SB-Tokio

SA 7.27
SU 17.03
2 Bft aus Süd
(Werte Saarbrücken)

Die heutige Sendung wird Ihnen präsentiert aus der Hauptstadt. Des kleinen südwestlichen Bundeslandes da neben Frankreich. Man sagt hier Salü und Merci. Aber anders betont.
FrauFreitag ist geschäftlich hier unterwegs. Der Herr an der Rezeption hat gerade gefragt. Aber doch privat. Also selbständig. Mal wieder so mit Rollköfferchen, dem kleinen. Sie sammelt Rechnungen und Verpflegungsbelege.
Das Hotel mit dem Namen [Stadt meiner Träume] liegt mitten in der Fußgängerzone dieser kleinen Hauptstadt. Das Badezimmer sehr chic, das Zimmerchen selbst zeigt sehr farbig, wie Farben falsch kombiniert und eingesetzt werden können. Ich lasse mal lieber das Licht aus und nutze die integrierte Laptopbeleuchtung.
Unten tobte noch vor einer Stunde der Kapitalismus in den üblichen Modeketten – jetzt kreischen nur noch vereinzelt Menschen. Direkt unter meinem Fenster ein Kinderkarussell. Ich sehe es als Gleichnis.  Zum Glück ist es jetzt ausgeschaltet und nur eine offensichtlich angetrunkene Frau meckert mit Ziegenstimme bis in mein Kuckucksnest hier im 4. Stock.
Ich war dann nochmal draußen. Man muss ja mal schauen und auch noch ein bisschen gehen. Nach der Arbeit braucht FrauFreitag Auslauf.
In einem Imbiss, vor dem sich die Menschen drängen, esse ich eine Nudel. Das Bier gibts dann nebenan. Es schmeckt scheußlich. Auf der Straße fallen mir Bettler auf, die sich als eine Art Gaukler gebärden. Sie wirken sehr mittelalterlich.  Freitagabend.
Die Menschen fliegen aus. Es ist – wiewohl schon November – warm und ich gehe mit offenem Mantel. Die Bierflasche in der Hand. Nicht ganz, wie es sich für ein Rollkofferdämchen gehört. Aber schön. Unbekannte Stadt in der ich keine_n kenne. Stolz auf das vollbrachte Tagwerk. Und nicht nur auf mein eigenes. In der Bundeshauptstadt schickt sich HerrMontag an, berühmt zu werden. Jedenfalls war er rechtzeitig fertig, um mitzumachen beim Spektakel. Der Rest geht jetzt von allein.
Wie ich so laufe mit meiner Bierflasche und sehr allein macht es „pfffffffffffffffffffffff“ und ich weiß plötzlich ganz genau, was progressive Muskelentspannung bedeutet.
Dann sitze ich wieder in meinem Nest hier oben, entrückt, und unten ist massenhaft Leuchtreklame in blau und pink und grün und ich stelle mir vor, es ist Tokio. Und es ist toll.
Und weil ich heute an der diesländischen Lottozentrale vorbeigegangen bin und da 24 MIO stand, habe ich kurzentschlossen gespielt. Und – wie ich gerade sehen muss – mal wieder keine einzige Zahl richtig. Wenn ich das richtig interpretiere, werde ich also morgen früh doch weiter arbeiten müssen. Selbst. Ständig. In Tokio. Na toll…

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