Dolomiti vs. Brauner Bär

Und weiter in unserer kleinen Reihe NeuStadt- früher, heute und immer mal zwischendurch.

Auf der heute dumm und verlassen daliegenden Verkehrsinsel in der Hinnburchstr. (Name geändert) war früher der Spielplatz, eigentlich sogar zwei. Von mir aus gesehen links war der Bereich für Kleine. Sandkiste, drei Wippen, auch Bänke für die Betreuer_innen. Ein kleines Klettergerüst? Unglaublich, ich habs vergessen.
In der Mitte irgendein Stromhäuschen, dann, also rechts jetzt, ein bogenartiges Klettergerüst zum Rumhangeln, ferner zwei Schaukeln. Dahinter, schon an der Keiserstr. (Name geändert) der KIOSK, auch die TRINKHALLE, Zentrum meiner frühen Begierden. Zuerst: Capri. Dann: Dolomiti. Drittens: Brauner Bär, aber da war ich schon fast weg.
Dolomiti war eigentlich am genialsten. Damit hab ich meinen ersten Kontakt mit „über Namen nachdenken“ gehabt. (”wieso heißtn das so komisch?“) und MeinOnkel erzählte mir poetisch von den Dolomiten, und ja, bei jedem Eis am Stiel träumte ein kleines Mädchen mit Zahnlücke und Seitenscheitel von den grünen Matten derselben. Bis sie irgendwann die Rezeptur änderten, wahrscheinlich war da Original giftig, seitdem, ich schwöre, schmeckts nicht mehr richtig und die Dolomiten sind mir egal. Schweinsohren (also Gebäck jetzt, dieses zerbrechliche), das nur mal eben hier erwähnt, waren auch nie wieder richtig gut nach 1975. Wiesu denn bluß?! Ich prangere das an dieser Stelle an. Also zwangsweise Umstieg zu Brauner Bär, krasser kann der Wechsel kaum sein. Winnetou! Oh, Winnetou!

An der Trinkhalle gabs auch, was sonst, HB und Binding Bier (bestimmt auch Peter Styvesand (sic?), Reval, Eckstein, WY (? so gelbe Packungen) und last but not least ROTHHÄNDLE, was mein sozialistischer Urgroßvater meistens geraucht hat). Und als 1972 Ölkrise war und Sonntagsfahrverbot, durfte ich erstmals für MeinenVater einkaufen gehen, stolz und aufgeregt, kurz vor 5 Jahre alt.
Dieser kleine Satz enthält viel Unglaubliches.
1. Ölkrise
2. Sonntagsfahrverbot
3. eine Bier und Zigaretten kaufende 4 Jährige (noch ohne Zahnlücke, nur mit Seitenscheitel).
Was sehen wir? The times they are a-changing.
Sonntagsfahrverbot, ich muss es einfach nochmal sagen.

Mit eisverschmiertem Mund und babbischen Fingern auf der Schaukel, Metallketten. Geruch von Sand-Eis-Metall. Kurzum „Spielplatz“. Da vertändelte man die Zeit, anfangs noch straff betreut, dann zunehmend frei und locker verabredet mit Schulkamerad_innen, Ich sehe noch die ersten Skateboards, rot, gelb, blau oder grün, die hießen Rollbrett und ich frage mich, was die Skater heute dazu
1. sagen würden und
2. ob sie sie fahren könnten.
Hat wer noch eins? Ein Rollbrett?

Heute immer noch schön, wenngleich, vgl. Dolomiti, nicht mehr echt:
Die Gaslaternen.
Von außen gleich.
Aber, wer erinnert sich?
Ich wurde noch betreut und MeinOnkel sagte mir, wir müssten nun langsam nach Hause gehen, denn das Gasmännchen käme bereits, die Laternen zu entzünden.
???
Wir gingen zur nächsten Laterne, da hörte ich ein leises Geräusch oben in ihr, das sei das Laternenmännchen, das die Streichhölzer anreiße. Klickklickklack und die Laterne ging langsam an, satt gelbes Licht. 10 Meter weiter, die nächste Laterne. Ich halte fieberhaft Ausschau nach dem kleinen Männchen mit den Zündhölzern, da, das Geräusch, es war wohl zu schnell oder zu klein?, nächste Laterne brennt. Und die nächste und die danach und immer 10 Meter weiter und wie durch ein Wunder stehen wir zur genau richtigen Heimkommmzeit vor genau unseren roten Haus und die grüne Laterne brennt gelb. Bis noch in die 90er habe ich manchmal das Laternenmännchenspiel gespielt, aber plötzlich, tout à coup, suddenly und schlagartig gingen die äußerlich gleichen Laternen ferngesteuert zeitgleich an, weswegen man nie mehr genau zur richtigen Zeit vor der eigenen Tür stehen kann, sondern immer überrascht wird vom plötzlich seltsam giftigen orangen Glimmen einer ganzen Laternenlegion, umzingeln sie mich und vor allem ohne anzuklopfen scheinen sie einem alle gleichzeitig zu. „Und was macht das Männchen?“, fragt etwas, was mich an meine frühere Stimme erinnert und ich antworte „Das ist in Rente. Und frag nicht so kindisch.“
Das schwer zu beschreibende Geräusch übrigens hört man heute noch, wenn man einen zeitgenössischen Gasherd mit dem automatischen Anlasser anzündet…

 

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