Unter dem zunehmenden Mond

SA 7.09
SU 19.30
2 Bft aus Nordwest
(Werte Heimat)

Pauzpardauz, aber: wir waren vorbereitet!
Die Boeing rumpelt sanft auf Frankfurter Boden, kurzer Applaus brandet auf, FrauFreitag kaut stur Kaugummi und verdreht die Augen,  HerrMontag blickt zum Fenster hinaus, betont uninteressiert. Welcome back home.
Tags zuvor hatten wir noch in den sanften Wellen des Mittelmeeres geschaukelt, damit war aber spätestens am Flughafen  Schluss. Das ist schon ok. Dann lernt man auch wieder, wie die Welt geht. Läuft sich warm. Plötzlich hatten wir, also unsere Koffer, Übergewicht – 3 kg. Der ganze gute türkische Honig? Kostet soviel wie ein Besuch in einem guten Sushi-Restaurant.
Alsdann das Leben in seiner ganzen Fülle. FrauFreitag fühlt sich wie auf einem Rugbyfeld. An Frühstück ist nicht mal zu denken, es wird auch kein Lönch gereicht im Flugzeug, wir holen eben versäumte Schlafstunden nach, wenn wir nicht durch Lautsprecher angeschrien werden.
Moderne Zeiten, seufzt FrauFreitag und beschließt, sich für das I-Phone 6 S anzumelden. Gold oder Rosa. Oder doch Grau? Diese ständige Abwehr kostet auf Dauer einfach viel zu viel Energie. Im Oktober dann. Dann werde ich auch aus meiner Handfläche lesen.

Also Aufschlag in FRA – wir federn locker ab, werfen sodann alles Restgeld einem Sushi-Dealer auf den reichgedeckten Tisch und: wir bereuen nichts.  Rien de rien.

Allerhand Verwunderung. Wie? Kleider? Überall? Socken gar? Meine Füße fragen sich, was das soll, wehren sich, die Zehen zappeln wie Fischchen – ich kann es ihnen auch nicht erklären. Gewöhnt euch mal dran, das geht jetzt gut 6,7, Monate so!
16° C.
Die Bäume draußen noch grün, aber die Wipfel schon sacht vom Herbst gestreichelt, der Himmel sehr aufregend in allen Farben von Weiß über Blau zu allen Grautönen, Regen und Sonne – da ist schon was los. Um uns noch froher zu stimmen, legt er uns einen kompletten Doppelregenbogen hin, was wollen wir denn noch? OK.  Einverstanden. Willkommen, deutscher Herbst, seni seviyorum. Und jetzt bitte lächeln!

Wieder allein im Weinwunderland Rheinhessen versucht FrauFreitag sich als Rückkehrerin, auch hier ist Widerstand  zwecklos und bloße Vergeudung von Kraft und Zeit. Wird sie erwachsen?? Pffff.
Über dem ganzen Ort der Geruch nach Most, die Vollernter brausen durch die sonntäglichen Straßen, Traubensaft fließt wie Blut in die Rinnsteine, Saft klebt dunkel an meinen Naschfingern und meine Lippen sind bläulich geschminkt. Wo wochenlang nur Staub lag, ist jetzt wieder Erde, Nässe, Pfützen, die Teiche sind gut gefüllt, die Enten freuen sich und ich -ich mich auch.
Seltsam , wie sich immer, immer und immerwieder „Wirklichkeit“ in Geschichte_n, Erinnerungen und Legenden verwandelt. Wie das Leben uns in sein Netz einwickelt. Wie wir spätestens übermorgen ohne zu murren Schuhe und Strümpfe anziehen werden.
Noch klacken die Steine vom Strand in der Tasche, haben aber schon den Bezug  verloren, wir halten sie in den Händen wie Bücher oder alte Briefe, die uns viel erzählen können. Wenn wir wollen.
Der Mond nimmt wieder zu. Kein Stern weit und breit. Heute.

 

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