Patrizia und Blebea scheitern an Olympos

SA 5.38
SU 18.05
2 Bft aus Südwest
28° am Abend

Ehe FrauFreitag den Kitsch-Pullitzerpreis gewinnt, hier einige aktuelle Meldungen von der türkischen Mittelmeerküste:

Also allein die Fahrräder: keine Klingel, kein Licht, alle 5 Meter keine Luft mehr – das macht die Fahrt die Küste entlang schon aufregend genug. Besonders in der Dämmerung. Oder Dunkelheit.  HerrMontag ist zudem davon überzeugt, dass das Material seines Fahrradsattels eigentlich zur Panzerung von Mondraketen dient. Ich glaube, man nimmt alte Schildkrötenpanzer dafür her.
Und dann die dauernden Schildkrötenrettungen. Hach. Heute finden wir ein riesiges Exemplar der Gattung Griechische Landschildkröte (testudo hermanni) auf der Straße. Es stinkt entsetzlich, hat sich wahrscheinlich seit 100 Jahren nicht gewaschen,  und knurrt unwillig, als wir es von der Straße holen und neben einem toten Chameläon wieder aussetzen. Dabei nur zu seinem besten, denn gefahren wird hier wie in Berlin. An den Hinterläufen hat es -nebenbei bemerkt- die fettesten Zecken, die FrauFreitag in ihrem Erdenleben je gesehen hat. Ich erspare der Mitwelt die Bilder dazu.

Und wir sind eigentlich unterwegs, weil man im Urlaub auch mal in kültür machen muss. Nicht immerzu nur Strand und Beachvolleyball und Baywatch. Wir wollen die alten Steine der antiken Stadt Olympos anschauen.
Leser, schau hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Olympos_%28Lykien%29
Wir mussten uns auch damit begnügen, denn wir kamen nicht wirklich ans Ziel (Vorwegnahme des Endes, Stilmittel der Antizipation).
Man fährt also den ganzen Weg entlang, den wir immer entlang fahren, vorbei an vielen, vielen kleinen Pensionen und Restaurants, Zitronen- und Granatapfelhainen, hält sich hier und da zu einem kleinen Plausch oder einem kleinen Salat auf, geht mal eben rasch baden, vorbei am Gemüsehändler, der seine Ware leider immer in der prallen Sonne lagert, was nicht jeder Frucht dauerhaft gut bekommt, also speziell den Feigen nicht, und dann kommt endlich! ein trockener Flusslauf, in dem Ziegen herumstreunen und Mäh rufen, den wovon sollten sie bitteschön auch satt sein?
Den Lauf dann lang bis zum Strand runter, nur noch über die Brücke. Jetzt sind wir am anderen Ende unserer Buchtidylle angekommen. Und hier sind die Hipster versammelt, die Normbräune, alle Drogen des Universums, alles ist wahnsinnig dufte und gechillt, wie an jedem Normstrand der Welt. Wir hatten die Wirklichkeit wirklich schon vergessen.
Nur mit Mühe kann ich HerrnMontag überreden, weiter zu gehen, nicht umzukehren und aufzugeben. Die Kultur! Zugegeben: Der Ort ist phantastisch. Neben uns recken hohe Felswände in bizarrer Formation die Hälse, die Bucht ist klarblau und vorne rechts in der Mitte mündet tatsächlich ein Fluss. Und da muss es sein. Wir gehen durch die Rosenmontagsstimmung und kommen zum Eingang, also zum Anbeginn der antiken Stätte. Es wird eng.
Und enger. Und man hört, was mir sowieso dauernd schon im Ohr klingt, nur noch Russisch. Und ein wenig Deutsch, in all seinen dialektalen Ausprägungen.
Hinter uns ein Steinsarkopharg, 2000 Jahre alt, wir lehnen uns an und schauen den Massen zu, die anbranden und weiterströmen, über unsere Füße hinwegstolpern, uns an die Wand drücken – ich sehe Patrizia und Blebea, die mir heimlich (lykische) Zeichen machen, ein andermal wiederzukommen, wenn nur die Sonne und wir Zeuge sind, und man die Stimmen der Lykier hier wirklich hören könnte.
Wir treten den geordneten Rückzug an und freuen uns auf die Bilder im Internet. Schon eine tolle Erfindung…

 

2 Gedanken zu „Patrizia und Blebea scheitern an Olympos“

    1. Liebe Renate!
      Vielen Dank, das freut mich sehr. Ich bin allerdings nicht diese Frau Freitag…heiße nur auch so :-))
      Berühmt werde ich vielleicht auch noch, mal schauen, wenn ich dazu komme…
      Herzliche Grüße,
      FF

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