Lohnerwerb ist auch keine Lösung

Unter diesen Motto steht die morgige Auftaktveranstaltung, an der zunächst zwei Kooperationspartner_innen teilnehmen. Es sollen Impulse gesammelt, Wege aus der postkapitalistischen Zwangsjacke gesucht und Stachelbeerkuchen gegessen werden.
Ziel sind unbedingt lösungsorientierte Ansätze, wie es weiter gehen könnte. So jedenfalls nicht.
Über Ergebnisse kann man sich in Kürze an dieser Stelle informieren, ggf. auch an Projekten mitwirken. Ich bin für Selbstversorger_innentum.

SA 5.58
SU 21.09
1-2 Bft aus SO

FrauFreitag lebt heute ihre HausFrauen-Seite aus. Während Kind 1 spontan sein Zimmer streicht, räume ich meine Kammer leer, putze auch unterm Bett und hinter der Komode. Dann versuche ich mich in Umstellungen. Nicht so leicht, wenn das Bett fast die ganze Kammer ausfüllt. Das Ergebnis ist ebenso unorthodox wie meine Lebensweise, mal einen Praxistest durchführen. Jetzt was die neue Möbelkonstellation angeht. Mein Leben ist ohnehin ein einziger Praxistest. Sauber ist es jedenfalls, das Zimmer. L. sagt, das sei auch Feng-Shui-technisch sinnvoll. Ich glaube auch. Und für den besseren Durchblick sogar Fenster geputzt.
Weiterhin köstlich gekocht. Hat Kochen schon immer soviel Spaß gemacht? Dann mal versucht, weiter in meinem Roman zu lesen. Merke: wer schreibt, liest kaum noch. Irgendwie nervt mich das dauernde Gekokse in dem Buch. Ich glaube zwar, das könnte vielleicht meine Probleme lösen, kann es mir aber nicht leisten. Weil ich keine Juristin bin, wie der Protagonist. Mit Koks könnte ich vielleicht das Problem der 5-8 täglich fehlenden Stunden lösen. S. Titel.
Dann spontan eine Tour de Rheinhessen gefahren, weil ich endlich den kleinen Tisch im Internet gefunden habe. Eine Schreiberin braucht wenigstens einen Schreibtisch. Und da in meinem Zweitleben auch nur sehr wenig Platz in meinem Boudoir ist, darf der nur eine bestimmte Größe haben. Heute fiel er mir nun unverhofft in den Kofferraum meines nun endgültig volljährigen Opels. Ich sage nur: TÜV neu, ohne Mängel! Und 15 €! Sehr zufrieden.
Zuhause schreite ich die Ländereien ab. Schlamperei wohin man blickt. Eigentlich wollte ich nur dies kleine Unkräutlein auszupfen, jetzt liegt plötzlich ein Berg geschnittener abgetragener Himbeerruten da, der alle Müllkapazitäten sprengt. Dafür schmecken die Brombeeren außerordentlich gut. Die mag ich am liebsten. August ist ohnehin toll.
Heut früh im Feld, ob ihr es glauben wollt oder die Augen vor Tatsachen lieber verschließt:
erstes gebrochenes Licht. Stoppelfelder und pitschnasses Gras. Der sichtbare, fühlbare Anfang vom Ende des Sommers. Und wenn ich mal vergleiche, die Weißen Nächte auf Hooge (sofortige Akutsehnsucht) …und gestern bin ich mit B. beim Abendspaziergang schon in die Dunkelheit gekommen. Macht Euch nix vor Leute, das Fest ist fast vorbei. Und ich freu mich schon auf den Herbst-auf alles, erstmal auf noch mehr Brombeeren. Und meine schönen Pullover. Stiefel! Mantelzeit! Im Bett liegt man wohlig zugedeckt. Kühle Luft rötet die Wangen. Ach, das wird wunderherrlich!
Meine Meinung-der viel gelobte Sommer ist in Wirklichkeit eine Mogelpackung. Man kann gar nicht alle s.g. Freuden nutzen, weil es schlicht zu warm ist. Außerdem stresst er, weil man immer ALLES will. Im Garten und raus und Sport und Spiel und Spaß und Biergarten und das ganze Programm. Wie ist das zu schaffen, ist man Lohnknecht?
Schluss: Der Sommer kann gern langsam gehen. Und wenn ich nächstes Mal vielleicht postfordistisch lebe, dann kann er ja wieder kommen und wir versuchen es nochmal miteinander.

2 Gedanken zu „Lohnerwerb ist auch keine Lösung“

  1. Du sprichst mir aus dem Herzen, liebe Kooperationspartnerin! Sommer werden absolut überbewertet. Eigentlich habe ich sogar Mitleid mit ihnen. Die armen Dinger, alle erwarten immer soooo viel von ihnen! „Groß“ sollen sie sein, immer schön warm, aber nicht so heiß, bitteschön, und schon gar nicht schweißfeuchtschwül. Laue Nächste soll es geben, damit der Mensch radler- und hugo-trinkend auf Terrassen, in Biergärten und an Rheinstränden sitzen kann. Dann aber soll es flugs abkühlen, damit derselbe Mensch in angenehm temperierten Schlafgemach den leichten Rausch ausschlummern kann. Ja, und regnen darf es nicht, weil s.o. Aber zu trocken sein auch nicht, da verdorren ja die Blümelein und das Gemüse auf dem Beet und die Pferde kriegen bloß noch Heu! Und dieser Unwetter immer, das geht ja gar nicht! Machen jeder Grillfete einen Strich durch die Rechnung, kosten viel Geld und mitunter sogar Leben. Wenn ich’s recht bedenke, dann ist der Sommer doch auch nur ein Kind unserer Zeit und steht kurz vor dem Burn Out. Da möchste ich ihn auf den Schoß nehmen, ihm tröstend über’s Flammhaar streichen und „schsch“ machen… Und mich heimlich auf Herrn Herbst freuen. Wieso sind eigentlich alle deutschen Jahreszeiten Männlichkeiten?

    1. Liebe Kooperationspartnerin,
      vielen Dank für diese schönen Kommentare.
      Versuchs doch mal mit Schreiben – wir können das auch gerne im Duett oder im Kanon oder als Wettlauf angehen.
      Merke: Schreiben ist auch keine Lösung. Aber es entspannt und ist gut für die Haut.
      Unter der Dusche habe ich über die Genusfrage bez. deutscher Jahreszeiten nachgedacht (frz auch alle maskulin, n’est-ce pas?). Versuch: weil sie nicht halten, was sie versprechen? Ohne das jetzt zu verallgemeinern…
      Herzliche Grüße von unten!
      ff

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