Leerstand

SA 7.06
SU 19.34
2 Bft aus Ost

Für M.
Die Pizzeria hier um die Ecke steht leer. Schon länger. Das treibt mich aus mehreren Gründen um. Diese wiederum passen hervorragend in die Reihe „Neustadt, früher, heute und immer mal zwischendurch“. Ganz  unlängst war ich da mal drin, in der Pizzeria, weil Kind2 mich in der Stadtwohnung besuchen kam. Und dann will man dem Kind natürlich was bieten und es wünschte Pizza. Also bin ich rein. War nicht ganz leicht, denn Erinnerungen quollen durchs Schaufenster. Weggewischt wie Spinnenweben. Drinnen war dann alles- anders. Man muss wissen
– da gabs neben Pizza in der letzten Zeit auch „indisch“
– alles stand falschrum, also im Vergleich zu früher
– FrauFreitag ist nicht heikel, also was so Fragen angeht, wann was „eklig“ ist. Da wars-grenzwertig.
Kind war glücklich mit seiner Pizza Funghi und die Samosa war OK, nur die Remoulade dazu hat mich irritiert. Gut, ich bin dann nicht mehr hin. Habe aber natürlich wieder dran gedacht, wie es früher war.
Als alles noch richtigrum stand. Da sind wir manchmal dorthin, denn es war in der Nähe meiner Wohnung und es gab auch, ganz wichtig, Pizza Pazza, das war vor der psychischen Erkrankung (‚ich vertrag keine Sahne‘) und vor diesem elenden weltverbesserndseinwollenden Vegetarismus, als alles noch unproblematisch war und man alles und immer und egal wo gegessen und gemacht hat. Und genau damit waren wir beschäftigt. Wenn man nicht mehr konnte, musste man eben mal raus und was essen. Dieser Moment wurde immer so lange wie möglich rausgezögert, denn man musste sich anziehen und die Treppe runter… halb tot vor Hunger. Aber eben erst wenn aller Sekt und Wodka leer war und die Nutella-Gläser ausgelöffelt.  Also auf wackligen Knien raus ums Eck zur Pizzeria…und schnell noch Zigaretten geholt im Regen am Automaten unten, dann zurück. Ein Wochenende war kurz und Zeit nicht zum Vertrödeln mit Essen da- von solch reproduktiven Tätigkeiten wie Einkaufen oder gar Kochen ganz zu schweigen.
Früher hab ich damit grob erzählt. Zwischendurch war komisch. Heute also steht der Laden leer. Was mich reizt. Denn ein Ladengeschäft ist ein heimlicher Traum, wenn Anleger schon nicht geht auf Dauer. Leute kommen rein, bekommen was Schönes und gehen glücklich wieder. Kollegin Frau Z. und ich hatten schon eine gute Idee, wenigstens für den Namen. Schließlich bangen wir um unsere Arbeitsplätze, da muss man auch mal über Selbständigkeit nachdenken. Der Name ist
BrotLoseKunst
Und was soll da verkauft werden?
Na, überlegt mal!

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