Alle Beiträge von Frau Freitag

Hotelmorgen usw.

Arbeitseinsatz weiter nördlich.
Nach einer Nacht, die sich vor allem um die Frage „Klimaanlage an oder aus?“ drehte (> an), wacht FrauFreitag mit völlig verkrumpelten Atemwegen auf. Wahrscheinlich wäre „aus“ (und erschwitzen) die richtigere Entscheidung gewesen. Im Bad Slapstick mit mir selbst, als ich feststelle, dass ich zum 100000 Mal ein Kämmgerät vergessen habe mitzunehmen. Kind 3 lacht per SMS laut. Aber keiner hilft. Muss also so gehen, Finger und Zahbürstenstiel.

Frühstück. Hatte ich mir auch anders vorgestellt.
Man kann noch nicht raus, es füllt sich schnell und ich bekomme einen spontanklaustrophoben Anfall. Früher war ich jünger, denke ich, als ich vor allem fliehe. Egal. Ich muss ans Wasser. Sofort und pronto.
Am Rheinufer, unter sehr schönen und sehr alten Bäumen machen Senioren Frühsport zu spitzen, munteren Zahlenschreien einer asiatisch aussehenden Vorturnerin. Ich stell mir vor, ich sei in China, Tai-Qi, Park, morgens…mein Kopf denkt also „Frühsport“ und mir fällt sofort Vysotsky und sein Lied über morgendliche Gymnastik ein!

http://youtu.be/NUIuUEH4qTY

(Ich stelle diese Variante ein. Schlimm ist, dass er asynchron singt. Macht mir als Mundstarrerin das Verstehen schwer. Aber: es gibt für die Nichtrussisten hier die Übersetzung…tri tschetyre…)
Ich strahle beim Gedanken an Vasja am Tisch und das hilft mir in den Tag. Setze mich direkt ans Plinkplinkfunkel-Wasser. Aber wie schön so ein früher Morgen vor der Hitze ist! Und wo will der Rhein hin, so schnell? Eben! Also flüstere ich ihm ein paar Geheimnisse zu. Soll er mal der See weitersagen. Und warum werd ich jetzt bitte so zappelig? Die Füße wollen rein. Dürfen sie. So stehe ich direkt mit allem verbunden und warte, bis meine Zehen so schrumplig sind wie meine Atemwege. Dabei werde ich -magic!- plötzlich hydrophil und will so sehr ins Wasser wie noch nie never ever. Ich will jetzt und sofort und vor allem ohne Kostüm in die Nordsee und stelle es mir so doll vor, dass ich Gänsehaut bekomme. Man sacht ja, was man sich vorstellt, aktiviert, wenn mans nur doll genug macht, die selben Hirnareale…aber ich muss schon sagen – manches fand ich in echt doch schon mal besser als als bloßen Willen und Vorstellung. Lassen wir das.
Trotzdem erfrischt in den Arbeitstag, den ich mit nur einem albernen Anfall, einigem an Energieaufwand und 5 Fläschen Sprudel, einem Orangesaft und zwei Kaffee durchstehe. Außerdem schreibe ich permanent. Also mit.
Tagungsraum und- Klimaanlage. Krumpelschrumpelhust.
Herrliche Heimreise, pünktlich fahren wir an Vater Rhein hinunter. Warum isses da eigentlich so schön, fragen wir uns und stellen uns vor, wie es wäre, wenn nun all dies Wasser goldner Wein…

In Rheinhessen wird schnell die Badehose eingepackt und mit dem kleinen Kind die nächstgelegene Badeanstalt besucht . Ich will immer noch, obwohl mir die Augen brennen und ich mich frage, ob ich schon Fieber habe.

Eine ziemliche Enttäuschung. Chlorwasser statt Auftrieb im Salz. Scheißbadekleidung. Ich bin besseres gewöhnt. Sollte man vielleicht doch bei bloßen Vorstellungen bleiben? Ich weiß es wirklich nicht. Ich muss mich eincremen. Alles juckt.

Aber: schön wars doch, Kind ist froh und müde. Und das Rutschen hat echt richtig viel Spaß gemacht…vielleicht geh ich morgen wieder hin. Aber NUR zum Rutschen.

Physiotherapeut in Vollzeit gesucht.Oder wenigstens Teilzeit.

War ja klar wie was.

Ich sollte mir mal so einen Aufkleber auf die Stirn machen.

Aufgefallen war er mir ja schon letzte Woche, weil- klar-groß, stark, dunkelhaarig.  Und ein bisschen – aggro? Ein Funkenschläger, dachte ich noch.  Ein Feuerstein. Feuer statt Wasser. Mehr Klischee geht gar nicht.

Und heute war er für mich eingeplant. Kurz vor 10. „Zieh dich aus“ als zweiter Satz.  Schluck. Dann sagt er mir, dass er stark sehbehindert sei. Das kommt mir sehr entgegen…
Punkt. Absatz.

Durchatmen. Ich rauch mal eine, also symbolisch gesprochen. Das mag ja alles noch angehen. Man muss schließlich auch nicht jede Situation „sexualisieren“. Das hier ist sein Job, ich bin hier Patientin. Und das weiß ich auch. Ich bin ja nicht voll verblödet. Realistin ist mein 2ter Name.

Aber dann fasst er mein wehes Bein an.
Ich kenne einige Hände von Physiotherapeuten. Diese sind – anders.

Fasst zweimal hin, fasst an die Fersen. Und weiß Bescheid. Über alles, so scheint mir. Wenigstens über mein Fuß-Bein-System, was ja ein kompliziertes ist. Dabei hatte er die Narben noch gar nicht gesehen.
Ich bin geistesgegenwärtig genug um nebenbei festzustellen, dass er KEINEN Ring trägt. Ist aber vielleicht auch einfach kein Ringträger. Wunderschöne Hände. Um das Klischee abzurunden. Doppelname verheißt aber nix Gutes…
Sonst finde ich heraus:
-dass wir beide Schwimmen hassen – dann können wir das vielleicht gemeinsam tun!?
-und dass er nur ein Jahr jünger ist. Also als ich jetzt.

Liebe_r Leser_in. In solchen Situationen bin ich immer eine Lenor-FrauFreitag. Ein Teil steht neben mir. Deutet mit dem Finger auf mich und lacht. Kopflastig wird da alles besser gewusst. Jedoch. Diese Hände…

Was tun? – mal wieder die Frage.
Nächste Woche ist ein anderer eingeteilt.
Am 5.8. um 12h seh ich ihn wieder. Und auch zum letzten Mal.

Rezept erneuern? Ansprechen? Wie?  Worauf? Wie die Atmung flach halten? Und das Rezept? Soll ich es meinem Arzt erklären? Zahlt die Krankenkasse meine Romanzen? Und wenn er nein sagt? Ich meine, wie oft werden KGs angesprochen von Patienten? Täglich 3 Mal schätze ich. Die kotzen doch! Aber wert wär ers schon…

Was tun??
Fragt, völlig aus der Bahn, mit vor Sehnsucht weher Wade
FrauFreitag

und bittet um ernstgemeinte Zuschriften!

Heute war Klaviervorspiel

Damit gehts los.

http://youtu.be/uPPP8DDh0SE

Bitte während des Lesens hören.

Wenn die Kinder keine 2 Jährigen mehr sind und sich nicht mehr im Supermarkt an der Kasse auf den Boden werfen und damit die Aufmerksamkeit aller bekommen –

-dann spielen sie vielleicht irgendwann Klavier.

So tut MeinKind 1. Schon seit 12 Jahren tut es das, es tut es sehr sehr gut und schön und zu Zeiten tat es wenig anderes. Seit nunmehr 7 Jahren hat es einen „neuen“ Lehrer. Ich könnte hier ein Loblied auf ihn singen, ich lass es aber. Und bei diesem phantastischen Lehrer ist immer in der schönen Sommerzeit ein Vorspielvormittag, traditionell kurz vor den Ferien, 1-1,5 Stündchen. Da kommen alle Schüler_innen und auch die seiner Frau, die lehrt das Cello.

Ich liebe diese Vorspieltage. Immer fangen die Kleinsten an. Die spielen 1, 2 oder gar 3 Stückchen, jedes dauert vielleicht eine Minute und das macht irre viel Freude. „Wenn ich ein Vöglein wär…“, „Ich bin ein Musikante…“, „Der König Karl hat heute vergessen seine Hose anzuziehen und geht in der Unterhose raus…“
Da sitzen kleine Jungs und Mädchen (feingemacht, Blume am Ohr…) auf dem Hocker vor dem großen Flügel, beinebaumelnd. Weils warm ist kann man bei vielen sehen, wie die Zehen in den Sandalen noch mitarbeiten. Das zieht mir immer den Stecker. Und die irre konzentrierten Gesichter von 6 Jährigen! Es sind schon sehr verschiedene Menschen, diese Kleinen. Manche sind schon ganz cool. Andere verbeugen sich schon wie Große. Manche sind Anarchisten. Man weiß gar nicht, was die da spielen und wann ein Stück aufhört und das nächste anfängt. Dann klatscht immer der Lehrer und hilft so den Eltern, den Einsatz nicht zu verpassen. Manche sind Dadaisten. Heben alles auf, was Halt gibt. Und manche sind wie Metronome.
Dann kommen die Größeren. Die spielen längere Stücke. Hier wieder ein Lob an den Meister: er findet immer das richtige Stück für jeden und macht alles mit. Für einen eher unwilligen 14 Jährigen wurde da mal ein Punkrockstück extra für Klavier gesetzt – eine Herausforderung für den Meister, eine Abwechslung fürs bürgerliche Publikum und ein Riesending für den Schüler. Er war dies Jahr trotzdem nicht mehr dabei…Sonst auch mal gerne was leicht poppiges oder etwas, reich an schwelgerischen Akkorden.
Zwischendurch lernt man immer was: wer Türk war, dass Gurlitt nicht nur ein Kunstsammler sein kann, dass Chopin neben seinen berühmten 24 Großen  Etüden auch noch drei für ein Klavierlehrbuch von – Mist, vergessen, irgendwas mit M. – komponiert hat.
Und ich muss sagen, es reißt mich auch immer, wenn ein 12 Jähiger präzise und gefühlvoll Chopin spielt, als wüsste er schon, was er da sagt…
Also ganz viel Gänsehaut.
Aber je länger das dauert, desto wärmer wird es im Raum unter dem Dach mit 12 Kindern und so 20 Eltern, vier Celli, 2,5 Flügeln…und FrauFreitag bekommt Adrenalinhände. Denn gleich ist MeinKind dran und ich habe das Gefühl, in solchen Situationen ist die Nabelschnur nicht durchtrennt und ich habe live was von seinen Aufregungen. Ein Körper. Und heute soll ich filmen. Himmel! Ich kann die Kamera nicht ruhig halten, so zittere ich. Ich weiß ja, was kommt. Immer als letztes spielt MeinKind. Und lange. Und schwer. Und so schön, dass man weinen möchte. Und das machen dann auch immer mal welche. Weil MeinKind nämlich mit ALLEM spielt, was es hat. Mit Talent, mit Herz, mit viel Gefühl und dabei sauber und scharf akzentuiert. Mutig auch. Ich halte die Kamera also mit 2 Händen und sie wackelt immer noch. Es kommt:

Schubert, Klaviersonate a-Moll, Sätze 1, 3 und 4.
Schubert, so lernen wir, ist erst seit etwa 60 Jahren als Komponist von Klaviermusik so recht geschätzt. Ich versuche mit MeinemKind darüber zu sprechen, was mir an diesem Stück so gefällt. Aber ich kenn nicht die richtigen Wörter. Ich haspele was von „verschiedenartig“, „vielfältig“, „gebrochen“, „energetisch“, aber das geht alles ein bisschen vorbei. Mit hochgezogener Braue schaut er mich an: „du meinst DIFFERENZIERT“. Gut, von mir aus. Schubert – sehr differenziert. Merken. Also mal selbst zuhören. Was sind die Wörter dazu? Gehen Wörter mit/über Musik??

Wie isses gelaufen?? Grandios! Paar Verspieler tun der Kunst keinerlei Abbruch. Langer Beifall. Da wird mir klar: das war vielleicht das letzte Mal, eben. Weil grade keiner weiß, was nächstes Jahr ist (weiß man nie, jaja, aber diesmal ist man sich dessen gewahr…).
So verabschieden wir uns kurz. Und lassen bewusst alles offen.
Ich mag den ersten Satz am liebsten, glaube ich…

Jetzt nochmal zuhören.

Hitzebedingter Stream of C.

Ich habe eine Entschuldigung:
es sind 40°C und ab 26° fange ich an, schlechter und schlechter zu funktionieren.
Ich wollte mal was Vernünftiges machen bei dem Wetter: nämlich nix. Schon früh hab ich alles Wesentliche erledigt, das Haus verdunkelt (schon echt toll, Sommer…), Getränke kalt gestellt…da sollte ich mal eben schnell Kind 2 durch Rheinhessen fahren, zu einer Freundin. Mach ich. Ich hab ja ein automatisches Fahrzeug.
Nur Idioten unterwegs. Alle haben nen Sonnenstich. Nach ner Stunde bin ich wieder da. Leg mich ins abgedunkelte Wohnzimmer und denke nach.
Auf tritt Kind 3, das Schauspieltalent (jetzt neu: mit Fanclub!). Ob ich es mal eben zu einer Party durch Rheinhessen fahren könne? Klar. Dabei kann ich ja auch grade Kind 2 wieder abholen…
Stau auf der Spur ins Freibad. Ich sehs mit Schaudern. Zum Glück sind alle beschäftigt und plärren nicht nach Schwimmbadbesuchen…
Endlich zurück im abgedunkelten Haus, auf dem Sofa, denn im EG ists am ehesten auszuhalten. Fühle mich dumpf, irgendwie verstrahlt. Absolviere mit Mühe die Tageszeitung. Denke über einen Blogartikel nach, weiß nix. Schaue mal in Wikipedia nach. Lese den Artikel „Blog“. Frage mich, ob ich nachschauen muss, was ein RSS-Feed ist. Kenntnisse in HTML. Hm. Vielleicht sollte ich Poker lernen?

http://de.wikipedia.org/wiki/Blog

Ich hole den Ventilator. Der soll mir mal unters Kleid pusten.
Komme vom Hölzchen aufs Stöckchen. Da gibt es eine Liste der 100 meistbesuchten Blogs. A-HA. Muss ich, klar, anschauen.

Sehr interessant. Manche kenn ich ein bisschen. Manche scheinen mir richtig gute Zeitungen zu sein! Ich schaff das aber nicht. Ich hab zu viel. Und zu tun. Also scan ich mal drüber.
Manche haben übertrieben geile Namen.
Einer macht mir Angst.
St. Pauli ist auch dabei, soso.
So kann man also seine Zeit auch zubringen. Blögge lesen und schreiben.

Ich merke wie ein Teil meines Ich in Hitze diffundiert. Phantasiere auf Gälisch. Sehe Neufundländische Fischer vor mir. Sie haben rötliche Haare auf ihren Fischerhänden.
Es wäre mir echt mal grade egal, ob ich am Anleger, an Landsende oder bei Westerwaft in die See ginge, Hauptsache sie wäre grade da und ich auch. Mache mir Sorgen um meinen Geisteszusatnd. Schlafe ein, träume keltische Träume und wäre selbt rothaarig in einem windigen Land.

Schrecke wieder hoch. Muss  die Blogwelt erkunden, meine Nachbarn kennenlernen…da stoß ich auf was, was mich RASEND macht.
images

Jetzt muss ich SEHR weit ausholen, einen Schwinger ansetzen. Und das soll man ja nicht. Wir sind ja nicht aufm Jahrmarkt, sagt mein Trainer immer.
Also, Was is los? Warum kriegt die Freitag jetzt nen Anfall?
Ssssss. Ist ja meine eigene Schuld. Ich hab mich ja nie getraut.

[mit saudoofer Stimme:]

„och, ich hab ja nichts zu erzählen. Ich erleb ja nichts. Das will ja keiner lesen. Das können andere viel schöner (Thomas Mann, Hertha Müller, Goethe et alt.). ..“
Und!?
Was muss die kulturbolschewistische Beobachterin jetzt sehen?
(Schöne Zeitung wäre das, oder?
DER KULTURBOLSCHEWISTISCHE BEOBACHTER.
Und wehe im DruckSatz wird das R umgedreht!)
Was muss ich sehen? Da gibts son Mutti-Blog. Handelt von allem, was wir , also manche geneigten Leser, kennen. Bis zum Überdruss kennen, zum Abwinken, Durchwinken, Vorhang!
Pipi, wache Nächte, Zahnpasta, Supermarktbesuche mit 2 Jährigen.
Und von Nagellack. Nagellackfarben genaugenommen. Eieiei.

OK. I accept the challenge.

Ich hol noch mal aus.
Als mein Exmann mich gegen eine junge schöne Kleinkünstlerin versuchte auszutauschen“ [diabolisches Lachen], dachte ich über einen Song nach, den ich sie singen lassen wollte. (Zur Not, falls sie nicht freiwillig wollen würde, mit Gewaltandrohung.)
Sie sollte ihn wie folgt anmoderieren: das Libretto des nächsten Stücks ist von der Exfrau von meinem Neuen geschrieben worden. Es trägt den Titel: [Kunstpause]
„Warum ich nicht Künstlerin geworden bin in den letzten 23 Jahren“.
OK, das war eine kindische Idee. Wutgeboren. Aber zeitweise hilfreich. Und am Text hab ich rund um die Uhr gefeilt, bei jedem Essenmachen, bei jeder Waschmaschine, bei jedem SCHEISS. Dabei kam ich dann auf die Idee, einen neuen Ulyses zu verfassen, einen luciden stream of consciousness.
Zur Bewusstseinserweiterung guckt man hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstseinsstrom

Das hat mir so gut gefallen, dass es mir gleich viel besser ging. Und immer besser. Und irgendwann so gut, dass ich vom 10er gesprungen bin und dabei noch „guckt ma!“ gerufen habe [platsch], und ja, zugegeben, einige hatten ein bisschen geschubst und hinten gedrängelt. Also jedenfalls bin ich Blogbuchschreiberin geworden. Und fleißig.

„Und was is mit HTML?“, wird da von der Seite reingerufen… Kommt vielleicht noch. GEHT AUCH SO.
Labere Wörter in die Tastatur, denke an meine Leser_innen, grinse beim durch die Satzwelt rennen, weiterweiter, höre ich die Trainerstimme…Boxen oder Schreiben: Wir dürfen nicht nachlassen. (#Camus)
Wollte ja eigentlich am liebsten schon immer Briefe- oder Auftragsschreiberin werden. Berufe mit Zukunft, I know. Also, hier ist ab jetzt Wunschkonzert. Ruft rein, was mal dran wäre. Gemeinsame Undeinmalerlebnisse. Überschriften. #Schlagworte…bitte mitmachen, dann wirds „interaktiv“.

Wo war ich, wo wollt ich hin?
Richtig, die Konkurrenz.

Also. Vorschlag an die Leserschar:
Jede_ von Euch sagt 2 bis unendlich vielen Leuten, sie sollen HIERHER kommen, zum Lesen. Und die dann wieder. Und dann müsste ich ziemlich schnell, wer rechnet das bitte mal eben aus? , B.H-D vielleicht? ziemlich schnell unter den TOP 100 sein. Ohne Nagellackfarben. (Unter uns: ich gewöhne mir ja das Fingergebeiße ab. Auf Hooge war ich clean. Jetzt, naja, ich arbeite dran…). Und ja, von mir aus: Teilt mich auf euren Netzwerken. Und tretet bei:

http://asnetz.npage.de/

Und dafür, wenn schon Prostitution, dann richtig: ich schreib
WAS IHR WOLLT.

Mandel und Kaffeesahne

Wahrscheinlich weil ich dieses Jahr mein erstes Abitur als Mutter erlebt habe, wahrscheinlich deshalb denke ich in diesem Jahr öfter an meine Abizeit, eher noch an die Zeit direkt vor der allgemeinen Hochschulreife.

Für Frau K., heute K.-R.

Da war vor allem diese Zeit der Paukerei. Kein Unterricht, dafür ganze Tage bulimisches Lernen. Fach für Fach, Thema für Thema…
Wenn dann endlich genug gelernt war, Treffen mit B.
B. war meine Busfreundin. Nicht auf der gleichen Schule, aber seit der 7. Weggefährtin im Bus morgens 7.11 h, oft auch nach der Schule. Halbe Stunde Fahrt. Danach Telefonate; es gab soviel zu sagen, nie war man fertig. Die Telefone waren noch fest stationiert in den Wohnungen. Im Flur zumeist, und wenn man Glück hatte, hatte man ein langes Kabel und konnte in ein Zimmer, eine Toilette, einen Schrank flüchten und halbwegs privat telefonieren. Wieso sollten wir uns aufregen über Telefonabhöraffairen? Wir sind es gewöht in Chiffren zu sprechen, während die Eltern zuhören…zum Beispiel: lautes Ausatmen in die Sprechmuschel. Heißt: „kann jetzt nicht weiter über dies delikate Thema sprechen, Eltern_teile hören mit“. Meisterinnen der Verstellung. Also.
Lange Telefonate.
Danach-Treffen.
Pudweise wurde Schokolade verzehrt. Sie Mandel, ich Kaffeesahne. Die guten 200g Tafeln vom Discounter mit A. Eine Tafel für jede von uns, mindestens. Über einige Wochen. Bei ihr, denn da war man meist allein. Dann Jungs durchsprechen. Eltern durchleuchten. Themen des Französisch-Leistungskurses erörtern (Sartre, Camus, Beauvoir).
Was damals anfing, uns aber länger und mir bis heute erhalten geblieben ist:
rausgehen. Rausgehen um wieder klar zu werden. Und raus war: Rheinhessen. Felder. Weinberge. Wenige Obstbäume. In denen saßen wir. Kirschensommer. Schokoladenzeit. Der Geruch von faulendem Obst, Insektengesumm.
Bald würden wir Abitur haben. Die Welt würde uns erwarten. Alles würde passieren…aber jetzt spucken wir Kischkerne und reden klug daher über den Existenzialismus, haben den ersten Liebeskummer schon hinter uns, entwerfen Zukunftsszenarien, haben 100 Pläne aber keinen Plan. Lachen uns schlapp in den Ästen.
Und heute?
In Bäume klettere ich noch, aber seltener. Gegen Kirschen bin ich heute allergisch. Die Mandelschokolade gibts nich mehr, aber Kaffeesahne. Ich schaffe davon keine 200 g Tafel mehr auf einmal.
Liebeskummer? Reden wir nicht davon. (Dank zahlreicher Vergleichsgrößen versteht man besser mit Schmerzen umzugehen. Immer schön reinatmen, in den Schmerz. Ein großer Vorteil des Nichtmehrganzjungseins.)
Pläne? Immer mehr!
Einen Plan? Tssss…
Die Existentialisten haben nicht nur meinen Kleidungsstil geprägt (noch immer hält FrauFreitag schwarze Rollkragenpullover für existentiell), sondern werden wieder und neu rezipiert. Dabei habe ich mich endgültig für Camus und gegen Sartre entschieden. Er sieht auch besser aus.
Abitur ist immer mal wieder ein Thema, aber ich stehe auf einem andern Spielfeld.

Ein Grundstein jedenfalls wurde gelegt, damals in Rheinhessen vorm Abi in den Bäumen. Und jeden Sommer erwischt es mich wieder. Wenn das Korn wächst, reift und ich es plötzlich rieche. Wenn es verdorrt und ich sein Knistern in der Hitze höre. Wenn dann eines Abends ein Feld gemäht ist, ich es vermisse, denn das ist immer der Anfang vom Ende des Sommers. Dann fahren die Mähdrescher die ganz Nacht, wenn es so heiß und trocken ist wie heute. Und zurück bleiben Stoppelfelder, Herbstbilder.
Jeden Sommer. Immer einer mehr. Ein Sommer näher zum Herbst? Pfff.
Und jeden Sommer denke ich an meine Busfreundin, die ich jetzt, wenns gut geht, zweimal im Jahr sehe, nicht mehr im Bus 7.11h.
Was solls. Wir sind UNSTERBLICH. Somehow.

Rheinufer

Undeinmal waren wir zu Vieren abends am Rhein.
Picknick für uns und Räucherstäbchen gegen die Mücken.
Zwischen durchaus ernsten Themen soviel gelacht, dass ich kaum noch Luft bekommen habe.
Sehr sehr schöner Abend. Wie immer mit Euch!

Feststellung:
in der richtigen Gesellschaft, am Wasser und bei gutem Licht kanns hier auch hallig sein.
Rheinufer fast ein Sommerdeich.

FrauFreitag geht unter die Fuszballfans

und schon werden alle Weltmeister!

Will sagen:
Undeinmal bin ich abends in eine Kneipe gegangen, wo ich außer den Inhabern niemanden kannte. Um mir zum ersten Mal im Leben öffentlich Fußball anzugucken. Überhaupt richtig dabei zuzugucken. Nach, sagen wir, 1979. Weil ich ja finde, man sollte immer mal Sachen machen, die man noch nie gemacht hat, also wenigstens manchmal.
Und irgendwann habe ich meine Hände an meiner Stirn gemerkt, wie sie dagegen gehauen haben, meine Hände, die meine Haare gerauft haben, ich habe laut „Abseits“ gesagt und Luft zwischen den Zähnen eingesaugt. So Sachen.
Das alles war sehr lehrreich, lustig und auch wahnsinnig gruselig, insbesondere möchte ich hier die Generalmobilmachung NACH dem Spiel hervorheben sowie das gemeinsame Absingen der Hymne vorher.
Insgesamt: eine 1-, großer Film, nur ich bin nicht die richtige Besetzung dafür.

#Badesee 2

Vorwort:
Vor ein paar Tagen hatte ich diese Geschichte geschwind aus der Hand geschrieben, ein feines, fließendes Flow-Erlebnis, ich wars recht zufrieden. Aus mir unerklärlichen Gründen war der Entwurf, ups, verschollen statt veröffentlicht, durchs Netz gerutscht, weg. Schwierig, ihn wieder einzufangen…
Vor einiger Zeit hat mir jemand gesagt, dass er „seine Stimme nicht kenne“. Es ging hierbei zwar um die Singstimme, aber mir hat dieser Ausdruck gefallen, also habe ich ihn für alle Fälle behalten. Inwieweit diese Schönschreibübungen damit zusammenhängen? „Nun“, sagte Eule weise, „alles hat immer mit allem zu tun.“
Worum es genau genommen geht, ist, dass ich hoffe, den Ton von Badesee 2 hier noch einmal zu treffen, zu finden; er ist schön, besonders und schwierig. Ges-Dur.

Für A. -with love.

Undeinmal- ich habe die ganze Zeit, geglaubt, es sei im letzten Sommer gewesen, aber das kann gar nicht sein, denn da war ich completely anderswo, also wohl vor doch vor zwei Jahren- undeinmal war ich alleine im Badeseeland. Keine Erinnerung, wo Mann und Kinder stecken, jedenfalls in den Kulissen, es ist eine Geschichte nur von Zweien.
Treffpunkt, so ist verabredet, ist nach der Arbeit auf dem historischen Marktplatz (Inn-Salzach-Stil) einer kleinen badeseeländischen Stadt. Nach der Arbeit, also Nachmittag. Sommernachmittag genaugenommen, und geplant ist, dass wir zu Fuß am Fluss entlang wandern, bis zum See. Dort natürlich baden, dann zu Fuß wieder nach Hause, alles nicht gerade um die Ecke, aber durchaus machbar. Also treffen wir uns in einem kleinen Kaffee, ich glaube eher, einer Cafébar, eine dieser Einrichtungen, wo man sein Tablett selber schleppen muss…was uns aber keineswegs ärgert heute. A. kommt von der Arbeit. Wie auch FrauFreitag an den meisten Tagen, achtet A. sehr genau darauf, dass das Kostüm zum gespielten Stück passt. Heute also: das reizende Fräulein vom Büro an einem heißen Sommertag: Ausstattung könnte sein- ein dunkelblaues Kleid, vielleicht mit weißen Tupfen, Haare wegen der Hitze sicher hübsch aufgesteckt. Klassische Eleganz, sehr schön. Ich bin ja im Urlaub, da gehts ein wenig legerer, ein buntes ärmelloses Fähnchen, nie zu kurz, Haare sind kurz genug, also auch nicht aufgesteckt.
So treffen wir uns, Badesachen dabei, A. mit ihrem alten Radl an der rechten Hüfte, Sommernachmittag in der Stadt, Kaffee. Dann aber nichts wie raus aus den bunten Mauern, die historischen Gassen entlang zum Wasser runter schlendern wir, Sonnenbrillen, Feierabend, Ferienstimmung. Nee, eher hitzefrei! Eine spezielle Zeit ohne „ich muss jetzt“ oder „eben noch“ oder „X wartet“…freie Zeit, Blaumachzeit, alle können uns jetzt mal, denn wir haben unsre hübschen Sachen an, das Rad trägt die Handtücher, wir kommen am Fluss an und ich glaube, schon da hat es angefangen, so besonders und schön zu werden, dass wir so besonders und schön wurden, dass wir von weitem gegoldet haben, geleuchtet. Plaudend schlendern wir den Weg entlang, aus der Zeit gefallene Schulkinder bei Hitzefrei. Und völlig zurecht, denn heiß ist es, schwül, wir lassen das Städtchen hinter uns und treten ein in das lichte Wäldchen, das das Wasser begleitet. Aus Indien eingewanderte riesige Pflanzen, ein rechtes imperialistische Dreckzeug, aber groß, beeindruckend, blüht weiß, pink, lila am Wegrand und verdrängt URBAYRISCHE Vegetation, Schmetterlinge gaukeln herum, Mücken interessieren sich für uns, Sonne sprenkelt den Weg und wir fühlen uns großartig. „Komm. Steig auf, wir fahren ein Stück.“, sagt A. Sehr anmutig klettert FrauFreitag im bunten Kleid auf den Gepäckträger, Damensitz und Obacht, die Speichen, Bauchmuskeltaining mit hohem Spaßfaktor. A. hat das Wadentraining, behauptet aber fest, ich würde NICHTS wiegen. Somit völlig schwerelos gleiten wir dahin durch die waldigen Sonnensprenkel, Sommersprossen auf der Nase, Badeanzug dabei, sind kein bisschen soundso40, sondern 8, 12, allenfalls 17. Und wir sind uns der Filmreife unserer Szene auf der Metaebene so bewusst, dass wir kichern und Wanderlieder singen, laut und falsch, aber mit Verve.
So kommen wir erhitzt am See an, ganz unwaldig ist es, seit ein schweres Gewitter vor kurzem hier entlang gekommen ist. Herrlich ists trotzdem, das Wasser weich, kühl und klar. Fischlein schnuppern an meinen Zehen, Libellen schwirren.
A. verwandelt sich an Gewässern immer schnell in ein Wassertier und schwimmt weite Strecken. Ich bleibe hydrophob, tändele nur, suche beim Stehen festen Boden und schau mir die Seerosen an, liege auf dem Rücken und schau in den wolkiger werdenden Himmel. Während die Freundin wahrscheinlich schon am anderen Ufer nach dem Rechten schaut, liege ich bereits trocknend im Gras, beobachte Ameisen, wehre Mücken ab, staple kleine Steine. Als die kleine Meerjungfrau zurückkommt, sieht sie ausgeschwommen glücklich aus. Wir trocknen noch ein bisschen zusammen, dann fassen wir nach einigen Blicken zum Himmel den Entschluss, aufzubrechen, ist es doch noch ein gutes Stück bis nach Hause und Gewitter gibts hier, das kann man gar nicht beschreiben.
Drum, und weil es so schön war, wieder zusammen aufs Rad, alles Wasser bleibt zurück, jetzt rollen wir durch Dörfer, Spalierobst an den alten Hofgebäuden, Phlox bis zum Abwinken in den Bauerngärten, Kapuzinerkresse, Zwiebelturmkirchen, wir mitten im Idyll, zwei Goldmarien auf einem alten Fahrrad, die die Leute zum Hinterherschauen und Lächeln zwingen. Über allem wölbt sich wie üblich der Himmel, mehr oder weniger gewittergeneigt, manchmal auch große Kastanien, bald schon reif, Odelgeruch, Blumen duften in Gärten, Heu auf Wiesen, Geräusche von Melkmaschinen. Ewig, ewig könnte es so weiter gehen, noch an einem Kappellerl müssen wir vorbei, an den Linden, dem Maisfeld…da passiert es und das Rad gibt auf, kann nimmer, wen wunderts…also müssen wir doch wieder auf die Erde zurück, laufen das letzte Stückerl, schauen uns an, noch Glückssprenkel in den Augen und Mundwinkeln.
Was für ein schönes Ferienerlebnis.

Das Frotteekleid meiner Mutter

Als wir übers Bügeln sprachen, musste ich plötzlich dran denken.
Es gibt Menschen, die sehr gerne bügeln, andere eher weniger. So auch ich, eher sehr viel weniger, ich kanns auch nicht so besonders. Was mir hilft: man muss es performen.
Zum Beispiel im Moment. Schwülheißes Wetter, deshalb dauernder Leinenblüschenzwang beim Lohnerwerb. Hitze und Bügelzwang, ganz schlecht. Plan: lästige Tätigkeit mal DRAUSSEN performen. Im Hof. Outdoor-ironing.
Ich seh mich schon im Hof, bügelnd vor meinem geistigen Auge, da poppt eine Erinnerung auf. Meine Mutter, auf der Terrasse, bügelnd. Frühe 80er Jahre, Mutter noch keine 40. Und weil Sommer ist, hat sie ihr FROTTEEKLEID an.
Das Frotteekleid von Frau F. sen.:
M.E. muss es, das verraten die satten Farben, noch aus den 70ern stammen. Ich kenne es zudem ungefähr seit immer. Sommer, Mutter, Frotteekleid, eine Dreifaltigkeit.
In meiner Erinnerung sieht es so aus:
Das Grundmuster sind sehr breite rote und weiße Längsstreifen. Darauf groß angelegtes  Prilgeblüm. Orange, Grün? Es verschwimmt ein bisschen. Darin meine Mutter, 160 üppige Zentimeter. Das Kleid ist allenfalls überknielang, eher mitteoberschenkelkurz. Unten ist eine Art Rüschensaum angesetzt, 5-7 wellige Zentimeter. Darunter die Beine meiner Mutter, sehr wohlgeformt, damals durfte es noch etwas mehr sein. Ärmellos und leichter V-Ausschnitt. Auf dem Kopf, jenseits des Frotteekleides, gerne mal Lockenwickler. Sommersamstagabend, 1981, 82, 83..
Wo ist das Frotteekleid? Seit wann wird es eigentlich nicht mehr getragen?? Wenn es nun weg ist? Was, wenn sie es echt weggeschmissen hat? Die Kleidwerdung einer Ära, der optische Hintergrund meiner Kinder-, Pubertäts- und Jugendsommer! (Akustischer Hintergrund? Sportschau. Geruchlicher Hintergrund? Man hat in Wohnungen geraucht.-Dies spontanassoziative Antworten) Ich bin sicher, es gibt ein Foto. Fällt mir gerade ein! Wanderung durchs Morgenbachtal, ca 1979. Ich werde es finden! Und gleich morgen ruf ich meine Mutter an. Ich brauche dies Kleid!
Wenigstens für die Bügelperformance. Dazu Sportschau, Bindingbier und HB.
Sommer!

#Badesee, 1

Es gibt in der Familie die Tradition der „Undeinmalgeschichte“. Diese sind keine wirklichen Kurzgeschichten und auch keine Novellen, es sind Polaroids, allenfalls kurze Aufnahmen in Superacht. Man darf sie gerne immer mal wieder erzählen, sie sind Teil der persönlichen oral-history. Sie beginnen immer mit den inhaltsschweren Worten „Und einmal…“ und spielen in der fernen, der noch fernereren oder der näheren, schon gemeinsamen Vergangenheit.

„Mama, erzähl eine Undeinmalgeschichte!“, krähen manchmal die FrauFreitagKinder. Und man kann ein ganzes miesgestimmtes Abendessen rausreißen, indem man zum Beispiel zum 100sten Mal erzählt, „undeinmal hat meine Schwester beim Essen immer, also nicht nur einmal, immer den Kartoffelbrei durch ihre Zahnlücke wieder rausgequetscht. Nur um mich zu ekeln und immer so, dass die Eltern das nicht mitbekommen haben…“ Wenn ich dann noch in Stimmung bin, Dialoge im Original-Dialekt wiederzugeben, hängt die Brut offenen Mundes und begeistert an meinen Lippen, denn im Gegensatz zu den armen Kleinen ist FrauFreitag zweispachig. Gern schließt ein kleiner dialektologischer Exkurs die Geschichte ab.

Ich möchte an dieser Stelle zwei Undeinmalgeschichten erzählen, die inhaltlich verknüpft sind und daher beide unter #Badesee in die Welt kommen sollen.

1. Für A. und P.
Undeinmal waren wir bei unseren Freunden im Badeseeland zu Besuch. Es war hoher Sommer, ein schwüler Nachmittag, die Wäsche, die A. und ich hinten im Garten aufgehängt hatten, hing schlapp. Das gemeinsame Aufhängen von Wäsche ist, ebenso wie das nächtliche Zähneputzen, greifbarer Ausdruck unserer Freundschaft.

 

Die Wäsche also hing schlapp, wir auch. Ein Gewitter hing ebenfalls, und zwar drohend in der Luft, ich fühlte mich wie in einem Tschechov Stück, welchem nochmal?: „es ist schwül. Es wird sicher regnen…“.
So beschloss die Gesellschaft, dann eben mal jetzt noch schnell, wenn aber dann gleich, weil ja Gewitter angesagt ist, doch noch mal kurz an einen der zahlreichen Badeseen zu fahren, den weiteren mit dem schönen Blick.
Aufi gehts, wir werfen Handtücher und Kinder und A.s Papa in diverse Autos und fahren los durch den Badeseeländischen Sommer, Maisfelder, Blau-Weiß, Musik volle Pulle.
Angekommen am schönen Ort! Die Jugend steht erstmal Schlange vor der einzigen Umkleidekabine. Diese Jugend! Dann planschen wir ein bisschen rum. Ich schaue 360° – Postkartenidylle!
Doch was ist das? Ist es ein schmutziger Bär von geringem Verstand mit einem Ballon in der Hand, um die Bienen zu täuschen? Nein! Es quellen allmählich dunkle Wolken auf.

.

Auf diesem Bild sieht man, wie wir -mehr oder minder sorgenvoll – Ausschau halten…

Wir paddeln ein wenig weiter, aber hierzulande quillt es schnell und plötzlich ist es ziemlich dunkel.

P. ist ortskundig. Gelassen steht er neben mir im Wasser und sagt mit tiefer, beruhigender Stimme „DA KOMMT NICHT VIEL“…

Ich rufe trotzdem meine Küken aus dem Wasser und wir rennen geschwind zu den Autos, Faradaysche Käfige, (-> eine andere Undeinmalgeschichte, #München 1972, Deutsches Museum) und lassen darin das Gewitter über uns ergehen. Wir, die wir aus milderen Gefilden kommen, staunen ob der Gewalten und denken nur „aha, dazu sagen die hier NICHT VIEL…“. Auf der Heimfahrt, es hat jetzt doch merklich abgekühlt, wünschen wir uns ab und an schon mal ein Amphibienfahrzeug.
Wir sehen unterwegs

    • Fahrzeuge im Graben
    • liegende Maisfelder
    • Straßen unter Wasser, tief
    • Astbruch, reichlich
    • zerstörte Bauerngärten
    • Berge von Hagelkörnern, die tapfere Bewohner des Landes mit Schneeschaufeln heranbringen
    • Feuerwehren im Einsatz

Zum Glück hat A.s kluger Sohn die Wäsche abgehängt, rechtzeitig. Also alles in Ordnung!

Wenn wir in dieser Runde heute zusammenkommen, sagt eine_r ab und an unvermittelt nach einem Blick zum Himmel (geht auch drinnen) „Da kommt nicht viel…“

Dingsdafinale, FrauFreitag verletzt!

Während sich die Mannschaften aufwärmen, die Fans vorglühen und -schon- die Nationalhymne durchs Fenster zu mir herein klingt,  (irgendwie immer ein sehr seltsamer Moment) liege ich. Laut fluchend und mit dem Schicksal hadernd. Im Bett. Fragt nicht, wie lange ich gebraucht habe, bis ich hier war. FrauFreitag, was ist denn bloß passiert? Das will ich dir erzählen, es ist eine Geschichte voller Schmerz und Selbstmitleid.
Ich war im Training. Todmüde zuerst. Dann, nach 30 min. extrem-warming up, i.e. Rennerei, Seilspringerei, Schattenboxerei Hampelmännerei, etcetc, also wirklich warm, unter mir schon kleine Pfützen, …wollte Trainer E. mir einen Gefallen tun und mir die ersten 3 Minuten Pratzentraining widmen. Ich freu mich, bin endlich wach und heiß drauf, ein bisschen zu hauen und zu treten. Kombination war folgende: eine schnelle kleine Linke, eine ebensolche rechte Gerade, noch eine Rechte, diesmal lang und hart, dann ein freundlicher rechter Uppercut, linker Haken, rumms, rechter Kick als Abschluss. Ich mache schon wieder Geräusche wie diese Tennistante, kicke laut  mit „uoah“, bin wild und gefährlich, alles sehr schön, coole Kombination, macht echt Spaß, viermal, fünfmal, E. greift an, ausweichen, weiter gehts, nach dem Haken der Kick- ich hebe das Bein, schreie, setze den Fuß auf den Boden, schreie nochmal, liege, spiele den gefallenen Fußballer.
Hinter dem Feuerwerk, das ich sehe, weiß ich: Kacke. Das ist (wieder) ein Faserriss, wieder rechte Wade, gleiche Stelle wie vor 2 Jahren, und das hat lange gedauert. Sehr lange. Narbengewebe. Das Alter. Mein Leben, meine Karriere- ruiniert. Sitze, Bein senkrecht hoch, wiegele ab, „geht schon“ (Lawrence of Arabia-„natürlich tut’s weh“). Ein junger, muskulöser Mann massiert sehr aufmerksam mein Bein, aber irgendwie kann ich es nicht genießen. Wo bleiben jetzt die mit der Bahre? Eisspray? Physiotherapeuten? Ein Arzt vielleicht wenigstens? Helikopter? Pustekuchen, alle in Brasilien.
Over.
Auf links in die Kabine. Rufe Kinder an, Mann is ja keiner mehr da. P. kommt, sie ist ja jetzt größer als ich, äußerlich, also muss sie mal ihre durchgeknallte Mutter heimstützen.
Der Weg ist plötzlich 15 Mal weiter…auauau! Es schüttet.
Problem: ich komm ausm Trainig, habe ca. 100 Liegestütz gemacht, Schattenboxen mit Gewichten-meine Arme können nicht mehr.
Zeitschleifengefühl, Krücken, Behinderung-war doch erst, oder? Traumatisch.
Will das nicht. Nie wieder!
Bin extrem unzufrieden.

¿Wie bitte???
0:5?!?!?!?
Irgendwas stimmt doch heute nicht!

Misery and pain.

Nachtrag, 12.7.:
Am gleichen Abend, so berichtet mir meine Mitbewohnerin der Stadtwohnung, ist das Muhammad Ali-Poster von meiner Tür runtergefallen. Was für eine Koinzidenz!!

#ich hab mal in einem Stück mit/gespielt…-Idee

Seit dem Kehraus (s. ebenda) geht mir der Ohr- und Gedankenwurm (Hirntrojaner) „ich hab mal in einem Stück gespielt…“ durch den Kopf.

Idee hierzu.

Vielleicht sind nicht wirklich alle hier echte Berufsschauspieler_innen.  (Oder ist hier eine_r?)

 Einschub: All the world’s a stage, and all the men and women merely players…eteze, [das gelangweilt, schon zu oft wiederholt]

Aber irgendwie mitspielen tun wir doch alle, tun wir nicht?
Drum erzählt, Freunde, Römer und Mitbürger, in was ihr spielt! Ich mach auch mit und schon wird mein Privatgrundstück zum Tummelplatz, zum Spielplatz- zur BÜHNE!
Hofft

FrauFreitag

Planwirtschaft, ein Aspekt

Vorwort:1. Der folgende Text ist schon ein bisschen älter. Ich finde ihn aber gerade passend.  Man erkennt das Alter des Textes z.B. an der Formulierung „mein Mann“. Das heißt heute Exmann. 2. Der Text ist mit einem schweren Kater geschrieben worden.3. Außerdem muss ich die Leser warnen. Es werden pikante und wahre Details aus einem früheren Leben berichtet. Das müssen Kinder zum Beispiel nicht lesen. Und auf keinen Fall zu Hause nachmachen!

 

Und jetzt kommt der Text:

Es muss am Raki liegen, dass ich mich heute so schwach und wacklig fühle.

Andererseits: als wir um acht gestern Abend losgingen, wollte ich eigentlich viel lieber ins Bett, weil ich nämlich schon seit fünf auf war. Es war außerdem Mittwoch, der schlimmste Tag in der Woche.

Das Wort „Lebensplanung“ geht mir in all der Wackligkeit heute nicht aus dem Kopf. Darüber hatten wir ja schon auf dem Weg geredet. Dass mein Mann glaubt, dass wir alles falsch gemacht haben, was ich so wahnsinnig hasse, weil ich davon das Gefühl bekomme, alles falsch gemacht zu haben. Kein Haus gekauft. Kein Nest gebaut. Immer Kompromisse und Provisorien.

Lebensplanung.

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen.
Ich habe einen Essensplan in der Küche. Darauf stehen Essen, die es in der Woche wahrscheinlich geben wird, wenn ich es mir nicht anders überlege. Darum schreibe ich immer drunter: „Kurzfristige Änderungen vorbehalten“. Es gibt außerdem einen PLAN, der festlegt, wer diese Woche den Müll rausbringt und wer sich um das Vorhandensein von Getränken kümmern soll. Damit versuche ich, diversen Streitereien vorzubeugen. Und den Überblick zu wahren, was nicht immer leicht ist.

Ich hasse Pläne eigentlich (außer wenn ich sie übererfüllen kann). Die Zettel an meinem Kühlschrank stürzen mich manchmal in eine tiefe Seinskrise. „Essensplan“, denke ich dann mit Schaudern.
Aber Lebensplan?

„Unser Lebensplan  (oder war es –planung?) ist eben so. Deshalb müssen wir das auch gar nicht diskutieren“

Ein starker Satz. Haben die gesagt, die auch noch da auf der Geburtstagsfeier waren. Natürlich ging es um das schöne Thema Kinderfremdbetreuung. Ganztagsschule und so Dinge. Achje.

Ist das eine Aussage. Stellen wir uns das vor! Da setzt sich ein junges, verliebtes (?) Paar hin und macht seine Lebensplanung. So wie wir unseren Essensplan. Am Küchentisch vielleicht. Da sitzen sie und planen.

Ich habe alles falsch gemacht.

Nie am Küchentisch den Lebensplan geschrieben. Dafür habe ich jahrelang meinen alten Küchentisch vor dem Sperrmüll gerettet. Wie könnte ich ihm das antun, Zeuge so vieler Szenen der er war? Er hatte zum Beispiel schon immer genau die richtige Höhe, um sich darauf zu setzten, die Beine anzuziehen und sich vögeln zu lassen. Man konnte sich auch mit dem Bauch drauflegen und den Rock heben. Zur Abwechslung. Und hinterher war man schon da, um an ihm was zu trinken. Wodka und Kräutertees.  Man konnte auch Rauschgifte probieren und hoffen, dass ihre Wirkung schnell aufhört. Ich erinnere auch auf ihm liegende Köpfe mit weinenden Schultern, weil die Zeit der auf diesem Küchentisch geschobenen Nummern nun m.E. definitiv vorbei sein sollte.

Und manchmal saß man nur so dran, um z.B. was zu trinken, und dann musste man mal drüberstreichen und lächeln.

In einem anderen Leben habe ich gern die kleinen Kinder mitten auf den Tisch gesetzt. Das war nämlich die Insel, auf der man gestrandet war, während die Mutter die Küche putzte. Oder das Schiff. Auf dem man den Ozean überquerte, während die Mutter die Küche putzte…

Millionen Bilder sind an ihm gemalt worden, Saftbecher ausgeschüttet, Popel drunter geschmiert, Kastanienmännchen gebastelt und Plätzchen gebacken. Dabei wollte ich nie unbedingt Kinder haben. Also das war nie in meinem Lebensplan. („Kurzfristige Änderungen vorbehalten“).

Sitzen die also da und machen den LEBENSPLAN. Oder haben sie das postkoital im Bett erledigt? („Schatz, willst du eigentlich lieber arbeiten gehen, oder zu Hause bleiben?“ „Och, eigentlich lieber zu Hause bleiben.“ „OK, ich schreib das auf. Dann müssen wir das später nicht mehr diskutieren. Das beugt unbedingt Streitereien vor.“)

Was hätte aus mir werden können, wenn ich den Küchentisch nicht immer so zweckentfremdet hätte? Mindestens Ministersgattin. Oder doch Ärztin?  Irgendwas Richtiges.  „Klar weiß ich, was ich will!“

Vor einiger Zeit sind wir umgezogen. Es gab einen neuen Küchentisch, der ist ganz hübsch und wir werden uns schon aneinander gewöhnen. Mein alter steht im Keller. Es durfte nicht auf den Sperrmüll. Ich finde, es ist ganz genau der richtige Tisch, um für geliebte Gartenarbeiten benutzt zu werden. Da kann man immer mal lächelnd über ihn streichen…Schließlich hat er seine Sache immer gut gemacht. Was ich von mir nicht durchgehend behaupten möchte.

Was habe ich eigentlich so für eine Lebensplanung gehabt? Wollte ich eigentlich schon seit  fünf auf sein und mich um acht zu müde fühlen für einen Geburtstag? Sicher auch so eine kurzfristige Änderung.

„Ich hab mal in einem Stück mitgespielt…“

da wurde, wie das vor einem Umzug, einem Auszug,  gehört, alles nochmal angeschaut, in die Hand genommen und Geschichten dazu erzählt. Von Stücken, in denen man mitgespielt hat. Vom Lachen, von Erwartungen, vom Kommen und Gehen, vom Leben.  Vom Sterben auch, und von allem andern. War das Haus am Mittag leer, ist es an diesem Abend voll, ich finde: voller Leben und Wahrheit. Ja, WAHRHEIT, man muss sich auch mal trauen, große Worte zu verwenden.  Zum Beispiel für diesen großen Abend.  Alles wird nochmal auf die Bühne gezerrt, auch Schauspieler, die seit Jahren weg sind, solche, die gerade auf der großen Bühne nebenan spielen, unterwegs Verstorbene sogar.  Fast drei Stunden ohne Pause dürfen wir zuhören, zuschauen, Teil haben. Dann ist endgültig Schluss.

Felix steht noch ein Mal im hellen Glanzanzug auf der Bühne und raucht, alle rauchen diese letzte Zigarette zusammen,  Romeo ist immer noch authentisch und körperlich sehr präsent, die kleine Hexe leuchtet… Es dauert drei Beifallsschläge, dann stehen alle.  (Der Platz an meiner Rechten ist by the way leer. Ich juble für alle mit.)

Was kann man tun? Klatschen, klatschen, bis einem die Hände bitzeln. Und dann nochmal! Ich habe den kurzen Impuls, meine Wäsche auf die Bühne zu werfen, schaffe es aber, ihn zu unterdrücken, muss ja klatschen…Danke, Mainzer Ensemble! Das finden auch alle anderen, die da sind. Das Kleine Haus, so voll.

http://youtu.be/8EgT2bJkIxQ

 

 

 

 

 

 

 

Leeres Kleines Haus

Wie wunderbar, hat man ein Kind. Zum Beispiel eines wie ich es habe, dieses, das Schauspieler_in werden möchte.

Bekanntlich führt das Gymnasium NO morgen das wundervolle Stück The Wind in the Willows auf. Das ebenfalls bekanntlich mithin schönste Kinderbuch der Welt. Na, mit vielen andern zusammen.   Das gibts also morgen, Kleines Haus,  einzige und ultimative und letzte Aufführung in dieser Besetzung, mit dem begabten Kind in der Rolle des Mr. Toad, des Kröterich!

Also, heute Generalprobe des Ganzen, ich lerne, man nennt das im Theatervolkjargon GP, also gee-pee, nicht dschii-pii.

Statt wie sonst immer in Samstageinkaufkochwaschputzen zu machen, geh ich mal mit. Und wie schlau das war! HA!! (sagte die Mutter des Kröterichs.)
Oder, wie der Maulwurf schon ganz richtig bemerkte: „Zum Teufel mit dem Frühjahrsputz!“

Da ist das Kleine Haus beinahe leer. Ich schlendere herum, während der Jugend erklärt wird, wie man sich verbeugt, wie man abgeht, wie man wieder von der anderen Seite auftritt. Wie wundervoll so ein leeres Theater ist, vor allem natürlich dieses. Es bedeutet mir viel.  Ich mache eine Menge Bilder von leeren Reihen, Stühlen, der Decke. Keinerlei Gedränge, Geschiebe, Gerede. Eine beinahe hallige Atmosphäre! Nur meine ganzen Theatererinnerungen und ich sind unterwegs. Hach, phantastisch, so eine Schauspielerin in der Familie!

GP geht los – ich verrate nichts, aber: es hat sich gelohnt! Musik, Gesang, Schauspiel – alles superb, Bombenstimmung dazu. Hinterher steht der Entschluss des Kindes fest: irgendwas mit Theater…

Ich hab nichts dagegen. Dann sitze ich immer im leeren Raum und häkle Topflappen oder löse Kreuzworträtsel oder schreibe in meinen „digitalen Schreibblock“. Oder sehe dem Kind beim Agieren zu.

Jetzt aber schnell einen kurzen Schönheitsschlaf! Heute Abend ist Kehraus im Kleinen Haus, da wird es voll sein! Hinterher Abschieds-Party, Romeo ist auch da, also muss man ja einigermaßen aussehen…

http://www.staatstheater-mainz.com/uploads/tx_stmzgallery/DER_GROSSE_KEHRAUS_9.jpg

 

 

Was vorher geschah

1.Kapitel

So. Mit kurzem o.

FrauFreitag ist angekommen, gelandet, gestrandet.

Jedenfalls da, auf Hooge. Hier bin ich und drum herum ist Wasser. (Für Pooh-Kenner: „Ferkel, ganz von Wasser umgeben“)
Schau ich zum Fenster raus: erst Grün, dann Blau. Drüber noch viel mehr Blau, mit einem bisschen Weiß.
Mach ich die Ohren auf: Austernfischer. Seeschwalben. Möwen, diverse.
Wind.

Bisschen harter Gegensatz zu den letzten 4 Tagen, HH und B.

Mein Koffer ist natürlich noch nicht da. Also immer noch die gleichen Socken, stört hier glaub ich keine_n. Und ich hab mich auch schon dran gewöhnt.

Es gibt noch T, eher jünger, aus X und J., eher älter, aus X.
Ganz sympathisch, schon zusammen eingekauft und nachher Essen geplant. Einkauf findet beim Insel -Kaufmann statt, der heißt Renate und da gibts  alles. Sogar Bio-Zeug, für Vegetarier_innen gar Tofu. Und Flens.
Achja: Wohnort! Hanswarft 1, gleich über Touristenbüro. Hanswarft ist  Prenzlauerberg/ Reeperban/Gartenfeldplatz von Hooge, hier gibts Kino, Laden, T-Stube, Imbiss, Zum Seehund, u.v.m, fast ein wenig eng…alles auf einem kleinen Hügel. Und jetzt auch noch- mich.
Morgen um 10 gehts mit der Arbeit los. Wir sind drei, die am Anleger stehen (Lilli, Marleen und FrauFreitag). Ja, Arbeitskleidung gibt’s auch, rote Weste, steht INFORMATION drauf und —ja!!! Son Geld Ding am Bauch. :-) :-) :-)
Eintritt ist hier n Euro, Kinder 20 Cent.
ALSO: KOMMT!

Wer will, kann dies Tagebuch abonnieren. Ggf. gibt es auch mal personalisierte Fassungen.
Jetzt will ich essen, Seeluft zehrt.

2. Kapitel

31.5.14

Hochwasser 16.04
Niedrigwasser 10.27
Sonnenaufgang 4.57
Sonnenuntergang 21.49

Hach. ich weiß gar nich, wo ich anfangen soll. Vielleicht vorne, das machts leichter. Geschlafen wie ein Baby, also wie lange nicht.

Dann aber auch los, erster Arbeitstach! Ich fahre das schlechteste Fahrrad der Welt, ist sicher aus Mali hierher importiert worden, nachdem es da keine_r mehr wollte. Steht immer im 1. Gang. also: strampeln 4 mal, dann rollen. strampeln, rollen. Der Sattel ist so, dass man nach jedem Gestrampel erst mal wieder hochrutschen muss. Aber fährt. So also, im 4er Takt, zum Anleger, den man ja von der Webcam Seite kennt. Ist so n Kilometer. Da dann Arbeitsklamotten an. Bei Windstärke 4-5 über die dicke Jacke die rote Uniformjacke „Information“. Kompetenz zum überziehen. Schal. 2 Kapuzen. „Dit is noch nüscht.“ Das heißt bei uns Orkan.
Zuerst mal:
Klos in Ordnung halten.
Dann Kaffee kochen für die Kutscher.

(Nachtrag: wir befinden uns in einem kleinen Häuschen, Wie n Kiosk. Links Klos, Mitte windgeschützter Wartebereich, rechts stuff only, ein Kämmerchen mit allem möglichen Zeug, 2 Arbeitsplätzen, vollgeraucht, aber weniger kalt…)
Also, Kaffee kochen sacht sich so. Wasser wird draußen geholt…und die Kutscher wären auch schon’n Roman wert.

Das sind
X., Oberlausitz, 8 Jahre Hooge,
I., ~ 170 kg ,
J. aus Anklam
und äh, S.  glaub ich.

Die fahren alle Kutschen für 30-40 Touristen, also eher Busfahrer. Was Kerle!
Dann noch am Ort, T., 2 Jahre Hooge, meine Chefin. J., wie ich, und natürlich der Hafenmeister U . Auf dessen Jacke steht
„Hafenmeister“
und klar will ich die lieber haben! U.  quarzt selbstgedrehte mit Filter (!?) in dem Räumchen. Dit is Arbeitsschutz! Er hört auch in 4 Wochen auf, „HM“ zu sein (sprich äitsch emm), die Stelle ist somit vakant. Ich muss wohl keine_r_m erklären, wie der Roman weitergeht. Ich hab mir schon mal im groben die Tätigkeit erläutern lassen. Der Beruf ist nicht reglementiert. Schaff ich. Nur das mit dem eisfrei halten im Winter könnte schweißtreibend werden. Tauchsieder?

Kinder, ihr müsst dann aufm Festland ins Internat, wär das OK? Wochenende hier.
OK, aber jetzo bin ich ja erstmal was ich immer sein wollte
und
es ist
phantastisch!

Ich habe so eine Geldkatze wie früher die Schaffners. Hach, macht das Spaß!
Also nehm ich den Omis, Opis und den andern auch ihr Geld ab. Immer nett und Moin und so. Erklär auch schon mal die Inselwelt, alles bei relativer Unkenntnis. Ist n bisschen wie auch sonst:-)
Aber wenigstens mit Geldkatze.
So kommen die Fähren, die Adler Express, die Seeadler, Hauke Haien und wie se alle heißen. Ganz schön zu tun, immer mal zwischendurch. Is ein schip duach, Wind hören. Frieren, rumrennen um warm zu werden, den schönen Hans, den blanken, angaffen und alles gut finden.
Da!
Die Fähre 11.15 von Schlüttsiel, die bringt die Post. Und heute auch mein’n Koffer, also die Wollsachen! Juchu!! „und die Brücknersleut ohne Rast und Ruh…alle Fenster gehn dem Meere zu…“

Dann, gegen halb drei, sagt T. : „Feierabend für heute“ die restlichen machen HM und sie alleine. Ich werd von X.  in der Kutsche mitgenommen. Nochn Umweg über die Kirchwarft, 17. Jh., sehr schön, Sonne kommt ooch raus, is ja Feierabend. Koffer ausräum’n alles anziehen was geht, in’n blauen Pesel zum Tee und Kuchen. Kinder ist das Leben schön!
Aus Versehen in den Spiegel geschaut: bin schon blond und dunkelbraun, ich glaub sogar Sonnenbrand, trotz 20er Faktor.

Empfehlen kann ich die Seite faehre.de oder so ähnlich. Modernes Radar. Da schaut man immer und sagt, „is auflaufend wassä, die kommt heutä 10 min. spätä rain.“ Ich lerne schnell.

Was hab ich vergessen? Die Tierwelt! Schwere Kaltblüter, Schafe, Kühe, alle mit massig Jungtieren. Teichhuhnküken, Entenküken, Rotschenkelküken, Welpen. Eine Ziege, Tinka, mit der kann man an der Leine spazieren gehen, und, sorry Chico, das mach ich morgen…(wenn man an Tinka vorbeigeht, meckert sie sofort kläglich „wovon soll ich satt sein…?“)

Soviel vorerst. muss mal schauen, ob der Wind nachgelassen hat…
Ach, die Adresse sollte ich nochmal richtig sagen:

„FrauFreitag“
Hanswarft1
25859 Hallig Hooge

31.5.14 später

Windstärke und Schiffsmeldungen kann ich leider nicht empfangen, ich kann nicht wirklich ins Netz, nur mailen.
Aber darum bin ich ja auch hier.
Nochmal auf Rad, leihe mir Js, das hat sogar Gänge. Fernglas! Wie konnt ich das zuhause vergessen? Mit dem Wind nach Landsende über Ockenswarft. Kind of surfing. Da hat man dann Blick nach Pellworm rüber, eine alte verfallene Kirche. Mit dem Fernglas finde ich noch mehr Schönes. Eine Windmühle, ein Krabbenkuttä.
Eine Hallig ist eine Hallig, weil sie keinen Deich hat. Auf Hooge gibt den s.g. Sommerdeich, der höheres Wasser im Sommer draußen hält. Ist nur eine Art Steinwall. Der Vorteil: immer und egal von wo sieht man das Meer. Besonderes toll natürlich von den höher gelegenen Warften aus. Nachteil: ab und an Landunter.
Legt man sich hinter den Sommerdeich, im Osten, ist WINDSTILLE.
Wie krass ist das denn, ist ja gar noch mehr kalt. Da liege ich und schau auf Pellworm und komme an.

Aber weil FrauFreitag auch hier ein neurasthenisches Wesen bleibt, bald wieder aufs Rad, ich will am Rand lang nach Norden, bis zum Anleger, meinem Arbeitsplatz. Rad schieben. Vogelbrutgebiet. Uwe Timms Vogelweide. Immer wieder bleibt man stehen und schaut. Salzwiesen blühen. Vögel durchs Fernglas. Dahinter das Wasser in allen Blau und Grautönen.
Am Alten Anleger, jetzt malerischer Verfall, gibt es den WINDSTEIN, ein Kunstwerk aus Dolomit. Etwa 150 cm hoher Steinblock mit verschiedenen Löchern. Oben zwei Trichter zum Ohr dran tun. Ich tue. Und höre! Das schönste Klingen, das ich je und ever vernahm. Wie alle Glocken untergegangener Dörfer, wie in einer hohen Kirche aber doch entfernt. Und das andre Ohr hört die Welt, also die Welt hier.

Verzaubert radle ich heim, esse 1Pud Nudeln und kann auf gar keinen Fall Tatort mit den Kolleginnen schauen. Sorry, aber nein.

Werde ich schon wunderlich? Eigentlich möchte ich gar nichts „zusammen“ machen. Finde sofort leicht nervige Angewohnheiten an J und T, die gar nichts zur Sache tun. Vielleicht hätte ich doch besser Vogelkunde studiert. Dann ist man alleiner.
Außerdem -ihr wartet doch alle schon auf den Rosamunde Pilcher Plot!- könnte man dann auch mit dem Jungen reden, der mit dem blonden Lockenwindgestrubbel überm Norwegerpulli, braun gebrannte schöne Füße in Outdoorsandalen. Zerfetzter Stoffrucksack. Spricht sofort, trotz Blondheit, meinen Jagdinstinkt an, ich nehme an, weil er aussieht wie 1985. Garantiert Biologe. Und ich schätze 24. Schüttle mich wie mein Hund und damit jeden weiteren Gedanken ab.
Schlafe schwer ein, aber dann tief und träumend.

3. Kapitel

1.6.14, meteorologischer Sommeranfang.
HW 16.40
NW 11.00
SA 4.56
SU 21.50

Schon mit einer kleinen Routine zum Dienst. Fahrrad. „Hallo Tinka!“ Hebt den Kopf, reagiert auf ihren Namen.  Meckert: „Ich sprang nur über Gräbelein und fand kein einzig Blättelein“-Ach Tinka, ich doch auch!
Klos, Kaffee, Kutscher, meine drei Ks.
Windstärke 2, mild geradezu, bisschen Feuchtigkeit in der Luft.
Bekomme erstes Gerede mit. Überall Reibereien, auch hier, im Idyll.
Hafenmeister meckert, deutet an…
Ich find den ganz gut, eine interessante literarische Vorlage – später, jetzt hab ich nur kurz Mittag.

Wenige Gäste, grauer Tag, alle pennen wahrscheinlich noch. Gestern war Torfrock uff Langeneß. Sagt nicht, ihr kennt Torfrock nicht!
Oder Langeneß. Entgegen der Schreibweise mit kurzem e, kommt trotzdem von Langer Nase, die Kürze verwirrt mich linguistisch, wird aber von Sprechern bestätigt. Ist unsre Nachbarhallig, liegt nördlich vom Anleger, immer in Sicht. Daneben schon Föhr. Langeneß. Hm.

Ein bisschen Bildung:
Bei Springtiden über 1m über normalem Tidehochwasser (Thw) laufen Langeneß , Gröde und Oland voll. Nordstrandischmoor schon ab 0,75m.
Hooge (Sommerdeich!) hält bis 1,50m aus. Gestern las ich das Insel Buch „Wir Halliglüüd“, 2013. Titel „Land unter“. Da erfährt man alles über das Thema.
Es soll Menschen geben, die das Feuer fürchten. Ich fürchte das Wasser. Das wäre eine echte psy-Herausforderung, ein Landunter auszuhalten. Aber ist ja Sommer, uff! In dem Häuschen am Anleger, da wo ich arbeite, stand im letzten Dezember, als ich den Sturm in Berlin erlebt habe, das Wassern1,80m hoch. In echt!

Wegen Ebbe kam die Fähre zu spät, steckte fest. Das die Schiffsmeldung des Vormittags. Auf faehre.de dann rot markiert.

Jetzt kurz Mittag, verhungere schon wieder. Schreibt sich super hier und hat geklappt-ist schon wesentlicher Lebensinhalt geworden. Nervts schon? Ein Wort und ihr seid ausm Verteiler, meine leichteste Übung!
Schau ich auch Fenster: Grün, dann Quecksilber, übergehend in Weißgrau. Vordergrund Wäsche gen Ost, Kuh, Touristen, verwirrt.

Zurück an die Arbeit! Is ja Sonntag!

Singe mit Hans Albers Stimme
„dein Schmerz (leichtes Kippen)
wird vergehjn-und schöjn wird das Wiedasehjn!“

Genau.

Nachmittag des 1.6., kurz vor Hochwasser

Feierabend. Das Gefühl, seit immer hier zu sein. In alles eingeweiht und informiert. Heute früh schon hab ich mir mein abziehbares „Erzähl’s mir“ Tatoo auf die Stirn gemacht- und los gings. Am wenigsten interessant war dieser Wandertouristenheini, der mir dauernd von google-maps berichtet hat. Toll, so weiß er immer, wo er ist. Bleibt aber auch an jeder Kreuzung stehen (gibt ca.4) und hat zu tun. Dummerweise sieht man hier die Leute lange, bis sie hinter der Erdkrümmung verschwinden…

Die Crew lacht sich schlapp.
Irgendwie hat er sich dann auch wieder zur Fähre zurück geschafft, stolz wie Oskar. Ich fliehe ihn.

Sonst weiß ich auch schon Bescheid. Werde mit oder ohne Informationsuniform gefragt. Sage gerne Sätze wie „ich wohne hier“ oder „ich arbeite hier“. Ernst bleiben!

Chefin kommt aus dem Stuttgarter Raum, was mich nicht wirklich überrascht. Sehr nett. Erst Hand gegen Koje, dann ganz hierher.
Sie beklagt die Verkrustungen hier, nichts ändert sich, alles muss so bleiben, keine Innovationen. Das gilt für Speisekarten wie für kommunale Abläufe.  Versuchen, lösungsorientiert die Situation am Anleger neu zu strukturieren, da mir schon am 2. Tag auffällt, dass man das verbessern könnte. Aber auch hier ist wie überall- Windmühlen wo man hinschaut.

Werde geadelt. Am Di. geht sie in Urlaub, zeigt mir jetzt noch mehr Geheimnisse des Anleger-Lebens: Ich werde sie voll vertreten, mit Stempel und Quittungen. Bin ihre Traumbesetzung. Kein Wunder, war ja auch mein Traumjob!

Kutscher X., uffjewachsen uffer LPG, beklagt sich. Situation der Kutscher immer schlechter. I. is n Riese. Siehste von hinten und denkst: Superdarsteller fürn Knecht, Bauer oder Kutscher.

Kutscher N.- oje. Siehste und denkst „oje“. Typ: Schaustellergehilfe. Aus HH. Gefährlich. Messer im Stiefel. Bös zu Pferden. Sicher auch Heimkindhintergrund. 4 Süßstoff uff ne halbe Tasse Kaffee.
Eindruck wird mir später bestätigt. Schlüpft auf Hooge unter, wird sicher irgendwo gesucht…brrr. Abstand halten.

R. aus Polen, verleiht Räder. Ist meiner Charmeoffensive erlegen. Repariert morgen DAS RAD. Siehste und denkst: der is aber nett. Ob der mein RAD repariert?

Schillerndste Figur im Spiel sicher Hafenmeister Äitsch Emm, ich nennt ihn jetzt „Chef“- was er glaub ich richtig toll findet…Eine Dickens’sche Figur!
Schon gestern alles erfahren. Kommt aus der Autobranche, hat Stretchlimousinen gebaut. Groß, dürr. Leichte O-Beine. Sicher früher Fußball gespielt. Kippe immer zwischen Daumen und Zeigefinger. Gegend Bremen. Seehundschnauzbart. Zieh ihm bisschen Goldkettchen und so an: perfekter Lude. Gib ihm paar Korn: perfekter Alki mit glasigem Blick. So: ein  Hafenmeister aufm Absprung, Typ harte Schale, klebriger Kern.  Aber die übertrieben geile Jacke! Und auch witzig. Mit solchen kenn ich mich aus. Gib ihnen das Chef-Gefühl, dann kannste alles haben. Getrennt isser auch. Wir werden noch ein Paar, wartet nur lange genug ab…es bleibt spannend auf Hooge.

In 5 Minuten beginnt die Führung im Wattenmeer Haus nebenan. Ich hab erst überlegt, ob ich wg. der Biologie hingehen soll, will aber doch lieber raus ins Grau. Vögel zählen.
@alle
falls ihr es gemerkt habt-ich wär jetzt nebenberuflich Schriftstellerin. Endlich. Aber ich muss schon wissen, wer das nicht hören will. Sagt mir ALLES.
Bin ich jetzt eh gewöhnt.

Morgen ist by the way mein freier Tag. Wohl auch fast schon der letzte, wg. Urlaubsvertretung. Dann erst wieder kurz vor Schluss. Schluss?!

4.Kapitel

2.6.14
HW 17.14
NW 11.33
SA 4.55 (oh ja)
SU 21.52

Von praller Sonne auf meiner Koje erwacht. 6 h.
Ist ne echte kleine Koje, mein Einerbett mit Holzrand rundrum. Erst dachte ich, das wird nix da drin. Aber herrlich, wie im Kinderbettchen.
Eire ein bisschen rum, Frühstück im Bett, lesen, wälzen. Ist ja frei heute.
Überlege angestrengt einige Minuten, ob ich die Wattwanderung zum Japsand um 9.30 mitmachen sollte. Entscheide mich dagegen, sind sicher nur Omis und die gehen so langsam. Vogelkundler machen so was bestimmt nicht mit… VIELLEICHT finde ich ja eine bessere Gelegenheit…außerdem viel zu viel zu tun. Muss mich um die Fortbewegung kümmern, #RAD. Tinka, Einkauf, Sightseeing
Draußen Strahletag, ich hab ein Handtuch in den Rucksack gepackt. Und den Badeanzug mit Pelzkragen, man weiß ja nie.
Jetzt warte ich auf eine Gelegenheit ins Bad zu kommen.
WG-Leben. Na gut…warte…entschleunige BEWUSST.

Gegen 18 h, draußen, Sonne ist beim Schreiben ein bisschen lästig, aber man kommt sonst zu nichts…

Wie gings weiter?
FrauFreitag steigt auf den Schrott und schafft sich runter zu den Fahrrad-Jungs. R. ist leider nicht, is V. aus „MV“. Wers weiß, reinrufen. Hauptstadt?
Also, hallo V. , könnteste ma bitte…klar kann der. Und ich kann mir, um meine Mobilität zu wahren, n Rad nehm‘. Rad natürlich mit kurzem a und hattem t. Ich nehm eins, naja, immerhin, sogar 3 Gang. Bisschen klein. Scheißmiregal. Ab nach Westen. Schieb übern Deich.
Ablaufendes Wasser. Das muss zur Arbeit, Wale fangen. Ich heute nicht. Von weitem seh ich wie Hauke und die Adler Express einlaufen. (Hier immer sagen: „ringdiggeding, highspeed durchs Wattenmeer“ und eine highspeed- Handbewegung voller Coolness dazu. (von HM gelernt).
Finde eine Treppe und setze mich ans verschwindende Wasser, winke hinterher. Glotzen, finde diverses Getier. Was liegt noch doof zuhause? Mein tolles Bestimmungsbuch „Düne, Strand und Wattenmeer“. Finde das Perlmutt einer, wenn ich nicht irre, Amerikanischen Pfahlmuschel. Bis zum Knöchel im Watt. Schmatz, lecker.
Da befällt mich schon wieder Schwäche, arger Hunger, fast schon ein Schwindel. Ich schaffs noch bis Finisterre, Westerwarft heißt das hier, dann ab durch die Mitte über Highway homewards. Nahrung! Befreie Reis aus dem Kochbeutel und dazu was sich so findet. Lecker, noch eine halbe Packung Feta drauf, für die Proteine.
Während des Garvorgangs kurzer Anfall von Hausfraulichkeit. Müll stinkt und quillt über. Und wo sind die Mülltonnen? Das weiß N. „Ach, du bist die Neue. Hab schon gedacht, so’n Touri…“ Mensch, N!

Anmerkung: hier gibts nur DU. Korrekt stelle ich mich hier so vor: Moin, ich bin Hand gegen Koje und heiße Steffi. Wer hier sein Fahrrad abschließt, setzt sich dem Spott der Halliglüüd aus. Anschnallen? Wozu dat denn? Straßenbeleuchtung? -?-

Also Müll. Treffe Chef HM vor der Tür. Der klebrige Kern ganz deutlich. Aber nicht alles was klebrig ist, ist eklig. Kann ja auch ganz süß sein. Der Stretchlimousinenkonstrukteur jedenfalls findet mich gut, das schwör ich. Also mach ich, was man dann am besten macht, ich lass ihn und entschwinde. Nehme etwa 2000 Kalorien in 5 Minuten auf, spüle den Rest Toblerone nach und fühle mich gestärkt für weitere Abenteuer.

Einschub.

Danke allen für
Fanschreiben
Abos
Post
konstruktive Kritik
Ich schaffe es nicht, alles zu beantworten. Nicht adäquat jedenfalls. Ich bräuchte eine_n Experten_in, für ÖA und Blogging.
Weil ich aber alleine zurecht kommen muss, habe ich beschlossen, auch wg  der Übersichtlichkeit nur noch 1 mal tgl. zu senden. Ich sammle, dann, wenn ich finde jetzt, bekommt ihrs.
Fast fänd ich es schon gut, die Kommentare auch öffentlich zu machen.
Die Diskussion um den strubbeligen Blonden! Ich lach mich schlapp!
Mädels, hört zu: den hab ich vorgestern das letzte Mal gesehen. Ich glaub gar nicht, dass der noch hier ist. Bitte nicht gleich der ersten Fährte nachlaufen, könnte ja auch ne falsche sein.:-) Wenn ich ihn treffe, egal wie wo und was, seid ihr die ersten, die es erfahren werdet. Vertraut mir einfach.

Einschubende.

Wo war ich? Zuhause und satt.
Also wieder aufs Rad, ein Blick auf die Karte zeigt mir eine Badestelle, die ich noch nicht kenne. Von hier (Hans-) Richtung Ockelützwarft, dann links an’n Strand.  Auf gehts.

(Touristen sagen gerne mal „Werft“. Gut aufpassen!
Wer „Insel“ sagt, muss ne Runde spendieren. Sagt ein Hooger „Insel“ zur Hallig, kommen alle in die Kneipe und saufen auf seine Kosten, bis se umfallen. Was lernen wir hieraus? Man muss auf seine Wörter gut aufpassen. Auf die Worte auch.)

Flugs angekommen. Toller Platz. Wind nur mäßig heute. Legt man sich flach hinter den Deich, ist es fast wie zuhause so warm. Aber weniger klebrig.
Liege. Lange. Höre Feldlerchen, die mich auch an zuhause erinnern. Sonst höre ich: Eigentlich nichts. Gar nichts. Ein einzelner Trecker irgendwann, einmal ein kleines Flugzeug. Fast belästigend. Der Lärm war in den letzten Wochen das schlimmste und am Ende fast nicht mehr zu ertragen. War ich vor 6 Tagen in Berlin unterwegs? Wie laut das da war! Und so voll…naja. Jetzt liege ich. Schau ich übers Watt,  seh ich links Norderoog, eine Vogelwarte.
Rechts Japsand am Horizont. Hm, wäre sicher doch toll gewesen, bestimmt Seehunde da. Eine große, strahlende Sandbank. Oder eine Fata Morgana?
Ich geh ins Watt. Lange. Weit. Ein großer Bogen. Einmal kommt ein andrer Mensch vorbei und rastet, wo mein Rad steht. Ich schaue böse aus weiter Entfernung. Hat man denn nie seine Ruhe? Trollt sich. Ich gehe zurück, Fußwaschstation, Kneipp-Guss.
Kein Mensch , nirgends. So sieht das in Katalogen immer aus. Da steht dann, dass man an der Nordsee Ruhe und zu sich selbst findet…in echt hab ich meistens ziemlich viele Leute gesehen, Fischbrötchenstände, Familien…aber wenig Einsamkeit. Ich frage mich schon, ob die Welt heimlich abgeschafft worden ist,  während ich hier liege, in der Mittagssonne. Dann kann man sich ja wohl ausziehen und mal von der Sonne abknutschen lassen.
Lese nebenher weiter im „Klang der Zeit“, der mich schon seit Wochen begleitet.

Liege immer noch und schlafe ein bisschen ein. So halb. Dabei werden mir Dinge klar, ich wandere durch die letzten Tage und Wochen. Zeit ist definitiv nicht linear. Alles ist da und FrauFreitag gewinnt Erkenntnisse-für sich.
Klüger stehe ich auf, anziehen nicht vergessen, weiter geradeaus. Da schau an, das Wasser kommt heim, ist der Arbeitstag schon um? Immer noch keiner da. So schnell schaut keiner, da schwimm ich schon! Naja, schwimmen. Wenn das Wasser grade übers warme Watt kommt, ist es oben kalt und unten Fußbodenheizung. Kein Vergleich zu den Zumutungen in Frankreich…
Überhaupt möchte ich an dieser Stelle eine Lanze brechen für den Nationalpark Wattenmeer. Die Steilküsten Frankreichs und Englands, à la bonnheur, aber das Wattenmeer…Paddel paddel, Quallen, sehn hübsch aus. Au, brennen aber ganz schön…Hm, wenn das Wasser wieder da ist…dann muss ja schon Nachmittag sein…Mist, ich muss ja zum Anleger, immer noch #Rad, muss doch schauen, was V. geschafft hat.

Nüscht. Schaut aber jetzt, macht sich echt die Finger dreckig, aber da hilft nur noch vom Steg schmeißen. Schade. Ich lass es stehen, HM nimmt mich mit (kleiner Finger…). Treffe die Tourismuschefin. No, kein neues Rad für mich. HM hat auch keins, ist mitm Trecker über seins gefahren. Wo bin ich? Zuhause fahre ich ein gutes und schönes, verkehrstüchtiges Fahrrad. Und hier? Wo sind die geilen Holland Räder, die Gazellen und wie se heißen?
Egal, lösungsorientiert bleiben.

Erstmals Tschüühüüs Chef, ich geh in die T-Stube. Tee. Und Friesentorte.

Habe beschlossen:
1. Matjes ist eine Pflanze
2. Laktoseintoleranz ist psychisch.

Dann zu Fuß wieder runter. Noch schnell zum Kaufladen, Riesenschokoladentafel für den Fahrradfrickler.
Plan: Um den Finger wickeln, Preis für Rad aushandeln, Thema beenden.
Und: klappt. Preisnachlass von 50% und ein Körbchen oben drauf. Jetzt fahre ich ein Rad ohne Gangschaltung (überschätzt), passt aber gut, klappert nicht und hat sogar- Licht. (Vor 2 Jahren gabs hier einen sehr schwereren Unfall, 2 Radfahrer, keine Straßenbeleutung, kein Licht an. Kiefer, Schädel, alles kaputt.)

Stress lass nach, jetzt ist Abend, Rad hab ich, aber die Fangemeinde nölt. Noch nichts geschrieben, aber los jetzt. Und unter uns: ich will es auch!
Also zur Badestelle zurück, Gott hab ich zu tun, man kommt ins Schwitzen, dauernd hin und her. Nochmal ins Wasser. Jetzt kann man schwimmen! Dann schreib ich. Lange.

Würde mich heute der Teufel holen -es wäre OK. Einer der schönsten Tage meines Lebens.

5.Kapitel

3.6.14
HW 17.49
NW 12.06
SA 4.54
SU 21.53

Moin.

7h. Kein Wölkchen, fast windstill.
War gestern nochmal draußen -mir sollten einfach SÄMTLICHE Wunder begegnen. Nach Westen, auf den Sonnenuntergang zu. Der Leuchtturm von Amrum direkt voraus. Blink……..Blink….
Himmel dicht an der Kitschgrenze. Wasser fast pink. Wieder kein Mensch.
Bin erschüttert von so viel–so viel—„Sein“?
Beobachte Rinder in ihrem natürlichen Sozialgefüge. Ihre Interaktion und Kommunikation. In dem Moment, da die Sonne rot den Horizont berührt, bilden drei entfernte Herden eine Linie und gehen direkt auf diesen Punkt zu. Ein Zufall? Klar, immer, alles…Trotzdem beeindruckend.
Bin ich froh, dass ich keine Kälbchen esse.

Zum Dienst. T. is ja im Urlaub. HM maulig, Absprachen wurden nicht eingehalten…jetzt is der Kompressor nicht da…hach, alles wie überall. Ich sach ihm, er soll das mal lassen, ist doch ein so schöner Tag. Er überlegt und spätestens als -ringdiggeding -der Adler-Express kommt, is er wieder gut drauf.
Jungs, ich sachs euch. Versucht der tatsächlich, mir die Schnürsenkel aufzuziehen. Doppelknoten- so einfach nicht, nicht bei mir. Jetzt frickelt er auf dem Dach und ich geh gleich mal hoch…helfen.
Ich find ihn übrigens wirklich sehr nett. Damit da wegen meiner flapsigen Ausdrucksweise kein falscher Eindruck entsteht. Er ist sogar attraktiv-in seiner Art. Nur etwas-berechenbar?

Sonst um 12h schon ca.300 Leute angelandet. Die Hallig lööpt voll.
Rentner -Gruppen. Boah, bis die mal auf der Kutsche sind. Da braucht ein Kutscher Nerven „wie Bandnudle“. Da helf ich auch schon mal beim Verladen mit.

Paar Zahlen:
Also ca.100 Einwohner_innen. 4 Kinder in der Schule.1 im Kindergarten. Jüngstes Kind ausm letzten Dezember. Bald kommt wieder eins.
In der Saison noch 60 Saisonarbeiter (Kutscher, Gastro, Zimmermädchen, Fahrradbastler…) Die ziehn alle gegen Oktober wieder heim, paar Monate arbeitslos, dann wieder her. Ist das ein Modell?
Auch im Tourismusbüro: Viel Gejammer. „Hach, was solln wir denn noch alles machen.“
HOOGER, ich bloggere euch mal meinen normalen Tagesablauf, dann reden wir nochmal. Genoss_innen, you know what I mean. Kommt ma aufs Festland!

Gegen 20h, Landsende.

ARBEIT UND STRUKTUR.

Bin definitiv wunderlich. Heute einziger Kulturevent während meiner Aufenthaltszeit- ich kann mich nicht dazu überreden. Konzert einer irischen Sängerin vs. Hooge im Abendlicht und Selbstgespräche aufschreiben.
Der derbe Mainzer Ausdruck „Lass mer die Ruh“. So passend.
Und so sitz ich an Landsende und schaue auf Pellworm.
Heute ein fast normaler Tag. Es kann nicht jeden Tag Feiertag sein.
Bin ein wenig beunruhigt. Irgendwann is ja bekanntlich Schluss und das ist auch meist gut so.
Aber. Da freut man sich lange, stellt sich vor…imaginiert und phantasiert. Dann ists. Und schön dazu. Noch besser als imaginiert. Verweile doch, und dann ists rum.
Stop-ich hebe abwehrend die Hand vor dem Hagel der guten Gegenargumente. Ich weiß. Und alles wahr. Jedoch. Bedauern im Voraus. Ein melancholischer Zug darf mal sein.
Aber Zeit/en sind nur grammatische Kategorien. Hilfslinien. Jawohl. Fragt mal die Physiker. Oder lest Fforde oder Powers.

Außerdem arbeiten Nachrichten in mir, die ich vom Festland empfange, HH wirkt nach, die Welt ist noch da.
Nicht schlimm.

Nun, was macht die Halligwelt?
Ich war lange uff Arbeit. 10 h kam ich, dann die Rentner. Dann bisschen Leerlauf. Unterhalte mich mit Kutscher I., 15 Jahre Hooge. Lass mir von ihm seine Arbeit erklären. Er fährt einen Holsteiner und einen Mecklenburger (sehr richtig, Schwerin, und einziges Dehnungs-ck? Irgendwo war noch eines…ich find es nur nicht grade). Schöne Tiere, jedes wiegt eine Tonne. Ein Kaltblut zieht das 6 fache seines Körpergewichts. Die Kutsche mit den Rentnern wiegt ca. soviel. Ich staune…

1h Mittag. Gehe ein paar Schritte steuerbord und schlafe in der Sonne ein. Dann weiter, Taler kassieren, informieren, rumstehen, Klos, Kaffee. Ich kann kurz an den Computer und besorge meinen Lesern einen Nachtisch- ist aber v.A. Eigeninteresse.:-)
Mit der Fähre kommt einer in Dunkelgrün, sieht aus wie‘n IT-ler auf Urlaub.
Der Herr Ranger. Naturschutzwart.
Er kommt wirklich zum Vögelzählen!
Leider hab ich zu tun, kann nicht so lange schwatzen. Erfahre aber, dass die Population der Seeschwalben abnimmt. Grund ist die Klima -Verschiebung. Es wird zu früh warm. Dann schlüpfen die Fischbabys. Irgendwann kommen die Seeschwalben, die im Süden gar nicht wissen, wie warm es hier ist. Dann sind die Fischbabys schon gewachsen und passen nicht mehr in die Schnäbel. Was für eine Tragödie! Und jetzt zählt er 2 Tage und untersucht dies und das und dann Uni Hamburg…ich hab ihn gebeten, am Abreisetag früher zum Anleger zu kommen, um mich noch zu unterrichten. Hach hätte man doch Biologie studiert…und nein-der Blonde ist glaub ich nicht mehr da. Kann ja schlecht wen fragen…

16 h Feierabend. Klingt nach viel. Würde ich alles, was ich tue an einem Stück in meinem Festlandtempo wegarbeiten, ich würde sagen, je nach Rentneraufkommen, 1,5-2 h. Also easy.
Tinka auf die Weide geführt. Määh. (wieder mit allem, also „Ziege…“ „Wovon…“)
Zu meiner privaten FKK-Stelle. Vor lauter guter Laune singe ich mein gesamtes Astrid-LindgrenLiederRepertoire und stelle BSE fest. Kann nicht mehr alle Strophen von allen Liedern!
Kinder, ihr müsst mir helfen, auch wenn ihr euch schämt!
Ist hier nie einer? Ich hab Glück, keiner, nur Wasser ist da. Warm! Und, wer mich kennt weiß: wenn ICH sage warm, ist es warm. Perfekt, noch flach. liege auf dem Rücken, Salzwasser! Niemand und nichts, wie gestern, lange Ruhe.
Irgendwann geh ich weiter und treffe die Kolleginnen, am Normalstrand. Geh nochmal rein. Saukalt!! Da geh ich nicht mehr hin. Da sind auch Leute. Nä!
Kochen zusammen.
Das ist aber genug Ringelpietz für heute. Geh wieder Radfahren…das Licht ist magisch, alles perfekt.
Jetzt schick ich Euch das.
Manchmal, vielleicht merkt ihr es ja, denk ich mir die eine oder den andern von euch her. Zum Teilen der Freude…
Und dann noch den Nachtisch! Der geteilte Kosakenzipfel:

http://de.wikipedia.org/wiki/Beaufortskala#Beaufort-Skala_nach_ph.C3.A4nomenologischen_Kriterien

6. Kapitel

4.6.14
HW 18.25
NW 12.42
SA 4.53
SU 21.54

Hmpf. Schlecht geschlafen. Erst nicht ein, dann um 6 die Sonne in der Koje. Reagiere träge, Dinge aus relativen Vergangenheiten schwappen rein. Aber wann hätte ich mich auch drum kümmern sollen?

# Webcams. Also, das mit dem Winken ist nicht so einfach. Die eine, die zum Anleger geht, steht bei Privatleuten aufm Grundstück.
Die andere ist zum Greifen nah -aber unerreichbar. Ich wohne im Gemeindehaus und nebenan ist das Büro des Bürgermeisters. Da, nach Westen raus, hängt Kamera 2, die so schön die Sonnenuntergänge aufzeichnet. Kieckt mol in!
Wir könnten aber doch Albernheiten damit machen, schließlich verbringe ich viel Zeit am Anleger…sagen wir so:
Um kurz vor zehn bin ich unten. Ziehe ein rotes T-Shirt an, helle Hose.
Dann fahre ich winkend am Anleger rum. Ich erinnere mich nicht genau, wo der Fokus war. Schreibt bitte mal, was man da genau sieht. Ging das eher aufs Meer raus und der große Ikea- Anleger davor (gelb-blau)?
Und man kann sich alles auch rückwirkend anschauen, wenn ihr live verhindert seid, von euren komischen Festlandstätigkeiten…
Dazu:
Manchmal muss ich Fragen nach meiner beruflichen Tätigkeit beantworten. Pffff.  Hab ich vergessen! „Bin im Büro“? Einzelne Wörter fallen mir ein…die klingen hier irgendwie konstruiert und überkanditelt.

Also, 10 h unten, und damit das klappt, muss ich euch das jetzt schon schicken. Is aber ne Ausnahme, ja!?

SOS, Havarie auf Amrum!

Nicht lustig.
Nach 3 Runden echtem Rock’nRoll am Anleger mit 400 Rentnern und 50 Behinderten plausch ich mit HM über das Leben nach der Trennung, als das Telefon klingelt.

Havarie auf Amrum.
Unsre Adler Express.
Noch während er redet, kommt der erste Hubschrauber. Dann einer nach andern, 5 Stück, von allen Seiten Richtung Amrum.
Webcam Amrum Hafen. Da stehen sie. Mehr wissen wir nicht. Blödes Gefühl, so verinselt.
Chef ist in echter Panik, das sind seine Kumpels, auf dem Kahn, wo er in 3 Wochen anheuert. Ich gebe Atemanweisungen und hau kurz ab, Schokolade kaufen. Mittagspause, während draußen die Sejnot rettet. Shit.
Take care!

Weiter, abends

So, da bin ich und so richtig schreiberisch ist mir nicht heute, tatsächlich merke ich, dass ich ziemlich durch bin. Never mind und wat mut, dat mut.

Was das für ein Durcheinander war, heute. Und ich im Auge des Orkans, oder knapp daneben. Als ich nach der Mittagspause wieder runter komme, Schokolade im Rucksack, sagt Chef, alles nicht so schlimm. Paar Leichtverletzte. Langsam kommen die Helis zurück. Der Express (ach, ringdiggeding…:-(      hatte einen Defekt in der Elektronik und konnte darum nicht abbremsen beim Anlegemanöver. Also aufgefahren mit 8 Knoten.
Wie rechnet man Knoten in km/h um? Das weiß jetzt FrauFreitag!
Mal 2 und minus 10%. Ungefähre Faustformel. Also ungefähr 15km/h.
Und, wir erinnern uns an den Fahrunterricht…das ist gefährlich. Kapitän Y. hat wohl noch „festhalten“ gebrüllt, jedoch.
Das ist, so lerne ich heute, das Hauptproblem. Die Leute stehen beim Anlegen, gerne auf Treppen…laufen rum…
Also, Kinderchen, merkt euch eins -immer gut festhalten. Schiff is wie Auto.

Später dann tickert BILD über die Amrum-Seite schon von Lebensgefahr und wir denken noch, Joah, BILD eben. Wird aber immer deutlicher, dass das wirklich so ist. Klar machen wir uns Sorgen. Ich hab heute früh noch mit den Kindern von den Schulklassen geplaudert.. ganz viele sind hier zugestiegen…

Dazu kommt, dass ein havariertes Schiff auch nicht mal eben wieder zurückkommt, und alles wieder einsammelt, auf Föhr oder Hooge.

Einschub
Das Wort „Havarie“ ist heute, da bin ich ziemlich sicher, erstmals in meinen AKTIVEN Sprachgebrauch übergegangen. Ein bisschen wie eine kleine Geburt und so schön, wenn man es mitbekommt. Und dass ichs richtig mache und nicht vergesse, gleich zig Mal wiederholt.) Ebenso „Knoten“ und  „Beaufort Skala“.
Einschub Ende

Also Informationsmanagement.
Darin sind die Hooger gut, das müssen die können.
Auf jeder Waft gibts einen Obmann, einen Waftsprecher. Die werden jetzt alle angerufen. Geben das nach unten weiter. Nur die Spaziergänger und so, die bleiben noch uninformiert. Bienenstockgewusel bricht aus. Klar bleib ich unten und beruhige und informiere. Adler schickt ein Schiff, aber das kommt nicht wie sonst 15.40 sondern 18.00h

Und jetzt wird es interessant, denn man lernt Menschen kennen.

Die eine Sorte sagt “ oh. Hoffentlich ist es nicht so schlimm. Hm. was machen wir denn jetzt-ist ja so schön heute, na, dann nutzen wir das Zeitgeschenk und gehen
spazieren
Kaffeetrinken…“
Küssjen denen!

Die andere Sorte kommt und sagt
„das geht nich. wir müssen um 17h 180 Kühe melken. Was meinen sie, was das ein Gebrüll gibt. Machen SIE das denn jetzt?…“
Dann reden sie aufgebracht plattdeutsch weiter miteinander. Wir- ganz Service -finden heraus, dass sie auch mit der Hauke nach Schlüttsiel, dann mitm Taxi nach Nordstrand zum Auto…und klar übernimmt das die Reederei. Zufrieden nach backbord ab.

Und dann kam die Begegnung mit einem Untoten, GPunktArschFreitag, mein schlimmer Opa.
Der, in andrer Gestalt, steht da und seggt

„Was kosteten so Rad?“
Ich: die Fahrräder? Für die sind wir nicht zuständig. Aber ich glaube, 4 EUR.
„un wer übernimmt dat?“
?
„Ja, wenn sie uns hier festhalten. Das kostet uns doch Geld. Fahrrad. Und dann müssen wir noch irgendwo einkehren…“
? ich denk, jetzt wird der lachen. Das ist sicher ein Scherz, wenn auch ein blöder. Aber der kuckt mit diesem Blick… ich schau HM an, der ist auf 179,99.
„Guter Mann“, sage ich, „guter Mann. Da ist ein schlimmer Unfall passiert. Menschen sind in Lebensgefahr. Hubschrauber fliegen über uns. Um die zu retten. Und SIE stehen hier, bei schönstem Wetter und bester Gesundheit auf diesem herrlichen Stück Erde und fragen MICH, wer Ihnen das Fahrrad bezahlt? Das ist nicht ihr Ernst.“
Er plustert noch ein bisschen, „ichregmichgernauf, dadurchbinichsoaltgeworden…“
Eine DAME wischt ihn beiseite“ dann regen se sich mal hinter mir auf, damit ich die netten Leute hier mal eben was fragen kann…“

Pffff. Opa. Dich hatte ich hier am wenigsten erwartet…
So geht das den ganzen Nachmittag.
Dann ist das MÄNNERklo noch zugeschissen und ich kotze fast rein. Nee!

Drum komm ich zu spät zur Webcam, erst 16.05h

Wind kommt wieder auf. Würde sagen, phänomenologisch Bft 3 -von Ost.
Geh kurz ans Wasser, hab aber keine Ruhe. Kalt ist es auch und Wind eben.
Also nochmal zum Anleger. Schauen, ob ich was helfen kann. Um 18h soll ja der Ersatzadler kommen. Uiuiui. Mäßige Brise von Ost bei ablaufendem Wasser im Norden. Das heißt erschwerte Einparkbedingungen.

HM ist echt durch.
Wir sind, glaub ich, heute Freunde geworden. In schwerer Stunde und so.
Und schon heute früh, VORHER, war der sooo nett. Da, Erdbeeren, Nee, nimm die, die ist schöner. Und ob ich auch gut eingecremt sei, bei der Sonne. Und ob ich schlecht geschlafen hätte, ich wäre heute so ein bisschen…
Ist der sensibel?? (mein Lieblingszitat aus Tschick, nach „übertrieben geile Jacke“ -„Mensch, du hast ja Gefühle!“)
Jedenfalls ist der durch und aufgewühlt und gestresst und jetzt noch das komplizierte Anlegemanöver. Traumatisierte Reisende an Bord. Krankenpfleger am Anleger…das volle Programm.
Dauert und braucht 2 Anläufe, dann is Adler V da. Die Schulkinder purzeln an Land und kreischen vergnügt „wir hams überlebt“ und freuen sich so, dass eins sich langlegt und blutet am Knie und muss zum Krankenpfleger und bekommt ein Pflaster. Die erzählen mir alles, alle gleichzeitig, stellen sich in 2er Reihen auf und marschieren zur Backenswarft nach Hause. Alles wieder gut. Hier.

Einzelheiten vergessen.
Den Shantychor (Durchschnittsalter 73), der mir erst ein Lied verspricht, dann aber spät kommt und es nicht mehr schafft, aber noch lang überlegt und es wäre der Hamburger Fährmaster a cappella gewesen. Ich freu mich, als hätten se gesungen. Konnte ich mal aufm Akkordeon! Sing ich seitdem.
Singt mit! hohoohohoooo,
Achja, und VOR allem, noch bei de Erdbeeren, bekam ich ein youtube-Filmchen vorgeführt, das ganz gut zeigt, in welcher Welt ich mich jetzt bewege, was den Humor angeht. Ich hab mir, das muss ich gestehen, fast in die Hose gepullert. Guckt ihr „Ronny Schäfer“. Erbitte feedback. Ist das witzig, oder hab ich schon n Schatten?

So war dat, hier, heute.
Ich kratz mir mal das Watt von den Füßen und geh mit Richard P. inne Koje, damit wir irgendwann mal fertig werden.
Hoffentlich is morgen wieder so toll. Nur ohne
„HAVARIE.“

7.Kapitel

5.6.14
HW 6.52
NW 13.21
SA 4.53
SU 21.55

Wieso scheint mir die Sonne nicht aufs Bettchen? Und was ist das für ein Lärm? Und wo ist das Meer?
fragt sich FrauFreitag, als sie nach irren Träumen erwacht.
(Habe wieder am Festland gelebt und alles war soooo überfüllt und laut, mein Zuhause eine Art Fußgängerzone, Samstag nachmittags. Ohne Türen und alles offen, direkt unter der Autobahn. Herrje.
Is schon so, wie HM schon zur Begrüßung gesagt hat „Hooge is Droge“
Wie kommt ich wieder runter, frag ich mich voll leichter Panik. Ist nur noch eine Woche! Plan B muss her! Kann man das substituieren? HILFE!
Draußen, so zeigt mir ein kurzer Blick, regnet es tüchtig. Grün stößt direkt an Himmelsgrau. Alles ganz verwaschen. Da werden se sich freuen, es war ja „sooo trocken“.

Gut. Muss heute erst 10.45 antreten. Und bei dem Wetter-wird glaub ich ganz ruhig und gemütlich. Freu mich schon. Meiner Haut wird ein bedeckter Tag gut tun. Ganz schön viel Sonne. Ohren bisschen angekohlt. Den Kampf gegen altersbedingte Pigmentstörungen geb ich jetzt auf. Wieder eine Sorge weniger.

„Wer ist Richard P.“? (keiner hat was verpasst…ganz ruhig)
Das ist immer noch Richard Powers, Der Klang der Zeit. Heute wird der fertig! Bisher gute Chancen zum Buch des Jahres 2014 auf meiner persönlichen Leseliste, die ich, und das soll sich ändern, dieses Jahr recht liederlich führe. ARBEIT UND STRUKTUR.
Na, vielleicht nicht nur.

Der Regen draußen klingt wie Meer. Wind hat gedreht, wieder stramm von West. Wie dreht eigentlich Wind? Die Segler jetzt bitte! Plötzlich? Allmählich?

Frühstück zu dritt. Ich koch schon mal Kartoffeln, denn wenn ich heute keine Bratkartoffeln bekomme, werd ich ungemütlich. Die sind wirklich nett, die Kolleginnen. Ich bin nur so abständlerisch.

Reden lange über das Leben hier, das Gefühl, nicht mehr zurück zu können ins Hamsterrrad. Dabei, das weiß ich, bin ich auch Hamster und oft auch gern. Natürlich kann man hier nicht ewig sein. Aber was ist schon ewig?? Und was ist Sein? Achachach diese ewigen Fragen.

@Kinder, wär das nichts für Euch? Sagt mal, immer Nordsee? Hm? Ihr habts doch im Fernsehen angeschaut. Und Internat? Wie in den Büchern? Sagt mal „oh, ja!“ Lauter bitte, ich hör nix.

Mittag.
Wolken werden weggeblasen, Blau kommt durch. Manchmal.
Aufm Weg zur Arbeit vergnügt durch n Pfütze geradelt, nass bis ans Knie. Hätte mich auch ins Meer stellen können.
HM schlägt fast Funken. Jetzt ist ihm heute morgen auch noch seine Prothese rausgefallen (er ist 44, war’n Unfall), auf den Badezimmerboden und drei Schneidezähne raus gebrochen. Sexy. Er hats mit Sekundenkleber repariert. Fährt aber jetzt gleich aufs Festland rüber, dann sind alle Verantwortlichen weg.  Die Adler-Reederei gibt alle 10 min. neue Meldungen durch, ob sie heute hier anlegen oder nicht.
Ich koch mal Kaffee.
Kinder holen ihre Kamerad_innen ab, die eine Nacht auf Amrum in der Klink waren. Alles i.O.

10 Einzelreisende. 1 Gruppe 30 Personen. Langweilig.
Immer noch wirre Schiffsmeldungen.
Da hängt man-sonst-immer am Computer und denkt, man könnte und wüsste und kommuniziert in Echtzeit und undund. Hier irgendwie nicht. Alles irgendwie anders. Entspannt ist aber auch grade keiner. Nur ich.
Es gilt mein neues Mantra „Relax. Nothingisundercontrol“

A propos Computer. Vergesst faehre.de. Viel viel geiler, auch für die NSA, ist marinetraffic.com/de Alle Schiffe all über die Welt. Mit tollen Extras, klickst du Schiff an, bekommst du Info. Dann gibt’s noch was schönes, muss man bisschen rumklicken, sieht man, wo Schiff in 30 Min etwa sein wird. Öde Arbeitszeiten gibt es jetzt nie wieder! Auf immer passė. Alle Schiffe!! Außer natürlich Polizei und Militär…F5,6,7,8-versenkt.

2h Pause, dann noch zur Fähre, sauber machen, fertig.

Erstmal Mittagssschlaf.

Aufgewacht, Sonne lacht.
Treffe unterwegs J., der heute als Sensenmann unterwegs ist. Zum Glück will er nicht zu mir. Ich lasse mir mal den Begriff „dengeln“ genau erklären. (=> aktiver Wortschatz, jetzt aWS abgekürzt) Das macht er sehr schön und klüger radle ich zu meinem Betrieb.
N. mault rum, weil Kaffe alle ist. Pfffffff. Jetzt mal Määnzer Schlappmaul gegen Hamburger Fischkopp. Also, der weiß jetzt: noch einmal rummaulen und er kann sich sein Scheißkaffee selbst kochen. Man muss sich auch mal Respekt verschaffen. Aber echt. Ey.
A. erklärt mir, wie Landunter organisiert ist. Hatte ich schon gelesen, aber oral history ist immer besser. Cool, was ich hier alles lernen kann.

Es gießt wieder, im Gegenwind zurück. Will mir endlich mal die Warft ansehen, also ganz. Ziehe los und stelle fest: ich hatte schon alles gesehen. Ach so, das wars. Nur die dostopremetschatel’nosti- Sehenswürdigkeiten -fehlen mir noch.
Dümpeln rum, Bratkartoffeln, preisverdächtig gut gelungen. Gleich kommen die Halligen in Mare TV, ich glaub ich muss mal mitschauen…und will noch laufen gehen. Wozu hab ich das Spochtzeug sonst mitgeschleppt?
Summa:
langweilig heute, aber gepflegte Langeweile.
Hoffe, an Land gehts gut. Gott, seid ihr weit weg. Kommt doch! Pfingsten soll schön warm werden.
Nachts bei Hochwasser soll sogar Meeresleuchten sein-muss ich dasmal erklären?
Und ein Shantychor kommt. Ich arbeite durch, das wird Party! Uns fehlt noch’n Bierstand.

8. Kapitel

6.6.14/Landung in der Normandie
HW 7.37
NW 14.09
SA 4.52
SU 21.56

Freitag.
Bergfest. Mir ist kein bisschen nach Feiern. Kopfschmerzen. Vom Wind (Bft 4-5) oder vom Kopfzerbrechen? Was tun? Wie leben? Bin komplett auf Droge.
Mare TV, gestern. Unsere Halligen. NDR. Da könnt ihr alles und auch alle sehen.
Mir ist aufgefallen, dass der Seehundschnauzbart hier sehr en vogue ist. Haben fast alle.
Gegen halb zehn gestern nochmal raus, Fahrradgegenschwimmanlage. Die mit Rückenwind freuen sich, wenn sie an mir vorbei segeln. Aber ich freu mich auch.
Der schönste und aufregendste Himmel. Überall Licht und Schatten, zaubriges Licht, dann noch ein Regenbogen- das ist fast schon zu viel. Untergehende Sonne spiegelt sich in den großen Halligprielen. Zum Niederknien schön.
Neuronensperrfeuer. Wie könnte ich bleiben? Und natürlich immer auch gleich die Gegenstimme kontrapunktisch dazu. Ich kanns nicht mehr hörn, die zwei in meinem Kopf!

Abend. Kann nicht schreiben. Betrunken. Um halb 8.
Langweiliger Tag, Hafenmeister krank, kaum Touris.
Krise.
Ab halb 5 Zeltaufbauen für Pfingsten, kommt ein Shantychor (Wäre schon ne Novelle wert…). Lerne Plattdütsch von F.  Mit zählen fangen wir an.
Feuertaufe? Danach Freibier und Korn. Feuertaufe bestanden, aber. Eieiei. Zum Glück is Svea mit Kochen dran…
Sorry Festland. Hier is Landunter, heute, bei mir.
Een, twee, tree? Vorbee.

9.Kapitel

 

7.6.14
HW 8.33
NW 15.08
SA 4.51
SU 21.57

Wach. Kein Kater.

SAMSTAG. In einer Woche wache ich in Rheinhessen auf. Autobahn statt Austernfischer. Gut. Jetzt weiß ich, wie Wind dreht. Allmählich und plötzlich gleichzeitig.

Sonnenschein, Wind- Vorhersage heute Bft1, in Böen 1.
Badetag.
Hatte ich eigentlich je erwähnt, dass wir aus unserer Wohnung /3ZKB natürlich aus  allen Fenstern Meerblick haben? Besonders exklusiv finde ich das UNTER DER DUSCHE. Duschen mit Meerblick. Ich sehe zwar nicht viel, weil ich meist ohne Brille dusche, aber schon fürstlich. Dusche geht wie mein Zimmer nach Osten, Küche und ein Zimmer nach Norden, Anlegerblick.

Eine von uns schaut auf die Warftinnenseite, einen Fething. Watdatis? Das ist ein Teich,  aus dem die Hallig Bewohner früher ihr Trinkwasser bezogen haben.
Heute, das muss ich immer den Touris sagen, gibts ne Wasserleitung unterm Watt von Pellworm. Manchmal erzählen wir denen auch Unsinn, je nachdem…von großen unterirdischen Entsalzungsanlagen oder komplizierter Wasseraufbereitung („es- zirkuliert“). Die fragen aber auch zu lustige Sachen.
Im April und Mai rasten hier die Ringelgänse, 18 000 Stück etwa. Ist auch immer noch zu sehen, die Zirkulationsendprodukte bedecken jeden qcm. Und das ist natürlich berühmt, es gibt Ringelganswochen, Becher und Postkarten mit Ringelgänsen….und ein Teil des Ringelgansmerchandising ist Ringelganstee. Ja, man kann drüber streiten…
Was da drin sei. Nu, Ringelgansschiet, Federn….“Haben sie denn eine eigene Teeplantage?“
Aber natürlich Madame. Gleich unterm Sommerdeich.

Muss nochmal ans Zeltaufbauen denken. Riesen Festzelt, die WIES’N kommt.
11 Personen.
A. ist der Chef – hat mir Landunter erklärt und ist Ersatzhafenmeister. B. ist auch im Tourismus Büro und hat einen Humor, trocken wie eine Packung Salzstangen. Seehundbart haben beide.
J. ist dabei, der ist bestimmt gegen 60, der RiesenKutscher.
haut die Nägel rein mit m Hammer, den ich grade mal anheben könnte. N. macht auch mit.  H. , der auch immer hier rumwerkelt. S., auch ein Kutscher. Der kommt mir komisch vor, mit seinem vertrauten Zungenschlag aus Hessen. Außerdem versucht der,  mir ein bisschen zu nah zu kommen. Mensch! Bin doch vergeben!
Und F. Denn kennt ihr noch nicht, ich auch erst. F. ist jünger, vielleicht 30, vielleicht 40, das weiß man nie. Ein großer Schlaks mit kleiner randloser Brille. Relilehrertyp. Clogs und Troyer, dunkle Haare, bartfrei. Schnackt Platt mit seinen Leuten. Sehr nett, sehr lustig.  Ich erfahre von ihm: Heute Abend ist, hier im Keller, Hallig-Theater, op platt. „Marlies warrt tähmt“, also der Widerspenstigen Zähmung in Hallig Variante. Do gej ik mol kieken..

T. zieht heute aus, ihr Dienst endet. Mit der Fähre 11.20 kommen ihre Eltern und sie bleiben noch bis Mo hier. Abschied ist für sie schwer. Gestern Abend, ich wieder im Abendlicht mit meinem Rad, dem feinen, legt J. ihr die Karten, lange. Ich hör sie noch stundenlang murmeln. Bald bin ich dran.

Früher Abend.

Schöner Tag. Viel Sonne. Viele Touristen. Viel Geld.

Keine Zeit für Schriftstellereien oder Theaterbesuche.
Ich habe ein Rendez-Vous. Am Deich. Wie romantisch!
Und jaja, ich pass auf mich auf…sehr gut sogar.

 

Und schon das 10. Kapitel

8.6.14

HW 9.39
NW 16.17
SA 4.51
SU 21.58

FrauFreitag nach knapp 5 h Schlaf. Und heute ist Pfingstsonntag! Da wird doch gerockt am Anleger…auauau.

Falls man sich an Land für den Verlauf meines Rendezvous interessiert:

Nach bisschen hin und her und Verspätung holt Der Meister mich ab. Bier und Decken im VW Bus. Hund Luka, die ich mir manchmal ausleihe, ist auch dabei. Ab zur Volkertswarft weit im Westen. Natürlich dreht der Kerl Zigaretten, während er mit den Knien steuert. Ist ja aber nur geradeaus…wir „verstecken“ das Auto so gut das hier geht, wegen dem Gerede. Schleifen das Material an’n Deich. Ich, so sagt man mir, sei zu dünn angezogen. Find ich nicht. Fleecejacke!
Am Deich steht schon C. und wartet. C. kommt via Berlin aus Bremen, 30, Saisonarbeiterin nach 2 Studiums. Eins ist „Drehbuch und Film“ oder so. Sie hat neben ihrer Kamera ein Baustellenradio bei, an das sie sofort den Mp3 anschließt. Mit irgendeinem Berliner Gerappe gehts los, dann kommt Musik, bei der man eine anschließende Geiselnahme befürchtet. Ich kann zum Glück weghören. C. gefällt mir. Basecap rückwärts und dialektal entzückend.
Man merkt schnell, das haben die hier schon öfter gemacht und ich habe die Ehre, aufgenommen zu werden. So nett von ihnen.
Legaler und halblegaler Drogenkonsum unter einem light-pollution-freien Himmel. C. filmt. Hund passt auf. HM chillt. Ich auch, sehe und staune.
Ein bisschen mache ich mir nebenher Sorgen, habe ein Gefühl, als würde HM nur ein Hauch vom Herzinfarkt o.ä. trennen. Aber Lackierer kennen keinen Burnout.

Erfahre noch mehr über das Leben hier im Mikrokosmos. Die Natur gibt den Rhythmus vor. Im Winter kann es schon mal sein, dass eine Woche kein Schiff kommt oder geht. Wichtig sind Nachbarn und Tiefkühltruhen. Und keine Angst darf man haben. Kein Arzt. Keine kapitalistischen Ablenker, mal vom Internet abgesehen. C. erzählt, dass sie im Winter in einer Woche täglich stundenlang draußen war, auch am Deich sitzend, es gibt ja Spezialkleidung. In diesen 7 Tagen hat sie 6 Menschen getroffen. Bei einem, er  tauchte wohl unerwartet aus der Nässe rundum auf, hat sie einen Schreikrampf  vor Schreck bekommen.
Ich denke über Weihnachtsferien hier nach.

Natürlich auch Enge, Gerede, das volle Dorf Programm. Ich wollte keine Trennung hier erleben müssen. Zu viel Einblick, Rundumblick. Vgl. Auto verstecken müssen.
Mir wird schon bald kalt ( ich muss noch so viel lernen…), aber trotz seines Zustands ist der Chef ein Gentleman und ich bekomme eine Decke umgelegt. Obwohl ich noch gar nichts gesagt habe. Aufmerksam ist er und sensibel.  Da sind sie, die sensiblen Handwerker, von denen wir Frauen träumen!

Wenig Gerede, verebbendes Gealber, Wasser verebbt auch, Mondlandschaft vor halbem Mond, Himmel, Sterne. Musik wird leiser und ungefährlicher. Dann kommen Kälte, Regenschauer, Wind, mehr Decken. Sind unsere eigenen Windschatten. Wir bleiben, sind unvergänglich, entrückt, am Deich fest gewachsen. Gott ist das schön hier. Ewigkeit. Man möchte 24 h jeden Tag wach sein, um nichts zu verpassen. Aber dann zittern wir doch alle und es ist halb 2. Irgendwie fliegen wir nach Hause.
Danke für den tollen Abend, C., HM und Hooge! Der kommt ins Schatzkästchen, das füllt sich immer mehr, ich brauche ein größeres.

Ehe ich müde aber motiviert zur Arbeit fahre, lerne ich noch meinen neuen WG-Partner kennen. Ein Journalist/Schriftsteller aus Köln. Aha. Auch sehr nett. Heute Abend gehen wir mal zusammen ins beste Restaurant der Hallig. Sozusagen „aus“. Viel Zeit bleibt uns nicht und wir wollen uns kennenlernen.
Hach, man hat aber auch zu tun…zur Arbeit.
Halb so schlimm, die Kutscher und Pferde ackern am meisten. Shantygruppe im Festzelt, Linedance, Grillstand und Bier. Buarks.
Kaffeefahrtler werden im Akkord über die Hallig gekarrt. Wir sind jetzt alle ein eingespieltes Team, ein tolles Gefühl, alles läuft und jeder tut seines dazu. Rädchen greifen ineinander und ich bin eines davon. Toll!
Gehe zwischendurch schwimmen, Wasser ist tief und kalt, ich werde richtig wach. Oh Nordsee.

Das Fest schau ich mir auch noch an. Lungere mit Mitbewohner ein Stündchen auf der Wiese in angemessener Distanz herum. Erstaunlich, wie schnell man wirklich miteinander redet. Hier ist man schnell bei „den Sachen“.
Die Trachtentanzgruppe ist ganz spaßig, A. und F.sehr schneidig in ihren Friesenhemden mit den roten Halstüchern. Sollten sie immer tragen. Dann nochmal Dienst, die Adler IV kommt noch rein. Kurz vor drei Feierabend.
Ins Bettchen, schreiben und schlafen, sabbern. Heute Abend schon wieder ein Event.

Inwendige Aufnahme:
Große Krise ist vorbei. Ich kenn mich ja schon ein bisschen. Aber- einfach wird das Heimkommen nicht werden. Bin nicht dieselbe.  Immer noch Panik, wenn ich an Freitag denke. Oder an Montag. Was soll ich in diesem Büro?!
Will versuchen, Hooge mit in meinen bunten Teppich einzuweben.  Wie, weiß ich heute noch nicht. Aber das kommt. So sicher wie die nächste Flut.

11. Kapitel

9.6.14
HW 10.46
NW 17.25
SA 4.50
SU 21.59

Da gehe ich also mit Mitbewohner in FrerksBuernhus essen. Und dann stellt sich heraus- der Herr ist berühmt. Ein echter Schriftsteller. Steht im „Großen Conrady“. Lyrik, Prosa, Satire, alles. Gestern Lackierer, heute Lyriker. Gleiche Themen, verschiedene Register.
Wir sitzen und reden ein dreigängänges Menü lang, dann sehen wir uns zum Nachnachtisch einen weiteren dieser Sonnenuntergänge bei Westerwarft an. Könnenwollen nicht nach Hause, nach der Sonne kommen wieder die Farben, wir fahren jeden Weg ab, den es hier gibt. Ich bin schon wieder betrunken, diesmal vom Licht.
Später leiht er mir einen Gedichtband, einen eigenen…

Nach dem Aufwachen lese ich das erste:

Ziel
Am Meer sitzen
Die Wellen beobachten
Den Wind begrüßen
Die Wolken begleiten
Die Zeit entführen…

Ja.

Lese weiter quer durcheinander und finde Zeilen, die genau die schmerzenden, verknoteten Punkte finden, beim ersten Mal nur darüberstreichen, dann zupacken, sich fest beißen. Es hilft nichts, Widerstand zwecklos, in den Schmerz atmen, locker lassen, das habe ich doch gelernt. Wortwelt. Wendepunkt.

Noch behext erscheine ich zum Dienst. Wörter- Rhythmen im Kopf, Feinschmiedearbeiten an Gedanken. Wie ich aufs „Radar“ schaue – wann kommt denn Adler V?- fragt mich der Chef, ob ich eigentlich an irgendwas schreiben würde. Tagebuch oder sowas? Potzblitz. Bin so verwirrt, dass ich stottere. Äääh. Wie er darauf käme. Adler V mit 8,5 Knoten von 254° Nordwest. Norddeutsch-zackig kommt die Antwort „ich bin nun mal sensibel“.
Indeed. Ich habs schon gemerkt…bin trotzdem überrascht. Erklär mir mal endlich einer die Männer. Bitte!

Dann Hallig -Alltag. Paar Taler einsammeln, mit den Kutschern schnacken, in der Mittagspause mal eben schnell ins Wasser, ehe das gleich weg ist. Zwischen grün und blau hänge ich meine rote Wäsche auf. (=> Webcam)
Touristen kommen und machen Fotos von meinen Klamotten im Wind.

Lese bei der Arbeit Eugen Ruge, Cabo de gata. Wünsche mir einen Vorleser.

Morgen kommt Steffi, also eine andere Steffi F. Dann kann ich mal voller Stolz meine kleine neue HalligWelt vorführen. Wie schön. Bliebe ich hier -was ja nicht geht und auch keine will -wer käme?

Nachtrag zum 9.6.

Natürlich helfe ich gerne Gartenmöbel rumschleppen, weiß ich doch als Teilzeitalleinverantwortliche genau, wie schwer mancher Gegenstand wiegt, trägt man ihn nicht mehr gemeinsam.
Strandkörbe zum Beispiel, unhandlich so allein. Also helfe ich und zum Abschied ruft man mir nach, wenn ich wollte, Deich, später. Ich denk drüber nach. Paar Stunden lang. Umrunde zu Fuß ein Viertel Hallig.
Und will.
Außerdem muss ich meinen Lesern mal langsam was bieten (glaubt ihr mir eigentlich? Vielleicht bin ich ganz woanders…).
Der triviale „Einsamer Leuchtturmwärter trifft verschrobene Saisonkraft-oder umgekehrt“ Plot war ja ohnehin vorgezeichnet. Und vorher abgemacht, ausgehandelt, herbeigeredet, bekichert.
SMS.
Abendessen mit Mitbewohner, stelle fest, auch Dichter kochen nur mit Wasser. Öl, in dem Fall. Verstehen uns gut.
Ich telefoniere aufs Festland. Faszinierende und gute Neuigkeiten, die mich allerdings veranlassen, spontan die große Inselrundtour zu starten.
Was ist aber jetzt mit dem Deich-Date? Geht keiner ran. Na, nich schlimm. Wieder großes Halligkino, kennt ihr schon, langweilig für euch, mir aber immer noch schön. Ich verdaue die Neuigkeiten und radle, radle, radle abwechselnd mit dem und gegen den Wind im alltäglichen Farbrausch.
Am Sonnenuntergang angekommen erreicht mich ein Anruf. Der Herr hat nichts gehört. Jetzt ists spät. Das ist bedauerlich. Merke: Auch auf einer relativ einsamen Insel kann man sich verpassen und aneinander vorbei laufen. Es bleibt also spannend. Ob das Wetter uns noch einen großen Abend vor glutrotem Himmel schenkt? Vom Winde verweht? Salz auf unserer Haut? (Sollte ich das nochmal lesen?)
Warten wir mal ab, liebe Leser.

Ich komme jedenfalls rechtschaffen ausgepowert zurück. Treffe den Mitbewohner in der Küche und wir teilen das letzte Bier. Als wir zwei h später damit fertig sind, haben wir uns viel erzählt.
Hier gibt es von allem mehr. Mehr Distanz und mehr Nähe.

Ein Dutzend

10.6.14
HW 11.47
NW 18.26
SA 4.50
SU 22.00

Heute kommt S.. Ich mache eine Liste. Die Meisterin der Planwirtschaft ist aus der Übung. Auf meinem Plan steht

Bier
Tomaten

Na, das wird ja ne tolle Begrüßung…
Außerdem muss ich mal raus finden, wie, ich kanns kaum aussprechen, wie ich einen Gepäckaufkleber auftreiben kann, um den Koffer mit den Gummistiefeln wegzuschicken.
#Farewell.

Klimatechnische Daten: Mittagshochwasser. Bei angenehmen paarundzwanzig Grad, gewürzt mit einer schwachen Brise Bft 2-3 aus Ost. Wie überlebe ich, wovon ich höre? Also jetzt mal rein körperlich?

Hubschrauber kommt. Kutscher N. ist umgekippt. Ein Zotenorkan bricht los. Maik hatte nämlich 2 Tage eine Flamme, die auch im Kutscherhaus übernachtet hat. Jetzt tut er mir schon leid.
Auf Arbeit schlägt die Welle über uns zusammen. 4 Schiffe innerhalb 30 Min., hunderte Leute, Gruppen zumeist, ich werde kurz wach. Wir könnten auch bei gutem Wetter im Brandenburger Tor stehen und kassieren.
Hinterher liegen sich aIle in den Armen wie nach einem entscheidenden Treffer im Fußball. Heiße jetzt Hase, er Schatz.

Müde und Halsweh.
Am Donnerstag Abend wird gefeiert. Abschied nämlich. . Sie wollten das eigentlich Freitag machen, da reise ich um 8h früh. J. bestand auf Donnerstag. Dass das Mäuschen (sic) ooch bei ist.
Will ich natürlich eigentlich gar nicht, aber soll ich sagen, Nee, da will ich in melancholischer Einsamkeit am Deich hocken?

Gehe Halsweh mit Bädern in Salzwasser kurieren.
Klappt ganz gut.

Alle sagen „Du darfst noch nicht weg“
#Farewell

Die Adler-Reederei spendiert den Bordsteinschwalben Eis.

Da passiert es.
Wie nennt man das in der Literatur, eine überraschende Wende, ein Schuss auf der Bühne?

Jetzt nur die Mädels weiter lesen.

Auf tritt
Ein Matrose.
Braun gebrannt.
Tätowierte Unterarme.
Abgeschnittene Hosen, ausgefranzt, bis unterhalb der Wade.
Blau-weiße Ringel
Muskeln überall
nackte Füße
Weiße Zähne strahlen mich an.
Aus dem Gesicht von Wladimir Klitschko.
Nur 40 cm kleiner.

Schnappatmung.

Kassiere einen Tritt ans Schienbein vom Chef.

Smalltalk.
Schnappere Atmung, mein Eis schmilzt, tropft, kleckert, ich mache alles schmutzig.

„Ichch wohne auf Amrum“. Stimme von Wladimir Klitschko.
Kassiere einen Schlag vom Chef. Mache den Mund wieder zu.

„Ichch komme aus der Ukraine.“
Ich denke „Odessa“
ich denke „Schwarzmeerflotte“
Ich denke „die Treppe von Odessa“.
„Ichch fahre auf der Foehr 2.“
Ich denke gar nichts mehr.

„Ichch muss gejn. Viellejchchtsejen wir uns wieder.“
Ich rufe den Hubschrauber.
Ja. Matrose. Fahr aufs Meer hinaus.

5 Minuten vergehen. Der Matrose arbeitet an Deck Matrosenarbeit.
Die Foehr 2 legt in wenigen Minuten ab.
WAS TUN???
Ich gehe zum Anleger, frage ins abfahrende Schiff
„Kaktebjazovut’?“
Zähne rufen winkend „Sergej! Otschen‘ prijatno!“

Sergej.
Aber so was von angenehm.
Ich bin verliebt und singe Seemannslieder. Wie war das Lied der Schwarzmeerflotte?

Kassiere eine Abmahnung.

Jetzt auch die Jungs wieder weiterlesen.

Beruhige mich wieder.
Winke nur ab und zu mit einem weißen Tuch.
Feierabend am Anleger.
Um 17 ist Zeltabbau.
Um 18.45 kommt S..
HM zeigt mir SMS von C. „Wir müssen Steffi verabschieden.“ Also mich jetzt.
# Farewell
Ich habe viele Termine. Wird langsam stressig hier.

Sergej. Odessa.

Morgen ist glaube ich mein letzter Arbeitstag. Unmeglichch.
Ich geh einfach trotzdem hin.

Ein Dutzend und einstes Kapitel

11.6.14
HW 12.41
NW 6.56
SA 4.49
SU 22.01

Elektrolyte vergessen. Hat sich aber gelohnt.
Schlafen lass ich fast ganz. Es ist Mittsommer.
Und wer abends saufen kann, kann auch tagsüber…alles.

Gestern um kurz nach 5 denn Zeltabbau. Wir sind schon ein gutes Team, dat löpt klasse. In nur 1h fertig.
Erotik des Akkuschraubers. Das ist mindestens so sexy wie Gespräche über französische Existenzialisten. Er akkuschraubt, ich sammele das Entschraubte ein. Läuft wie in einer Manufaktur.
Dann wieder Freibier. Bitte heute nicht gleich mit Korn, ich trinke nur Radler, Alster muss man sagen. S.kommt gleich. Ich möchte nur immer da sitzen und diese Leute Platt reden hören. Ab und zu überlege ich einzelne Wörter in Lautschrift. Aber keine Zeit für Studien.

Muss privat an meinen Arbeitsplatz. Die Fähre- ich liebe den Namen Hilligenlei -kommt. Ein ganzer Anhänger voller Klopapier. R. war aufm Festland. N. ! Kütt zurück.
Und S.!! Wie schön, jemanden an der Fähre abzuholen! Wie überaus cool, dass sie gekommen ist, so einen weiten Weg.
Backenswarft einchecken, Hanswarft Abendessen. Dann VW-Bus, Decken, Bölkstoff. Diesmal bin ich besser ausgerüstet! (Denke, was hier „Deich“ genannt wird, heißt in meinem anderen Leben manchmal „Ente“.)
Watt. S. geht drin schwimmen. C. diesmal ohne Baustellenghettoplaster und ohne Kamera. Sie findet, dass die letzten Tonaufnahmen extrem gut gelungen seien. Weiter brainstorming „Kapitalertrageerzielende Maßnahmen, die das Hierweiterleben aller Anwesenden sichern könnten“
Ergebnis, ich erinnere nicht mehr alles, wir müssen ans hochpreisige Segment ran. Managerkurse. Oder, das gefällt mir am besten, HMsHaus wird Halliguniversität. Scheiße, ich kanns nicht kaufen, mein Erbe hab ich schon fast versoffen. A propos…

Jetzt sitzen wir aber wenigstens (endlich!) Arm in Arm do an Diek.
Vor Technicolor Himmel, alle Leuchttürme zwinkern uns zu, Amrum, Kent, Grönland und wie se alle heißen. Ach, der riecht aber wirklich gut, dieser Leuchtturmwärter. FrauFreitag im Glück. Sehr vergänglich, sehr erstaunlich, sehr schön.
Is aber noch zu früh für die Schlussblende.
Leider müssen wir doch irgendwann zurück, C. muss früh um 6 arbeiten. Bringe S. zu ihrer Unterkunft, dass sie sich nicht verradelt. Wir können noch fahren!

Auf dem Rückweg biegt mein Rad falsch ab und ich klopfe an eine erleuchtete Fensterscheibe, ganz leise. Er hats aber gehört. Ich muss einfach wissen, ob Seehundbärte eigentlich stachelig sind. Ja.
Und Nein. Reinkommen will ich nicht. Besser nicht.

Jetzt:
Schlussblende. Aber Technicolor, super Filmmusik, großes Kino.

Next day. S. kommt mit zur Arbeit. Ich zeig ihr meine Ausgehuniform.
Die Kutscher busseln mich ab. „Na Kleene!“, dröhnt I. von hoch oben, „Na kleiner Feger“ , brüllt X. mir ins Ohr.
„Du musst zwo Wochen verlängern“, da sind sich alle einig. Hmpfkrmpf.
Die Foehr 2 kommt nicht.

Sonst alle, im Vergleich aber ruhig heute. Was’n Glück. Mein Kater wird eher schlimmer als besser. Zeige S. die Sehenswürdigkeiten, die sie auch würdigt. Für mich ist es jeweils ein Abschiedsbesuch. Aber ich komm ja wieder!
Nach der Arbeit, Kaffee und Kuchen, Ziegenwalk, Wattglotzen, S. und S. findens gut.
Mal schauen, was der Abend noch bringt. Hab jedenfalls darum gebeten, mich morgen doch bitte arbeiten zu lassen. Can’tstop…

Buarks.

14. Kapitel

12.6.14
HW 13.32
NW 7.49
SA 4.49
SU 22.03

Wache eine h vor Sonnenaufgang auf. Somatisiere. Übelkeit. Schreibschreib FrauFreitag!

Gestern mit S. aus, noch einmal alles. Nackt baden am Mittag, Arbeit am geilsten Arbeitsplatz der Welt, Sonne mit Kuchen im Blauen Pesel, Watt anschauen. Am Abend Friesenpesel.
Widerstand gegen Nahrung. Schaffe irgendwie ein Süppchen. Dann schau ich nach, ob in dem Strandkorb, den ich mitgetragen habe, vielleicht ein Platz frei ist. Jo.

(dies „jo“ ist eine Herausforderung. Wie würde ich das in Lautschrift darstellen? Das o geht gegen Ende zum u, wie hier jedes a dem o nahekommt-die schwedische Variante!)

Neben einem sehr müden, von frischen Anwaltsschreiben gebeutelten HM sitze ich ein halbes Stündchen, vielleicht auch mehr. Hooger Gespräche. „jo“ und „ich sachma“
Vor allem aber schweigt es sich schön. Wind, Vogelgeschrei, Spatzengerangel auf dem Zaun. Blick nach Nordost.
Es herrscht Ruhe, auch in mir.
Als ich fahre, haben wir uns mit dreimal ‚jo‘ und einer kurzen Umarmung gesagt, dass wir uns wichtig waren. Wichtig, ohne IRGENDWAS miteinander zu teilen, keine Vorgeschichten ausgetauscht, kein Anknüpfungspunkt, nichts. Zwei, die nicht verschiedener sein könnten, die nichts verbindet außer 10 Tage Zusammenarbeit auf Hooge/Droge.
Was das Leben mir immer wieder für phantastische Überraschungsgeschenke macht!
Die echte Geschichte vom einsamen Leuchtturmwärter und der verschrobenen Festlandstante ist viel, viel besser als ihr Klischee.

Fahre nach Hause und packe ein bisschen-in einer Stimmung zwischen

Melancholie
Dankbarkeit
Ratlosigkeit
Erkenntnis
Wut
Zuversicht
Glück.
Vor allem Glück.

Schreibe ein kleines Gedicht auf, das mich anfliegt, das erste für den Hooger Lyrikband. Dann aber mal Licht aus!

Aber wieder nur 3, 4h Schlaf. Kann ich morgen auf der Fahrt nachholen, die ist ja lang genug.
Ich schaue mir, weil ich sowieso wach bin, den Sonnenaufgang an.
Nach so vielen Sonnenuntergängen ein Sonnenaufgang.
Symbolik!
Es sieht genau aus wie ein Sonnenuntergang, bloß rückwärts.
Kann man mal drüber nachdenken.

Um 20 vor 8 hole ich S. ab und bringe sie zur Fähre. Ab da noch 24 h.

Nachmittag. Dienst beendet, Kompetenzjacke an den Nagel gehängt.
Aber noch viel schönes erlebt, heute bei tollem Wetter und 3Bft aus West, in Böen 4
Am Mittag nimmt X. die Kollegin und mich mit in der Kutsche, aufm Bock. Ich fühle mich wie die Queen von England. Wir fahren zum Seehundbeauftragten. Gestern ist der erste Heuler angespült worden. Jetzt liegt er in einem Weidenwäschekorb und fährt nachher mit der Fähre nach Friedrichskoog zur AufzuchtStation. Alles gute, kleiner Heuler!

Aus dem nichts, unangekündigt, taucht die Foehr 2 auf. Ich werkle mit HM aufm Dach, als mich plötzlich jemand auf Russisch fragt, wies denn ginge…achchchchchch, Sergej, frag doch so was nicht. Nicht heute. Ich kann gar nicht so viel schlucken, wie ich muss.
Ich krabbele aber mal runter und wir unterhalten uns aufs Schönste über russische Literatur im Allgemeinen und im Besonderen. Auch mal ne Abwechslung, ich glaube, für ihn auch- irgendwie. Dann aber Lebewohl, schönster aller Matrosen, bis nächstes Jahr oder irgendwann in Odessa.

Jetzt hilft alles nichts, ich muss fertig packen, saugen und irgendwie den Kloß im Hals aushalten.
Glaube fast nicht, dass ich es schaffe, noch ein Schlusswort zu schreiben heute Abend. Ist ja auch alles gesagt. Jo.

Spannt bitte zuhause die Rettungssprungtücher auf. Ich komme von verdammt hoch oben…

Ende

13.6.14
HW 14.19
NW 8.40
SA 4.49
SU 22.02

Wenn der Sturmwind sein Lied singt
dann winkt mir
der g/Großen Freiheit Glück!
(leise, ersterbend)
Refrain…la paloma….
|: weißes Taschentuch 😐

Nachtrag: Elmshorn stinkt

(Nachtrag #Webcam. Mädels, am 9.6., 12.40h seht ihr mich und die Wäsche beim Halligblick…)

13.6.14, dann

Freitag der 13.

Aufwache Sonnenaufgang.
Organisation. Dusche mit Meerblick. Tee mit Mühe. Proviant. Mitbewohner.
Innen Sturmflut. Schotten dicht.
Ein Gedichtband mit Widmung.

Fahren zur Fähre runter.
Tinka spielt mit ihrem eigenen Schatten, bohrt ihre Hörner in den Boden. Ich brauche ein bisschen, bis ich verstehe, was hier vor sich geht. Muss trotz meines Kummers lachen. Sie braucht wirklich dringend Gesellschaft! Waltraud zum Beispiel, die Ziege, die bei Sturm Xaver mit ihrem Häuschen herumgewirbelt wurde und seither mit einem Huhn dort drinnen wohnt, das ebenfalls dort Schutz gesucht hatte. Freunde findet man oft in schwerer Stunde – nein – man ERKENNT sie.
Ich trenne mich von #Rad. Aua.

Mein Chef ließ sich schon gestern Abend entschuldigen, beim Ausstand mit Köm. Taucht auch jetzt nicht auf. Danke dafür. Ich glaube, er ist tatsächlich sensibel und erspart mir das Wort „Tschüss“. So war unser Abschied ein zufälliges Treffen gestern Spätnachmittag, ich mit Rad und er mit Auto auf der Straße, kurzes Winken, bis nachher dann. Klasse. Schöne Szene. Dabei würde er NouvelleVague möglicherweise für eine Automarke halten. Tssss, sehr lehrreich.

http://http://youtu.be/zOInn_N5hLw
(ab jetzt beim Weiterlesen bitte nebenher hören! Weinen ist keine Schande.)

Fähre kommt spät, gerade Niedrigwasser, also Obacht und schön langsam. 4 Hooger_innen fahren auch noch mit, haben Termine an Land.

Langsames Tuckertucker. Sehr langsam. Sehr, sehr langsam. Quälend. Sehe ja immer noch alles, nur irgendwie schleierhaft. Ich drehe mich einfach um. Brauche mal ganz kurz ein Taschentuch.
Tuckertucker.

Die Möwen
hinter der Fähre
winkende weiße Taschentücher.

Seehunde backbord! Ein Tourist leiht mir sein Fernglas. Immer wieder Sandbänke und Seehunde. Diese Nordsee!“ Dieses Wattenmeer! Wind 4-5 Bft von Ost. Frisch hier draußen. Ich tue so, als würde mir nicht gerade das Herz in Fetzen im Leib hängen und gehe mal unter Deck in den s.g. Salon der Hilligenlei. Lasse die Hooger reden, erfahre, wie das mit den Kindern und der Schule organiert ist. Ganz schöner Aufriss, das lassen wir mal.
Tee mit Zucker. Hat mir schon oft gegen akute Nervenzustände gute Dienste geleistet. Für Cognac ist es definitiv noch zu früh.
Fähre fährt sich fest. So is dat. Was soll man machen? Wasser kommt von allein. Hooge macht ruhig. Also brauchen wir statt ca.70 Min etwa 100. Plus die 20 Min. Verspätung…

Und kaum ist man an Land, geht das Gehetze los. Zum Glück steht ein Auto hier rum und die Hoogerinnen packen mich mit ein, Vollgas Richtung Husum. Aber sowas von Vollgas. Z. fährt wie eine Henkerin, wir rennen die letzten Meter bis zum Bahnsteig. Vielleicht kommt der Zug heute endlich mal zu spät? NÖ. Heute mal nicht. Er ist vor 2 Min. abgefahren. Mir hängt die Zunge aus dem Hals. Meine ersten Schritte auf Festland und schon gestresst?

Vor einem Trip nach Altona und dann Umstieg nach HH Hbf habe ich heute Angst. Das schaffe ich vielleicht nicht. Dann lieber mit dem Bummelexpress und Elmshorn umsteigen. Oh Gott- Bummelbahn, Schulklassen, stinkende Klos. In solchen Situationen reagiert oft der Körper- und zwar genau richtig. Ich falle ins Koma. Bis Itzehoe.

Halbe Stunde Aufenthalt in Elmshorn. Bin seit fast 6 h unterwegs.
Ferngesteuert gehe ich Richtung Zentrum. Eine Unterführung. Ich sehe Geschäfte, Busse, Autos, viele Leute, viele Imbissbuden. Zu viel von allem und es stinkt. Drehe selbstgesteuert um, stecke am Bahnsteig den Kopf unter die Flügel. Schülergruppen kreischen, meckern. Händygedudel. Der Geruch von frischgemähtem Gras kommt nicht gegen den Gestank an. Was ist das denn? Diesel. Essen. Zigaretten, Filterzigaretten, nicht etwa Selbstgedrehte mit Filter.

Plakate kündigen kulturelle Veranstaltungen in Hamburg an, Ausstellung Kirchner „Experiment Expressionismus“, Theaterprogramm… Stehe davor wie eine Kuh. Langsam dämmert mir, dass so was ziemlich interessant ist. Finde einen Anknüpfungsfaden zu meinem anderen, früheren Leben. Weiß nur noch nicht, was ich mit dem Faden soll. Weiter nach Hamburg, hoffentlich krieg ich das hin. Fühle mich wie eine Autistin auf Reisen.

Im Regionalexpress von Elmhorn nach HH über Pinneberg erreicht mich eine Nachricht vom Hafenmeister. Ach, Chef. Don’t worry. Alles gut und schön gewesen. Brauche aber schon wieder ein Taschentuch. Herrje. Wie bin ich denn drauf? Alle Nerven laufen überirdisch und innen bin ich mit alten Lappen ausgestopft. Lieber mal die Schokolade essen.

Umstieg Hamburg. Ohne Worte.
Gehe auf dem Zahnfleisch.
Im Zug schreien mich Lautsprecher an. Überall sinnlose Geräusche. Alle Welt ist verrückt. Und stinkt!
Will nach Hause. Wo ist das?

Ohrenstöpsel. Schlaf. Platzverweise, neue Plätze, Schlaf, SMS Kontakte – auch von Landsende erreicht mich ein Gruß vom Mitbewohner. Zwischen Trost und Qual. Erkenntnisse zwischendurch. Zuversicht. Was habe ich gelernt? Vieles, aber keine Worte dafür. Schlage ein neues Buch auf (Marseille-Trilogie von Jean-Claude Izzo). Da lese ich den ersten Satz:

„Es gibt keine Wahrheit. Es gibt nur Geschichten.“

Draußen immer mehr Landschaften. Osnabrück. Münster. Die Leute am Bahnhof haben immer weniger an. Der Rhein. Hallo, alter Freund, wo willst du denn hin? Hey, das ist auch meine Richtung! Köln. Bonn. Koblenz. Hier war ich in letzter Zeit öfter. Danach fast nur noch alte Bekannte.
Plötzlich Mainz. Da werd ich wohl rausmüssen. Boxhandschuhe gegeneinander schlagen, Nicken, bin bereit, konzentriert. Mundschutz ist drin, Tiefschutz brauch ich heute nicht. Steige in den Ring und -aus.

So, meine Lieben.
Jetzt bin ich wieder da. Obigen Entwurf wollte ich eigentlich nicht mehr verschicken.
Ich tue es doch, für B.& S. im Besonderen, mit wärmsten Dank für eben. Und L. für die Blumen. Und M. für die Aufforderung. Und L. für die Arme. Und A. für die Wäscheleinenkomentare. Und A. für die Post. Undundund…
Ich werde mir von irgendwem (wem??) erklären lassen, wie man eigentlich ein Blog „einrichtet“ (ist das das Verb?) und dann wird weiter gearbeitet. Es hilft ja nüscht, watmut, datmut.
Wie sagte mein WG-Genosse? Einfach erst mal schreiben…

Willkommenscenter

Nach der Ausstellungseröffnung gestern Abend in Koblenz

„yes, we’re open“

erreicht mich die Nachricht meines persönlichen Programmierers:

„FrauFreitag ist online.“

AUGENBLICKLICH fühle ich eine ergreifende Leere in mir.

Wenn das Fußballbild nicht bis zur völligen Erschöpfung abgegriffen wäre,  würde ich jetzt mit Torwarten und 11Metern anfangen.

Jetzt aber steht mir allerhand bevor. Ich muss all dies wordpress-Zeug begreifen, lernen, machen. Hab gar keine Zeit dafür!

Volles Programm fürs Wochenende:  Nr. 3 wird Schauspielerin (Proben, Aufführungen, Nervenzusammenbrüche), Nr. 2 kommt von Klassenfahrt zurück und wird erwachsen, Nr. 1 wird ein Junge.

Ich selbst muss auch noch ins Theater, einmal zu Nr. 3, einmal zum Abschied, Kehraus…

HILFE!

http://youtu.be/FSk3TG5czcg

Immer weiter strebt

FrauFreitag