Der Hühnermann

SA 7.20
SU 19.14
2 Bft aus West

Gestern war FrauFreitag nochmal auf Reisen. Diesmal aber gemäßigt, es ging nur nach Bonn-Beuel. Dabei ging allerhand schief, der Scheinwerfer stand genau auf mich ausgerichtet und ich hab mich aufgeregt, am meisten aber darüber. Also über mich selbst und dass ich mich ärgere, denn das wollte ich mir abgewöhnen. Und schon gar nicht will ich als bekennende Zugfahrerin ins allgemeine Bahn-Bashing mit einstimmen. Nein, alles war gut. Nicht ganz einfach, aber gut. Dann fuhr man mit der Straßenbahn über den Rhein, der bei Bonn ganz schön breit ist. Drüben ist kein anderes Bundesland. Ich finde das immer komisch, halte immer schon kurz vor Brückenmitte ein Ausweispapier in der Hand-ganz unnötig. Dann rattert die Bahn nach Beuel, das ist gestern in Legoland umbenannt worden. Denn genau so siehts da aus. Lieblich und man kann noch sehr schön draußen sitzen in Eiscafes und es gibt einen Optiker, der meine Sonnenbrille kostenlos repariert, eine Post ohne lange Warteschlangen, was den Kölner Kollegen dazu bewegt, nun immer nach Beuel zu fahren, wenn er Briefzubehör braucht. Außerdem ein Besengeschäft, in dem der andere Kollege einen Handfeger erstehen möchte, dann aber nicht dazu kommt und wo ich lerne, dass „Pümpel“ (Abflussverstopfungsbeseitigerzubehör) im Rheinland „Pömpel“ heißt. Die Beueler ü-ö-Linie, jedem Dialektologen hinlänglich bekannt. Arbeitsgespräche gibts auch in Beuel aber dazu keine Kekse. Ich fands trotzdem sehr schön und komm gern mal wieder.

Im Zug zurück untergegangen. Geschichte dazu: Vor Jahren hab ich „Vom Wasser“ von John (sprich deutsch: io:n) von Düffel gelesen. Hat mir gut gefallen damals. Beim Aufräumen der Bibliothek und sichten der Bestände festgestellt: weg. Wie so viele. Leihkartensystem?? Nein. Fare well. Den von Düffel aber hatte ich im Kopf für eine Wasserfreundin. Drum hab ich ihn auf dem Gebrauchtbüchermarkt gesucht, gefunden, bezahlt und bekommen. Der Postbote hat ihn in meinen Briefkasten geworfen. Der Briefkasten stand aufgrund langanhaltender Regenfälle unter Wasser, was man aber von außen nicht sieht. Also landete „vom Wasser“ im Wasser, was ich schon witzig fand. Auf der Heizung getrocknet. Wasserschaden, deutlich sichtbar. Mit auf die Fahrt genommen. Dabei ist es untergestampft worden, also es steckten alle möglichen Utensilien zwischen den Seiten. Diese verknittert. Normalerweise kann ich ganz gut mit Büchern. Naja. Ich hab dann beschlossen, das Abenteuer-Exemplar zu behalten und für L. ein neues zu kaufen. Am Rhein langfahrend angefangen zu lesen-> untergegangen. Ich möchte nicht mehr aufhören. Sog ist das Wort.

Und heute, das wollte ich ja eigentlich erzählen, erhole ich mich von all der Ungemach und habe frei. Seit der Apfelkuchendebatte vor einigen Jahren ( War das Frau Köhler??) ist eben dieser für mich zum Inbegriff fürsorglicher Mütterlichkeit geworden und wann immer ich ein Gefühl des mütterlichen Ungenügens (…) habe, backe ich mal einen. Als Zeichen meiner Liebe und weils lecker ist. Und das mach ich heute. Aber Mehl war alle (hatte schon einige Pflaumenkuchen produziert…) und ich musste zum Supermarkt. Wenn man immer nur reist oder arbeitet, ist so ein Vormittag im örtlichen Einkaufsparadies schon ein Erlebnis. Meist treffe ich Leute, oft „Hausfrauen“ oder solche wie mich, kompensierende Mehrfachbelastete. Dann immer großes Hallo und wie gehts – Dorfidylle.
Heute treffe ich erst an der Kasse den Hühnermann.
Wer ist das? Einst, es mag so 13, 14 Jahre her sein, wohnte an der Schranke oben ein Mann mit seiner Frau und vielen Hühnern. Die pickten frei überall herum, belebten das Bild und waren ein Aufreger für die kleinen Kinder, die ich damals noch hatte. Der Weg zur KiTa führte da vorbei. Der Mann, türkischer Migrationshintergrund (das ist wichtig für seine Sprechweise), war immer irrsinnig nett, bald kannten wir uns, da wir mit Roller und Dreirad natürlich gern stehen blieben und sein Geflügel beobachteten. Es geschah aber, dass FrauFreitag nicht mehr an sich halten konnte und sich selbst 2 Laufenten, Olga und Aljoscha, genannt Erpel, anschaffte.

enten2

dies das einzige existierende Photozeugnis

FrauFreitag machte also in Laufenten, was ich nur empfehlen kann. Versüßt absolut jeden Tag. Olga legte fleißig Eier, die damals existierenden Kinder 1 und 2 suchten diese…der Mann aß sie. Irgendwann frug mich der Hühnermann, mit dem ich gern mal fachsimpelte, ob ich ihm ein paar Eier geben könne, er habe jetzt einen Brutautomaten…. Klar und von Herzen gern. „Und?“ war fürderhin  die Frage und irgendwann verließ ihn die Geduld (falsch!!) und er schaute in 2 Eier rein –zu früh!! Weh und ach, also ließ er die übrigen und als es schon keiner mehr glaubte, schlüpfte Emre. Er wuchs heran, einzige Ente unter Hühnern und wann immer wir vorbeikamen suchten wir ihn und bewunderten ihn – er war uns fast wie ein Sohn. Dann kam der Zug. Zu schnell für Emre. Und kurz daruf zog der Hühnermann um. Monate oder Jahre später traf ich ihn auf der Straße: ja, er habe wieder Geflügel, in einem Schrebergarten außerhalb. Ohne ging es nicht. Ich verstand ihn gut. Hatte selbst meine lieben Enten weggegeben, weil mittlerweile Kind3 durch den Garten krabbelte und die Entenhinterlassenschaften dazu schlecht passten. Seufz.
Dann, wieder Zeitchen später, traf ich ihn: alle Hühner futsch. Den Kopf schiefgelegt, die Hände mit Handflächen nach oben erhebend spach er weich und türkisch gefärbt: „s wade Fux.“
Er eröffnte eine Imbissbude. Pommes und Döner. „Emres Imbiss“. Manchmal bin ich hin. Das war der einzige Imbiss, wo man auch mal über den Sinn des Lebens oder den Vorteil von Laufenten gegenüber Barbarie-Enten diskutieren konnte. Aber dann starb seine Frau unter wirklich tragischen Umständen, der Imbiss schloss und der Hühnermann verschwand – in die Türkei, wie ich hörte. Zeit verstrich weiter, irgendwann war er wieder da, aber, wie man so sagt – und Sprache irrt selten – er war, was man einen gebrochenen Mann nennt. Kannte mich noch. Und ja, wieder Flatterzeugs im Schrebergarten…irgendwas müsse man ja…
Und heute, nach wirklich langer Zeit, treffe ich ihn an der Kasse. Spreche ihn an, Ehrensache, wie lange kennen wir uns!! Er erkennt mich, erzählt sofort los von seinen Tieren, aber er gefällt mir nicht…wirkt irgendwie ausgeknipst und die Augen, das kenn ich doch…. Er bezahlt: ich sehe seinen Einkauf: eine Tüte Schnittbrot und zwei Fläschen Jägermeister, die sofort in die Tasche seiner Jogginghose wandern.
Scheiße. Es ist erst 8.50 h.

From Dawn to Dusk

 

SA 7.15
SU 19.21
3 Bft aus West

Herr-lich. Ein Wicküler Pilsener genießend („Hooger wie wir…“) denke ich den Tag zurück:

Um weniger Stress zu haben, hat FrauFreitag beschlossen, eine halbe Stunde früher aufzustehen, wenigstens 20 Minuten. Macht also halb 6 und fühlt sich nicht direkt überzeugend an. Dann aber doch, denn tatsächlich kann man viel entspannter alles machen, was so zu tun ist, ehe das Stück anfängt. Schon um kurz vor 7 sattle ich also fertig geschminkt mein Pferd und reite in den Sonnenaufgang, mit Hund ans Wasser, schauen, obs noch Sunflowers auf Sunflower Island gibt. Fazit: Es gibt und es lohnt sich, obwohl ich erstmals seit langem das Wort „Handschuhe“ denke, kurz vor Sonnenaufgang aufm Rad. Somit eingestimmt – an die Arbeit. Diese dient im Moment v. A. dazu, dass mir täglich neue graue Haare wachsen.  Ich habe jetzt alles in die Hände meines persönlichen Zeichners gelegt. Alles wird gut, das hat der schon vor 25 Jahren gesagt, also wird es das bestimmt jetzt bald werden…

Ich mach hier mal Werbung für ihn, klickt ihr:

http://skizzenblog.clausast.de/

Nachdem ich mir eine ellenlange Liste mit Dingen, die morgen zu tun und zu lassen sind auf den Arbeitsplatz gelegt habe, verlasse ich nach einigen Stunden den Lohnerwerb, um zu Hause an die echte Arbeit zu gehen. Ich schule zukünftige Fachkräfte und redigiere den Aufsatz „Tag einer Steinzeitfrau“, 2. Geschichtsstunde 7. Klasse. Manchmal staune ich über mein Wissen. „Hatten die eigentlich schon Männer?“, fragt das Kind. Es meint „angetraute Ehemänner“, aber ich sage natürlich „Natürlich, und was für welche!“ und habe im weiteren Verlauf keine Lust, seine Idee der heilen kleinen Steinzeitfamilie auch noch kaputt zu machen. Außerdem: was vermögen wir schon zu wissen, wie die Männer da so waren? Nüscht.

Nach einem heftigen Gewitter bricht sich die Sonne Bahn und vergoldet die Welt. Ich rufe zu einem SpSp auf, zu einem SpontanSpaziergang, aber nur der Hund will mit. Was wäre ich ohne ihn?! Also raus, dem Sonnenuntergang entgegen, hügelauf hügelab kann man die Sonne steigen und sinken lassen. Die Vollernter sind großteils durch, Fluglärm seit gestern erträglicher, nur die Autobahn lärmt still vor sich hin. Der Hund frisst Ernteausfälle – zum Guttempler würde er nicht taugen. Ich probier auch mal und wenn nochmal einer sagt, der Sommer sei nichts gewesen, dann zwinge ich ihn, diese Zuckertrauben zu essen, bis ihm schlecht wird. Würfelzucker in Perkelform. Das wird ein Jahrhundertjahrgang.  Ja! DER SOMMER WAR SEHR GROSZ.
Das Licht zaubert, über dem fernen Rheintal steigt Nebel und ich wandere über dem Nebelmeer.

casparselfie
Denke über alles mögliche nach, finde das Sein ganz erquicklich, stolpere durch Matsch und Pfützen, nasche hier und da, da fällt mir auf, dass ich es bald kaum noch schaffen werde, im Lichte zu wandeln. Ei, das wird eine Prüfung. Vielleicht kann ich meine Arbeitszeit unterbrechen von 12-16 h und dann in der Dunkelheit weiter? So grübelnd streife ich vorbei an I-Ahs Platz („wenn du verstehst, was ich meine“), und an Hazel-Rah aus Watership down, der gerade vor uns in seinen Bau schlüpft. Kurz frage ich mich, wie Menschen die Welt sehen, die nicht immerzu in Büchern spazieren gehen…denke an Thursday Next…und stehe vor meiner Haustür, wo man meiner erwartet.
Ist das Leben nicht schön, in all seiner Vülle? Schon irgendwie.

Frei-Tage

Und da sind wir wieder.
Auf Sendung. Fragt mich nicht, was los war. Plötzlich war FrauFreitag verschwunden und not available und wäre dies wohl auf immer geblieben, hätte sie nicht ihren persönlichen Programmierer, der mit ein paar gekonnten Handgriffen die Welt gerettet hat. Lob, Preis, ewige Ehre und Dankbarkeit sei ihm. So ist das, wenn man was Vernünftiges gelernt hat. Und weil mir gedroht wurde, muss ich jetzt auch all das erlernen…Unselbständigkeit war gestern.
Der persönliche Programmierer P. (Name geändert) hat hier aber ohnehin Heldenstatus, schon immer gehabt. Denn undeinmal ließ er mein damals 2 oder 3 jähriges Kind2 zunächst auf seinen -wirklich hoch gelegenen- Schultern reiten , aber dann kams erst richtig: es durfte auf diesen Schultern stehen! Beim Spazierengehen. Das war ein so erhebendes Erlebnis, dass es sich seit 13, 14 Jahren nicht davon erholt hat, weshalb er, jetzt wieder der Programmierer, auch in der Familie nie nur mit Namen, sondern immer mit seinem vollen Titel „der große starke Programmierer“ (Name geändert) besprochen wird.
Also nochmal Danke.

Wenn man so ein paar Tage aus der Welt ist, verliert man schon mal den Faden. Wäre chic, wenn das im echten Leben mal passieren könnte. FrauFreitag- nicht erreichbar. In aller Konsequenz.
Statt dessen war das Wochenende pickepackevoll, aber trotzdem angenehm entspannt. 3 Verabredungen, eine Familieninvasion, ein Vormittag kochend und backend, dazwischen 6 Maschinen Wäsche und als krönender Abschluss eben – ein Saunabesuch. Damit wurde das Winterhalbjahr eingeläutet, das Licht zwischen den Regengüssen war Rotgold, die Regengüsse nach dem Aufguss Wohltat. Sehr schön auch das Bild der im Draussenschwimmbecken spielenden Kinder – eines meines – vor herrlichem schwarzwolkigsonnendurchflutetem Himmel, dazu Chlorgeruch. Überhaupt wollen die mich narren – verstehen sich plötzlich untereinander, was mich ehrlich verwirrt. Sonst ziehen sie sich immer an den Haaren und kreischen – jetzt plötzlich Eintracht Sauheim?? Ich bleibe wachsam.

Und jetzt, wo der Laden wieder läuft, kann ich ja morgen mal  was tun!
Ich wünsche allen Lesern, die tagelang das Standbild angestarrt haben, einen prachtvollen Start in die erste echte Herbstwoche! Ich jedenfalls freu mich.

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Leerstand

SA 7.06
SU 19.34
2 Bft aus Ost

Für M.
Die Pizzeria hier um die Ecke steht leer. Schon länger. Das treibt mich aus mehreren Gründen um. Diese wiederum passen hervorragend in die Reihe „Neustadt, früher, heute und immer mal zwischendurch“. Ganz  unlängst war ich da mal drin, in der Pizzeria, weil Kind2 mich in der Stadtwohnung besuchen kam. Und dann will man dem Kind natürlich was bieten und es wünschte Pizza. Also bin ich rein. War nicht ganz leicht, denn Erinnerungen quollen durchs Schaufenster. Weggewischt wie Spinnenweben. Drinnen war dann alles- anders. Man muss wissen
– da gabs neben Pizza in der letzten Zeit auch „indisch“
– alles stand falschrum, also im Vergleich zu früher
– FrauFreitag ist nicht heikel, also was so Fragen angeht, wann was „eklig“ ist. Da wars-grenzwertig.
Kind war glücklich mit seiner Pizza Funghi und die Samosa war OK, nur die Remoulade dazu hat mich irritiert. Gut, ich bin dann nicht mehr hin. Habe aber natürlich wieder dran gedacht, wie es früher war.
Als alles noch richtigrum stand. Da sind wir manchmal dorthin, denn es war in der Nähe meiner Wohnung und es gab auch, ganz wichtig, Pizza Pazza, das war vor der psychischen Erkrankung (‚ich vertrag keine Sahne‘) und vor diesem elenden weltverbesserndseinwollenden Vegetarismus, als alles noch unproblematisch war und man alles und immer und egal wo gegessen und gemacht hat. Und genau damit waren wir beschäftigt. Wenn man nicht mehr konnte, musste man eben mal raus und was essen. Dieser Moment wurde immer so lange wie möglich rausgezögert, denn man musste sich anziehen und die Treppe runter… halb tot vor Hunger. Aber eben erst wenn aller Sekt und Wodka leer war und die Nutella-Gläser ausgelöffelt.  Also auf wackligen Knien raus ums Eck zur Pizzeria…und schnell noch Zigaretten geholt im Regen am Automaten unten, dann zurück. Ein Wochenende war kurz und Zeit nicht zum Vertrödeln mit Essen da- von solch reproduktiven Tätigkeiten wie Einkaufen oder gar Kochen ganz zu schweigen.
Früher hab ich damit grob erzählt. Zwischendurch war komisch. Heute also steht der Laden leer. Was mich reizt. Denn ein Ladengeschäft ist ein heimlicher Traum, wenn Anleger schon nicht geht auf Dauer. Leute kommen rein, bekommen was Schönes und gehen glücklich wieder. Kollegin Frau Z. und ich hatten schon eine gute Idee, wenigstens für den Namen. Schließlich bangen wir um unsere Arbeitsplätze, da muss man auch mal über Selbständigkeit nachdenken. Der Name ist
BrotLoseKunst
Und was soll da verkauft werden?
Na, überlegt mal!

#Tempelhofer Feld, 2

SA 7.04
SU 19.39
Berlin-geschätzte 3 Bft aus Südost früh in Tempelhof

Undeinmal sind wir schon früh übers Tempelhofer Feld spaziert, an einem Septembermorgen, wie er herrlicher nicht sein könnte mit Dunst und Sonne und 100% Tempelhofer Feld eben. Und da lag es und war Hallig inmitten der großen Stadt, flach und weit und groß und Wind und mein Herz hob sich wie eine Lachmöwe in die Lüfte. Einen alten Hafen gab es obendrein und der große alte Flughafen-ach.
Schönheit existiert und bestimmt das Tagesbewusstsein.

Fragmente

SA 6.59
SU 19.45
2 Bft aus Nord
Fluglärm immer noch entnervend

Klare Gedanken vermag die gute FrauFreitag derzeit nicht  zu fassen. Und Geschichten verfangen sich keine in den ausgelegten Fallen, nur hier eine Spur und da ein paar Fussel. Die winzig kleinen Dinger, die manchmal in der Reuse sind, werfe ich direkt ins Wasser zurück.
Das gabs vor vielen Jahren schon mal, die Welt fragmentierte. „Der Körper in Stücken“ hieß die Ausstellung in Frankfurt, wo viel Rodin zu sehen war.
http://photos1.blogger.com/blogger/4986/984/1600/Rodin-The-Cathedral.jpg

Meine eigene große Überschrift derzeit war Rilke.
http://www.musee-rodin.fr/sites/musee/files/styles/mav_326x122_retina/public/vue_perso/rilke_et_rodin_ph16496.jpg?itok=qEfMHtxC-hier mit Rodin.
Komisch. Mit dem kann ich heute gar nicht mehr so gut. Andere werden vom langen Liegen nur besser, wir haben das unlängst beim Wa-ha-ndern besprochen. Frisch zum Beispiel. Dostojewski.
Also Fragmentarisches. Davon aber jede Menge.
Ist es vielleicht ein Puzzle? Aber so ohne Idee rumzupuzzlen ist auch nicht eben einfach. Viele Teilchen in sehr verschiedenen Farben, ich weiß gar nicht, wie daraus ein Ganzes entstehen soll. Werde wohl alles noch etwas drehen und wenden müssen und huch, während ich das mache, merke ich, dass (natürlich!) alles auch noch zwei Seiten hat. Das schafft zusätzliche Möglichkeiten. So schaffe ich immer mal 2, 3 Teilchen zusammenzufrikkeln, da wirft mir das Leben schon wieder 5 neue hin.

Am liebsten würde ich gerade mal anhalten. Müsste mal Meer sehen. In Berlin?
http://youtu.be/Cz2wI8g-fjA

Oder, eher klassisch – für manche auch unerträglich.
http://youtu.be/fztkUuunI7g

Am besten immer abwechselnd.

Eine unwichtige Nebensache möchte ich an dieser Stelle öffentlich machen und zur Diskussion stellen:
Aus Eitelkeit und zu statistischen Zwecken hab ich mir vor einigen Wochen ein Plugin geladen, und wenn mir jemand vor sagen wir 6 Monaten gesagt hätte, dass ich je einen solchen Satz schreiben würde, dann hätte ich verächtlich gelacht und ausgespien und gefragt „Wasollndassein?“.
Jetzt aber weiß ich das und lade das und es heißt NewStat, was ich sauwitzig finde, weil die neue Reihe ja auch NeuStadt heißt. Zurück zum Text. Damit spioniere ich meine Leser aus. Wann, wer, wo , was wie oft, wie lange. Interessant. Sagt mir einfach eure IP und ich sage euch…
Eine Adresse tut sich dabei besonders hervor. Schon schön, aber eines verwundert mich doch sehr. Ich kenne nämlich niemanden in den USA. Und da sitzt dieser Jemand. Erstaunlich. Und der liest auch nicht. Der öffnet immer nur für wenige Sekunden die Seite. Hm. Was meint ihr? Ob der von der MSÄ (Name geändert) ist? Aber- ich hab doch nur ganz selten über Bolschewismus, Terror, Antikapitalismus u.ä. geschrieben. Zu selten eigentlich. Und rufe nur ganz manchmal auf, Mitglied zu werden im Asozialen Netzwerk…

http://die-kaenguru-chroniken.wikia.com/wiki/Das_Asoziale_Netzwerk

Rätselhaft. Ich hoffe, jemand kann mir das erklären. It frightens me.

Sonst. Muskelkater zwischen den Schulterblättern. Schöne Spaziergänge und Fahrten in herbstlichen Farben.
Viel Verwirrendes. Hamburg. Eine Stadt, ein Seufzer. Küchentischgespräche an verschiedenen Orten. Kastanien in den Taschen, neu, glatt und kühl. Wieder mal Kerb in Sauheim.  Wie Wachstumsstriche an Türrahmen. Schlendere kurz mit den Kindern da lang…letztes Jahr…davor…vor fünf…zehn…fünfzehn…Jahren. Die Baby-Karussells immer noch gut besetzt, aber von andren. Halli Galli, das einzige, was sie heute fahren können, ohne das Gesicht zu verlieren. Autoscooter. Weinstände. Hier und da Hallo sagen. Das Dorf als Sehnsuchtsort, war letzte Woche taz-Thema. Also ich bin schon froh um mein duales Leben. Und wenn ich in der Stadt mal Trübsal blase, dann bitte immer an Dorffeste denken. Das ist schon-speziell. Was noch? Blumenzwiebeln gekauft und geschaut, ob mein liebster Wintermantel von Motten gegessen wurde (Slava bogu, nein!), Tasche für die nächste Reise vorbreitet, Pflaumenkuchen in großer Menge hergestellt und gemeinsam verzehrt. Jetzt kommt die Jugend der Welt zum Dorffest (Udenheim, Schornsheim, und aus dem hessischen Odenwald), dann ziehen alle in ihren peer-groups los, das Dorf verunsichern. Cool. Dann muss ich das wenigstens nicht selber machen…und kann laufen gehen…und weiter puzzlen…

Verortung

Ebereschen hab ich heute nirgendwo gesehen.

SA 6.56
SU 19.53
2 Bft aus Nord
Fluglärm entnervend

Fühle mich ganz schön flexibel.
Hamburg, Mainz, Sauheim. Frisur bleibt Frisur.
Ebereschen also irgendwie nicht, auch keine schwer rollenden Seewolken, zwischen denen hysterisch grell die Sonne durchbricht, um die Hafenkräne anzuleuchten, die mir- ohne Adjektiv- zuwinken, als ich vorbei-, weg-fahre.
Fahren war herrlich, auch unterwegs alles Licht, das ein September zu verschenken hat. Ich hätte gerne die Notbremse gezogen. Worpsweder Bilderreigen, Birkenalleen, Moorlandschaften, erste gilbe Blätter vor Waldhintergrund- ein Traum. Irgendwann Frankfurt am Maine, dann weiß man, dass man aufgewacht ist. Spätestens dann. Flattere kurz durch Mainz, Lohnerwerb bestimmt mein Denken, bin unerhört angespannt weil in einer spannenden Phase. Unbedingt dran denken, ein Los zu kaufen. Sofortrente, aber sofort. Wenn ich dazu komme…

Auf der Suche nach Loslassen und Herbstfarben radle ich mit dem Hundekameraden ins Feld hinaus. Er kobolzt neben mir entlang und ich werde vergnügter mit jedem Meter. Über den letzten Pappeln kreisen zwei Reiher, andre vogelin maniger art machen letzte Besorgungen vorm Schlafengehen.

Kennt noch jemand Günter Eich?

Ende eines Sommers

Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!

Wie gut, daß sie am Sterben teilhaben!
Die Pfirsiche sind geerntet, die Pflaumen färben sich,
während unter dem Brückenbogen die Zeit rauscht.

[…]

Sonne sinkt schnell (s.o.), in der Luft Dunst wie Staub, nein, es ist keine verschmiert Brille, ich habs geprüft. In dem diesigen Falb leuchten Dahlien, Sonnenblumen und Kürbisse. Farben vor Brauntönen, je dunkler es wird, desto leuchtender, bis plötzlich alles Strahlen ausgeknipst ist.
Sommer ist vorbei, Kinder wieder im Schulmodus, alle wollen früh ins Bett. FrauFreitag auch, Jetlag.

Nächste Woche Berlin.

Als Frau Freitag am Morgen

nach kurzen schweren Träumen erwachte, warf sie sich rasch die Jacke über, um wenigstens eine winzige Runde durch die Stadt ihrer Liebe zu drehen. Sozusagen Walkjoggen im Blazer, wobei es galt, das Katerchen irgendwie abzuschütteln, das ständig um ihre Beine strich oder gar auf ihrer Schulter zu sitzen kam- und das bei einer Katzenhaarallergie…Das ist sicher das letzte Mal gewesen, dass ich aus Versehen dann doch…

SA 6.53
SU 19.54
2 Bft aus Nord (Werte Mainz)

Moin,
Hamburg! renne ich draußen rum und staune, wie man an Geliebten aber wirklich alles wundersam finden kann, sogar den Müll auf der Ecke. Ich grüße die Penner, kaufe Brötchen, deren Namen ich nicht kenne, warte , dass das Aspirin endlich wirkt und denke über die Liebe nach. Diese Stadt scheint mir gerade deutlich weniger verschnarcht als Berlin, das sich am frühen Morgen immer so rumwälzt. Irgendwas ist hier anders, irgendwas, denke ich und da höre ich sie und das zieht mir nun echt den Stecker, obwohl der noch gar nicht richtig drin war. Ich höre sie direkt über meinem Kopf, der mir zerspringen möchte und kurz hält alles an- die Möwen. Räudige Stadtkinder zwar, aber: Möwen. Sie sehen mal wieder alle aus, als ob sie Emma hießen und ich schicke all mein Herz mit ihnen und ich werde vernünftig sein, wie immer im falschen Augenblick und ich werde nicht über Elmshorn oder Itzehoe, nein, ich werde RLP würdig auf der gleich folgenden Veranstaltung vertreten und neinneinnein.

ABER
ich schwöre, es wird kommen der Tag , da wird FrauFreitag Zeit haben, hier wichtige Stätten aufzusuchen, die Landungsbrücken mit Zungenküssen bedecken bis sie von der Polizei abgeführt wird. Und dann, wieder in Freiheit, wird sie fahren dahin, nach Norden…und außerdem war das definitiv der letzte Weißwein ihres Lebens gestern.

Was noch angeflogen kommt in meinem kranken Zustand-

SEPTEMBER
von S. Freitag

Im Hof die Ebererschen
von ihm kurz berührt
bleiben sie zurück, errötend.

饺子- jiaozi

Ich weiß von Freunden (und von anderen Leuten, mit denen ich Umgang pflege), dass es heutzutage üblich ist, seine Nahrung in s.g. „SOZIALEN“ Netzwerken der Öffentlichkeit preis zu geben. Die Frage „Wiesu denn bluß?“ drängt sich mir auf…und die Bitte, Mitglied zu werden im- naja…aber bitte. Bitte. Reden wir über mein Essen.

Heute gabs in der vegangen Alchimistenküche: jiaozi. Der Google- Übersetzer sagt euch, wie mans aussprechen soll- wenn mans hinkriegt.
Ist ein bisschen Arbeit, also die jiaozi, nicht das Aussprechen, lohnt sich aber, fand Frau Freitag, und vom letzten jiaozi-Schmaus schaut nur noch ein Bein heraus.

Zuerst macht der Meister den Nudelteig. Die Füllung wurde schon vor einiger Zeit vorbereitet- wie, ist Alchimistengeheimnis. Soja und Seitan und erlesene Gewürze. Mehr sag ich nich. Während der Teig ruht,
DSC01043 ruhen auch wir.
Dann gehts los. VIELE gleichkleine Teigstückchen von der Rolle schneiden. Bisschen rund rollen, ich mach das gern mit nem Glas. DSC01045
Dann kommts. Der kleine Teiglappen muss an seinem Rand so dünn sein, dass er fast reißt. Aber nur fast, bitte. Probe: gegens Licht halten. Im Mittebereich etwas dicker. Geht ganz gut. So ab dem fünften. Den perfekten kleinen Nudelteiglappen nun auf Daumen und Zeigefinger einer lockeren Tai-Qi-Faust legen, also „den Brunnenrand mit dem Seidentuch verhängen“. DSC01051

Füllung einfüllen,
DSC01052
zuklappen, zukleben, fertig.
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Diese Prozedur häufig wiederholen, dabei fortwährend geschickter und schneller werden. Eine Stunde später haben Meister und Novizin eine ansehnliche Portion in ihrer kleinen Manufaktur hergestellt.
DSC01054
In Salzwasser mit Essig kochen, bis alle toten Jiaozi bauchoben treiben. Das geht wiederum sehr schnell.
Essen, aber nicht, wie ich, das Aufhören vergessen. Und bitte auch nicht so schnell!

Jetzt bin ich so voll, dass es mir leider nicht mehr möglich ist, sportlich zu werden.
Gestern aber war ichs. Wie geplant, 18 Minuten, diesmal mit bergan. Ging naja. Am Horizont pflaumenfarbiges Gewittergewölk, das rasch näher kam. Hoogiger Himmel, ich war ergriffen.
Vermisse nach sportlicher Anstrengung allerdings eine fachkundige Massage, schlag mir an den und es aus dem Kopf. Dauert noch lang. Sowieso bin ich gerade latent unentspannt, weil ich ab morgen 2 Wochen lang nie länger als drei, vier Tage an einem Ort sein werde.  Achje, wir armen Karrierefrauen. Morgen reist die reizende kleine Sprachtante nach Hamburg, sich mal wieder das Tor zur Welt anschauen. Welchiges aber geschlossen bleiben wird, das steht schon mal fest. Bin keine 24 h vor Ort. Eine Schande. Dabei weiß ich haargenau wo der Bummelzug nach Norden geht, nach Husum,  wo man dann nur noch auf die Adler-Express umsteigen müsste…Pustekuchen, ich soll mich aufs Fachliche konzentrieren. Wie erwachsen. Liegt mir irgendwie nicht so ganz.
Apropos erwachsen.
Weil die 64er ja so ein verdammt geburtenstarker Jahrgang sind, musste ich gestern schon wieder einen 50ten Geburtstag besuchen. Sehr schön wars. Komisch kommt mich und andere nur an, dass die Kinder, die neulich auf dem 40sten desselben Geburtstagskindes gerade mal 2,3 Jahre alt waren,

Bild 010 (wieso eigentlich ein Pinguin??)
jetzt schon in die Klasse der Pubertist_innen aufgenommen sind. Von den Älteren nicht zu reden.
Bild 014Die stoßen schon mit an. Nun gut. Wie dem auch sei. Ich hab mir Photographien angeschaut von vor 10 Jahren und irgendwie, ich weiß nicht, ich schau mir alle so an, die Frauen vor allem – und ich finde, jetzt mal ganz ehrlich und bei günstigem Licht: wir sehen heute irgendwie BESSER aus.  Apropos besser aus: ein Mann fällt mir bei der Feier mehrfach ins Auge, weil der irgendwie besser aussieht. Wer ists? „Mein Exmann“, lachte FrauFreitag
Jetzt geh ich packen. Eigentlich freu ich mich ja. Hamburg. Achja…

Triathlon, neu interpretiert by FrauFreitag

SA 6.47
SU 20.02
1 Bft aus Ost

Es gibt Geschichten, die sind sofort UndeinmalGeschichten. Diese, frisch von heute, hat das Zeug dazu.

Vormittag voller Homeoffice und 5 riesigen Fenstern, die seit Dezember NIE geputzt worden waren – und das in der Stadt – die aber jetzt sowas von durchblicklich sind, danach ein aufregender Friseurbesuch im interkulturellen Bereich am Nachmittag, (Ergebnis: passabel). Es folgte ein weiterer spannender Besuch, diesmal beim Computerdoktor (Frage: Ist der oder das bei der Einweihungsparty im Dezember implodierte Laptop durch einen fast neunmonatigen Aufenthalt in meiner Sockenschublade wundersam genensen?? Antwort des erstaunlich unwirschen eiweißproduktverseuchten Gewichtheber-Artzes: Nö. Kannstu wegschmeißen. Na Tankepfön.). Grande Finale anschließende Zugfahrt mit dem RE nach Sauheim (Name geändert), wo ich drei süßen Jugendlichen gegenübersaß, die das Leben aber schon sowas von kannten, so dass ich  aufgemerkt habe, um auch für die Zukunft meiner Kinder zu lernen:
Merke:
1. Abtreiben kannste nur bis zur 12 Woche, danach is voll Scheiße, drum immer Gummis benutzen.
2. Hauptschulabschluss lohnt sich nicht, macht man einfach irgendnen Job in ner Firma, 450 EUR, dann kennen die dich und man hat bessere Chancen als jeder andere Bewerber, sogar mit Mittlerer Reife.
Vot tak (russ.: ach so!) Dann kann ich mir den Aufriss hier mit den Gören ja total sparen! Zugfahren lohnt immer. Hab ich schon immer gesagt. Die investierte Zeit zahlt sich mehr als aus. Die waren echt süß. Dann haben se mich gefragt: „Sagensema, sind wir ERWACHSEN?“ (Ich reiß mich zusammen ihnen nicht übers Haar zu streicheln und die Chipskrümel ausn Mundwinkeln zu wischen, natürlich mit einem mit Eigenspeichel angefeuchteten, gebügelten Stofftaschentuch.) Ich lächle vielmehr salomonisch und sage ebenso „Das könnt ihr nur selbst beantworten.“ Beide Jungs halten sich für erwachsen. Sie meinen -dessen verdächtige ich sie- damit, dass sie schon mal das hatten, was sie heute für Sex halten. So schauen sie jedenfalls. (Ich glaube, die sind 15. Echt jetzt.) Das Mädchen ist noch nicht so abgebrüht. Sie denkt kurz nach. Sagt dann: „Wir sind Kinder. Im Kopf. Wir denken, wir sind erwachsen.“
Somit beeindruckt steige ich in Sauheim aus und schaue mal nach der eigenen Brut. Anders, aber auch süß.
Süß auch die Brombeeren und plötzlich scheint die Sonne warm, ja HEISZ, mit der hatte ich heute jetzt nicht mehr gerechnet. Ich sattle spontan das Rad, nehme Kind3, das wieder völlig gesund ist, 2 Handtücher und den Hund und los gehts. (1. Teil Triathlon)
Ziel: die nahen Teiche, die im Winter erst ausgehoben worden sind, sich aber täglich mehr in etwas Natürliches verwandeln. Echt wahr, man kommt alle paar Tage und entdeckt IMMER was Neues. Faszinierende Vegetation, immer mehr und größere Frösche, Libellen. Heute neu: Bewuchs der Gewässer mit Wasserpflanzen. X-mal wollten wir schon, heute haben wir die Badekostüme an und nichts wie rein! Juchu! Kein Mensch da grade. Das Wasser sehr schlammig, fühlt sich aber trotzdem toll an. Und genau die richtige Temperatur. Kind3 meint, wenn ich das sage, kochts wahrscheinlich schon…nein, genau gut. Mitten im Gewässer: Sunflower Island. Ein etwa 8qm großes Eiland, bewachsen mit ca. 5 wirklich gigantischen Sonnenblumen. (War auch hier die Samenguerilla? Ich wars diesmal nicht! Ich schmeiß nur Unkrautsamen in überpflegte Gärten und Ringelblumen, Akeleien und sowas an Wegränder.)
(Jetzt kommt Teil 2 des Triathlon)
Also wir nach Sunflower Island, leider ist es von einem Dschungel aus Disteln bewachsen und somit unbewohnbar. Hauptdarsteller jetzt: der Hund. Der traut sich nämlich noch weniger ins Wasser als FrauFreitag, fiept rum, versuchts, lässts wieder, versuchts, lässts, fiept…und verwandelt sich in Lassie! Überzeugt, dass wir, das Rudel und besonders ich, Alpha, in Gefahr sind, jagt er um das Gewässer herum (das kann er sehr schnell!), stellt fest: auch hier – Wasser, das uns trennt. Aber nur wenig. Todesmutig stürzt er sich in die Fluten und durchquert kraftvoll die 2 Meter, die ihn von unserer Insel trennen. Großer Bahnhof beim Wiedersehen. Good boy! Aber leider: wir wollen den weiten, langen Weg, den durchs Tiefe, zurück. Er will nicht. Fiept kläglich. Ich mag Tiere nicht ärgern, aber manchmal müssen sie was LERNEN. Der Hund weiß scheinbar nicht, dass er qua seines Hundseins schwimmen kann. Ich erkläre es ihm wie folgt: ich locke ihn ans Ufer und schnappe ihn. Hier kann ich locker stehen, also trage ich ihn die paar Meter, bis es tiefer wird. Da zeige ich ihm, wie gut er schwimmen kann. Und er kanns wirklich! Und ist ganz erstaunt darüber! Also paddel paddel neben uns her. „Süß“, kreischt Kind3, aber ich merke, nee, der hat noch nicht genug trainiert. Jetzt wird es Zeit zu erwähnen, dass wir auch einen riesigen Schwimmring, Durchmesser ca. 1,40 m dabeihaben. Hatte das Kind beim Radfahren an, was im Dorfe für scheele Blicke gesorgt hat. We are very fond of Schwimmrings, und wie gut, dass er dabei ist. Jetzt, wo der Hund mitten im Tiefen schwächelt, lege ich ihn einfach zum Kind. Auf den Rand. Er schaut wie ein begossener Hund, merkt aber doch, dass er außer Gefahr ist. Vor Lachen schaffen wirs kaum ans Ufer. Hund verarbeitet seine Erfahrungen indem er Steinchen sucht, scharrt und versucht, das Kind aus weiterer Gefahr zu retten. Ich trockne am Rand auf den Felsbrocken und staune über die völlige Stille, den glatten See (nennen wirs einfach mal so), den himmlischen Frieden. Dann versuchen wir möglichst wenig schlammig in die Klamotten zu kommen, Denn jetzt kommen die, die darüber staunen und raunen, dass man einfach so in ein Wasser geht, das nicht mal gechlort ist. Sicher giftig. Also Flucht.
Nach soviel Freude zu Hause angekommen, beschließe ich, den Tag mit einem kleinen Joggversuch zu krönen. Ja, vorsichtig. 15 Minuten, nicht mehr und nicht bergan.
Und?
Super gelaufen! So schnell war ich schon lange nicht mehr. Mach ich gleich morgen wieder. 18 Minuten dann.
Triathlon. Echt cool.

Dolomiti vs. Brauner Bär

Und weiter in unserer kleinen Reihe NeuStadt- früher, heute und immer mal zwischendurch.

Auf der heute dumm und verlassen daliegenden Verkehrsinsel in der Hinnburchstr. (Name geändert) war früher der Spielplatz, eigentlich sogar zwei. Von mir aus gesehen links war der Bereich für Kleine. Sandkiste, drei Wippen, auch Bänke für die Betreuer_innen. Ein kleines Klettergerüst? Unglaublich, ich habs vergessen.
In der Mitte irgendein Stromhäuschen, dann, also rechts jetzt, ein bogenartiges Klettergerüst zum Rumhangeln, ferner zwei Schaukeln. Dahinter, schon an der Keiserstr. (Name geändert) der KIOSK, auch die TRINKHALLE, Zentrum meiner frühen Begierden. Zuerst: Capri. Dann: Dolomiti. Drittens: Brauner Bär, aber da war ich schon fast weg.
Dolomiti war eigentlich am genialsten. Damit hab ich meinen ersten Kontakt mit „über Namen nachdenken“ gehabt. (”wieso heißtn das so komisch?“) und MeinOnkel erzählte mir poetisch von den Dolomiten, und ja, bei jedem Eis am Stiel träumte ein kleines Mädchen mit Zahnlücke und Seitenscheitel von den grünen Matten derselben. Bis sie irgendwann die Rezeptur änderten, wahrscheinlich war da Original giftig, seitdem, ich schwöre, schmeckts nicht mehr richtig und die Dolomiten sind mir egal. Schweinsohren (also Gebäck jetzt, dieses zerbrechliche), das nur mal eben hier erwähnt, waren auch nie wieder richtig gut nach 1975. Wiesu denn bluß?! Ich prangere das an dieser Stelle an. Also zwangsweise Umstieg zu Brauner Bär, krasser kann der Wechsel kaum sein. Winnetou! Oh, Winnetou!

An der Trinkhalle gabs auch, was sonst, HB und Binding Bier (bestimmt auch Peter Styvesand (sic?), Reval, Eckstein, WY (? so gelbe Packungen) und last but not least ROTHHÄNDLE, was mein sozialistischer Urgroßvater meistens geraucht hat). Und als 1972 Ölkrise war und Sonntagsfahrverbot, durfte ich erstmals für MeinenVater einkaufen gehen, stolz und aufgeregt, kurz vor 5 Jahre alt.
Dieser kleine Satz enthält viel Unglaubliches.
1. Ölkrise
2. Sonntagsfahrverbot
3. eine Bier und Zigaretten kaufende 4 Jährige (noch ohne Zahnlücke, nur mit Seitenscheitel).
Was sehen wir? The times they are a-changing.
Sonntagsfahrverbot, ich muss es einfach nochmal sagen.

Mit eisverschmiertem Mund und babbischen Fingern auf der Schaukel, Metallketten. Geruch von Sand-Eis-Metall. Kurzum „Spielplatz“. Da vertändelte man die Zeit, anfangs noch straff betreut, dann zunehmend frei und locker verabredet mit Schulkamerad_innen, Ich sehe noch die ersten Skateboards, rot, gelb, blau oder grün, die hießen Rollbrett und ich frage mich, was die Skater heute dazu
1. sagen würden und
2. ob sie sie fahren könnten.
Hat wer noch eins? Ein Rollbrett?

Heute immer noch schön, wenngleich, vgl. Dolomiti, nicht mehr echt:
Die Gaslaternen.
Von außen gleich.
Aber, wer erinnert sich?
Ich wurde noch betreut und MeinOnkel sagte mir, wir müssten nun langsam nach Hause gehen, denn das Gasmännchen käme bereits, die Laternen zu entzünden.
???
Wir gingen zur nächsten Laterne, da hörte ich ein leises Geräusch oben in ihr, das sei das Laternenmännchen, das die Streichhölzer anreiße. Klickklickklack und die Laterne ging langsam an, satt gelbes Licht. 10 Meter weiter, die nächste Laterne. Ich halte fieberhaft Ausschau nach dem kleinen Männchen mit den Zündhölzern, da, das Geräusch, es war wohl zu schnell oder zu klein?, nächste Laterne brennt. Und die nächste und die danach und immer 10 Meter weiter und wie durch ein Wunder stehen wir zur genau richtigen Heimkommmzeit vor genau unseren roten Haus und die grüne Laterne brennt gelb. Bis noch in die 90er habe ich manchmal das Laternenmännchenspiel gespielt, aber plötzlich, tout à coup, suddenly und schlagartig gingen die äußerlich gleichen Laternen ferngesteuert zeitgleich an, weswegen man nie mehr genau zur richtigen Zeit vor der eigenen Tür stehen kann, sondern immer überrascht wird vom plötzlich seltsam giftigen orangen Glimmen einer ganzen Laternenlegion, umzingeln sie mich und vor allem ohne anzuklopfen scheinen sie einem alle gleichzeitig zu. „Und was macht das Männchen?“, fragt etwas, was mich an meine frühere Stimme erinnert und ich antworte „Das ist in Rente. Und frag nicht so kindisch.“
Das schwer zu beschreibende Geräusch übrigens hört man heute noch, wenn man einen zeitgenössischen Gasherd mit dem automatischen Anlasser anzündet…

 

September von Erich Kästner

SA 6.45
SU 20.05
2 Bft aus Ost

Folgendes Gedicht fand ich heute Morgen im Posteingang und so schön, dass es von Mehren gelesen werden soll:

Der September

Das ist ein Abschied mit Standarten
aus Pflaumenblau und Apfelgrün.
Goldlack und Astern flaggt der Garten,
und tausend Königskerzen glühn.

Das ist ein Abschied mit Posaunen,
mit Erntedank und Bauernball.
Kuhglockenläutend ziehn die braunen
und bunten Herden in den Stall.

Das ist ein Abschied mit Gerüchen
aus einer fast vergessenen Welt.
Mus und Gelee kocht in den Küchen.
Kartoffelfeuer qualmt im Feld.

Das ist ein Abschied mit Getümmel,
mit Huhn am Spieß und Bier im Krug.
Luftschaukeln möchten in den Himmel.
Doch sind sie wohl nicht fromm genug.

Die Stare gehen auf die Reise.
Altweibersommer weht im Wind.
Das ist ein Abschied laut und leise.
Die Karussells drehn sich im Kreise.
Und was vorüber schien, beginnt.

[Erich Kästner]

NeuStadt. Früher, heute und immer mal zwischendurch.

Was man nicht unbedingt vermutet – Teile der FrauFreitag-Familie waren gar nicht mal unbürgerlich. Sagen wir kleinbürgerlich.
Irgendwann so um die letzte, die echte Jahrhundertwende, wurde ein rotes Haus in der Mainzer Neustadt gebaut. Ich KÖNNTE natürlich ins Archiv, Grundbuchamt etc. gehen und das recherchieren, persönlich fragen kann ich keine_n mehr. …aber ich komme nicht dazu. Das Haus also wurde gebaut, rot mit gelbem Sandstein, sehr schön, wie ich meine. Parterre: 2 Ladengeschäfte. Eines nur ein Räumchen, das andre ein kleines Labyrinth aus Verkaufsraum, Regalen und einem ungewöhnlich stinkenden Abtritt. Wichtige Szenerie, komme darauf zurück.
Drüber 3 ganze Stockwerke, tolle Wohnungen, 6 Zimmer, Balkone vorne raus, repräsentativ, hinten raus auch, zum Hinterhof, Wäscheleinen. Hohe Decken, wie schon gesagt, 3,80 m.
Oben ein niedrigeres Stockwerk – die Mansarde?
Gewölbekeller, Boden aus gestampftem Lehm. Ein kleiner Hinterhof mit Außenklo und Teppichklopfstange.
2. Weltkrieg.
Der Hausherr absentiert in Russland, „beim Iwan“ , wie er zu sagen pflegte, der ihm undankbarweise ein Bein zerschießt und so kommt er zurück, an Krücken, nicht der Held seiner Vorstellung. Zwei Söhne sind da, auch nicht nach seiner Vorstellung, das Haus nur noch halb so hoch, der Keller „LSR“ (Luftschutzraum), noch in den 90er Jahren kann man sehen, was mit Kerzen während der Bombenangriffe an die Decken gemalt und geschrieben wurde, später dazu. Schutt, Asche und Trümmer, die Familie lebt Parterre im Laden, das Haus wird wieder aufgebaut, hat aber an Pracht verloren. Nur noch 2 Stockwerke und ein 3/4. Den Riss kann man heute noch außen an der Haushaut sehen. Wiederaufbau, „mit eigenen Händen“, wenn ich ihm glauben darf, was ich bezweifle. Herrliche Holztreppen, werden stets samstags gewachst, (remember: Vorsicht, frisch gewachst), ein Geruch der mir seit ca. 25 Jahren fehlt. Terrazzo-Treppenhaus, Sprünge und Kriegsversehrtheiten auch hier.
Nachkriegszeit…
Im Hinterhof entsteht das „Treibhaus“, ein mattschmutziggelblichweißes Plastikgewächshaus, in dem dem Pflanzen- und Kakteenhobby gefrönt wird, Geruch nach Erde, Feuchtigkeit, nach „Palmenhaus“ und Dünger darin, kein Kinderspielplatz. Draußen die Brombeerhecke, die eine Mauer komplett dornig-gefährlich verrankt, ein kleines Blumenbeet, Mülltonnen, zu der Zeit noch aus gutem Grund „Aschetonne“ genannt (remember: bitte keine heiße Asche einfüllen), aus Metall, runder Grundriss, mit diesem speziell-ergonomischen Griff, obwohl Ergonomie m. W. noch nicht erfunden war. FrauFreitag kommt in den späten 60er Jahren dazu.
1.Stock links, die großen Wohnungen jetzt praktisch zweigeteilt, Kohleöfen im Wohnzimmer, auch in der Küche. Dusche in der ehemaligen Speisekammer, also irgendwie auch in der Küche. Schön!
Neustadtkindheit!
Sehr frühe Erinnerung: Die Eingangstür unten noch hölzern, sollte bald durch das klassische 70er Jahre Glas-Metall-Einbruchschutzeinheitsmonstrum ersetzt werden, was, nur um das vorweg zu nehmen, einen veritablen hysterischen Anfall bei mir bewirken wird und ich werde solange ich dort wohne und wieder wohne diese türgewordene Geschmacklosigkeit hassen, der Terrazzo-Hausflur, mein Spielplatz, in meinem Rücken, Tür weit offen, stehe ich im Türrahmen an der Seite der geliebten, geliebten Großmutter und sehe das aufregendste Spektakel meines jungen Lebens.
Blick die Laypnitzstr. (Name geändert) Richtung Kaiserstr. hinunter stehen wir in Erwartung von etwas Großem, auch in anderen Haustüren ab und an Menschen („Guuden Tach, FrauFreitach!), eine Spannung baut sich auf, ich greife die Omahand und zapple, da kommt das große orangefarbene Auto in die Straße, biegt ein, Männer springen ab, auch sie in Orange, Männer, anders als alles bisher dagewesene, klingeln an noch geschlossenen Türen, verschwinden in Hauseingängen, auf beiden Straßenseiten, während das große grollende Auto laaaangsam weiterfährt, etwa auf unserer Höhe anhält und wartet. Ich stehe atemlos, warte auch, „pass auf, jetzert“ sagt meine Oma- sie ist aus dem Badeseeland- und drückt meine Hand.
Die Männer in Orange kommen wieder aus den Hausfluren, eine meisterhafte Choreographie, auch wenn ich das Wort noch nicht kenne, sehe ich die perfekte Schönheit, sie treten wieder auf die Straße hinaus und das Getöse beginnt, in jeder Hand rollen sie kraftvoll-tänzerisch je eine Mülltonne, die Hände kreisen um die runden Deckel, Metall lärmt, jede Tonne hat -wahrscheinlich je nach Füllung- ihren eigenen Klang. So rollen sie die Tonnen bis ans Auto, das den Inhalt verschluckt und mir ein bisschen Angst macht, die leeren Tonnen scheppern zurück und werden schneller zurückgekreiselt, lauter und schriller. Ich stehe da, Mund offen.
Da kommen sie auch zu uns, die Müllabfuhr, so heißt das, erfahre ich, kommt direkt durch unseren Hausflur, riecht nach ich weiß nicht, nach GERUCH, aber gut, und holt unsere Asche, unseren unsortierten bescheidenen nicht verbrannten Müll, ich drücke mich an die Hauswand und schaffe es nicht, ihr Winken zu erwidern, schaue ihnen noch lange nach, wie sie weiterreisen, die Straße hinauf.

http://youtu.be/jS1owXMIHFc

FrauFreitag redet lieber dummes Zeug, als endlich an die Arbeit zu gehen.

SA 6.44
SU 20.07
3 Bft aus Nordost

Die Welt ist so verrückt, dass man darüber ganz grauhaarig werden kann. Oder albern.
Gestern, das war nur ein winziger Aspekt, habe ich einen Herrn gesehen, der seinen Stadt-Rauhhaardackel an der Leine ausführte. Nicht besonders witzig? Doch, wenn direkt hinter ihm eine spanische Mama läuft, die ihren Filius (2 Jahre geschätzt) an einer ebensolchen Leine ausführt (und zwar so, dass der Filius auf dem Radweg gehen muss…), der (Filius) dann auf den Dackel zeigt, und ein spanisches „Wauwau“ artikuliert. Im Radio hatte ich gerade einen Bericht gehört, dass mexikanische Mamas ihre Kinder jetzt zu 50% an der Leine ausführen.
Nicht werten. Nicht drüber nachdenken. Ich krieg sonst das chronische Kopfschütteln.
In der Arbeit ist auch alles seltsam. Ein bisschen so, als ob Leute mit Zahnstein zum Orthopäden gingen. Und ich wäre der Orthopäde. Nur ohne dessen Monatseinkommen.

Der physiotherapeutische Traum geht jetzt in Urlaub (3 Wochen), natürlich ohne dass ich was gesagt hätte. Ich habe nur alle meine Termine abgesagt, um wenigstens einen NACH seinem Urlaub, zum Abschied, zu haben. Seufz. Er hat mir von seiner „kranken Frau“ erzählt. Ich sehe sie sofort hohläugig hinter ihm stehen. Und ich soll an dem Mann rumzerren? Ihrer einzigen Stütze? Mal davon abgesehen, dass er mich nicht encouragiert hat…Also verflixt nochmal. Mir bleiben nur regelmäßige Verletzungen, eine besondere Art des Borderleinerei. Nicht witzig. Blöd. Ich höre, wie er mit seiner Stimme „ja, saublöd“ sagt. Völlig richtig.

Unbändige Lust zu rauchen. Theoretisch.

Das schlimme ist, dass man zu nichts kommt. Jetzt mal im Ernst. Wie auf Hooge. Eine einzige Rennerei. Definitiv verbringe ich täglich zu viele Stunden mit Lohnerwerb. Womit ich, glaube ich, gar nicht ganz allein bin. Dabei müsste ich endlich mal meine neue Schreibblockreihe beginnen…einfach anfangen…jetzt, gleich…

Mehrfache Heimkehr

SA 6.43
SU 20. 09
2 Bft aus Nord

So, da isse wieder, die FrauFreitag und schön wars. Schön, obwohl Kind3 mit hohem Fieber nieder lag und an einem Abend sogar aufs Feinste halluzinierte.
Wir hatten trotzdem einen grandiosen Blick ins Hügelige, kein Laut war zu hören. Nur das Hämmern von Spechten und seltsame Waldgeräusche. Pilze schossen aus dem Boden, Sonne schien, Regen rauschte, Bäume ebenso. Pferde auf Weiden, Äpfel und Birnen an Bäumen, Zecken in Hosentaschen, Bier perlte im Glas und Lachen durchs Haus, eine Kröte wurde gefunden und ein wilder Stier gebändigt. FrauFreitag erzählte diesmal nur A., FreundinnenGeschichten, und das war sooo herrlich. Oh wundervolles Krickenbach!
Dann hieß es leider heute abfahren, angekommen Taschen auspacken und gleich wieder ein-, denn dann ging es weiter in die Stadtwohnung, wo zum Glück die Wohngenossenfreundin wieder aus C. zurück ist und mich erwartet. Ein bisschen viel Abschied ist mir manchmal im Leben. Schön, wenn man dann jemanden zum Begrüßen findet und zum Abendessen…

Krickenbach

SA 6.36
SU 20.20
2 Bft aus Südost

Zauberisches Wort. Eigentlich natürlich Pfälzisch „Krriggebach“. Jetzt auch liebevoll Englisch abgekürzt. „Krik“. Ich könnte ja Lautschrift (API), aber meine Adler-Schreibmaschine hats noch nicht gelernt. Dabei sooo nützlich.  Gleichwohl. Nach Krickenbach reist FrauFreitag morgen. 4 Tage ohne WLAN, aber mit zwei Pubertistinnen, Kind3 und DieFreundin.  Ein interessantes Experiment.
Und mit A., die extra dafür aus dem Badeseenland, wos nur regnet heuer, anreist.  Juchu!
Opel steht gut betankt draußen, wiehert und scharrt mit den Hufen, Taschen sind gepackt, Regenjacken bereit, Spiele ausgesucht, Hund gewaschen und frisiert, der darf nämlich auch mit.
Morgen noch schnell in die Krankengymnasik (diesmal sag ich was, diesmal sicher…!), dann noch schnell eine Teamsitzung moderieren, und ab!
Warum erzähl ich das? Dass ihrs nur wisst. FrauFreitag zieht in die Wälder. Und nimmt nur den Bleistift mit. Ihr könnt entspannen. Hier verpasst ihr nix. Wisset aber, dass ein vager neuer SchreibPlan in mir keimt, mal schauen, obs läuft…

Seltsam – und noch immer Vormittag

SA 6.33
SU 20.21
1-2 Bft aus Nordost

Eigentlich wollte ich ja mal kurz still sein. Unmöglich, wenn sich die Ereignisse derart überschlagen.
Ich hab noch immer Herzklopfen. Gerade klingelte nämlich in der Arbeit mein Händi. ??
Wer wars denn? Es war der Herr Physiotherapeut…er hätte da einen Termin zur Disposition…den könnte ich ja gerne haben…ich kann aber nicht (uhbuderzfgh), ich bin da einen Tag im Urlaub.
Das ist ein ganz normaler Vorgang, dass die ihre Leute anrufen und ihren Kalender füllen. Weiß ich doch. Trotzdem Herzklopfen. Hab ich gar nicht sooo oft. Und bestimmt hab ich dummes Zeug geredet. Also am Freitag geh ich erst mal ganz regulär und normal da hin…dann sehen wir weiter…die Avancen von X., der m.W. auch verheiratet ist, regen mich jedenfalls nicht so auf. Genaugenommen gar nicht. Obwohl das ja nun nur ein normaler Vorgang war und gar nichts mit Avancen zu tun hat…
Egal. Mannsleut. Pffft.

Viel aufregender: heute früh kurz nach 8 Termin mit Kollegin Frau Z. bei der Arbeitsagentur. Hmja. In eigener Sache unterwegs. Denn das Projekt der reizenden kleinen Projektmitarbeiterinnen endet am 31.12.14 – die Zukunft ist wie stets: ungewiss. Also spannend.
Um aber der Form genüge zu tun, melden wir uns schon mal brav als arbeitssuchend. Na, ich weiß nich. Arbeitssuchend…eigentlich ja nicht.
Da stehn wir also erstmal im Foyer der AA, erbaut 1993, wie uns in einem Gedenkstein verkündet wird. Ich bin hier ja ganz gerne und komme immer in eine lachlustige Stimmung. Teils wg. netter Erinnerungen, teils wg. der Skurilität der Szenerie. Wie ins Theater kommen und schon grinsen müssen, wenn man nur das Bühnenbild sieht. Kollegin sieht das anders, aber sie hat da auch ihre persönlichen berechtigten Hintergründe. Also zunächst dürfen wir ein Formular ausfüllen. In der Lobby. Ich scheitere mal wieder an allem, kritzele, streiche durch, verweigere Aussagen…irgendwo – ich glaube bei J. v. Westphalen – hab ich mal gelesen, dass der immer alles durchstreicht und quer drüberschreibt: BIN SCHRIFTSTELLER, KANN DAS NICHT AUSFÜLLEN. Irgendwann mach ich das mal. Ich geb den Test trotzdem ab. Deutschkenntnisse hab ich „hervorragend“ angekreuzt, sonst nur „vorhanden“. Kollegin findet das angeberisch. Nee, ich steh dazu. Her-vor-ragend.
Dann werden wir von der freundlichen Dame an der Rezeption, die über mein Gekritzel die Stirn runzelt, weitergeschickt. Erfrischungen werden nicht angeboten. Pagen sind auch nicht zu sehen. Komisches Hotel. Statt dessen sollen wir an den Säulen vorbei in einen kleinen Wartebereich, wir werden dann „namentlich“ aufgerufen. Cool. Wir wollen aber zusammenbleiben. Ist sicherer. Nach nur kurzer Wartezeit kommt ein – ja, was? Sagen wir mal „Mann von der AA“. Bei mir poppt das frz. Wort („vorhanden“) guignol auf, übersetz ich mal hervorragend ins Deutsche: Kasper.  Das ist mir zu schwer, den gut zu beschreiben. Unauffällig zunächst, eigentlich versucht er nett und irgendwie witzig/locker zu sein, was aber nicht klappt, weil man mit jeder Sekunde mehr merkt, dass er nur eine Kassette abspult. Der nimmt uns mit, Gänge entlang, in ein Büro. Ich frag mich kurz, wie ich solche einen Arbeitsplatz überleben würde, würde man mich dazu zwingen (z.B. von Seiten der AA). Fühle die Aura der Adhocdepression. Die kann ich aber bannen, indem ich mir das alles als Geschichte vorspiele, mir alle Einzelheiten des Büros betrachte (nicht erwähnenswert, 2 Ficus (ist das u-Deklination? ficus, Pl. ficus??) Flyerzeug, übliche Büroausstattung, „witzige“ Kaffeetasse…) draußen herrlicher Frühherbst, trüb mit leuchtend gelben Sprengseln. Frau Z. und ich klammern uns aneinander und machen hier gemeinsame Sache. Ich fühle jedoch, wie ihr, nennen wirs „Nichteinverstandensein mit der repressiven Struktur des Systems und der davon ausgehenden Gewalt“ sekündlich wächst, ja ich sehe den Dschinn neben ihr genau aufsteigen. Schon ein ganz nettes Stück für drei Beteiligte und unbedingt ein paar Worte wert, finde ich, wie ich da so als Beobachterin sitze. Gut. Es gibt mehr Formulare, die wir mal ausfüllen dürfen, aber bitte bis zum. Und dann…ich werde langsam müde und muss aufs Klo. Dann dürfen wir gehen. Frau Z. braucht erstmal n Pfeifchen und 5 Pastis, ich frage mich eher, wieso auf der Damentoilette ein paar Schuhe Gr. 36 steht. Und warum das so streng riecht wie in den 80ern auf italienischen Bahnhöfen. Sehr sehr wunderlich.
Draußen aber bricht die Sonne hervor und wir wandeln zu unseren Nocharbeitsplätzen. Der Guignol war schon irre mit seinen Wiederholungen. Ich wollte das nicht machen. Eigentlich tut er mir auch leid. Ich bin da zu weich. Die Kollegin sieht das anders. Die regt sich auf, dass so einer an dieser ersten Anlaufstelle sitzt. Ich finde, besser da, als bei ihr zu Hause aufm Sofa als ihr Gatte. Das findet sie auch. Ein Espresso und Süßbabbs bringen uns unterwegs wieder in die Spur. Gewiss wird alles gut.

Denkste! Wie der Tach dann weiterging kann man bei Kafka nachlesen…

In eigener Sache

SA 6.32
SU 20.23
2 Bft aus West

Nur eine kurze Mitteilung an alle hier zufällig vorbeikommenden Leser_innen:
Seit einiger Zeit denkt FrauFreitag nach (ach!). Und zwar möchte ich gerne wieder eine Überschrift über mein Geschreibsel stellen, dieses ins Blaue Gerede ist mir nicht immer recht. Jetzt hab ich heute bei einem Gang durch mein Hometown Mainz-Neustadt so ne Idee bekommen…
An der muss ich aber noch ein bisschen operieren, das kann auch mal kurz dauern.
Ich bitte dies zu entschuldigen. Danke.

Gerede gibt’s vielleicht trotzdem noch, mal schauen wies so läuft.
Ein wichtiges Thema fällt mir gerade schon ein, aber dazu hab ich keine Zeit… schaut mal heute lieber fern oder geht besser ins Kino oder spielt Rommee. Ich konzipiere…

Lazy Sunday afternoon

SA 6.30
SU 20.28
2 Bft aus West, in Böen auffrischend

Man kann dem Wetterdienst übrigens nicht trauen. Nicht was Vorhersagen betrifft, das ist mir eh gleich, muss man ja nur rausschauen…aber das mit SA und SU differiert je nach Seite um einige Minuten. Das tut mir leid. Ich möchte daher sagen, ein für alle Mal und für die Zukunft sowieso: alle Angaben ohne Gewähr.

So, das war das.
Ich habe gestern Abend was grandioses gemacht. Ich habe die Bibliothek sortiert.
(Sowas kommt gerne mal in Romanen vor. Da ist es meist ein junger Bibliothekar. Ist nicht Annette von Droste-Hülshoff ihrem Buchsortierer verfallen? Ich glaube wohl…Heute ist das anders. Da muss man selber.)
OK, ich bin nicht fertig geworden, erst heute Vormittag in der zweiten Schicht…und zwar fand ich, es wäre mal an der Zeit, die Bücher des ExMannes und die meinen zu separieren. Irgendwomit muss man mal anfangen…und ich war ganz und gar gerecht. Er hat alles, was er mit in die Ehe gebracht hat, sowie alle Geschenke. Wenn ich mir unsicher war: für ihn. Und siehe: sein Anteil passt genau auf dieses fies hohe Regal/den Stützbalken des Hauses, was ich eh immer so gehasst habe…Ein paar Dinge werden mir fehlen, kann man aber neu kaufen: Tucholsky, Dostojevski, die Turgenjev-Gesamtausgabe, Lenz. Alles andere: meins. Was für ein schönes Wiedersehen! Am liebsten hätte ich ganz viele Stapel um mein Bettchen aufgebaut und wäre für drei Wochen nicht mehr aufgestanden…ich lese jetzt alles nochmal. Ungefähr ein Meter wurde aussortiert, teils Bücherkiste, teils einigen Freunden zugedacht…Also macht hoch die Tür, die Briefkästen macht auf! Danach gings mir viel besser. Von wegen Avancen. Alles Geschichten…kann man aufschreiben…und immer schön auf die linke Deckung achten. Alles wieder i.O.

Nacht. Alles schlummert süß.
FrauFreitag sitzt plötzlich mit Herzklopfen im Bett – irgendwas hat mich geweckt. Aha. Alle paar Minuten schreit ein Feuermelder „Mein Akku ist fast leer… es ist zwar halb 4 und das könnte ich auch morgen früh sagen, aber ich schrei mal lieber jetzt.“ Mein Akku ist auch bald leer, wenn die Nächte so weiter gehen. Also tappe ich durchs dunkle Haus, spiele Hänschen piep einmal um halb 4 früh. So, gefunden. Zimmer Kind2. Ich kettere auf einen Stuhl – Mist. Unser Haus hat leicht überhöhte Decken. 2,75m Das reicht nicht mit Stuhl…wo issn die Leiter? Im Keller oder im Schuppen. (grelles PIEP). Ich will nicht raus! Es ist dunkle Nacht! Ich bin zu dünn angezogen…(Piep). Ich nehme Andersen, Grimm, lege sie auf den Stuhl – nein. Die Wörterbücher! In meinem Kopf (PIEP) das Bild, wie ich einen klassischen Sturzunfall habe…immer noch 1 cm zu klein – langsam fluche ich mich munter…(PIEP) noch 2 Wälzer, ganz vorsichtig auf den wackligen Turm klettern…ich komme mit den Fingerspitzen dran, strecke mich seeeehr – geschafft! Dem Gerät rasch alle Lebenselemente entzogen, nicht draufrumschlagen oder treten…Deutschland, deine Vorschriften. Ich könnte die Bude anzünden! Das beste: die Kindlein schlummern sanft. Steckt mir den ganzen Tag in den Knochen.

Außerdem muss ich mich den ganzen Tag auf einer Metablockebene bewegen. Scheint mir eine Treppe von Escher zu sein, auf der ich rumlaufe. Unzählige Geschichten poppen auf und wieder ab. Dazu kommt, dass man mir, je mehr ich hier plappere, umso mehr phantastische Geschichten erzählt. Ich habe zunehmend den Eindruck, als gäbe es vielleicht gar keine Wahrheit – nur Geschichten…Heute jedenfalls habe ich mindestens 2 sehr gute gehört, vom Rumkugeln und Lachen (wodurch soviele Schatzkästchengeschichten aktiviert wurden, dass ich fast darunter verschüttet gegangen wäre) und vom „Wilden Mann“, die ich selbst gern mal lesen würde. Und wenn ich dann gerade denke, dass dieses modern-digitale-narzistische Gerede moralisch, stilistisch und inhaltlich zu verurteilen ist und good for nothing, dann sagt B. das vom „Espressokocher aufm Trip durchn Himalaya“ und ich beschließe, die Bar doch nicht zu schließen. Somit durch Espresso-Injektionen gestärkt trödle ich durch den Sonntag, bisschen hier spazierengehen, telefonieren und freuen, dass ich am Freitag nach K. fahre, bisschen Bett, bisschen da im Garten rumzupfen und Wildkräutersalat draus machen, bisschen Bett, dann noch einen Abendspaziergang mit Ausblick und gleich ein bisschen ins Bett. Zu lesen ist ja da. Und ich muss aus den ganzen alten Geschichten eine schöne Undeinmal-Geschichte zusammenbasteln…

http://youtu.be/zXeRB-3nDR8

Avancen

Eigentlich v. A. für Frau Fö., die sonst nicht weiß, wann se aufstehen soll…

SA 6.28
SU 20.30
2 Bft aus West

Also, ich habs eben Frau Fö. versprochen, eigentlich weiß ich gar nichts…bin durcheinander.
Wieso?
Undeinmal gabs eine Zeit im FrauFreitag-Leben, da kamen immer viele Jungs zu Besuch. War aber auch ne tolle Wohnung! Trotzdem, obwohl damals (1988-90) noch jung, unbebrillt und langhaarig, fand ich das manchmal auch schwierig. Nicht immer. Manche waren mehr als willkommen. Aber bitte.
Da war z.B. „der Mann, der aus dem Bus stieg“, aus dem letzten Bus lustigerweise, um dann nochmal bei mir zu klingeln. Schlauer Plan, aber leider ohne die Wirtin gemacht. Eine ungemütliche Zeit bis morgens halb 5 am Küchentisch war sein Lohn. Überhaupt, „Mann“ hier bitte in doppelten Anführungsstrichen.

Unvergessen auch der Kollege ausm Russisch-Kurs. Der mit der Reibeisenstimme. Ich streiche mein Boudoir, das mit den legendären roten Vorhängen, er kommt spontan zu Besuch. Während ich, ich weiß noch genau welche Ecke strich, auf der Leiter wohlgemerkt, Altbau, 3,80 m hoch, sagt der den Satz „Und wann weihen wir das dann ein?“ Tschto? (russ. Was?) Mutig, aber komplett abwegig-fand ich.
Und andere. Manchmal auch gar nicht mehr lustig.
Man sagt ja, Geschichte immer zweimal, einmal als Tragödie und einmal als Farce…(M.-U. Kling)
Was was ist, kann man sich aussuchen.
Hätte jedenfalls nicht gedacht…und warum alle gleichzeitig? Will ich das? Hab ich zu laut über Unsichtbarkeit gejammert? Soll ich einen Abzählreim anwenden und wenn ja welchen und was ist dann mit dem, der übrig ist?
Ich will das hier wirklich nicht im Einzelnen…, das gehört sich nicht. Aber wenn jetzt noch einer finden sollte, dass ich irgendwie … (hier ein beliebiges, dehnbares, positives Adjektiv einsetzen) sei, dann kriegt FrauFreitag nen hysterischen Kicheranfall. Man soll ja sowieso immer das sein, was andere suchen. Bin ich aber nicht. Grundsätzlich schon mal nicht.
Ich muss nachdenken. Über physikalische Probleme oder Etymologien oder so. Tststs.

"Es gibt keine Wahrheit. Es gibt nur Geschichten."