Sonnenwende

SA 8.22
SU 16.27
4 Bft aus Südwest

Frau Freitag geht spazieren. Sie hat Urlaub. Eine kräftige Frühlingsbrise zerzaust ihr die Frisur.
Es gab diverse Beschwerden. Die Leser_innen beklagen eine schlechte Blockführung. Völlig zu Recht.
Aber die Vorweihnachtszeit soll doch auch der Besinnung dienen. Und die findet eben stumm statt.

Jetzt ist Urlaub. Und die längste Nacht haben wir auch schon hinter uns.
Jetzt kann man spazierengehen im hellen grellen Sonnenschein, weht die mäßige Brise (4 Bft) den Rücken an, kann man die Jacke offen lassen und fühlt sich wie im Vormärz. Unter den Füßen klebt der Schlamm, die rheinhessische Lehmlandschaft verschmiert mich, aber diesen Preis zahle ich gern.
Weihnachtsgefühle im weitesten Sinne sucht man vergeblich. Auch das intensive Abspielen von Bing Crosby Scheiben ändert es nicht. Die Plätzchen schmecken gut, aber wie Kekse. Die Koniferen ums Dorf  duften nicht, ich weiß das, weil ich ihnen was abschneiden wollte, zwecks Heimeligermachung des armen Holzweihnachtssteckens, der von meinen Kindern abschätzig gemustert wird. Aber wenn erst rote und goldene Kugeln dran hängen…Ich möchte einfach keine Bäume mehr auf  dem Gewissen haben.
In die Post kann man nicht vordringen, auch nicht um Porto zu kaufen. Die Schlange windet sich bis weit hinein nach Dörfli. Ich beschließe spontan, die paar Weihnachtskarten zu einem späteren Zeitpunkt zu versenden. Ich lasse mir von einem Weihnachtsfest nicht mehr die nötige Kontemplation kaputtmachen.
FrauFreitag macht nicht mit. Nicht beim GeschenkeWahn, nicht beim Latenightshopping. Nicht bei Weihnachtsmarktexzessen. Nicht beim Plätzchencontest. Nicht beim Dekorationswettbewerb. Und sie hat sich auch keine festliche Kleidung für den Hlgbnd gekauft.

Ein Ergebnis meiner Besinnung war – unter anderm- dass  die Zeit ein knappes Gut ist. Wenn ich alle LebensPosten, die täglich getan werden müssen, sollten, gewollt würden usw, in einer sauberen excell-Tabelle aufliste, komme ich auf ca. 35 h täglich. Ich kann das auf Wunsch gerne erläutern.
Die 11 h täglich schenkt mir aber keiner. Zum Geburtstag gabs auch wieder keine Zeit. (Aber zum Glück auch keine Weihnachtssterne…) Was nicht ausgeführt wird sind leider oft nicht die dummen Dinge wie Steuerformulare ausfüllen, den Hausputz erledigen etc. Liegen bleibt vielmehr KONTEMPLATION. Lesen. Freundschaften pflegen. Mit Kindern (oder Erwachsenen) kuscheln. Wirkliche Geschichten schreiben. Und vieles mehr.
Die einzige Möglichkeit ist somit, die Zeit besser zu nutzen. Und also ganz vieles nicht zu tun. Dabei aber weiter Lotto spielen. Unverzagt. Dabei könnte man incl. Fahrzeiten schon 9-10 h tgl. gewinnen.

Jetzt gerade fühlt sich alles ganz richtig an. Die Sonne scheint. FrauFreitag geht spazieren und beobachtet die Krähen. Die sehen alle aus, als ob sie Karla hießen.
Kaum ist sie wieder zu Hause, beginnt ein Starkregen. Kekse und Kaffeeplörre. Und ran an die Geburtstagsbücher. Schließlich ist Vorweihnachtszeit…

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