Seltsam – und noch immer Vormittag

SA 6.33
SU 20.21
1-2 Bft aus Nordost

Eigentlich wollte ich ja mal kurz still sein. Unmöglich, wenn sich die Ereignisse derart überschlagen.
Ich hab noch immer Herzklopfen. Gerade klingelte nämlich in der Arbeit mein Händi. ??
Wer wars denn? Es war der Herr Physiotherapeut…er hätte da einen Termin zur Disposition…den könnte ich ja gerne haben…ich kann aber nicht (uhbuderzfgh), ich bin da einen Tag im Urlaub.
Das ist ein ganz normaler Vorgang, dass die ihre Leute anrufen und ihren Kalender füllen. Weiß ich doch. Trotzdem Herzklopfen. Hab ich gar nicht sooo oft. Und bestimmt hab ich dummes Zeug geredet. Also am Freitag geh ich erst mal ganz regulär und normal da hin…dann sehen wir weiter…die Avancen von X., der m.W. auch verheiratet ist, regen mich jedenfalls nicht so auf. Genaugenommen gar nicht. Obwohl das ja nun nur ein normaler Vorgang war und gar nichts mit Avancen zu tun hat…
Egal. Mannsleut. Pffft.

Viel aufregender: heute früh kurz nach 8 Termin mit Kollegin Frau Z. bei der Arbeitsagentur. Hmja. In eigener Sache unterwegs. Denn das Projekt der reizenden kleinen Projektmitarbeiterinnen endet am 31.12.14 – die Zukunft ist wie stets: ungewiss. Also spannend.
Um aber der Form genüge zu tun, melden wir uns schon mal brav als arbeitssuchend. Na, ich weiß nich. Arbeitssuchend…eigentlich ja nicht.
Da stehn wir also erstmal im Foyer der AA, erbaut 1993, wie uns in einem Gedenkstein verkündet wird. Ich bin hier ja ganz gerne und komme immer in eine lachlustige Stimmung. Teils wg. netter Erinnerungen, teils wg. der Skurilität der Szenerie. Wie ins Theater kommen und schon grinsen müssen, wenn man nur das Bühnenbild sieht. Kollegin sieht das anders, aber sie hat da auch ihre persönlichen berechtigten Hintergründe. Also zunächst dürfen wir ein Formular ausfüllen. In der Lobby. Ich scheitere mal wieder an allem, kritzele, streiche durch, verweigere Aussagen…irgendwo – ich glaube bei J. v. Westphalen – hab ich mal gelesen, dass der immer alles durchstreicht und quer drüberschreibt: BIN SCHRIFTSTELLER, KANN DAS NICHT AUSFÜLLEN. Irgendwann mach ich das mal. Ich geb den Test trotzdem ab. Deutschkenntnisse hab ich „hervorragend“ angekreuzt, sonst nur „vorhanden“. Kollegin findet das angeberisch. Nee, ich steh dazu. Her-vor-ragend.
Dann werden wir von der freundlichen Dame an der Rezeption, die über mein Gekritzel die Stirn runzelt, weitergeschickt. Erfrischungen werden nicht angeboten. Pagen sind auch nicht zu sehen. Komisches Hotel. Statt dessen sollen wir an den Säulen vorbei in einen kleinen Wartebereich, wir werden dann „namentlich“ aufgerufen. Cool. Wir wollen aber zusammenbleiben. Ist sicherer. Nach nur kurzer Wartezeit kommt ein – ja, was? Sagen wir mal „Mann von der AA“. Bei mir poppt das frz. Wort („vorhanden“) guignol auf, übersetz ich mal hervorragend ins Deutsche: Kasper.  Das ist mir zu schwer, den gut zu beschreiben. Unauffällig zunächst, eigentlich versucht er nett und irgendwie witzig/locker zu sein, was aber nicht klappt, weil man mit jeder Sekunde mehr merkt, dass er nur eine Kassette abspult. Der nimmt uns mit, Gänge entlang, in ein Büro. Ich frag mich kurz, wie ich solche einen Arbeitsplatz überleben würde, würde man mich dazu zwingen (z.B. von Seiten der AA). Fühle die Aura der Adhocdepression. Die kann ich aber bannen, indem ich mir das alles als Geschichte vorspiele, mir alle Einzelheiten des Büros betrachte (nicht erwähnenswert, 2 Ficus (ist das u-Deklination? ficus, Pl. ficus??) Flyerzeug, übliche Büroausstattung, „witzige“ Kaffeetasse…) draußen herrlicher Frühherbst, trüb mit leuchtend gelben Sprengseln. Frau Z. und ich klammern uns aneinander und machen hier gemeinsame Sache. Ich fühle jedoch, wie ihr, nennen wirs „Nichteinverstandensein mit der repressiven Struktur des Systems und der davon ausgehenden Gewalt“ sekündlich wächst, ja ich sehe den Dschinn neben ihr genau aufsteigen. Schon ein ganz nettes Stück für drei Beteiligte und unbedingt ein paar Worte wert, finde ich, wie ich da so als Beobachterin sitze. Gut. Es gibt mehr Formulare, die wir mal ausfüllen dürfen, aber bitte bis zum. Und dann…ich werde langsam müde und muss aufs Klo. Dann dürfen wir gehen. Frau Z. braucht erstmal n Pfeifchen und 5 Pastis, ich frage mich eher, wieso auf der Damentoilette ein paar Schuhe Gr. 36 steht. Und warum das so streng riecht wie in den 80ern auf italienischen Bahnhöfen. Sehr sehr wunderlich.
Draußen aber bricht die Sonne hervor und wir wandeln zu unseren Nocharbeitsplätzen. Der Guignol war schon irre mit seinen Wiederholungen. Ich wollte das nicht machen. Eigentlich tut er mir auch leid. Ich bin da zu weich. Die Kollegin sieht das anders. Die regt sich auf, dass so einer an dieser ersten Anlaufstelle sitzt. Ich finde, besser da, als bei ihr zu Hause aufm Sofa als ihr Gatte. Das findet sie auch. Ein Espresso und Süßbabbs bringen uns unterwegs wieder in die Spur. Gewiss wird alles gut.

Denkste! Wie der Tach dann weiterging kann man bei Kafka nachlesen…

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