Väterchen Frost, Lagerlöf, Goethe und Fontane

SA 7.44
SU 18.40
2 Bft aus Nordnordost

 

Für R.D., A.P. und M.S.

Jetzt ist er also da. Es ging dann schnell.
Vielleicht haben die ziehenden Wildgänse ihn mitgebracht, die FrauFreitag seit Tagen mit ihren wilden Schreien den Verstand rauben. Ach, Akka,  nimm mich doch mit!
Heute früh habe ich ihn jedenfalls gesehen, mit roter Nase stand er grau im rauhreifigen Gras und grinste, während wir anderen alle die Schultern hochzogen und mit den Füßen trampelten.
Von Zeit zu Zeit seh ich den Alten gern. Man ist sofort wach und alles glitzert klar und kristallin. Man möchte sofort in die Sauna oder in den Baumarkt fahren, um überstürtzt einen Ofen zu kaufen und diesen mit oder ohne Genehmigung des Schornsteinfegers einbauen. Oder ein Lagerfeuer veranstalten, gerne auch aus vorhandenen Möbeln. Dann ein paar Kartoffeln darin rösten, darüber die Wildgänse ziehen lassen und Gott einen guten Mann sein.

Jetzt, in der kühlen Jahreszeit, muss man für Wärme sorgen.
Den Liebsten Socken und Pullover stricken. Geistige Getränke im Haus haben. Heiße Liebe im Herzen. Oder Eintopfgerichte im Bauch.
Wärmende Freundschaftsabende werden auch gerne genommen.
Gestern war so einer.
Da saßen wir, wie wir -wenn überhaupt je- so dann vor 28 Jahren zuletzt saßen. In trauter Eintracht ohne Weinseligkeit oder falsches Sentiment. Beim Biere. Fast spontan. Und ich glaube, unser Gelächter klang noch genau so, wie in der Schulbank. Echt belustigt, lauthals, manchmal mit einem leicht lästerlichen Unterton. Die Lehrer hätten uns noch immer gehasst oder geliebt, je nach Charakter.
Und all die schönen Sätze und Zitate können wir noch immer auswendig. Also ist es doch wahr. In der Schule lernen wir fürs Leben oder, wie wir Lateiner_innen sagen würden, „at schola ad vitam discimus“ oder so ähnlich (und dabei angeberisch dreinschauen).
Das wirklich schöne und faszinierende ist, wie ich finde, dass man sich durch all die Zeit wieder erkennt. Trotz Runzeln, Krähenfüßen und fehlender Haarpigmente.  Situationsbedingt musste ich an Goethe und seinen Faust denken:
„Und bleibt doch immer, was man ist!“
Der Mensch bleibt nescio essentiell.
Und alles Außenrum ist nur Tand. Gebilde von Menschenhand.
Oder?

Jedenfalls Danke für den schönen Abend!

 

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