Im Café

SA 7.52
SU 16.34
1-2 Bft aus Nord-Ost

Und einmal, Sonntag Nachmittag, FrauFreitag hat es irgendwie geschaft, pünktlich gegen halb 4 frisch geduscht zu ihrer Martial-Arts- Verabredung zu stiefeln. Gar nicht übel da draußen, es wird sogar noch ein bisschen hell, kurz vor Sonnenuntergang. Der liebe Chef-Kollege hat eingeladen und mir fällt meine gute Kinderstube wieder ein, also geh ich mal eben noch am Vrouwenlopplatz (Name geändert) ins Café, das da schon immer ist, wo ich schon als Kind mit Oma Schokolade mit Sahne hatte. Dingdong die Glocke und der Caféleiter steht an der Tür, gestikuliert und wirkt verzweifelt, irgendwas stimmt hier nicht, das sind nicht die üblichen Sonntagsnachmittagscafévibrations hier drin, denkt FrauFreitag. Im Zentrum der Unruhe sitzt eine alte Dame, die die Aufregung, die sie verursacht, mit stoischer Gelassenheit hinnimmt.  Wie ich aus aufgeregten Wortfetzen des Inhabers entnehme, kommt die alte Frau Weiß täglich, will Kaffee und Kuchen, den sie weder essen darf noch kann, weil sie ihre Arme nicht mehr bewegen kann. Sie wohnt zwei Straßen weiter im Stift, geht da aber nicht hin. Immer muss man die Polizei rufen.
Buarks, denke ich, kaufe Apfelkuchen und Mandelhörnchen und fasse einen Plan. Ja, da sei frei sagt sie, als ich sie frage, ob ich mich zu ihr setzen dürfe. Dann starren wir uns ein bisschen an. Blaue Augen, tiefseetief, die andere Sachen sehen als meine. Zum Beispiel.
Ob ich sie nach Hause bringen dürfe, frage ich. Sie schaut mich lange an. NEIN, sagt sie dann fest und sicher, und ich muss ihr Recht geben. Natürlich lässt man sich nicht von irgendwem nach Hause bringen, den man gar nicht kennt. Hm. Polizei finde ich aber auch keine echte Alternative. Sie wolle Kaffee und Kuchen, sagt sie mit Bestimmtheit. „Darfse nich essen“ ruft der Chef vom Tresen her. Ich versuche es noch einmal. Vielleicht Kaffee und Kuchen zu Hause? NEIN. HIER.
Die Frau hat wirklich Recht. Natürlich. Kaffee und Kuchen. Mit Sahne. Im Café. Wie es sich gehört. Und nicht von irgendwem anquatschen lassen.
Ich verabschiede mich höflich. Was jetzt kommt, wird sicher unerfreulich. Aber so isses nun mal. Und ich muss ja auch weiter, die Kampfkunst ruft.
Vielleicht geh ich da jetzt öfter mal hin, und wir lernen uns kennen. Dann kauf ich der heimlich Kuchen, der Frau Weiß. Wenigstens das muss doch drin sein.

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