Hotelmorgen usw.

Arbeitseinsatz weiter nördlich.
Nach einer Nacht, die sich vor allem um die Frage „Klimaanlage an oder aus?“ drehte (> an), wacht FrauFreitag mit völlig verkrumpelten Atemwegen auf. Wahrscheinlich wäre „aus“ (und erschwitzen) die richtigere Entscheidung gewesen. Im Bad Slapstick mit mir selbst, als ich feststelle, dass ich zum 100000 Mal ein Kämmgerät vergessen habe mitzunehmen. Kind 3 lacht per SMS laut. Aber keiner hilft. Muss also so gehen, Finger und Zahbürstenstiel.

Frühstück. Hatte ich mir auch anders vorgestellt.
Man kann noch nicht raus, es füllt sich schnell und ich bekomme einen spontanklaustrophoben Anfall. Früher war ich jünger, denke ich, als ich vor allem fliehe. Egal. Ich muss ans Wasser. Sofort und pronto.
Am Rheinufer, unter sehr schönen und sehr alten Bäumen machen Senioren Frühsport zu spitzen, munteren Zahlenschreien einer asiatisch aussehenden Vorturnerin. Ich stell mir vor, ich sei in China, Tai-Qi, Park, morgens…mein Kopf denkt also „Frühsport“ und mir fällt sofort Vysotsky und sein Lied über morgendliche Gymnastik ein!

http://youtu.be/NUIuUEH4qTY

(Ich stelle diese Variante ein. Schlimm ist, dass er asynchron singt. Macht mir als Mundstarrerin das Verstehen schwer. Aber: es gibt für die Nichtrussisten hier die Übersetzung…tri tschetyre…)
Ich strahle beim Gedanken an Vasja am Tisch und das hilft mir in den Tag. Setze mich direkt ans Plinkplinkfunkel-Wasser. Aber wie schön so ein früher Morgen vor der Hitze ist! Und wo will der Rhein hin, so schnell? Eben! Also flüstere ich ihm ein paar Geheimnisse zu. Soll er mal der See weitersagen. Und warum werd ich jetzt bitte so zappelig? Die Füße wollen rein. Dürfen sie. So stehe ich direkt mit allem verbunden und warte, bis meine Zehen so schrumplig sind wie meine Atemwege. Dabei werde ich -magic!- plötzlich hydrophil und will so sehr ins Wasser wie noch nie never ever. Ich will jetzt und sofort und vor allem ohne Kostüm in die Nordsee und stelle es mir so doll vor, dass ich Gänsehaut bekomme. Man sacht ja, was man sich vorstellt, aktiviert, wenn mans nur doll genug macht, die selben Hirnareale…aber ich muss schon sagen – manches fand ich in echt doch schon mal besser als als bloßen Willen und Vorstellung. Lassen wir das.
Trotzdem erfrischt in den Arbeitstag, den ich mit nur einem albernen Anfall, einigem an Energieaufwand und 5 Fläschen Sprudel, einem Orangesaft und zwei Kaffee durchstehe. Außerdem schreibe ich permanent. Also mit.
Tagungsraum und- Klimaanlage. Krumpelschrumpelhust.
Herrliche Heimreise, pünktlich fahren wir an Vater Rhein hinunter. Warum isses da eigentlich so schön, fragen wir uns und stellen uns vor, wie es wäre, wenn nun all dies Wasser goldner Wein…

In Rheinhessen wird schnell die Badehose eingepackt und mit dem kleinen Kind die nächstgelegene Badeanstalt besucht . Ich will immer noch, obwohl mir die Augen brennen und ich mich frage, ob ich schon Fieber habe.

Eine ziemliche Enttäuschung. Chlorwasser statt Auftrieb im Salz. Scheißbadekleidung. Ich bin besseres gewöhnt. Sollte man vielleicht doch bei bloßen Vorstellungen bleiben? Ich weiß es wirklich nicht. Ich muss mich eincremen. Alles juckt.

Aber: schön wars doch, Kind ist froh und müde. Und das Rutschen hat echt richtig viel Spaß gemacht…vielleicht geh ich morgen wieder hin. Aber NUR zum Rutschen.

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