Vermischtes

FrauFreitag erlebt uninspirierte Tage und hat mal wieder das „Espassiertnixinteressantesgefühl“. Blödsinn!

SA 6.05 (es ist soweit, ich stehe VOR Sonnenaufgang auf…)
SU 20.58
1-2 Bft aus NO wechselnd auf O und SO

Früh nach dem Aufstehen, wenn man noch dünnhäutig rumläuft, die Schale noch nicht trocken ist und in gewisser Weise die Weichen für den Tag gestellt werden können, kam im Radio was sehr Schönes.
Das schöne Kreisler-Lied „Liebesleid“ mag einigen bekannt sein, ich kenne die Einspielung von den Comedian Harmonists. Im Radio nun haben sie gesagt,  dass Herr Rachmaninov daraus eine Klavierbearbeitung gemacht hat. Es folgte folgende Einspielung von Rachmaninov höchstselbst aus dem Jahr 1921, auf einem Klavier mit irgendwie eingebautem Aufnahmemodus (Wachsrolle??). Ich war in meiner morgendlichen Angreifbarkeit höchst ergriffen, wusste ich gar nicht, dass Herr Rachmaninov den Jazz vorweg genommen hat. Hört mal den schönen Standard:

http://youtu.be/gGmILVnE_dg

Anschließend frühmorgendlicher Feldgang mit Hund. Es ist so wunderschön, dass der einen seiner Lebensfreude-Rennanfälle bekommt, die sofort gute Laune verbreiten. Gras ist klatschnass , die Sonne funkelt schon darin. Stoppelfelder sind großteils gepflügt, so dass es noch viel herbstlicher ausschaut und vor allem riecht es – nach nasser Erde, pilzig. Immer noch eine Strohnote dabei. Und faulende Pflaumen von den wilden Bäumen am Bahndamm. Bessere Luft gibt’s eigentlich nicht. Hier jedenfalls. Kühl ists auch, man merkt endlich mal wieder die eigene Haut als Grenze zur Außenwelt. Leider ist kein Verweilen, der Lohnerwerb ruft.

Man schafft sich durch den Arbeitstag (Sommerloch wohin man blickt) -und wieder heim. (Zeitsprung…)
Da fragt mich Kind1: „Hab dein Block über den Physio gelesen. Is it serious?“
„No. It is not. Not really. I’m not talking about serious things in my Schreibblock.“ Also nur halbseriös, nicht wirklich schlimm. Keine Sorge. Es gibt viel tiefere Canyons…aber da würde einem ja schwindeln!
Einige spätsommerliche Gartenarbeiten – gerade keine reifen Brombeeren…die Kinder 2 und 3 sind mit ihrem Vater gut bei der Omi angekommen.  Alles sehr gut.
Dann aber los, zum Training und immer noch schön vorsichtig.
Hintergrund:
unser lieber Trainer E. ist im Urlaub. Seit Wochen galt seine Hauptsorge gänzlich unbegründet der Ausdefiniertheit seiner Muskulatur. Also die Jungs habens auch nicht leicht. Der is also weg und bräunt sich. Jetzt macht der Chef, O. , das Training. Der hat das früher immer gemacht, das war schon hart. O. ist ein echter Boxer, macht aber auch gern MMA. In gewisser Weise ein gefährlicher Junge. Jetzt aber auch schon nicht mehr ganz jung. Boxernase. Arme, dick wie meine Oberschenkel, aber tätowiert. Sieht eigentlich ganz cool aus. Ärger wollte ich mit dem nicht haben, hab ich aber auch nicht. Wir sind ein bisschen Freunde. Wenn wir uns sehen. Und O. hat vor paar Jahren den schönen Satz zu mir gesagt: „Schade, dass du nicht viel früher angefangen hast. Du wärst ne richtig gute Boxerin geworden.“ Mehr Lob geht, glaub ich, nicht.
FrauFreitag, the Million-Dollar Baby! Yeahyeahyeah.
Ich geh also zu O. ins Training. Und? Bin allein! Alle Kolleginnen sind entweder im Urlaub, zu faul oder haben Angst vor O. Also – gibt’s Einzeltraining! Macht er eigentlich nie, aber ein paar Runden Pratzen is ma OK, sagt er. Gut. Schön vorsichtig aufwärmen. Stehfahrrad, Liegestützen, Rumpfbeugen, Kniebeugen, Schultern, Arme, Hände…warm. Uff.
O. ruf mich IN DEN RING. Hilfe, da schauen auch immer alle zu. Na, was solls? In einen Ring zu steigen/zu klettern, finde ich immer ganz besonders, vor allem wenns ein hoher ist. Alles verändert sich, stehst du im Seilquadrat. Fokussiert. Konzentriert. No way out. Dann wird die Uhr gestellt. 5 Mal 4 Minuten. 4!?? Normal sind 3, bei den Damen oft 2…herrje.
Und los geht’s, Ring frei zur ersten Runde. Pratzentraining heißt, der Chef hat knallblaue „Handschuhe“ an, mit einem knallgelben Zielfleck in der Mitte. Da muss man draufschlagen, treffen im Idealfall. Klappt das schön, gibt es ein sattes, befriedigendes Geräusch. Buammz. Kenn man vielleicht ausm Fernsehen. Dazu sagt der Chef immer, was er will, oder man muss es an der Haltung der Pratzenhände erkennen. Klingt leichter, als es manchmal ist. Erstaunlich, dass man sich manchmal nur 2,3 Minuten wirklich konzentrieren kann, dann immer mehr Fehler macht. Das ist ein Teil der Herausforderung: Kopf.
Körper ist der andere Teil. 4 Minuten sind lang.
Und O. findet immer was. Immer. Und zurecht! E. ist immer ziemlich gnädig. Zu nett eigentlich. O. nicht. „Wo hängtn deine Linke? Wo issn deine Deckung?!“ Ich versuche, die linke Deckung zu verbessern. „Zu langsam!!“ Ich mach schneller, vergesse darüber – die linke Deckung. Zack. Hab ich eine Pratze links im Gesicht. Und wieder. Und wieder. Und wieder. Das macht mich ja schon wütend. Dadurch wird man schneller und härter. Und siehe da! Plötzlich ist, wie von Zauberhand an mein linkes Jochbein geklebt, auch die Deckung da. Man muss einfach an zu viel auf einmal denken…Es klappt, da freut sich O. und ich erstma!
Dann die Beinarbeit. Scheiße, ganz schlimm, geht gar nicht. „Ich bind dir gleich dein rechtes Bein hinten fest!!“ Wie in Million-Dollar Baby!!. (Denke seit gestern an nichts anderes als an Deckung und Beine…) Das ist der dritte Teil: man muss die Kritik verkraften…

2,3,4 Runden, uff. Ich muss mich mal abtrocknen, das ist ja unglaublich. Bin schon völlig dehydriert. Und keiner in meiner Ecke. Letzte Runde. Schaff ich auch noch, logisch. Super, mittlerweile läuft auch die Kavallerie, also der männliche Teil des Boxclubs, ein. Da haben die noch was zu lachen. Geht mir aber sonstwo vorbei. Die sollen erst mal in mein Alter kommen, dann sind die bierbäuchig und so, kennen wir alles. Pfft. Zack, rumms, bumm, peng. Läuft doch! Na, sagt der Chef, geht doch. Konzentration wird aber immer schlechter. Aufmerksamkeitsspanne eines Säuglings.
Zeit! 5 Runden O. und überlebt und nicht wirklich angebrüllt worden, der grinst sogar und ich bedanke mich herzlich. WASSER! Endorphinschub – frei! Supercool, wer braucht denn irgendwas anderes?

Hol meinen Hund ab, drehe eine Runde auf meinem Rad durch den Abend, das Blauspektrum ist unglaublich. Ich hab irgendwie Drogen im Kopf und dazu dies Licht! Dann wird noch mit Freunden ein Urlaub im Herbst in der Türkei geplant, vage, wohin… FrauFreitag hat nämlich eine Ereigniskarte gezogen: „Sie erhalten eine Steuerrückzahlung“…und das Geld muss jetzt verurlaubt werden…vielleicht in Side…? Oder hat jemand nen besseren Vorschlag?

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