Kaffee und Marzipan

SA 8.00
SU 16.29
2 Bft aus Nordost

FrauFreitag wacht auf und ist immer noch im Saarland. Im Zimmer riecht es auch nach kaltem Rauch und ich hoffe, das bin nicht ich. Immerhin ein bisschen geschlafen, also vergleichsweise munter. Aufstehen, schön machen, heute ist ein kleiner Auftritt angesagt. Ich möchte noch eine Herzensangelegenheit erledigen, dann gemütlich frühstücken, mehr so professionell, mit Papieren am Tisch. Dann Zähne putzen, Lippen anmalen, los. So macht man das. Also ich.

Kurz vor 8, ich tapse durchs dunkle Treppenhaus (kalter Rauch), alles still, kein Klappern, keine Dusche rauscht – bin ich denn ganz und gar verlassen? Ich glaube wohl, denn der Eingang zum Speisesaal ist abgeschlossen. Klopf ich mal. Warte. Nö. Also geh ich ums Haus rum, zum Haupteingang. Jacke hab ich natürlich im Zimmer gelassen, dafür ist es kalt und auf der Bundesstraße vor der Industrie rauscht Verkehr. Schnatter, klingel, wart. Nö. Alles dunkel. Mein Magen knurrt. Kurz nach 8. Um 8.45 spätestens muss ich hier weg. Also- wieder zurück, andere Seite, Obergeschoss. Erst mal alles packen, schon mal Zähne putzen und Lippen anmalen, dann klappt das auch mitm Frühstück. Vor meinen Augen tanzen Teetassen, ich denke an Brötchen.  Schleppe mein Gepäck runter, alles wie immer, zu. Da war doch irgendwo ne Telefonnummer?! Vorne, klar. Also, Jacke, ums Haus, anrufen. Geht keiner ran. Wieso wusste ich das? Hops, frier, hab noch nicht bezahlt – soll ich abhauen? Ich will n Tee. Wegen mir auch Kaffee. Gleich halb 9. Ruf nochmal an. Nochmal. Nochmal…hab beschlossen, mich AUF GAR KEINEN FALL ZU ÄRGERN, ist nur Blockmaterial. Ich ruf nochmal an. Ne verpennte Männerstimme! „Guten Morgen, mein Name ist Freitag. Ich wohne in Ihrem Hotel, hatte für kurz vor 8 Frühstück bestellt…?!“ Davon war ihm nichts bekannt. Er sei in ner Viertelstunde da. Ja, bitte. Dann muss ich nämlich auch dringend weg. Dieses Fastenbrechen am Morgen ist krass überschätzt. Ich faste.. aber ein Tee, hach so ein Tee…

Sitze im Treppenhaus im kalten Rauch und schaue auf die heller werdenden Industrieanlagen…da kommt er. Mittelmäßig bemüht schafft er es irgendwie, mir ne Rechnung (billiger) zu schreiben, sich zu entschuldigen, mir n Tee hinzustellen, von dem ich aber nur noch 2 Schluck nehmen kann, denn ich muss jetzt echt los! Ich frage, obs aufm Weg n Bäcker gäbe. „Ja.“, sagt er. Ich warte. Warte. Mein Kopf legt sich von allein schief. Ob er mir auch sagen könne, WO? Äh, ja, (andere Richtung). Macht nichts, auf der guten Fortbildung gibt’s immer Gebäck und Tee und Kaffee. Ich hab richtig Lust hinzugehen, wandere durchs triste Grau, neben mir der Verkehr, kalt ist es, gleich gibt’s Tee.
Angekommen dort, große Druckkannen, Tassen, kein Gebäck, kommt später, ich komm pünktlich, atme ein, drücke, es rauscht in die Tasse – meine Nase ruft noch „VORSICHT“, da hab ichs schon im Mund: irgendeine phantasievolle Aromenmischung, fälschlich „Tee“ genannt, könnte Adventskranzapfelpunsch heißen oder so.  Das kann ich kaum schlucken. Gehe ins Klo, wegschütten, muss lachen. Wer „Oh Boy“gesehen hat, weiß, wieso. Also Kaffee und Marzipan.
Dann Stuhlkreis. Wir sollen 2 positive Dinge berichten, die wir heute schon erlebt haben…
?

Tee gabs übrigens den ganzen Tag keinen richtigen und Kaffee war um 11 leer.

Morgen früh. Oh, yeah. Mandarinenblütenoolong. Im Bett. Eine Kanne. Das wäre ne positive Sache. Werd ich dann im Stuhlkreis erzählen

Ein Gedanke zu „Kaffee und Marzipan“

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