#Badesee 2

Vorwort:
Vor ein paar Tagen hatte ich diese Geschichte geschwind aus der Hand geschrieben, ein feines, fließendes Flow-Erlebnis, ich wars recht zufrieden. Aus mir unerklärlichen Gründen war der Entwurf, ups, verschollen statt veröffentlicht, durchs Netz gerutscht, weg. Schwierig, ihn wieder einzufangen…
Vor einiger Zeit hat mir jemand gesagt, dass er „seine Stimme nicht kenne“. Es ging hierbei zwar um die Singstimme, aber mir hat dieser Ausdruck gefallen, also habe ich ihn für alle Fälle behalten. Inwieweit diese Schönschreibübungen damit zusammenhängen? „Nun“, sagte Eule weise, „alles hat immer mit allem zu tun.“
Worum es genau genommen geht, ist, dass ich hoffe, den Ton von Badesee 2 hier noch einmal zu treffen, zu finden; er ist schön, besonders und schwierig. Ges-Dur.

Für A. -with love.

Undeinmal- ich habe die ganze Zeit, geglaubt, es sei im letzten Sommer gewesen, aber das kann gar nicht sein, denn da war ich completely anderswo, also wohl vor doch vor zwei Jahren- undeinmal war ich alleine im Badeseeland. Keine Erinnerung, wo Mann und Kinder stecken, jedenfalls in den Kulissen, es ist eine Geschichte nur von Zweien.
Treffpunkt, so ist verabredet, ist nach der Arbeit auf dem historischen Marktplatz (Inn-Salzach-Stil) einer kleinen badeseeländischen Stadt. Nach der Arbeit, also Nachmittag. Sommernachmittag genaugenommen, und geplant ist, dass wir zu Fuß am Fluss entlang wandern, bis zum See. Dort natürlich baden, dann zu Fuß wieder nach Hause, alles nicht gerade um die Ecke, aber durchaus machbar. Also treffen wir uns in einem kleinen Kaffee, ich glaube eher, einer Cafébar, eine dieser Einrichtungen, wo man sein Tablett selber schleppen muss…was uns aber keineswegs ärgert heute. A. kommt von der Arbeit. Wie auch FrauFreitag an den meisten Tagen, achtet A. sehr genau darauf, dass das Kostüm zum gespielten Stück passt. Heute also: das reizende Fräulein vom Büro an einem heißen Sommertag: Ausstattung könnte sein- ein dunkelblaues Kleid, vielleicht mit weißen Tupfen, Haare wegen der Hitze sicher hübsch aufgesteckt. Klassische Eleganz, sehr schön. Ich bin ja im Urlaub, da gehts ein wenig legerer, ein buntes ärmelloses Fähnchen, nie zu kurz, Haare sind kurz genug, also auch nicht aufgesteckt.
So treffen wir uns, Badesachen dabei, A. mit ihrem alten Radl an der rechten Hüfte, Sommernachmittag in der Stadt, Kaffee. Dann aber nichts wie raus aus den bunten Mauern, die historischen Gassen entlang zum Wasser runter schlendern wir, Sonnenbrillen, Feierabend, Ferienstimmung. Nee, eher hitzefrei! Eine spezielle Zeit ohne „ich muss jetzt“ oder „eben noch“ oder „X wartet“…freie Zeit, Blaumachzeit, alle können uns jetzt mal, denn wir haben unsre hübschen Sachen an, das Rad trägt die Handtücher, wir kommen am Fluss an und ich glaube, schon da hat es angefangen, so besonders und schön zu werden, dass wir so besonders und schön wurden, dass wir von weitem gegoldet haben, geleuchtet. Plaudend schlendern wir den Weg entlang, aus der Zeit gefallene Schulkinder bei Hitzefrei. Und völlig zurecht, denn heiß ist es, schwül, wir lassen das Städtchen hinter uns und treten ein in das lichte Wäldchen, das das Wasser begleitet. Aus Indien eingewanderte riesige Pflanzen, ein rechtes imperialistische Dreckzeug, aber groß, beeindruckend, blüht weiß, pink, lila am Wegrand und verdrängt URBAYRISCHE Vegetation, Schmetterlinge gaukeln herum, Mücken interessieren sich für uns, Sonne sprenkelt den Weg und wir fühlen uns großartig. „Komm. Steig auf, wir fahren ein Stück.“, sagt A. Sehr anmutig klettert FrauFreitag im bunten Kleid auf den Gepäckträger, Damensitz und Obacht, die Speichen, Bauchmuskeltaining mit hohem Spaßfaktor. A. hat das Wadentraining, behauptet aber fest, ich würde NICHTS wiegen. Somit völlig schwerelos gleiten wir dahin durch die waldigen Sonnensprenkel, Sommersprossen auf der Nase, Badeanzug dabei, sind kein bisschen soundso40, sondern 8, 12, allenfalls 17. Und wir sind uns der Filmreife unserer Szene auf der Metaebene so bewusst, dass wir kichern und Wanderlieder singen, laut und falsch, aber mit Verve.
So kommen wir erhitzt am See an, ganz unwaldig ist es, seit ein schweres Gewitter vor kurzem hier entlang gekommen ist. Herrlich ists trotzdem, das Wasser weich, kühl und klar. Fischlein schnuppern an meinen Zehen, Libellen schwirren.
A. verwandelt sich an Gewässern immer schnell in ein Wassertier und schwimmt weite Strecken. Ich bleibe hydrophob, tändele nur, suche beim Stehen festen Boden und schau mir die Seerosen an, liege auf dem Rücken und schau in den wolkiger werdenden Himmel. Während die Freundin wahrscheinlich schon am anderen Ufer nach dem Rechten schaut, liege ich bereits trocknend im Gras, beobachte Ameisen, wehre Mücken ab, staple kleine Steine. Als die kleine Meerjungfrau zurückkommt, sieht sie ausgeschwommen glücklich aus. Wir trocknen noch ein bisschen zusammen, dann fassen wir nach einigen Blicken zum Himmel den Entschluss, aufzubrechen, ist es doch noch ein gutes Stück bis nach Hause und Gewitter gibts hier, das kann man gar nicht beschreiben.
Drum, und weil es so schön war, wieder zusammen aufs Rad, alles Wasser bleibt zurück, jetzt rollen wir durch Dörfer, Spalierobst an den alten Hofgebäuden, Phlox bis zum Abwinken in den Bauerngärten, Kapuzinerkresse, Zwiebelturmkirchen, wir mitten im Idyll, zwei Goldmarien auf einem alten Fahrrad, die die Leute zum Hinterherschauen und Lächeln zwingen. Über allem wölbt sich wie üblich der Himmel, mehr oder weniger gewittergeneigt, manchmal auch große Kastanien, bald schon reif, Odelgeruch, Blumen duften in Gärten, Heu auf Wiesen, Geräusche von Melkmaschinen. Ewig, ewig könnte es so weiter gehen, noch an einem Kappellerl müssen wir vorbei, an den Linden, dem Maisfeld…da passiert es und das Rad gibt auf, kann nimmer, wen wunderts…also müssen wir doch wieder auf die Erde zurück, laufen das letzte Stückerl, schauen uns an, noch Glückssprenkel in den Augen und Mundwinkeln.
Was für ein schönes Ferienerlebnis.

2 Gedanken zu „#Badesee 2“

  1. Sitze hier im Badeseenwunderland (bei Regen – wie könnte es anders sein) und golde ganz seelig vor mich hin, weil, ja wirklich: Genau so war es!

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