Statt dessen

SA 6.24
SU 20.34
2 Bft aus SW

FrauFreitag, was machsten? Alles und nichts gleichzeitig, davon zu viel auf einmal und wahrscheinlich wieder mal zu schnell. Chill doch mal…

Statt dessen-
teste ich Falaffeln,
und trinke Limonade,
beobachte die Welt
beim Durch- und Weiterdrehen.

Les ich gute Bücher,
denke nicht an Therapeuten,
und beschäftige mich
mit Rap-Geschichte/n.

Träum ich tiefgreifend und wirr,
tausche Küsse (gegen was?),
ich wache zu früh auf
und schlafe viel zu lange.

Lege Akten zu den Akten
und Arme um Schultern,
vergesse schnell Zusammenhänge,
fahre auf und lass es sein.

Ich raufe mir die Haare,
rasier mir dann die Beine,
und nehme einen walk
on the wild side, far away.

Prüfe ich den Kontostand
und höre laut Lou Reed,
grüble lange über Wörtern,
buchstabiere einen Namen.

Beiß ich mir auf die Zunge
und lutsche Eiswürfel in Bars,
brause kurz in private,
und laufe Flüsse auf und ab.

Sammle ich Geschichtchen,
ernte Brombeeren und Tomaten,
betrachte still das Licht
höre zu und denk an andres.

Spreche nichts richtig aus,
und verstehe immer weniger,
organisiere und zitiere
Gedichte aus dem Kopf.

Stimmung: perfekt!

Ein Fundstückchen das mit Sicherheit all jenen gefällt, die Kind3 je persönlich kennengelernt haben.

Dieses übernachtet nach einer Party in meinem Bett und wir erzählen uns Sachen, bis zuerst ich lachkrampfgeschüttelt rauskullere, dann es selbst auch. Mit wenigen Menschen hab ich auf diese Art so viel vergnügliches Bauchmuskeltraining gehabt wie mit diesem Kind.

Vielleicht auch nicht witzig. Ich bin da befangen.
Also.
Kind3 ist auf nem Geburtstag eingeladen, dazu noch 4, 5 andere Pubertistinnen. Irgendwas wird gespielt (Wahrheit oder Pflicht?), da kippt die Stimmung und die Diva der Gruppe bekommt ihren obligatorischen Weinkrampf.  (Nach Aussagen des Kindes passiert das regelmäßig.) Schließt sich mit ihrer Vertrauten im Klo ein. Die andern 3 bleiben wort- und ratlos zurück. Minuten vergehen. Das Schluchzen im Klo verebbt, Maskara wird aufgefrischt, Näschen gepudert…Zeit vergeht weiterhin. Währenddessen folgende Performanz im betreten schweigenden Wohnzimmer. Kind nimmt einen neonrosa Memo-Zettel, schreibt STIMMUNG: PERFEKT! darauf, und klebt ihn auf seine Stirn. Verharrt so geraume Zeit.
Ich finde: witzig und absolut nachahmenswert. Aber vielleicht muss man auch hören, wie diese Geschichte von einer lakonischen 12jährigen erzählt wird.

Im Kleingartenverein oder deja vu

SA 6.19
SU 20.42
3 Bft aus SW, in Böen 6-7, schon ganz ordentlich

Frau Freitag is wieder back in town und trinkt Ramazotti Lemon auf Eis. Weil sie zu viel gegessen hat. Reste.
Was warn so los?
Alles und nüscht. Alltagspsycho-Opern. Menschen sind aber auch schwierig, selbst wenn sie Familie, die eignen Kinder, also beinahe mein Fleischundblut sind. Und das ganz ohne Pädagogik-Hintergrund oder Erzieherinnen-Erfahrung.
Dass wir uns da mal gleich richtig verstehen: die sind a priori Spitzenklasse, alle drei. Aber.
Ach, wem erzähl ich das. Haste welche, isses schwierig, haste keine, isses auch nicht recht. Einzelkinder klagen an, Geschwister schlagen sich die Köppe ein. Nu schön, jetzt ist ja erstmal wieder kinderfreie ZeitZone hier und ich lass mal sacken. Eins. Zwei. Drei…Vermisse sie schon, is verdammt ruhig ohne Kriegsgeschrei als Background-Chor.

Gestern hat der Kollege seinen 50sten gefeiert. So was passiert immer häufiger und es ist ganz normal, da hin zu gehen. Es geht in die Kleingartenkolonie „Römersteine“, ins VEREINSHEIM. Jaja. Schon der Weg dahin. Vom feinsten. Bahnhof, hinten raus. Früher gabs da die Unterführungen, eine blau, eine pissgelb. War auch der Weg ins städtische Freibad…ach, wie oft is man da lang! Als die Sommer noch… in den 70ern, und das war auch ein Weg zur Universität, aber das war später, da waren die Sommer schon mehr 90er und die Typen hatten alle Ohrringe und enge Hosen an. Überhaupt. Wie sahen die Jungs eigentlich aus? Gabs da keine Fitnessstudios? Die waren einfach-schlank. Guckt mal Videos, z.B. von Spliff. Da kann mans genau sehen. Bauarbeiter hatten Muskeln, die normalen Jungs waren dünn und hatten Haare und Ohrringe. Denk ich, als ich da lang gehe, obwohl die Unterführungen jetzt so Lavendelhügeln gewichen sind. Lavendel ist ja sehr schön, wenn er so blüht und das ganze Blau…trotzdem, irgendwie lifestyle-yuppie-Kacke
„…wir warten, dass die Zeit vergeht…“, Spliff, Deja-Vu. Mit diesem Riff im Hirn bergan und dann über die Brücke zum Friedhof, am alten Krematorium vorbei (”die Zeit kommt nie zurück…“) die prächtige Allee lang, an den Kriegsgräbern oben weiter…so vertraut wie mein alter Spielplatz. Stadtkinds Vorgarten, da hab ich mit der Oma immer gegossen, wurde zur Pazifistin erzogen, gruselte mich, da dechiffrierte ich alte Inschriften…jetzt liegt die Oma auch links unten, ich gehe nicht vorbei. Das Grab gehört übrigens mir, das ist ne andere Geschichte, jedenfalls, ich könnte noch hierher, wenn ich mich beeile, obwohl der Friedhof keine Grundstücke mehr verkauft. Will aber nich. Ich muss ja jetzt sowieso zum Kleingartenverein, dahin führt ein echt mit Historien gespickter Weg. Jetzt erscheint das Hildegardis-Krankenhaus backbord voraus. Da bin ich geboren, im Altbau, logisch. Da hab ich selbst Kind1 (17h) und Kind3 (5 min) in die Welt geschickt, da ist außerdem HerrFreitag gestorben. Wenigstens mehr Leben als Tod, denk ich noch. Jetzt aber in die Laubenkolonie! An Hans Rosenthal muss ich auch immer in Kleingärten kurz denken, der sich ja in einer Berliner Laubenkolonie versteckt hielt, eine echte GESCHICHTE, und an meinen NaziOpa, der über diesen Hans Rosenthal immer mir als Kind völlig unverständliche Bemerkungen gemacht hat, die von Rest der Familie beim Dalli-Dalli-Abend niedergezischt wurden.
Alle Arten Garten da. Schöne und gruselige, die vom Opa sein könnten. Gartenanlagen, ein FrauFreitag-Hobby. Überall Sonnenblumen, Äpfel, Kürbisse, Dahlien aller Farben…Vülle. Prachtvoll. Vereinsheim. Auch Prachtvoll. Viel Holz, Boden grau-rot-blaue Linoleum- Fliesen, 50 mal 50, wie in Omas Küche. Noch viele andere schöne Sachen gibts da, aber wir sind ja nicht ins Gebrauchskunst-Museum gegangen, sondern aufn Geburtstag. Also. Gin-Tonic. Das ist bekömmlicher als Wein, schöner auch und ich sage dem Bar-Keeper gleich, dass ich nur 2 trinke. Einen dritten soll er mir nicht machen. Da kann ich ihm sicher vertrauen. Stattdessen mischt er mir den ersten wie drei, sollte wohl ne Schorle werden…so wird der Abend in seiner Kürze ganz lustig. Der Schrebergarten des Geburtstags Kindes nebst Laube katapultiert mich olfaktorisch-radikal in die Datscha in Barvicha, Moskovskij Rajon, 1991, oder Russland, 19. Jh.
Äpfel, Kartoffeln, feuchte Wände. Da würde ich wohl für den Sommer einziehen…
Himmel, was für Assoziationen man auszuhalten hat, wenn man in die richtige Gegend kommt. Den Rest des Abends finde ich den schönsten Platz immer wieder an der Theke. In Sicherheit. Da kann man dem Service auf die Finger schauen und vom eigenen Lokal träumen. Vielleicht doch? Zur Vleischwurst. Oder Bei Ingeborg. Zu den 12 Stühlen. Zur Alten Vleischerei….
Ich muss wie Aschenputtel früh weg und mache in meiner Laune einen Fehler, den ich 600m zu spät bemerke. Ich bin aus Versehen losgeJOGGT. Lief sich schön, bis die Wade dann „ey spinnst du oder was??“ rief. Offensichtlich…da kann ich dann morgen früh um 8 dem Andern, dem Dingstherapeuten da erzählen, wie ich in sehr kurzer Zeit seine Arbeit kaputt gemacht habe. Schnaub.

Heute war dann noch aufräumen und Reste essen…gleicher Ort, gleicher Weg…
und FrauFreitag fühlt sich hoogig beim freiwilligen Kloputzen. Wenn ich jetzt durch die Tür rausgehe, ist das Meer da? Die Kutschersleut? Der Wind? Spannung wie Weihnachten—nö…
Ich will wieder meine richtige Arbeit am Anleger machen, dazu aber noch n Kiosk! „Moin! Was kriegsten? Und Kurtaxe nicht vergessen!“

Tse-tse-tse

Und einmal hat FrauFreitag freitags früh abends zum Bügeln Sport im Fernsehen angeschaut. Allein dies normal scheinende Szenario ist schon so bizarr wie nur vorstellbar. Am Ende noch Lockenwickler!
Muss erstmal in’n Keller an meinen persönlichen Sandsack. DAS IST JA UNBESCHREIBLICH, welch sexistisch-rassistisch-chauvinistische Kackscheiße da von diesen Grillexperten gelabert wird, wie denen ungefiltert Müll ausm Mund läuft, ich könnt mich aufregen. Natürlich schau ich das als alte Sporthasserin nur wegen der Zeiten und der Technik…und nicht wegen der schweißigen Muskeln. ABER ICH RED NICHT IM FERNSEHEN! Was lernen die denn eigentlich? Wo sind die Sportreporter von früher vor übergroßen Mikrophonen mit ph, die mit Tenorstimmen sauber formulierte und artikulierte Sätze sagen? Nee. Hagen Rether hats schon gesagt. Was reg ich mich auf? Selbst Schuld, wer fernsieht. Jetzt weiß ichs wieder. Schluss, aus, Endä.

SA 6.16
SU 20.46
2 Bft aus SW

Das Tief hält an. Leere innen und mäßig lustiger Slapstick außen. Sollte mal paar Tage das Maul halten, so wie diese selbsternannten Sportreporter.
Ganz OK war allerdings heute meine Sprudel-Performanz im überfüllten Wartezimmer einer orthopädischen Praxis. Wo ich mit Kind2 war („freier Vormittag“). Also alle Plätze im Wartezimmertheater besetzt. Ich stehe zentral, vorm Kind, und biete ihm, weil ich Durst habe, Sprudel an. Hab Becher dabei, weil Pubertistinnen sich ekeln, mit Mutti aus einer Flasche zu trinken. Is so. Öffne die Flasche, die fröhlich explosiv abspritzt. Und um den Schaden zu minimieren (Passanten), presse ich die Quelle an meinen Busen. Ernte spontanen Applaus und verbeuge mich mit Kratzfuß. Wische das Wartezimmer und bin trocken, als wir nur etwa eine Stunde später dran sind. Das war ganz erfrischend. Sonst? Nüx.
Achdoch. Die Metzgerei hier vorn an der Ecke hat geschlossen, für immer. Ich phantasiere, was man mit dem Ladenlokal anfangen könnte. Café „Zur Vleischwurst“? Sohn meint, die Jugend Rheinhessens käme an diese Pilgerstätte zur Wallfahrt. Macht wer mit?
Ich schau jetzt weiter Leichtathletik. Ohne Ton. Soll ich James Brown dazu hören?

Grusz aus dem Sommerloch

in dem es finster und öde ist, die Stimmen der Beraterinnen werden als dumpfes Echo von den Wänden zurückgeworfen, draußen brauen sich Gewitter zusammen und nur der DHL Bote klingelt, hat sich aber im Stockwerk vertan. Warte eine Minute Herr Postmann!

SA 6.15
SU 20.48
2-3 Bft aus SW

Kollegin Frau Z. hat unter Aufbietung aller Kräfte und einer ungeheuren Anspannung ihres eisernen Willens alle alten Ordner geleert und sortiert, FrauFreitag ist eine Liason mit dem Reißwolf eingegangen und hat alle sensiblen Daten nach intensiver Lektüre geschreddert. Eine Bewerbung beim Geheimdienst vielleicht? Irgendwann ist aber auch das getan und die Stille des Telefons brüllt uns an. Frau Z. ist nahe daran, auch unsere aktuellen Arbeitsgrundlagenakten zu vernichten, ich falle ihr in den Arm, ein Gerangel entspinnt sich. Wenige Stunden später denken wir, nervlich zerrüttet, über Klagelieder nach, chorisch dargeboten. Ich bin unbedingt für griechische Masken und Umhänge. Irgendwann verliert auch das Internet seine Attraktivität. Ich fühle immer mehr, ich würde gerne richtige Arbeit, ein TAGWERK verrichten. Mein Gehirn fühlt sich wie folgt an: Man nehme zwei olle Waschlappen und ziehe sie durch brackiges Wasser. Zu zwei Klumpen formen. An einem ungelüfteten Ort trocknen lassen, ein kleiner grüner Pelz macht nichts. Mit einem brüchigen Faden verbinden (corpus callosum, wichtig). Zwei Mandeln in irgendwelche Falten quetschen (Amygdalae, dto.) Fertig.
Endlich ist ZEIT und FrauFreitag geht.
Wohin? Nach Hause? Nein, zur Physiotherapie. Ph-, wie Ph-ysiotherapie. Setze den verheirateten Herrn als erstes darüber in Kenntnis, dass ich SCHLECHT GELAUNT bin. Nur falls er sich über vibrations oder Muskeltonus wundern sollte. Er ist aber auch schlecht gelaunt, sagt er, und fängt an, über ein Buch zu reden, das ich zu meinen liebsten zählen würde, egal jetzt welches, ich weiche jedenfalls auf. -Scheiße, ich bin aber auch immer wieder mit dem gleichen primitiven Mist zu ködern. In einem Akt der Selbstanalyse habe ich erst unlängst erarbeitet, dass Männer sich meist über mein literarisches Zentrum in mein Herz und Hirn arbeiten. Ganz schlimm sind Vorleser. Ich hab jetzt immer Ohrenstöpsel an oder höre laut gangsta-rap via Kopfhörer.-
Und jetzt dieser avisuelle Kerl, der mir über Hörbücher referiert, oder „seine Frau liest ihm vor“. Strecke der Massagebank die Zunge raus und ziehe Fratzen, ohne dabei die Bewegung im Bein spürbar zu machen, hoffe ich. Werde also weich. Dabei hatte ich beschlossen, einen irreparablen Krampf zu haben. Statt dessen beginnt die Wade vor Schmerz zu lächeln, wird immer geschmeidiger, und bald lächelt das ganze Kind. Ungewollt glücklich gemacht gehe ich heim. Was mich auch schon wieder ärgert. Es ist aber auch kompliziert.
Stapfe wütend zum Training (muss an den netten Kinderbuch Titel „Die kleine Motzkuh“ denken und auf der Metaebene grinsen), wo mir der Chef mit seiner Art tierisch aufn Zeiger geht…aber ich bin nicht so durchgeknallt, dass ich rabiat werde…ein böser Blick tuts, für den Rest sind ja Boxsäcke erfunden worden, von einem gnädigen Gott, wie ich meine. Und wir sind aufgefordert, diese zu nutzen. Mit Vergnügen.

Hatte ich eigentlich erwähnt, wie es heute früh angefangen hat?
Ich tappe die Treppen zur Arbeit hoch und irgendwie passt der Schlüssel nicht. Stocher, probier. Ist aber der richtige, sagt die Kontrolle. Und das Poster an der Tür? Ist wohl neu…ähm.
Bin im 4. Stock. Ich arbeite aber im 3.
Lachhaft.
Witzig? Nein. Nicht witzig.

Freu mich auf morgen. Da hab ich frei.

Es geht

an die schöne blaue Donau. Ich will „küss die Hand“ und 3/4 Takt. Zentralfriedhof und Kaffeehaus.
Dauert aber noch…lang.

SA 6.13
SU 20.49
2 Bft aus SW

Jetzt erstmal herrliches kühles Regenwetter. Gummistiefel, Gras wie ein Schwamm unter mir. Wolken wie Rauch. Alles mault, ich nicht. 2 Kilo perfekte Birnen vom Boden aufgelesen. Schiffsmeldungen fertig gelesen. Kerzen angezündet.

Kann nicht schreiben, innen leer und muss Leichtathletik schauen. Zehnkampf. Die Buben haben alle so hübsche Badeanzüge an…

Wunschloses Warten auf Sternschnuppen

SA 6.10
SU 20.53 (jetzt gerade)
3 Bft aus SW, in Böen 6

An manchen Tagen merkt man fast zu spät, dass sie perfekt sind.
Heute ist so einer. Fing alles blöd an, Vollmond, flachschlecht geschlafen, 6 h raus, Unterhose falsch angezogen, Einstieg durchs Bein, bin völlig verpeilt. Beim Frühgang zu Berge wach ich auf. Wind zupft an mir, Jacke vergessen, abgewöhnt. Gänsehaut am Bauch. Ich kann die Anschaffung netter Hunde nur empfehlen. Dann uff Schicht.
Erstaunlich.
Der Server servt nicht. Kommt doch von lat. servus, Sklave, oder? Nun, wie auch immer. No Mail in, no Mail out. Also mal wieder Improvisationstheater. Kollegin räumt Ordner aus und auf. Dabei stellen wir fest, dass sich Inhalte seit Jahren nicht geändert haben. Nur die Formen. So knalle ich etwa einen kompletten Vortrag auf Overhead-Folien in die Tonne. Was mir dabei den Stecker zieht ist, dass diese säuberlichst in Folien geordnet sind und unter einer jeden ein Stück SEIDENPAPIER liegt. Könnte man sicher noch schön Origami mit machen. Das Büro wird immer schöner…leerer…und ich schau mal, ob ich im Herbst ans Nordmeer, nach Prag oder nach Wien fahren soll. Lasse mir gerne raten.
Wien könnte gegen Ende Oktober herrlich morbid sein, oder?
In Prag wäre Prag und man könnte lustige Wörter sagen und hören.
Oder das Meer?? Ich bin nicht entscheidungsfähig.
Treffe mich mit meiner Mitbewohnerin zum Wasserglotzen am Rhein, er ist angriffslustig und wild. Wir bannen ihn mit unseren Blicken.
Im Briefkasten 4 (4) Postkarten. Freu mich über so gute Freund_innen.
Zurück aufs Land.
Im Zug die Gaber-Schlabersheimer Landfrauen, Durchschnittsalter 65+, die einen erregenden Ausflug nach Wiesbaden (…) gemacht haben und nun darüber schnattern wie die Hingel (i.e. „Hühner“) Kabarett war gestern. Zugfahren reicht völlig. Und ich hoffe, ich werd nie Dialyse-Patientin. Darüber weiß ich jetzt auch Bescheid. Man muss wirklich nur offenen Auges und Ohres durchs Leben gehen…
Aussteigen!
Merke, wie perfekt heute alles ist. Nicht heiß. Es riecht lecker nach Pflaumengärung und Mirabellenmost.
Kind hatte heute erste Autofahrstunde. Aufregend. Also fahren wir mal ins Feld, zu vertiefenden Studien. Geradeaus geht super, Kurven auch. Aber wenden…wir wechseln mal eben rasch, Mutter wird uncool, hatte den Graben gesehen und außerdem stehen wir auch mitten auf der Wiese eines Weingutes…aber schön. Wird. Machen wir jetzt öfter, ich freu mich schon.
Den Hund haben wir schon schlauerweise mitgenommen, also wandern wir in den Abendgoldenschein. Das Bächlein springt munter an unserer Seite, Blicke ins Dunkelgrün tun sich auf, Fuchsgeruch, Moos und Weidenbäumchen. Rheinhessen, renatured. Manchmal bin ich ganz versöhnlich hier. Mundraub, Apfel, Birnen (Sorte Ribbeck von Ribbeck, keine goldene Herbteszeit ohne!) und Pflaumen. Morgen nochmals, Mittwoch Kuchen. Merke: Kuchen von Klauobst ist am süßesten.
Zurück in der Zivilisation treffen wir eine befreundete Familie, die soviel Spaß hat, dass ich kurz doch wieder an das Modell glaube. Der Vater joggt tapfer, die Kinder rennen johlend um ihn rum, Mutter fährt auf dem Rädchen der Kleinsten hinterdrein, Knie am Lenker.

Habe gehört, heute soll eine Sternschnuppennacht werden. Schreibe dies bei schnell einfallender Dunkelheit im Garten. Jacke. Fühlt sich toll an.
Eben waren meine kindskopfgroßen roten Dahlien (schöner: Georginien) noch da, jetzt hat die Nacht sie mitgenommen. Autobahn rauscht. Monotoner Gesang der Zikaden, oder sind das hier Grillen? Grillen. Sollte man viel öfter haben…
Noch keine Sternschnuppen. Was sollte ich mir auch noch wünschen?
Klare Sicht vielleicht.

今日は寿司を食べる

Aber zuerst verneigen wir uns mal tief vor Tove Jansson, die heute 100 Jahre alt wird und bedanken uns herzlich für viele schöne Mumin-Vorlese-Stunden und den Zugewinn zu unserem Alltagswortschatz (z. B. „Stirnfransen“, „Schnüferl“ oder gar „Wifsla und Wafsla“ – dabei kann sie ja gar nichts für die Übersetzungen…)

SA 6.07
SU 20.56
2-4 Bft aus SW, in Böen bis 6 (!)

Und wer kam heute früh im Radio? Nicht Rachmaninov selbst, aber sein Präludium cis-Moll, bei dem ich sofort immer an Harpo Marx denken muss oder mich wie im Stummfilm fühle. Wer sucht das aus für Samstag früh um halb 8? Jedenfalls fühle ich mich ein bisschen verfolgt und höre beim Frühstück gleich weiter R. plays Chopin et alt., um das Präludium ausm Kopf zu bekommen – umsonst natürlich.

http://youtu.be/G2gv1kmseTI

Dann werden wir aktiv, mein Sohn und ich. Schleppen den ganzen Elektroschrott, der mich seit Jahren nervend im Müllraum rumsteht, zum Wertstoffhof. Es ist schließlich Samstag. Und allein schon für den Wertstoffhofwart hat sich die Aktion gelohnt. Der sitzt seit Jahren in seinem Büdchen (ich glaube: immer, nicht nur zu den Öffnungszeiten), ist schon immer ungefähr 70, grauer Hausmeisterkittel  und raucht immer den gleichen stinkenden Zigarrenstummel. Der Mund ist schon ganz verformt, oder besser angepasst. Stolz auf seine Tätigkeit ist er auch und wirklich ein Alleinherrscher hier auf dem Gelände. Mach ich jetzt wieder mal öfter, dahin gehen oder fahren…der Job könnte mir auch gefallen…

Um mich fit zu machen für meinen potentiellen nächsten Arbeitsplatz, räum ich gleich mal diverse Schuppen hier auf dem Gelände auf, kehre Spinnweben weg und den ganzen Dreck -merke dabei zu spät, dass ich das Kopftuch der Kolchosbäuerin vergessen habe und bleibe mit dem Schopf in einem extraklebrigen Spider-Netz hängen. Strampel. Am Ende geht alles gut aus und es sieht auch schön aus und ist überhaupt viel besser und die Mülltonne viel voller.

Ums nicht zu übertreiben: Hängematte. Bin ja versehentlich  nochmal in Proulx „Schiffsmeldungen“ geraten, die unter neuen Aspekten noch besser sind als vor langer Zeit (da macht auch ein Hafenmeister mit) und jetzt weiß ich auch wieder, warum ich neulich im Hitzewahn an Neufundländische Fischer gedacht habe. Die sind aus dem Buch gekommen, um mich zu holen. Dös, schaukel, les, gieß.
Schon schön so ein Samstag…wenn nicht alle was wollen.

Der große Plan ist, s. Titel, heute Sushi zu essen.
Dazu ziehe ich zunächst meine schöne japanische Schürze an, die mir meine Sushi-Meisterin einmal aus Japan mitgebracht hat. Kein Witz! Ich besitze ein wunderschöne Halbschürze in Mitternachtsblau mit einem Chysanthemenmuster auf der großen Tasche. Ein Traum. Von einer früheren Schülerin aus Japan, die mir auch noch ein paar Geheimnisse für die Zubereitung verraten hat.  Arigato, Ch.! Dann lege ich mein bestes Messer, das „Schwager-Messer“ vom Schmied himself, bereit.
Was kommt rein? Gurke, Avocado, Karotte, eingelegter Rettich und in Soja-Sauce angebratener Räuchertofu. Wasabi ist vorbereitet, Ingwer steht da, dazu die gute Shoju vom beühmten japanischen Hersteller, man darf hier nicht sparen! Der Reis wurde schon vor Stunden fachgerecht gekocht (diesmal wirklich recht gut gelungen! Noch leicht glasig, ein winziger Rest Biss, schön klebrig ohne irgendwie schleimig zu sein. Ich verstehe, dass die wahren Meister Jahre lernen müssen, bis sie perfekt sind…ich glaube 7 Jahre nur Reis kochen.) Und los gehts:

http://youtu.be/K729GqTf2pk

Die erste Rolle geht traditionell daneben. Ich sehe mich im Kimono vor dem Meister knien und den Kopf auf den Boden stoßen, Ellenbogen zeigen nach außen. So bleiben. Und viele Tage Abbitte leisten für dieses missglückte Stück Alge.  Das nächste klappt aber und auch der Sohn macht sehr schöne Muster ins Maki-Sushi.  Alles wird auf einer großen Platte aufgehäuft und mit Freuden verzehrt, wobei der Wasabi-Wettbewerb dem ganzen die notwendige Schärfe verleiht. Wer schnauft am schönsten? Wer tut am besten so, als wäre nichts? Wem kommt zuerst das grüne kalte Feuer aus den Ohren? Ich würde sagen: Gleichstand. Um das alles auszubatteln spielen wir zum Nachtisch Stadt-Land-Fluss. In dem wir beide unschlagbar sind. Ich war früher absolut unbesiegt (wer mit mir in der Schule war, weiß es noch…), aber dann wird man immer dümmer und jetzt ist der Nachwuchs eine ernste Konkurrenz und ich täusche schon mal Kopfweh vor, um mir keine Blöße geben zu müssen, wenn ich mich schon ein bisschen dämlich fühle. ..

Heute macht noch mit: Hassobjekt (nicht empfehlenswerte Kategorie, man kann hier immer …-lehrer schreiben), Krankheit (ganz schön. Das nächste Mal bitte lateinische Fachausdrücke!), Essen (leicht) und „Berliner U-Bahn-Station„, gleich erweitert auf U-&S-Bahn.

Keine besonderen Vorkommnisse, aber dass mir „Jesundbrunnen“ nicht anerkannt wird, prangere ich an.  Und dass mir bei R weder der Rosa-Luxemburg-Platz noch Rosenthaler-Platz noch Rehberge – sondern nur NÜSCHT eingefallen ist, ist bedenklich. Trotzdem gewonnen wegen Fluss „Havel“ und der Haltestelle „Hauptbahnhof“ zu je 20 Punkten. Ich fürchte aber die Revanche und geh jetzt mal lieber eine Liste der Berliner Haltestellen -alphabetisch geordnet- auswendig lernen…hach, das is aber interessant, schau mal an!

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Berliner_U-Bahnh%C3%B6fe

Manchmal liebe ich das Internet.

Vermischtes

FrauFreitag erlebt uninspirierte Tage und hat mal wieder das „Espassiertnixinteressantesgefühl“. Blödsinn!

SA 6.05 (es ist soweit, ich stehe VOR Sonnenaufgang auf…)
SU 20.58
1-2 Bft aus NO wechselnd auf O und SO

Früh nach dem Aufstehen, wenn man noch dünnhäutig rumläuft, die Schale noch nicht trocken ist und in gewisser Weise die Weichen für den Tag gestellt werden können, kam im Radio was sehr Schönes.
Das schöne Kreisler-Lied „Liebesleid“ mag einigen bekannt sein, ich kenne die Einspielung von den Comedian Harmonists. Im Radio nun haben sie gesagt,  dass Herr Rachmaninov daraus eine Klavierbearbeitung gemacht hat. Es folgte folgende Einspielung von Rachmaninov höchstselbst aus dem Jahr 1921, auf einem Klavier mit irgendwie eingebautem Aufnahmemodus (Wachsrolle??). Ich war in meiner morgendlichen Angreifbarkeit höchst ergriffen, wusste ich gar nicht, dass Herr Rachmaninov den Jazz vorweg genommen hat. Hört mal den schönen Standard:

http://youtu.be/gGmILVnE_dg

Anschließend frühmorgendlicher Feldgang mit Hund. Es ist so wunderschön, dass der einen seiner Lebensfreude-Rennanfälle bekommt, die sofort gute Laune verbreiten. Gras ist klatschnass , die Sonne funkelt schon darin. Stoppelfelder sind großteils gepflügt, so dass es noch viel herbstlicher ausschaut und vor allem riecht es – nach nasser Erde, pilzig. Immer noch eine Strohnote dabei. Und faulende Pflaumen von den wilden Bäumen am Bahndamm. Bessere Luft gibt’s eigentlich nicht. Hier jedenfalls. Kühl ists auch, man merkt endlich mal wieder die eigene Haut als Grenze zur Außenwelt. Leider ist kein Verweilen, der Lohnerwerb ruft.

Man schafft sich durch den Arbeitstag (Sommerloch wohin man blickt) -und wieder heim. (Zeitsprung…)
Da fragt mich Kind1: „Hab dein Block über den Physio gelesen. Is it serious?“
„No. It is not. Not really. I’m not talking about serious things in my Schreibblock.“ Also nur halbseriös, nicht wirklich schlimm. Keine Sorge. Es gibt viel tiefere Canyons…aber da würde einem ja schwindeln!
Einige spätsommerliche Gartenarbeiten – gerade keine reifen Brombeeren…die Kinder 2 und 3 sind mit ihrem Vater gut bei der Omi angekommen.  Alles sehr gut.
Dann aber los, zum Training und immer noch schön vorsichtig.
Hintergrund:
unser lieber Trainer E. ist im Urlaub. Seit Wochen galt seine Hauptsorge gänzlich unbegründet der Ausdefiniertheit seiner Muskulatur. Also die Jungs habens auch nicht leicht. Der is also weg und bräunt sich. Jetzt macht der Chef, O. , das Training. Der hat das früher immer gemacht, das war schon hart. O. ist ein echter Boxer, macht aber auch gern MMA. In gewisser Weise ein gefährlicher Junge. Jetzt aber auch schon nicht mehr ganz jung. Boxernase. Arme, dick wie meine Oberschenkel, aber tätowiert. Sieht eigentlich ganz cool aus. Ärger wollte ich mit dem nicht haben, hab ich aber auch nicht. Wir sind ein bisschen Freunde. Wenn wir uns sehen. Und O. hat vor paar Jahren den schönen Satz zu mir gesagt: „Schade, dass du nicht viel früher angefangen hast. Du wärst ne richtig gute Boxerin geworden.“ Mehr Lob geht, glaub ich, nicht.
FrauFreitag, the Million-Dollar Baby! Yeahyeahyeah.
Ich geh also zu O. ins Training. Und? Bin allein! Alle Kolleginnen sind entweder im Urlaub, zu faul oder haben Angst vor O. Also – gibt’s Einzeltraining! Macht er eigentlich nie, aber ein paar Runden Pratzen is ma OK, sagt er. Gut. Schön vorsichtig aufwärmen. Stehfahrrad, Liegestützen, Rumpfbeugen, Kniebeugen, Schultern, Arme, Hände…warm. Uff.
O. ruf mich IN DEN RING. Hilfe, da schauen auch immer alle zu. Na, was solls? In einen Ring zu steigen/zu klettern, finde ich immer ganz besonders, vor allem wenns ein hoher ist. Alles verändert sich, stehst du im Seilquadrat. Fokussiert. Konzentriert. No way out. Dann wird die Uhr gestellt. 5 Mal 4 Minuten. 4!?? Normal sind 3, bei den Damen oft 2…herrje.
Und los geht’s, Ring frei zur ersten Runde. Pratzentraining heißt, der Chef hat knallblaue „Handschuhe“ an, mit einem knallgelben Zielfleck in der Mitte. Da muss man draufschlagen, treffen im Idealfall. Klappt das schön, gibt es ein sattes, befriedigendes Geräusch. Buammz. Kenn man vielleicht ausm Fernsehen. Dazu sagt der Chef immer, was er will, oder man muss es an der Haltung der Pratzenhände erkennen. Klingt leichter, als es manchmal ist. Erstaunlich, dass man sich manchmal nur 2,3 Minuten wirklich konzentrieren kann, dann immer mehr Fehler macht. Das ist ein Teil der Herausforderung: Kopf.
Körper ist der andere Teil. 4 Minuten sind lang.
Und O. findet immer was. Immer. Und zurecht! E. ist immer ziemlich gnädig. Zu nett eigentlich. O. nicht. „Wo hängtn deine Linke? Wo issn deine Deckung?!“ Ich versuche, die linke Deckung zu verbessern. „Zu langsam!!“ Ich mach schneller, vergesse darüber – die linke Deckung. Zack. Hab ich eine Pratze links im Gesicht. Und wieder. Und wieder. Und wieder. Das macht mich ja schon wütend. Dadurch wird man schneller und härter. Und siehe da! Plötzlich ist, wie von Zauberhand an mein linkes Jochbein geklebt, auch die Deckung da. Man muss einfach an zu viel auf einmal denken…Es klappt, da freut sich O. und ich erstma!
Dann die Beinarbeit. Scheiße, ganz schlimm, geht gar nicht. „Ich bind dir gleich dein rechtes Bein hinten fest!!“ Wie in Million-Dollar Baby!!. (Denke seit gestern an nichts anderes als an Deckung und Beine…) Das ist der dritte Teil: man muss die Kritik verkraften…

2,3,4 Runden, uff. Ich muss mich mal abtrocknen, das ist ja unglaublich. Bin schon völlig dehydriert. Und keiner in meiner Ecke. Letzte Runde. Schaff ich auch noch, logisch. Super, mittlerweile läuft auch die Kavallerie, also der männliche Teil des Boxclubs, ein. Da haben die noch was zu lachen. Geht mir aber sonstwo vorbei. Die sollen erst mal in mein Alter kommen, dann sind die bierbäuchig und so, kennen wir alles. Pfft. Zack, rumms, bumm, peng. Läuft doch! Na, sagt der Chef, geht doch. Konzentration wird aber immer schlechter. Aufmerksamkeitsspanne eines Säuglings.
Zeit! 5 Runden O. und überlebt und nicht wirklich angebrüllt worden, der grinst sogar und ich bedanke mich herzlich. WASSER! Endorphinschub – frei! Supercool, wer braucht denn irgendwas anderes?

Hol meinen Hund ab, drehe eine Runde auf meinem Rad durch den Abend, das Blauspektrum ist unglaublich. Ich hab irgendwie Drogen im Kopf und dazu dies Licht! Dann wird noch mit Freunden ein Urlaub im Herbst in der Türkei geplant, vage, wohin… FrauFreitag hat nämlich eine Ereigniskarte gezogen: „Sie erhalten eine Steuerrückzahlung“…und das Geld muss jetzt verurlaubt werden…vielleicht in Side…? Oder hat jemand nen besseren Vorschlag?

#Physiotherapie, besser Krankengymnastik…

SA 6.01 (!)
SU 21.03
2-3 Bft aus NW

Räusper.

Es waren nur noch 109 Schritte hin.
Bin doch die Treppen hoch, 5 Stock.
Dann hab ich wenigstens n Grund, außer Atem zu sein.
Und da isser auch schon.

Ich schalte auf Autopilot, geht. Verhalte mich (glaub ich jedenfalls) unauffällig.
Er ist wieder so wie beim letzten Mal. Ein faszinierendes Konglomerat aus fast zu cool, sportlich, aggressiv-sensibel und „sympathisch“ – mitfühlend.
Also aufpassen, was so ein Bein alles verrät, dabei aber immer locker bleiben. Geht auch.
Stimmung ist gut, wir unterhalten uns prächtig, ohne dabei auf dummes Plauderniveau abzusinken. Läuft alles super.
Er lacht sogar laut und erzählt mir Geschichten, die ich hier nur aus Datenschutzgründen nicht veröffentliche. Gut genug wären sie. Kann ich ihm ja mal sagen, beim nächsten Mal…ich schiele schon fast, so entspannt sich mein Bein …
Er erinnert sich immerhin auch noch an mich und weiß noch, wo wir uns das letzte Mal gesehen haben. Und worüber wir gesprochen haben. Sehr schön. So erzählt er und ich höre zu und kommentiere ab und an pointiert.

„…mit meiner Frau…“

Gut, dass er nicht sieht, wie ich die Augen verdrehe…ich kommentiere nicht, hole auch nicht zum Kick aus, locker bleiben. War ja eh klar, dass so ein Funkelsteinchen nicht unentdeckt bleibt über 45 Jahre.
Die Gattin wird fürderhin noch zweimal erwähnt, sie hat eine unbedeutende Nebenrolle in der erzählten Geschichte. Ich schreie nicht: „Erzählen Sie mir keine Scheißgeschichten von Ihrer Gattin, die interessiert mich NULL!“ und bin wahnsinnig stolz auf meine gut funktionierende Impulskontrolle. Hab ich aber auch lange trainiert und das klappt auch nicht immer.

so sah der aus, der Lada…

Dann bekomme ich Hausübungen auf. Die sind aber schwierig diesmal! Ich probiere aus und sage -fast schon allegorisch -„und wenn das nicht gleich klappt, dann soll ich wahrscheinlich nicht traurig werden und es tapfer weiterversuchen, oder?“ und er antwortet – ebenso allegorisch „genau, nicht aufgeben und beim nächsten Mal berichten. Ich bin gespannt. WIR schaffen das schon.“
Tun wir das?
Wie sagte damals schon Dr. Brinkmann (sic), der LADA-Automechaniker mit der tollen Werkstatt nebst Doktortitel- schon allein er war ein Grund, LADA zu fahren-als ich 1992 auf der roten Motorhaube unseres Wagens mit „hoher Geschwindigkeit“ , so in der Gebrauchsanleitung) saß, die Stirn runzelte..also wie sagte Dr. Brinkmann, als ich irgendetwas anzweifelte, auf der Motorhaube sitzend:
„Schau einer an! Eine Skeptikerin!“
Saubere Diagnose. Ich glaube, der war Doktor der Philosophie…

Lösungen sind nicht in Sicht

der Stachelbeerkuchen hingegen wurde bis auf ein „Anstandsstück“ aufgegessen.
Wir bleiben dran…

SA 5.59
SU 21.05
1 Bft aus SW

Es gibt noch so viel zu klären, im Sinne von „sich über Dinge klar werden“.
Bin aber guten Mutes.
Woher nehme ich eigentlich diese Gewissheit, dass schließlich alles, alles gut wird und welches Buch hört so auf? Aus dem Leben eines Taugenichts, glaube ich. Na denn. Ist ja nicht das schlechteste. Von den Romantikern kann man viel lernen. Sonette schreiben zum Beispiel. Naturerfahrungen. Geniebegriff u.v.m.

Das reizende kleine verwirrte Genie hat gestern nach allerhand Naturerfahrungen sein WortAuto vollgepackt mit Tischen und allerlei Zeug für die Stadtwohnung und ist durch den schönen Abend in die Stadt gefahren. Am Prenzlauer Berg von Mainz, wo es ab und zu auch wohnt, war mal wieder Event angesagt. Die Hipster begnügen sich nicht mehr mit Eis essen, sie feiern unaufhörlich irgendwelche Partys, laut und gegenüber.
indexNaja. Ich hab zu tun.

Muss das ganze Mobiliar in mein Boudoir tragen, ächz.
Da stehe ich und frage mich: wie verteile ich die Dinge? Schon wieder Umstellungen!
Die Kommode wird 5 mal verrückt – ich hoffe, sie hält es aus – das Bett wechselt auch endlich den Platz, das war ohnehin höchste Zeit. Jetzt sieht alles ganz anders aus und wenn die Szenerie sich verändert, kann man selbst auch leichter Abstand gewinnen. Hoffe ich.
Der Schreibtisch der reizenden kleinen Sonettdichterin sucht nach einem Platz, er braucht 3 Anläufe. Jetzt steht er, Feng-Shui-technisch sicher nicht optimal, aber praktisch an der Wand, so dass man zum Fenster raus schauen kann (links), Lüften ist jetzt leichter möglich, guter Nebeneffekt. „Berlin – die Sinfonie der Großstadt“ hat die Seite gewechselt. Über dem Tisch ein Gedankennetz, eine Pheromonfalle für Einfälle. Also ein großes Stück Papier. Bin mit dem Ergebnis recht zufrieden. Jetzt kann ich im Sitzen arbeiten, das ist pysiologisch betrachtet sicher besser als im Kauern. Apropos „physio-“
Morgen geh ich hin. Zum Physio. Es sind von meiner Arbeit 117 Schritte. Dazu kommen Treppenhäuser. Also: 3 Stockwerke runter, 2 Schritt, Tür auf, 117 Schritte, Flur, dann 5 Stockwerke rauf. Ich nehm besser den Aufzug, ausnahmsweise. Um nicht verschwitzt und atemlos anzukommen. Das macht so einen nervösen Eindruck…
(Die Peinlichkeit von neulich, als ich mit dem Folgerezept ankam und ganz lässig Termine bei Herrn XY ausmachen wollte und der andre kam dazu und die Helferin sagt, „nee, die will unbedingt zum XY“ und ich versinke vor Scham im Boden, drehe mich um und stoße mit XY zusammen, der mich (natürlich) nicht sieht (er sieht ja nicht), mich aber auch nicht ERFÜHLT, hab ich hier nicht veröffentlicht. Es hat seine Grenzen. Das ist eine private Undeinmal-Geschichte…) A. hat sich gut darüber amüsiert. Zurecht.
Also morgen geh ich hin. Wird cool. Urlaub ist vielleicht ein gutes Thema. Da erfährt man so allerlei. Wer mit wem wohin fährt und wozu. Er fährt jedenfalls nach den Schulferien, aber ich tu einfach so, als wüsste ich das nicht…ob ich beim Geheimdienst anfangen soll? Das wäre vielleicht eine Lösung!
117 sind übrigens 3 mal 39
39 steps…

http://www.filmstarts.de/kritiken/38580-39-Stufen/trailer/19339367.html

 

Lohnerwerb ist auch keine Lösung

Unter diesen Motto steht die morgige Auftaktveranstaltung, an der zunächst zwei Kooperationspartner_innen teilnehmen. Es sollen Impulse gesammelt, Wege aus der postkapitalistischen Zwangsjacke gesucht und Stachelbeerkuchen gegessen werden.
Ziel sind unbedingt lösungsorientierte Ansätze, wie es weiter gehen könnte. So jedenfalls nicht.
Über Ergebnisse kann man sich in Kürze an dieser Stelle informieren, ggf. auch an Projekten mitwirken. Ich bin für Selbstversorger_innentum.

SA 5.58
SU 21.09
1-2 Bft aus SO

FrauFreitag lebt heute ihre HausFrauen-Seite aus. Während Kind 1 spontan sein Zimmer streicht, räume ich meine Kammer leer, putze auch unterm Bett und hinter der Komode. Dann versuche ich mich in Umstellungen. Nicht so leicht, wenn das Bett fast die ganze Kammer ausfüllt. Das Ergebnis ist ebenso unorthodox wie meine Lebensweise, mal einen Praxistest durchführen. Jetzt was die neue Möbelkonstellation angeht. Mein Leben ist ohnehin ein einziger Praxistest. Sauber ist es jedenfalls, das Zimmer. L. sagt, das sei auch Feng-Shui-technisch sinnvoll. Ich glaube auch. Und für den besseren Durchblick sogar Fenster geputzt.
Weiterhin köstlich gekocht. Hat Kochen schon immer soviel Spaß gemacht? Dann mal versucht, weiter in meinem Roman zu lesen. Merke: wer schreibt, liest kaum noch. Irgendwie nervt mich das dauernde Gekokse in dem Buch. Ich glaube zwar, das könnte vielleicht meine Probleme lösen, kann es mir aber nicht leisten. Weil ich keine Juristin bin, wie der Protagonist. Mit Koks könnte ich vielleicht das Problem der 5-8 täglich fehlenden Stunden lösen. S. Titel.
Dann spontan eine Tour de Rheinhessen gefahren, weil ich endlich den kleinen Tisch im Internet gefunden habe. Eine Schreiberin braucht wenigstens einen Schreibtisch. Und da in meinem Zweitleben auch nur sehr wenig Platz in meinem Boudoir ist, darf der nur eine bestimmte Größe haben. Heute fiel er mir nun unverhofft in den Kofferraum meines nun endgültig volljährigen Opels. Ich sage nur: TÜV neu, ohne Mängel! Und 15 €! Sehr zufrieden.
Zuhause schreite ich die Ländereien ab. Schlamperei wohin man blickt. Eigentlich wollte ich nur dies kleine Unkräutlein auszupfen, jetzt liegt plötzlich ein Berg geschnittener abgetragener Himbeerruten da, der alle Müllkapazitäten sprengt. Dafür schmecken die Brombeeren außerordentlich gut. Die mag ich am liebsten. August ist ohnehin toll.
Heut früh im Feld, ob ihr es glauben wollt oder die Augen vor Tatsachen lieber verschließt:
erstes gebrochenes Licht. Stoppelfelder und pitschnasses Gras. Der sichtbare, fühlbare Anfang vom Ende des Sommers. Und wenn ich mal vergleiche, die Weißen Nächte auf Hooge (sofortige Akutsehnsucht) …und gestern bin ich mit B. beim Abendspaziergang schon in die Dunkelheit gekommen. Macht Euch nix vor Leute, das Fest ist fast vorbei. Und ich freu mich schon auf den Herbst-auf alles, erstmal auf noch mehr Brombeeren. Und meine schönen Pullover. Stiefel! Mantelzeit! Im Bett liegt man wohlig zugedeckt. Kühle Luft rötet die Wangen. Ach, das wird wunderherrlich!
Meine Meinung-der viel gelobte Sommer ist in Wirklichkeit eine Mogelpackung. Man kann gar nicht alle s.g. Freuden nutzen, weil es schlicht zu warm ist. Außerdem stresst er, weil man immer ALLES will. Im Garten und raus und Sport und Spiel und Spaß und Biergarten und das ganze Programm. Wie ist das zu schaffen, ist man Lohnknecht?
Schluss: Der Sommer kann gern langsam gehen. Und wenn ich nächstes Mal vielleicht postfordistisch lebe, dann kann er ja wieder kommen und wir versuchen es nochmal miteinander.

Die Lyrikambulanz

ist nicht von mir, sondern am Sonntag ab 18h in Gustavsburg. Ich will mal hingegen und schauen, was die mir verordnen. Das hab ich aber auch nötig, bin ich doch selbst selbstlos im Einsatz auf der Satzbaustelle.

Aus irgendeinem, mir nicht ersichtlichen Grund (Germanistikstudium??),  bin ich nämlich plötzlich anerkannte Fachärztin für Satz – und Textheilkunde.  Was sich so lapidar anhört, ist manchmal wirklich harte Arbeit!

Häufig ist es ja nur ein Check-up. Text abhören, Bindehaut anschauen, Ohren und Hals. Wenn keine weiteren Beschwerden bestehen und der Inhalt einleuchtet: Der Nächste bitte.
Aber manchmal ist es auch schlimmer. Da werden mir Sachen auf den Tisch gelegt, dass man fragen möchte:
„Warum sind Sie denn nicht schon viel früher gekommen“ oder „Wie ist das denn passiert?“ Dann muss man Teile aneinandernähen, totes Material amputieren, Entzündungen behandeln, Gesamtsysteme durchschauen und orthopädisch korrigieren… Und viel später, nach getaner Arbeit wischt man sich die blutigen Hände am Kittel ab und fragt sich, wie man eigentlich in diese Situation gekommen ist. Raucht mitm Kopf im Nacken, nachts aufm Krankenhausbalkon im blasssen Schein einer Laterne, innen das Krankenhau-Neonlicht, die Nachtschwester nickt einem zu. Erschöpfung in den Augen. Irgendwo fährt der erste Bus .
Andererseits ist es ja immer ein befriedigendes Gefühl, wenn man so einen schlimmen Fall zusammengeflickt hat und er am Ende genesen ist. Mit Narben vielleicht, aber ok. Ach ja, mein Leben als Ärztin…

SA 5.54
SU 21.11
1-2 Bft aus NW

Heute war ich wirklich müde nach der Arbeit. Darum bin ich noch mal in die Zeitwerkstatt zum Uhrmachermeister gegangen. Dort wars genau wie neulich, auch die gleiche Besetzung. Eine Zeitschleife? Der Kollege für Uhrenheilkunde hat mein schönes Stück eröffnet und eine OP am offenen Werk durchgeführt. Ich stand mit angehaltenem Atem daneben. Jetzt geht sie. Richtig. Ist vielleicht doch besser, als so zu rasen. Auch wegen des Schlaganfallrisikos.
Und zur Belohnung nach all den Unbilden des Lebens ist FrauFreitag dann, als Höhepunkt des Tages und sich selbst ein Geschenk machend, erstmals seit 23 Tagen wieder zum Training marschiert. Plan: schön vorsichtig sein!
Und?
Ich war schön vorsichtig, vor allem aber auch ausm Training, also schlapp und schwach. Statt Seilspringen auf son komisches Rumstehfahrrad. Gut, warm wird einem da auch. Keine Kicks, nur ein paar zarte, angedeutete Knie.  Sonst nur Faustkampf.
Ach, hat das viel Spaß gemacht. Es ist zwar ein wenig beengend, immer aufzupassen, dass man ja keine unbedachte Bewegung macht. Dient aber sicher der Impulskontrolle oder so. Jedenfalls bin ich jetzt sehr zufrieden, sehr gechillt in den Armen und um etliche Aggressionen ärmer. Dann kann ich morgen sicher meinen anstrengenden Dienst in der Klinik mit neuer Energie versehen. Hoffentlich kongruieren die Verben dann grammatisch mit den Subjekten…

Und einfach nur so, weils so schön kongruiert, hier aus der lyrischen Hausapotheke ein UUort zur Nacht:

Der Zipferlake

Verdaustig wars, und glasse Wieben
rotterten gorkicht im Gemank.
Gar elump war der Pluckerwank,
und die gabben Schweisel frieben.

„Hab acht vorm Zipferlak, mein Kind!
Sein Maul ist beiß, sein Griff ist bohr.
Vorm Fliegelflagel sieh dich vor,
dem mampfen Schnatterrind.“

Er zückt sein scharfgebifftes Schwert,
den Feind zu futzen ohne Saum,
und lehnt sich an den Dudelbaum
und stand da lang in sich gekehrt.

In sich gekeimt, so stand er hier,
da kam verschnoff der Zipferlak
mit Flammenlefze angewackt
und gurgt in seiner Gier.

Mit Eins! und Zwei! und bis auf’s Bein!
Die biffe Klinge ritscheropf!
Trennt er vom Hals den toten Kopf,
und wichernd sprengt er heim.

„Vom Zipferlak hast uns befreit?
Komm an mein Herz, aromer Sohn!
Oh, blumer Tag! Oh, schlusse Fron!“
So kröpfte er vor Freud.

Verdaustig wars, und glasse Wieben
rotterten gorkicht im Gemank.
Gar elump war der Pluckerwank,
und die gabben Schweisel frieben.

Lewis Carroll, aus „Alice hinter den Spiegeln“,
Übersetzung: Christian Enzensberger

Zeit und Geld

SA 5.53
SU 21.13
2-3 Bft aus NW

Undeinmal haben wir an der Nordsee, ich glaube im schönen Städtchen Esens, ein s.g. Heimatmuseum besucht, da konnte man auch eine Uhrmacherwerkstatt besichtigen, die dort in memoriam aufgebaut war. Es war die Werkstatt von Hansi Tick-Tack, Gotthabihnselig. Uhrmachermeister. Aus der Zeit, als es so was noch gab. In der Werkstatt da tickerte und tackerte es, dass es eine Art hatte und das war sehr schön.

Wie komm ich jetzt darauf? So:
Heute nach der Arbeit bin ich erstmal zum Trödler. Suche ja immer noch einen Jugendstilsekretär (oder einen jugendlichen Sekretär), war aber wieder nix da. In MZ gibts original einen Trödler, ich muss hier weg.
Dann zur Bank.
Hoho! Soviel zum Thema Prekariat. Erstmal Konto entlasten. Ich hab aber auch hart gearbeitet.

Vorwort zur Rahmenhandlung: ich habe auf dem Anwesen meiner Schwester meine Uhr verschlampt. Das hat mit meiner schlechten Angewohnheit zu tun, diese immer sofort abzulegen, wenn ich irgendwo ankomme, als sei eine Uhr ein Hut. Unauffindbar. Nun war aber diese Uhr ein Geschenk meines Exmannes. Man kann ihr Verschwinden also durchaus werten und interpretieren. Ich lese daraus, dass jetzt keiner mehr über meine Zeit bestimmt. Mein Schwager meinte scherzhaft, ich müsse jetzt jemanden finden, der mir ne neue Uhr schenkt. Das sehe ich ernsthaft komplett anders.
Ich
kauf mir
meine Uhren
ab jetzt
SELBST-
Yeah.
Und in meiner Straße in der Stadt ist dieser Laden „Alte Uhren“, der etwa drei Mal im Monat bei Springtide geöffnet hat. Nämlich heute. Als ich grade frisch von der Bank komme.
„Ein Zeichen!“ denkt FrauFreitag und betritt die Museumswerkstatt.
4
Phantastische Idee! Wie im Heimatmuseum. Überdies belebt, aber dazu gleich.
Ich komme also rein, sage: „Bitte eine Uhr, für diesen Arm passend [Arm vorzeigend], mechanisch, 50er Jahre wäre wünschenswert und ich habe kein Geld. Also wenig. Diese Goldomega da von 1951 wäre ein Traum, aber 900 € sind nich.“
Der Meister trägt Elvistolle in Grau, wie wahrscheinlich seit 1956, und er hat ein Loch zum Atmen im Hals, gleich vorne am Hemdausschnitt, so dass man von außen zuschauen kann, wie er ein-und ausatmet. (Wie heißtn das nochmal?) Ich bin sehr fasziniert von dieser Szenerie. Die Groupies nennen sich selbst so. Sie antworten das auf meine launige Frage „Na Jungs, seid ihr hier Azubis oder Inventar?“ Einer ist vielleicht so mein Alter, eher sportlich, könnte man auch im Studio treffen. Der sitzt da und himmelt die Uhren an. Hat auch kein Geld.
Der andere zeigt mir, dass er an BEIDEN Handgelenken beuhrt ist. Ich frage gleich, wies mit den Knöcheln aussieht. Nö, aber inner Tasche hat er auch noch drei. Aha. Ich bin also in besondere Gesellschaft geraten.
Die aber nett ist. Man legt mir einige original „alte Junghans-Modelle“ (sic) aus den 50ern vor, die ziemlich genau meinen Vorstellungen entsprechen. Muss mich zwischen 2n entscheiden. Geht leicht. Ich folge der inneren Stimme. Bekomme noch ein neues Band. Einer der Groupies erledigt das, hat plötzlich eine Lupe wie ein Monokel ins Auge geklemmt. Ich fühl mich wie im Theater und spiele mit. Die Standuhren, bemerke ich nebenbei, sind auch nicht schlecht…
Der Meister spricht: perfekte Uhr. Sieht toll aus an mir.
Ich finde, ich seh toll aus mit ihr!
Und wenn was ist, wenn die nicht richtig tickt, soll ich kommen.
Glücklich gehe ich im Ticktackschritt heim. Schaue dauernd auf die Uhr. Zum Aufziehen. Freu mich schon drauf. Nix piepst und von wegen Batterie leer. Soviel Spaß für naja, einen guten Preis. Ha. Zuhause- wie die Zeit vergeht! Ganz anders als auf der Digitalküchenuhr…ich stelle nach…und nach ….und nach und nach merke ich, dass wir wirklich super zueinander passen, die Junghans und ich.
Sie geht auf die Stunde gut 20 Minuten vor. Sie rast also geradezu vor. Macht gar nichts…dann geh ich also morgen wieder hin…wenn hoffentlich Springtide ist und der Mond im richtigen Quadranten steht…oder einfach so lassen? Relativitätstheorie und so? Und der Arbeitstag vergeht wie im Fluge und der Nachmittag zieht sich nicht länger wie Kaugummi?? Wer sagt denn, dass die Junghans VORgeht? Gehn die andern vielleicht NACH? Einfach um 16 h gehen, auf Fragen das Handgelenk unter andere Nasen halten: „hier! Schau doch auf die Uhr! Feierabend!“ rufend. Ich überlegs mir noch.

(Mein Exmann hat übrigens immer „Ras doch nicht so!“ gesagt, wenn ich so fürbass gegangen bin.)

Im Südwesten Gewitterneigung

SA 5.50
SU 21.15
2 Bft aus Nord

FrauFreitag ist wieder da. Ende mit Apfelduft. Jetzt wieder no Sex in the City.
Schön wars in Bullerbü. Die alten Platten aus den 50er Jahren haben wir in archäologischer Feinarbeit (und manchmal auch in grober Wut) vom Balkon abgeschlagen. Sind fast alle noch gut, kann man noch benutzen. Eier sind eingesammelt. Mehr Apfelmus gekocht. Das kranke Pferd verarztet. Hoffentlich wird alles wieder gut. So eine kaputte Hornhaut ist schon gruselig…
Nur die Straße vorm Haus müssen wir noch sprengen. Und die Puten aus der Mastanstalt nebenan befreien. Dann alles runterbrennen. Ich freu mich schon auf diesen Guerillaangriff. Ich kaufe mir einen Ninja-Anzug und los gehts! Dann ist das Idyll perfekt.

Heimfahrt ok. Highlight das dicke Kind mit Pferdeschwanz hinter mir. Ich dreh mich um, herauszufinden was da so stinkt und schmatzt: es isst eine Packung Billig-Putensalami direkt aus der Packung. Komplett. Leer. Und ganz ohne Brot. Wahrscheinlich Low-Carb-Diät. Ich weiß nicht, ob es hinterher die Finger am Sitzpolster abwischt, der Geruch bleibt jedenfalls dem Großraumwagen erhalten. Das ist die Strafe für schwachgewordene Vegetarierinnen. Vorhölle. Also Guerillaangriff. Auf die To-Do-Liste
In Mainz umfängt mich Schwüle wie Gemeinschaftsbadedunst in einer Jugendherberge. Röchel.
Manche Dinge werden mir von Tag zu Tag klarer. Ich muss hier über kurz oder lang weg. Oder konsequent in die Sommerfrische.
Kühlungsborn klingt schön. Hat jemand ein Haus da und möchte mich und meine Brut einladen? Oder hat jemand Bekannte? Ich sortiere auch gerne Bibliotheken dafür oder mähe den Rasen.

Mein Schwager hatte mich nach Plänen gefragt. Also:
1. raus aus dem Prekariat
2. raus hier

Das alles muss aber gut geplant und vorbereitet sein. Ich arbeite daran.

#Physiotherapie.
Heute ein Anderer. Ich bleibe kühl, kein Gefühl (außer natürlich der Schmerzen, die er mir bereitet). Und klar, ich mache brav meine Dehnübungen. Sowieso.
Nein Nein, es liegt schon an diesem einen Speziellen. Ich höre seinen Vornamen bei Gesprächen des Praxisteams. Aha, merken! Gemerkt! Noch eine Woche…
Plan: ich lass mir ein weiteres Rezept geben. Das macht der Arzt meines Vertrauens. Und es tut ja auch noch weh, Himmel nochmal. Das ist langwierig…
Muss Zeit gewinnen. Dann werde ich all die Vorschläge, die zahlreiche Leser_innen eingesandt haben, beherzigen.
Habt Geduld!
Wie
FrauFreitag

Aufsitzrasenmäher

FrauFreitag hat wieder eine neue Leidenschaft.

Aber mal von vorne. Erstmal verschlafen, der Miyazaki gestern war schön, aber lang. Deshalb dann fast den Zug verpasst. Sind nämlich gen Norden gefahren heute sehr früh. Nicht weit genug für meinen Geschmack, aber wenigstens sind die Häuser schon rot mit grün und die Grundstücke groß. Horizont gibt es auch. Hier, in the middle of no-where, wohnt nämlich SchwesterFreitag. Mit Mann, Kindern, Hunden, Hühnern, Katzen und Wühlmäusen. 5000qm Garten.
Irgendwas zwischen famos und ich möchte hier nicht tot überm Zaun hängen. Für ein paar Tage aber immer schön, für die Kinder Bullerbü, ich glaube, mittlerweile vielleicht schon eher eine Erinnerung an Bullerbü.  Angekommen, mittaggegessen, ins Gras geworfen. Es riecht nach Äpfeln. Das ist nicht verwunderlich, liege ich doch nicht weit vom Klarapfelbaum entfernt. Wer diese Sorte nicht kennt, lernt jetzt was. Alte Sorte, Mitte 19. Jh., sehr hell. Sehr früh, sehr empfindlich. Fallen runter, erste faule Stelle. Nach einer Stunde- halb verfault. Am nächsten Tag-ein einziger Matsch. Nach wenigen Tagen- Schimmelbingo. Ist man schnell genug, ist der Klarapfel perfekt für Apfelmus. Er ist eine echte Aufgabe…

Da lieg ich, dort 1737 runtergefallene Äpfel aller Gärstufen. Hm. Stinkt ganz angenehm, man möchte gleich einen Strongbow bestellen. Wär aber doch netter ohne. Und wenn man schon zu Gast ist. Also Schubkarre, Handschuhe, diverse dienstverpflichtete Kinder mit wenig Durchhaltevermögen. „Das macht keinen Spaß!“ Ich erkläre eine wesentliche Lebensweisheit: muss auch nicht alles Spaß machen. Obwohl, ich finde, man gewöhnt sich dran…endlich mal was Konkretes und Absehbares. 5 große Schubkarren voll Apfelfäulnis. Fertig! Ach, was für ein herrliches Gefühl, welch schönes Wort.
Und jetzt der nächste Teil. Ich frage meinen Neffen, der davon träumt nächste Woche zum 14. Geburtstag einen Traktor zu bekommen, uns fehlen aber 2000 EUR- also wer will, einfach fragen- meinen Neffen also, der LANDWIRT auf seinem T-Shirt stehen hat und das vollkommen ernst meint, wie das jetzt mit dem Rasenmäher ist. Dann würden nämlich die Äpfel ins weiche grüne gemähte Gras fallen, was erstens sehr schön aussieht und zweitens das Aufsammeln immens erleichtert.
Er bringt das Gerät, 18 PS, ein riesen Teil mit ner Art Anhänger-ich frag gleich mal, wie das richtig heißt.
Er zeigt mir wies geht. Und los!
Macht viel, viel Spaß.
Aber die Mickymäuse müssen auf die Ohren. Achja, noch viel besser. Das mach ich jetzt die nächsten Tage. Bin kreativ und versuche keltische Symbole in meine Mahd einzuweben. Finden die nicht gut. OK, also wieder weg. Dröhnbrumm. Brumm. Und auf und ab und brumm. Wird schon bisschen langweilig, immer nur hin und her…ich probier mal ein Herzchen. Sieht super aus. Soll aber auch wieder weg. Fühle mich in meiner Kreativität eingeschränkt.
Kind 3 steigt mit auf und gibt zum ersten Mal im Leben Gas. Kurbelt wie wild, wir eröffnen einen mobilen Mähservice! Juchu! Mein Neffe bekommt nen Lachkrampf. Wenn ich genug Geld mit Mähen verdient habe, kauf ich ihm den Traktor.

Am besten gefällt mir, dass man bei wenig Gas auf „Schildkröte“ stellt und bei viel auf „Hase“.

 

Nachtrag, 29.7.14

Am nächsten Vormittag 55 gute Klaräpfel eingesammelt und 13 ins Gebüsch geworfen…55 sind knapp ein großer Eimer voll. Gingen alle an die Pferde. Mehr morgen.

 

Preuszens Gloria oder Tonari no Totoro

Ein ehemaliger Mitbewohner antwortete auf meine Launen unlängst mit dem Rat, Tage zu zählen. Er schlug vor: Hochwassertage, Niedrigwassertage, Edelsteintage.

Letztere sind klar, bei den anderen weiß ich nicht so genau. Ist Hochwasser einfach nur schön? Oder steht einem da das Wasser bis zum Hals? Was ja nicht so gut ist, meines Erachtens. So fühl ich mich heute, immer noch wassertretend. Niedrigwasser? Keine Gefahr oder öde? Watt?

Es kommt immer auf die Perspektive an und ich finde, dass Sprache manchmal nicht konkret genug ist.
(Wenn ich mal kurz abschweifen darf: seit Jahrzehnten fehlen mir im Deutschen  „nachgeordnete Fälle“. Ich möchte  mal kurz und mit wenigen Worten erklären, was ich meine: „Ich sehe…“ ist noch einfach. Es folgt der Akkusativ, Wen-Fall. Wen sehe ich? Transitives Verb. „Ich sehe den Bruder…“ ok, korrekt. Aber jetzt kommts: „Ich sehe den Bruder meines Nachbarn, Totoro.“ Hier hätte ich gerne einen nachgeordneten Genitiv (wessen oder WEMSEIN-Fall, wie man hier in MZ fragt) Und zwar dem Akkusativ nachgeordnet. Ist noch irgendwer dabei? Beispiel war vielleicht nicht so toll. Wenn mir mal ein besseres einfällt, korrigiere ich an dieser Stelle.)

Also gut, ich zähle Tage, mache heimliche Strichlisten, korrigiere, radiere und habe dabei das komische Gefühl, dass meine Tage gezählt sein könnten. Mir fiel eben noch spontan die Kategorie „Beratertage“ ein, das war z.B. Dienstag. Die sind soweit ok. Stehen aber im Arbeitszusammenhang. Ferientage. Für meine Kinder ab heute 6 Wochen. Für mich am Montag. Früher hab ich mal von einen preußischen Ordnungstag gehört. Das ist, glaub ich, heute. Ich hab im Betrieb einen akuten Anfall mit Ordnern und Zetteln und To-Do (und v. A. Not-To-Do-) Listen bekommen. Lustig, wenn man es nicht gerade selbst erleben muss.

Wie komm ich eigentlich hierher? Ach ja, Aufräumanfall. Nächste Woche, so denke ich mal wieder, muss alles besser werden, anders, koordinierter, geordneter. Ich bin wohl ein bisschen zwanghaft heute.

Dabei wollte ich eigentlich eine Hommage schreiben an Vysotsky, der sich seit vorgestern wieder ungeniert in meinem Hirn ausbreitet und wie ich glaube ganz und gar nicht zwanghaft war – sonst wäre er vielleicht heute noch bei uns , über japanisches Anime-Kino (heut Abend ist der neue Miyazaki dran und ich freu mich schon)
4
(hier mein Nachbar ,Totoro)

oder über Kängurus. Es gibt wirklich viele interessante Themen auf dieser Welt. Aber ich muss jetzt noch ein wenig katalogisieren, sortieren, archivieren  (ich glaube, vor allem mal meinen eigenen Kopf) und nebenbei für mich klären, ob ich das Büro verlasse um am Anleger mein Glück zu suchen…etwas Besseres als den preußischen Ordnungstag finden wir überall…

Landunter

Gerade erreicht mich ein Telegramm, dass auf Hooge nichts so ist, wie es gehört. Wie es sein muss, damit ich hier die Gewissheit haben kann, dass Hooge da ist, wartet, so wie ich es brauche.
„Nienichtniemals“ hätte ich weggehen dürfen. Nimmer.
Die Wohnung mit der Dusche mit Meerblick geht an den neuen Hafenmeister. Der aber erst im September kommt. Weswegen jetzt alle am Anleger sind und den nicht vorhandenen Meister vertreten. Und meine liebe Chefin, die auch das Handtuch geworfen hat.

Wer sammelt jetzt das Geld ein??! Das muss ich doch machen! Der Anleger brüllt nach mir, schreit nach meiner Hilfe. Im Kopf renne ich im Kreis und auf und ab und hoch und runter gleichzeitig. Haareraufend.
Was tun? Ist das ein, nein DAS Zeichen, alles zu schmeißen und …
Doch Cave!
Wenn alles flieht, was von außen kommt, dann…muss man darüber nachdenken. „Die Hallig instandbesetzen?!“

Kaum hatten die Wundränder sich geschlossen, alles wieder aufgekratzt und offen.

Und ich muss Wassertreten…

"Es gibt keine Wahrheit. Es gibt nur Geschichten."