Arbeit und Struktur

SA 7.26
SU 16.46
2 Bft aus West
(Werte für hier im Norden)

Also. Einatmen. Ausatmen. Arbeit und Struktur.
Aufstehen.
Geht.
Frühsport.
Trotz wehem Knöchel laufe ich trapptrapp die Wege auf und ab. Nur die befestigten. Sonst ist es zu glitschig und ich hab Angst, auch noch wieder hinzufallen.
Dabei begleiten mich drei Hunde. Mittel, Groß und Riesig. Ich fühle mich gleich sehr rudelig und beschützt, wie wir da so umeinanderspringen im nebligen Halbdüster, durch das sich gerade etwas Licht arbeitet, was ich wiederum allegorisch verstehe.
Abdampfen.
Duschen.
Sich nicht gehen lassen. Wozu auch?
Außerdem ist da auch der nette Praktikant am Tisch.
Knappes Frühstück. Kein Appetit.
Dann weiter. Ich bin ja als Knecht hier. Bauernhoftherapie.
Hunde füttern.
2 Becher für Riesig, 1,5 für Groß und 1 für die dicke mittlere Wurst.
Hühner.
8 oder 9 Stück und ein stolzer Hahn dabei. 6 Becher Hühnerfutter. Unter den Magnolienbaum (fast kahl) streuen. Dann Hühnerhaus öffnen, beiseite treten. Ein großes Geflatter und Gegacker eilt an mir vorbei und stürzt sich aufs Futter. Ich bin Peterson und Findus. 5 Eier liegen im Stall. Einsammeln, abliefern. Stall sollte noch sauber gemacht werden, mach ich nachher.
Ein neurotisches, traumatisiertes Kaninchen, Überrest einer einst stolzen Dynastie. Heu und Wasser. Und tröstende Worte.
Die Katze nicht. Das sollen bitte andere machen.
Pferde.
Da gibt es Sir Henry. Um seine Kruppe zu tätscheln muss ich mich lang machen. Ich liebe ihn, wir haben schon schöne Abenteuer miteinander erlebt.
Lotte, falb, mittel und freundlich.
Rosalie, der Shetland-Rennhamster, Schimmel.
Und noch sowas kleines, schwarz-weiß geschecktes, vielleicht auch ein Shetty, Name fällt mir grade nicht ein,aber Willi scheint mir passend.
Es gilt, 2 große Futtersäcke mit Heu zu füllen. Ich trage übrigens einen alten Wollpulover Größe XL, Gummistiefel und schmutzige Jeans. Der Matsch auf der Weide reicht mir über die Knöchel, wobei Matsch die Substanz auch nur teilweise richtig bezeichnet. Schon wieder ein Symbol, lächelt FrauFreitag, die Sonne kämpft sich durch den Nebel, ich mich mit dem Heu ab, schleife die Säcke irgendwie an ihren Platz und bekomme sie sogar aufgehängt. Wer sagts denn! Dann Pferdekauen. Mahlende Geräusche, Herbstmorgen über Senfgründüngung, ich bis zum Ohr in Schlamm und Scheiße. Frieden. Kommunikationsstörungen haben die Tiere hier scheinbar nicht. Ich schau noch ein bisschen zu und lausche ihrem Mahlen, ihrem Atmen und rieche ihren tröstlichen Duft. Werde sie mal sauber machen, nachher.
Dann unterbreche ich meine handfesten Tätigkeiten.
Aufschreiben.
Lesen. Kurz zusammensacken. Aufrappeln. Mittagessen.
Lerne Benny kennen. Currywurstspezialist aus Dortmund.
www.benbergs.de
Schau, von sowas kann man auch leben.

Jetzt haben wir aber wirklich zu tun!
Mit Nichte machen wir zwei Pferde fein. Lotte und den weißen Rennhamster. Der ist für mich. Meine Füße sind, wenn ich auf der draufsitze, ca. 10 cm vom Boden entfernt. Und die trabt wie ne Nähmaschine. Davon muss ich immer so lachen, dass ich fast runterkippele (ohne Sattel, klar), dann kann man sich aber zur Not wieder hochrappeln. Also putzputz und los gehts in den grauschönen Novembernachmittag. Wolken in allen Grauschatten, himmlische Ruhe, Fluglärm gibts hier nicht.
Wo liegt das Glück der Erde?? Eben.
Nach einer Stunde reiten wir zurück, ums Haus und in die Schmiede, wo die Lufthämmer lärmen. Ich rufe, die Prinzessin auf dem stolzen weißen Ross sei da, aber kein verschlafener Prinz zeigt sich. Vergaß zu erwähnen, dass das stolze weiße Ross, das mir bis zum Bauchnabel geht, auch eine Hautkrankheit hat. Ich finde uns filmreif. Und die Nichte dreht einen Handy-Film.
Dann wirds wieder ernst. Weide abäppeln. Zwei große Schubkarren voller Scheiße karren wir raus. So viel Symbolik an einem Tag – nicht zu fassen. Und damits morgen nicht weniger Scheiße gibt, nochmal schnell drei Säcke mit Heu aufhängen.
Sonnenuntergang.
Jetzt kriechen die Dämonen wieder aus den Ecken. Aber mein Neffe wird mir ein Lichtschwert leihen…

2 Gedanken zu „Arbeit und Struktur“

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