Wunschloses Warten auf Sternschnuppen

SA 6.10
SU 20.53 (jetzt gerade)
3 Bft aus SW, in Böen 6

An manchen Tagen merkt man fast zu spät, dass sie perfekt sind.
Heute ist so einer. Fing alles blöd an, Vollmond, flachschlecht geschlafen, 6 h raus, Unterhose falsch angezogen, Einstieg durchs Bein, bin völlig verpeilt. Beim Frühgang zu Berge wach ich auf. Wind zupft an mir, Jacke vergessen, abgewöhnt. Gänsehaut am Bauch. Ich kann die Anschaffung netter Hunde nur empfehlen. Dann uff Schicht.
Erstaunlich.
Der Server servt nicht. Kommt doch von lat. servus, Sklave, oder? Nun, wie auch immer. No Mail in, no Mail out. Also mal wieder Improvisationstheater. Kollegin räumt Ordner aus und auf. Dabei stellen wir fest, dass sich Inhalte seit Jahren nicht geändert haben. Nur die Formen. So knalle ich etwa einen kompletten Vortrag auf Overhead-Folien in die Tonne. Was mir dabei den Stecker zieht ist, dass diese säuberlichst in Folien geordnet sind und unter einer jeden ein Stück SEIDENPAPIER liegt. Könnte man sicher noch schön Origami mit machen. Das Büro wird immer schöner…leerer…und ich schau mal, ob ich im Herbst ans Nordmeer, nach Prag oder nach Wien fahren soll. Lasse mir gerne raten.
Wien könnte gegen Ende Oktober herrlich morbid sein, oder?
In Prag wäre Prag und man könnte lustige Wörter sagen und hören.
Oder das Meer?? Ich bin nicht entscheidungsfähig.
Treffe mich mit meiner Mitbewohnerin zum Wasserglotzen am Rhein, er ist angriffslustig und wild. Wir bannen ihn mit unseren Blicken.
Im Briefkasten 4 (4) Postkarten. Freu mich über so gute Freund_innen.
Zurück aufs Land.
Im Zug die Gaber-Schlabersheimer Landfrauen, Durchschnittsalter 65+, die einen erregenden Ausflug nach Wiesbaden (…) gemacht haben und nun darüber schnattern wie die Hingel (i.e. „Hühner“) Kabarett war gestern. Zugfahren reicht völlig. Und ich hoffe, ich werd nie Dialyse-Patientin. Darüber weiß ich jetzt auch Bescheid. Man muss wirklich nur offenen Auges und Ohres durchs Leben gehen…
Aussteigen!
Merke, wie perfekt heute alles ist. Nicht heiß. Es riecht lecker nach Pflaumengärung und Mirabellenmost.
Kind hatte heute erste Autofahrstunde. Aufregend. Also fahren wir mal ins Feld, zu vertiefenden Studien. Geradeaus geht super, Kurven auch. Aber wenden…wir wechseln mal eben rasch, Mutter wird uncool, hatte den Graben gesehen und außerdem stehen wir auch mitten auf der Wiese eines Weingutes…aber schön. Wird. Machen wir jetzt öfter, ich freu mich schon.
Den Hund haben wir schon schlauerweise mitgenommen, also wandern wir in den Abendgoldenschein. Das Bächlein springt munter an unserer Seite, Blicke ins Dunkelgrün tun sich auf, Fuchsgeruch, Moos und Weidenbäumchen. Rheinhessen, renatured. Manchmal bin ich ganz versöhnlich hier. Mundraub, Apfel, Birnen (Sorte Ribbeck von Ribbeck, keine goldene Herbteszeit ohne!) und Pflaumen. Morgen nochmals, Mittwoch Kuchen. Merke: Kuchen von Klauobst ist am süßesten.
Zurück in der Zivilisation treffen wir eine befreundete Familie, die soviel Spaß hat, dass ich kurz doch wieder an das Modell glaube. Der Vater joggt tapfer, die Kinder rennen johlend um ihn rum, Mutter fährt auf dem Rädchen der Kleinsten hinterdrein, Knie am Lenker.

Habe gehört, heute soll eine Sternschnuppennacht werden. Schreibe dies bei schnell einfallender Dunkelheit im Garten. Jacke. Fühlt sich toll an.
Eben waren meine kindskopfgroßen roten Dahlien (schöner: Georginien) noch da, jetzt hat die Nacht sie mitgenommen. Autobahn rauscht. Monotoner Gesang der Zikaden, oder sind das hier Grillen? Grillen. Sollte man viel öfter haben…
Noch keine Sternschnuppen. Was sollte ich mir auch noch wünschen?
Klare Sicht vielleicht.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>