig Schluss.

Felix steht noch ein Mal im hellen Glanzanzug auf der Bühne und raucht, alle rauchen diese letzte Zigarette zusammen,  Romeo ist immer noch authentisch und körperlich sehr präsent, die kleine Hexe leuchtet… Es dauert drei Beifallsschläge, dann stehen alle.  (Der Platz an meiner Rechten ist by the way leer. Ich juble für alle mit.)

Was kann man tun? Klatschen, klatschen, bis einem die Hände bitzeln. Und dann nochmal! Ich habe den kurzen Impuls, meine Wäsche auf die Bühne zu werfen, schaffe es aber, ihn zu unterdrücken, muss ja klatschen…Danke, Mainzer Ensemble! Das finden auch alle anderen, die da sind. Das Kleine Haus, so voll.

http://youtu.be/8EgT2bJkIxQ

 

 

 

 

 

 

 

Leeres Kleines Haus

Wie wunderbar, hat man ein Kind. Zum Beispiel eines wie ich es habe, dieses, das Schauspieler_in werden möchte.

Bekanntlich führt das Gymnasium NO morgen das wundervolle Stück The Wind in the Willows auf. Das ebenfalls bekanntlich mithin schönste Kinderbuch der Welt. Na, mit vielen andern zusammen.   Das gibts also morgen, Kleines Haus,  einzige und ultimative und letzte Aufführung in dieser Besetzung, mit dem begabten Kind in der Rolle des Mr. Toad, des Kröterich!

Also, heute Generalprobe des Ganzen, ich lerne, man nennt das im Theatervolkjargon GP, also gee-pee, nicht dschii-pii.

Statt wie sonst immer in Samstageinkaufkochwaschputzen zu machen, geh ich mal mit. Und wie schlau das war! HA!! (sagte die Mutter des Kröterichs.)
Oder, wie der Maulwurf schon ganz richtig bemerkte: „Zum Teufel mit dem Frühjahrsputz!“

Da ist das Kleine Haus beinahe leer. Ich schlendere herum, während der Jugend erklärt wird, wie man sich verbeugt, wie man abgeht, wie man wieder von der anderen Seite auftritt. Wie wundervoll so ein leeres Theater ist, vor allem natürlich dieses. Es bedeutet mir viel.  Ich mache eine Menge Bilder von leeren Reihen, Stühlen, der Decke. Keinerlei Gedränge, Geschiebe, Gerede. Eine beinahe hallige Atmosphäre! Nur meine ganzen Theatererinnerungen und ich sind unterwegs. Hach, phantastisch, so eine Schauspielerin in der Familie!

GP geht los – ich verrate nichts, aber: es hat sich gelohnt! Musik, Gesang, Schauspiel – alles superb, Bombenstimmung dazu. Hinterher steht der Entschluss des Kindes fest: irgendwas mit Theater…

Ich hab nichts dagegen. Dann sitze ich immer im leeren Raum und häkle Topflappen oder löse Kreuzworträtsel oder schreibe in meinen „digitalen Schreibblock“. Oder sehe dem Kind beim Agieren zu.

Jetzt aber schnell einen kurzen Schönheitsschlaf! Heute Abend ist Kehraus im Kleinen Haus, da wird es voll sein! Hinterher Abschieds-Party, Romeo ist auch da, also muss man ja einigermaßen aussehen…

http://www.staatstheater-mainz.com/uploads/tx_stmzgallery/DER_GROSSE_KEHRAUS_9.jpg

 

 

Willkommenscenter

Nach der Ausstellungseröffnung gestern Abend in Koblenz

„yes, we’re open“

erreicht mich die Nachricht meines persönlichen Programmierers:

„FrauFreitag ist online.“

AUGENBLICKLICH fühle ich eine ergreifende Leere in mir.

Wenn das Fußballbild nicht bis zur völligen Erschöpfung abgegriffen wäre,  würde ich jetzt mit Torwarten und 11Metern anfangen.

Jetzt aber steht mir allerhand bevor. Ich muss all dies wordpress-Zeug begreifen, lernen, machen. Hab gar keine Zeit dafür!

Volles Programm fürs Wochenende:  Nr. 3 wird Schauspielerin (Proben, Aufführungen, Nervenzusammenbrüche), Nr. 2 kommt von Klassenfahrt zurück und wird erwachsen, Nr. 1 wird ein Junge.

Ich selbst muss auch noch ins Theater, einmal zu Nr. 3, einmal zum Abschied, Kehraus…

HILFE!

http://youtu.be/FSk3TG5czcg

Immer weiter strebt

FrauFreitag