Grusz aus dem Sommerloch

in dem es finster und öde ist, die Stimmen der Beraterinnen werden als dumpfes Echo von den Wänden zurückgeworfen, draußen brauen sich Gewitter zusammen und nur der DHL Bote klingelt, hat sich aber im Stockwerk vertan. Warte eine Minute Herr Postmann!

SA 6.15
SU 20.48
2-3 Bft aus SW

Kollegin Frau Z. hat unter Aufbietung aller Kräfte und einer ungeheuren Anspannung ihres eisernen Willens alle alten Ordner geleert und sortiert, FrauFreitag ist eine Liason mit dem Reißwolf eingegangen und hat alle sensiblen Daten nach intensiver Lektüre geschreddert. Eine Bewerbung beim Geheimdienst vielleicht? Irgendwann ist aber auch das getan und die Stille des Telefons brüllt uns an. Frau Z. ist nahe daran, auch unsere aktuellen Arbeitsgrundlagenakten zu vernichten, ich falle ihr in den Arm, ein Gerangel entspinnt sich. Wenige Stunden später denken wir, nervlich zerrüttet, über Klagelieder nach, chorisch dargeboten. Ich bin unbedingt für griechische Masken und Umhänge. Irgendwann verliert auch das Internet seine Attraktivität. Ich fühle immer mehr, ich würde gerne richtige Arbeit, ein TAGWERK verrichten. Mein Gehirn fühlt sich wie folgt an: Man nehme zwei olle Waschlappen und ziehe sie durch brackiges Wasser. Zu zwei Klumpen formen. An einem ungelüfteten Ort trocknen lassen, ein kleiner grüner Pelz macht nichts. Mit einem brüchigen Faden verbinden (corpus callosum, wichtig). Zwei Mandeln in irgendwelche Falten quetschen (Amygdalae, dto.) Fertig.
Endlich ist ZEIT und FrauFreitag geht.
Wohin? Nach Hause? Nein, zur Physiotherapie. Ph-, wie Ph-ysiotherapie. Setze den verheirateten Herrn als erstes darüber in Kenntnis, dass ich SCHLECHT GELAUNT bin. Nur falls er sich über vibrations oder Muskeltonus wundern sollte. Er ist aber auch schlecht gelaunt, sagt er, und fängt an, über ein Buch zu reden, das ich zu meinen liebsten zählen würde, egal jetzt welches, ich weiche jedenfalls auf. -Scheiße, ich bin aber auch immer wieder mit dem gleichen primitiven Mist zu ködern. In einem Akt der Selbstanalyse habe ich erst unlängst erarbeitet, dass Männer sich meist über mein literarisches Zentrum in mein Herz und Hirn arbeiten. Ganz schlimm sind Vorleser. Ich hab jetzt immer Ohrenstöpsel an oder höre laut gangsta-rap via Kopfhörer.-
Und jetzt dieser avisuelle Kerl, der mir über Hörbücher referiert, oder „seine Frau liest ihm vor“. Strecke der Massagebank die Zunge raus und ziehe Fratzen, ohne dabei die Bewegung im Bein spürbar zu machen, hoffe ich. Werde also weich. Dabei hatte ich beschlossen, einen irreparablen Krampf zu haben. Statt dessen beginnt die Wade vor Schmerz zu lächeln, wird immer geschmeidiger, und bald lächelt das ganze Kind. Ungewollt glücklich gemacht gehe ich heim. Was mich auch schon wieder ärgert. Es ist aber auch kompliziert.
Stapfe wütend zum Training (muss an den netten Kinderbuch Titel „Die kleine Motzkuh“ denken und auf der Metaebene grinsen), wo mir der Chef mit seiner Art tierisch aufn Zeiger geht…aber ich bin nicht so durchgeknallt, dass ich rabiat werde…ein böser Blick tuts, für den Rest sind ja Boxsäcke erfunden worden, von einem gnädigen Gott, wie ich meine. Und wir sind aufgefordert, diese zu nutzen. Mit Vergnügen.

Hatte ich eigentlich erwähnt, wie es heute früh angefangen hat?
Ich tappe die Treppen zur Arbeit hoch und irgendwie passt der Schlüssel nicht. Stocher, probier. Ist aber der richtige, sagt die Kontrolle. Und das Poster an der Tür? Ist wohl neu…ähm.
Bin im 4. Stock. Ich arbeite aber im 3.
Lachhaft.
Witzig? Nein. Nicht witzig.

Freu mich auf morgen. Da hab ich frei.

Ein Gedanke zu „Grusz aus dem Sommerloch“

  1. Hi Frau Freitag..
    die az meldet heute, dass ein burgenblogger gesucht wird für 2000 pro Monat…wär das was statt sommerloch?
    Grüße
    s. , wieder da aus der radelei

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