Arts and Kraft

Vorwort:
Die Corioliskraft [kɔrjoˈliːskraft] wirkt quer zur Bewegungsrichtung eines Objekts, wenn man die Bewegung in einem rotierenden Bezugssystem beschreibt und sich der Körper nicht exakt parallel zur Rotationsachse bewegt. Sie ist eine Schein- oder Trägheitskraft. Ihr Name bezieht sich auf Gaspard Gustave de Coriolis, der sie 1835 erstmals korrekt aus den Grundgleichungen der Mechanik hergeleitet hat.

Aaaha. Und sieht auch schön aus. Spiralen:

Low_pressure_system_over_Iceland

SA 8.17
SU 16.25
2 Bft aus Nordwest

Hier schreibt FrauFreitag, hier schreibt FrauFreitag…aus dem Funkhaus des Westens.

Ja, sie war ein paar Tage weg, fort, funkstill, weit entfernt von allem und allen und hat vieles gesehen und  gehört und erlebt hat sie sogar fast doppelt so viel, weil sie sich nämlich das Schlafen abgewöhnt. Tatsächlich scheint es ratsam, zu gegebener Zeit aus rotierenden Systemen herauszurollen und sich einmal kurz außerhalb aller auf einen ein- und auswirkenden Kräfte im durchaus heterogenen Raum aufzuhalten.
Wo der ist?
Fast überall. Zunächst ging es mal mit dem Doppelstockbus laaaange nach Osten, wo ein Koffer von FrauFreitag bei HerrnMontag stehen geblieben war. Dieser (Koffer oder HerrMontag?? Tja…scheint fast, als würde hier einen neue Figur eingeführt…) wurde abgeholt und nach draußen gebracht, unter einen grauen preußischen Dezember-Himmel, Schlösser und Champagner kaufen, Seen sehen, Festbeleutungen von Shopping-Malls bewundern. Immer wird es schon gleich dunkel und man findet sich schwer zurechte in diesem wahnsinnigen herrlichen Bienenstock im ewigen Halbdunkel im ewigen Berlingrau und immer gibt es eine pittoreske Hochbahn mit Beleuchtung, die durch den Film fährt und überall die müden Gesichter der Menschen im Vorweihnachtsgeschäft. Der Koffer wird verladen, mutiert zum Umzugskarton und aus grauer Städte Mauern geht es ins Havelland, wo die Birnenzeit leider leider auch nicht gewartet hat und auch hier ist es völlig dunkel und FrauFreitag weiß gar nicht, wohin es sie verschlägt. In irgendeinem Nest in der Zone, sehr wenig Straßenbeleuchtung, ist erster Stopp und es gilt, einen Geburtstag zu feiern, was auch schön gelingt.
Das kleine Fest findet statt im alten Gasthaus des Nestes, das irgendwie sowas wie Bargelow oder so heißt, stummes w, langes o, und das ist wirklich schon weit weg von meinen bisherigen Rotationsspuren.
Im alten Gasthaus ist eine veritable Künstlerkolonie eingerichtet worden, FrauFreitag darf wunderschöne Dinge sehen, steilschiefe Treppen steigen, Hausgeschichten anhören, Dielen knarren überall und die Katze schnurrt und im Ofen ein rotes Feuer und im Glas ein grünes, aber alles nichts gegen das Leuchten aller Augen und die Schönheit des Lebens. Es wird fürstlich gespeist und viel geredet, und obwohl erst Montag ist, Dezember und Nordosten, fühlt FrauFreitag sich wohl und warm und schläft sehr gut im kalten Bierlager, das tatsächlich so heißt und mal eines war und das erscheint mir ganz wunderbar, so wunderbar wie der Tanzsaal, der jetzt ein Raum voller Kunst ist und irgendwie ist ja sowieso grade alles ein großes Ganzes und Kunst und Leben und Handwerk und Bücher werden eine super Collage und am besten zu allem noch Musike hörn!
Der Tag nach dem Geburtstag ist der Tag vor dem Geburtstag und das Road-Movie geht weiter. Einmal ganz rum und am Ende, dann doch wieder im Dunkeln, ankommen an der Baltischen See. Ich hab  den Mund voller Matjesbrötchen und das Herz voll Freude, es weht mir der Wind um die Ohren am dunkeln Strand , nur Weihnachtsbeleuchtung und der Leuchtturm weit draußen, die See rollt leise, immer vor und zurück, alle Geräusche wurden an der Eingangsbrücke abgegeben, Herr und FrauWochentag hören sich in die Stille hinein, nehmen Energien von Schutzschilden, feiner Sand unter den Füßen und Knirschen von Muscheln. Viel Zeit bleibt nicht da in der Dunkelheit, es gibt so viel zu tun, wir sind ja nicht zum Spaß hier und morgen ist Geburtstag (meiner nämlich dann doch) und wir müssen fröhlich einkaufen und uns installieren unter Reet, gegen die Kälte und heranrückende Ungemach ankämpfen, die Fenster und Türen schließen, mit Champagnerflaschen verrammeln, die Telefone ausschalten und verstecken, Freudenfeuer entzünden, ein Roadmovie lesen, Geschichten erzählen, Lachtränen trocknen und einen winterlichen Honigmond feiern. Und dann auch noch gleich Geburtstag . Und wenn die Zahl des Geburtstags eine Primzahl ist, kann das doch eigentlich nur ein PRIMAgeburtstag werden und das wird er auch.
Das nette Ostmeer steht ganz zu meiner Disposition, der Wind scharf im Rücken, die Polarforscherexpedition läuft sich am kilometerlangen Strand warm, hinter kleinen Erhebungen liegt auf der Leeseite ein bisschen Schnee, der Sand bildet Damastmuster, das Meer verschiedene Metallfarben, viele Farben Silber, Stahl und Grau fließen den endlosen Strand entlang, alle Menschen haben Ausgangssperre und nur eine Möwe ist da und kein Schiff. Nur Sandknirschen und Atmen und viel Schweigen vor Meeresrollen. Der Wind putzt das Hirn aus, der Dreck muss weg und rausgeweht werden, Platz brauchen wir, nicht Abstellkammern. FrauFreitag hat damit am Meer immer nur gute Erfahrungen gemacht. Ein 1A-Geburtstag, ich habs ja gewusst, und dann gibt’s auch noch Kuchen und Kaffee wie es sein muss, ich lerne dabei die Mentalität der Menschen hier kennen, es wird herrlich gekocht für mich und gegessen und das Feuer im Kamin brennt auch. So soll das Lebensjahr sein. So schön weit, windig, warm und wohlig. Prima eben.

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