„S ist Advent.“ (Loriot)

SA 8.08
SU 16.35
2 Bft aus Südwest
(Werte Saarbrücken)

Diese Sendung wird dem verehrten Leser_in wieder präsentiert aus Saarbrücken.
FrauFreitag versteht allmählich, warum Sarte und die Beauvoir immer in Hotels gelebt haben. Und sich gesiezt. Gegenseitig. Das ist so inspirierend.
Meine heutige Hotelkapsel ist groß genug, um sich darin umzudrehen. Auch genug Raum, eine Katze zu schwingen. Das Bad gibt FrauFreitag allerdings Rätsel auf. Ich bin ja nicht allzu umfangreich. Aber um meine Kleider zu ordnen, nachdem ich den Waschraum aufgesucht habe, muss ich die Tür öffnen, sonst Musikantenknochen. Und ich frage mich, wie andere Leute überhaupt je in die Dusche reinkommen wollen sollen. Hier wäre eine versteckte Kamera hilfreich und heiter.
Also lieber wieder raus hier, ich muss noch was essen und brauche ein Bier.
In der Innenstadt: Weihnachtsgetümmel. Ich frage mich: war das schon immer?? Ich muss MutterFreitag mal fragen. Was hat sich verändert? Das Draußen? Oder nur ich? Oder mein Empfinden? Links neben mir die Karrussells und Fressbuden, rechts das Auto von der Stadtreinigung. Ein Lärm wie im Fegefeuer. Hier ist kein Bleiben, entscheide ich und flüchte an die Berliner Promenade. Saarblick. Die Schwäne sind auch noch wach. Wieso die Berliner Promenade so heißt? Weil man hier jung ist und cool und kichernd Musike ausm Händi hört, oder als Junkie unter der Brücke wohnt.  Vielleicht. Oder vielleicht geht die von Ost nach West? Also ich bin nur wegen des Wortes hier…
FrauFreitag hat zum Glück ihre lauten Klackerschuhe an und den dunklen Lippenstift. So kann man freundlich interessierte Distanz zur Außenwelt halten und gelangt wohlbehalten in die türkische Restaurantenklave und von da, satt und mit Bier versehen, ins Hotel zurück.
Also?! Wie war das mit VorWeihnachten? Dezember? Winterzeit?

Und einmal früher in der Neustadt habe ich den ersten Schnee gesehen. Er flog zu einem Ball geformt an unser Wohnzimmerfenster im 1. Stock. Ich kannte das Material schon aus Büchern und wusste, wie es heißt. Wenn man raus wollte, musste man die kratzigen Acrylstrumpfhosen drunter haben. Gab es in Rot und Blau. Der Schritt  hing meist in Kniehöhe. Lieber hatten wir sie auf dem Kopf, um Langhaar zu simulieren. Dann hieß man Rosa oder Lila. Kratzig waren auch die regulären Kopfbedeckungen. Kratzige Pflicht. Mit Bändel unterm Kinn gehalten, also nicht ablösbar. Eine der größten körperlichen Freuden war das Kopfkratzen nach der Heimkehr an den heimatlichen Kohleofen. Und der war das Herz aller Dinge.  Davor kauern und den Glutgesichtern zuschauen. Warten, dass man alt genug sein würde, auch darin herumzustochern, auf dass alles hell auflodere. Oder zu hoffen, eines Tages diese Männerarbeit des Rüttelns versehen zu können, nicht ahnend, dass die Zentralheizung alle Pläne durchkreuzen würde.
Die Winterluft mit dem Geruch nach Steinkohle, was uns von den Bewohnern der DDR – Braunkohle – unterschied. Nur nachts kamen die in feuchtes Zeitungspapier gewickelten Bricketts zum Einsatz. Und dufteten herrlich. Mein Leben im Kohlenmonoxidrausch. Es war sehr schön. Und die Reste all der Feuden konnte man dann bei Glatteis einfach auf die Straße streuen. Wenn die Asche noch heiß war, war das ein besonders zischender Spaß. Das war ein Teil des Winters.
Sonst hatte FrauFreitag auch schon als Frollein im Dezember Geburtstag, was übel ist, wie alle wissen, die das auch haben.  Die Aufregung darob überlagerte immer die halbe Adventszeit.  Daher kommt Weihnachten für mich immer wahnsinnig überraschend, kaum dass ich mich von den Geburtstagsfesten erholt habe. Das ist unverändert.
Seit wir wissen, dass gehärtete Fette böse sind, gibt es auch dieses leckere Eiskonfekt nicht mehr, das in meiner Erinerung nur aus Palmin, Zucker und Kakao bestand.  Und Oblaten. Auch hier muss nachgefragt werden. Recherchiert und geforscht.
Also, ich muss das alles nochmal Revue passieren lassen. An Stadtreinigungsfahrzeuge und Konsumwahnsinn kann ich mich wahrscheinlich nur gerade nicht erinnern. Und habe auch gar keine Zeit, weil ich nämlich heimlich immer nur an meinen Geburtstag denken muss – wenn auch aus ganz anderen Gründen als 19soundso70. Weihnachten kommt danach. Ganz überraschend!

Ein Gedanke zu „„S ist Advent.“ (Loriot)“

  1. Geburtstag im Dezember – ganz egal ob wenige Tage VOR oder wenige Tage NACH Weihnachten das ist in der Tat übel. Und ob das übel ist. Ganz schön übel sogar.
    Aber das können nur Leidgenossinen verstehen. So wirklich.

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