Preuszens Gloria oder Tonari no Totoro

Ein ehemaliger Mitbewohner antwortete auf meine Launen unlängst mit dem Rat, Tage zu zählen. Er schlug vor: Hochwassertage, Niedrigwassertage, Edelsteintage.

Letztere sind klar, bei den anderen weiß ich nicht so genau. Ist Hochwasser einfach nur schön? Oder steht einem da das Wasser bis zum Hals? Was ja nicht so gut ist, meines Erachtens. So fühl ich mich heute, immer noch wassertretend. Niedrigwasser? Keine Gefahr oder öde? Watt?

Es kommt immer auf die Perspektive an und ich finde, dass Sprache manchmal nicht konkret genug ist.
(Wenn ich mal kurz abschweifen darf: seit Jahrzehnten fehlen mir im Deutschen  „nachgeordnete Fälle“. Ich möchte  mal kurz und mit wenigen Worten erklären, was ich meine: „Ich sehe…“ ist noch einfach. Es folgt der Akkusativ, Wen-Fall. Wen sehe ich? Transitives Verb. „Ich sehe den Bruder…“ ok, korrekt. Aber jetzt kommts: „Ich sehe den Bruder meines Nachbarn, Totoro.“ Hier hätte ich gerne einen nachgeordneten Genitiv (wessen oder WEMSEIN-Fall, wie man hier in MZ fragt) Und zwar dem Akkusativ nachgeordnet. Ist noch irgendwer dabei? Beispiel war vielleicht nicht so toll. Wenn mir mal ein besseres einfällt, korrigiere ich an dieser Stelle.)

Also gut, ich zähle Tage, mache heimliche Strichlisten, korrigiere, radiere und habe dabei das komische Gefühl, dass meine Tage gezählt sein könnten. Mir fiel eben noch spontan die Kategorie „Beratertage“ ein, das war z.B. Dienstag. Die sind soweit ok. Stehen aber im Arbeitszusammenhang. Ferientage. Für meine Kinder ab heute 6 Wochen. Für mich am Montag. Früher hab ich mal von einen preußischen Ordnungstag gehört. Das ist, glaub ich, heute. Ich hab im Betrieb einen akuten Anfall mit Ordnern und Zetteln und To-Do (und v. A. Not-To-Do-) Listen bekommen. Lustig, wenn man es nicht gerade selbst erleben muss.

Wie komm ich eigentlich hierher? Ach ja, Aufräumanfall. Nächste Woche, so denke ich mal wieder, muss alles besser werden, anders, koordinierter, geordneter. Ich bin wohl ein bisschen zwanghaft heute.

Dabei wollte ich eigentlich eine Hommage schreiben an Vysotsky, der sich seit vorgestern wieder ungeniert in meinem Hirn ausbreitet und wie ich glaube ganz und gar nicht zwanghaft war – sonst wäre er vielleicht heute noch bei uns , über japanisches Anime-Kino (heut Abend ist der neue Miyazaki dran und ich freu mich schon)
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(hier mein Nachbar ,Totoro)

oder über Kängurus. Es gibt wirklich viele interessante Themen auf dieser Welt. Aber ich muss jetzt noch ein wenig katalogisieren, sortieren, archivieren  (ich glaube, vor allem mal meinen eigenen Kopf) und nebenbei für mich klären, ob ich das Büro verlasse um am Anleger mein Glück zu suchen…etwas Besseres als den preußischen Ordnungstag finden wir überall…

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