Lebenslanges Lernen mit Wortschatzerweiterung als Beschäftigungstherapie

SA 7.57
SU 16.31
2 Bft aus Ost

FrauFreitag dreht noch an Rändelschrauben und hat Schmerzen in den Kardangelenken, da geht’s schon wieder weiter. Diesmal weitaus weniger vergnüglich, denn der dicke braune Umschlag ist von der BA. Das heißt BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT, was man sich schon mal auf der Zunge zergehen lassen sollte. Üblicherweise verkehre ich mit dieser Anstalt allenfalls geschäftlich, heißt, ich geh da hin und rede mit denen, wie man sagt „auf Augenhöhe“. Aber jetzt, ich fühle mich schon wie Herr K., rutsche ich auf einer Rutschbahn direkt ins offene Maul der Geisterbahn. Wie schon an anderer Stelle erwähnt,  droht der reizenden kleinen Beraterin derzeit die so genannte Arbeitslosigkeit. Es geht um Geld.

FrauFreitag ist müde. Müde von andauernder Schlaflosigkeit,  die Tage eingeteilt nur noch in variierende Müdigkeitsgrade unklarer Skalierung. Und so kommt man nach Hause, isst was, erbricht den dicken, braunen Umschlag und kommt ins Lesen.

Seite 1
Anzeige zur Fristwahrung. Da hat man versucht, komplexe Abläufe verständlich darzustellen. Hätte ja auch klappen können. Wenn mans richtig gemacht hätte.  Ohne angeberisch erscheinen zu wollen: ich hab n Hochschulabschluss. Philologie. Und kneife die Augen beim Lesen zusammen. Gut, verstanden. Weiter.

Seite 2
Hier in ca. 30 Punkt eine Nummer. Ist das eine Telefonnummer? Eine Vorgangsnummer? Deko? Ein Geheimcode? Darunter soll ich meinen persönlichen Termin notieren. Welchen?!
Mein Vorteil: Ich erfahre direkt im Gespräch, wie viel und wie lange. Dann gehts um Personen die verheiratet sind. Bin ich das noch? Hm. Fragen, die nicht ganz leicht zu beantworten sind.

S. 3ff, dicker gehefteter Stapel
Fängt mit Hinweisen an, das Wichtigste (?) hat jemand für mich mit Marker markiert (gelb). So mach ich das auch immer in der Arbeit. Unten nochmal klein die 30 Punkt Nummer. Hier erfahre ich, dass das  eine kostenfreie Service-Nummer ist.  Ich hatte so was schon vermutet.
Aufklappen: Antrag. Roter Wichtigkeitsaufkleber oben mittig: „…spätestens…vorsprechen.“ Sag ich ja. Herr K.

1: Persönliche Daten-jaja. Schaff ich.

2a-2h: Jetzt wirds spannend und unterhaltsam. Fangen wir mal mit a an und beschränken uns vielleicht auch darauf.

2a: „Ich werde alle Möglichkeiten nutzen, um meine Beschäftigungslosigkeit zu beenden (s. Merkblatt 1 Abschnitt 2.4 und Erläuterung zum Antrag).“ Dann ankreuzen: ja/nein. (Wo ist „weiß nicht“?)

Hier mal bitte inne halten.
Ich möchte einen Exkurs ins Sprachliche wagen, Gegenstand seien die Wörter ARBEIT und BESCHÄFTIGUNG.
Wieso, bitte sehr, werden diese Begriffe hier synonym gesetzt, grundlos vermischt? Ich möchte nur einen Antrag auf Arbeitslosengeld stellen. Weil ich vielleicht arbeitslos (also OHNE ARBEIT) sein werde. Leider habe ich gerade keinen Zugang zu meinen etymologischen Nachschlagewerken, aber seis drum. Ich erinnere doch, dass das schöne Wort Arbeit zusammenhängt mit den Begriffen Mühsal und Plage. Manches merkt man sich einfach.  Was hieße also in diesem Fall arbeitslos? Doch wohl: ohne Mühsal und Plage.  Aber doch nicht ohne Beschäftigung!

(An dieser Stelle lasse ich eine Lücke für eine gelegentlich nachgereichte Etymologie dieses Lemmas).
FrauFreitag ohne Beschäftigung, da lachen ja die Hühner. Und überhaupt! Selbst wenn!? Gehen wir doch alle mal in uns und denken mal nach. Nur mal kurz. Was für eine Haltung steckt hier dahinter? Nicht groß drüber reden, nur mal die Wörter entlang spüren. Klar, dass mir auf dem Spickzettel auch erklärt wird, was passieren wird, wenn ich NEIN ankreuze.
Was heißt eigentlich „alle Möglichkeiten“? Alle??

Tssss. Ich schau mal lieber nach meiner Sofortrente.
Aber das Vergnügen, das Ding ORDNUNGSGEMÄSZ und KORREKT auszufüllen lass ich mir nicht nehmen. Arbeitslos wollte ich auch schon immer mal sein.Beschäftigung finde ich schon. Vielleicht kann ich mich ja auch bewerben, als Formularneugestalterin…

 

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