Unter der abnehmenden Mondsichel

SA 5.37
SU  18.08
3-4-Bft aus Südost
aktuell 36° im Schatten
(Werte Antalya)

Seit einigen Tagen erkunden FrauFreitag und HerrMontag- alias Mr McGyver- einen südlichen Orbit, erweitern ihren Horizont und ihren Wortschatz, retten Schildkröten aller Größen und Gattungen zu Wasser und zu Lande und sind vorzugsweise liegend anzutreffen.

FrauFreitag_Schildkroete_Cirali
Die türkische Mittelmeerküste hält uns in ihren warmen Armen und wiegt uns sachte durch die Tage und Nächte. Überall weht die blutrote Fahne und nachts sieht man am Himmel mehr als nur einen einzelnen Stern neben dem abnehmenden Mond. Under a milky way schaukeln wir in Hängematten und liegen auf Liegen,  umweht uns der warme Duft unbekannter Nachtblumen, ruft das Käuzchen, regnen Sternschnuppen vom Himmel und als wir sie aufhoben waren es lauter blanke Taler.
Die wir dann am nächsten Tag wieder ins Restaurant tragen können, wo unter Maulbeerbäumen getafelt wird, Katzen und Hühner unter dem Tisch unsere Beine umschmeicheln und die Mutter in der Ecke ein Gözleme nach dem anderen ausrollt, mit ruhigen und immer gleichen Bewegungen, im Gleichklang mit dem Rauschen des Meeres. Die Ewigkeit. Mit Gemüse, mit Käse oder mit Tahin. Oder mit Spinat.

Einkaufzettel schreibe ich zweisprachig. In Obst- und Gemüsewörtern bin ich schon ganz gut, Verben lasse ich bewusst weg. Unfallgefahr.

Heute liegt eine schwarze Katze HerrnMontag zu Füßen, der füllt seine Skizzenbücher mit der Welt, wie sie sein könnte, draußen auf unserer Terrasse, die man schon vormittags nicht mit bloßen Füßen betreten kann, weil sie so heiß ist, dass man sofort ein Tänzchen machen muss. Gestern war es eine getigerte und die davor trug ein Lätzchen.
Im warmen Wind bewegen sich Mobiles aus kleinen Meereshölzern, nicken die noch grünen Orangen am Baum, fallen die Oliven aus den jungen Bäumchen, und sobald es dämmert, summen hunderte Zikaden ihre Lieder um die Wette, und wenn man im Restaurant Musik anmacht, singen sie laut im Gegenrhythmus. Einen ganze Reihe junger Pappeln strebt am Rande des Gartens auf, erinnert mich kurz an zu Hause mit ihrem Gepappel, dicht gefolgt von einer Hecke mit Brombeeren, die – kein Wunder – schon als Rosinen zur Welt kamen. Indisches Blumenrohr in vielen Farben. Rote Libellen.
Die Berge, die unsere kleine Welt begrenzen, sind mit Pinien (?) bestickt, die ihre balsamischen Düfte zu uns schicken und wenn man durch die Hitze des hereinbrechenden Abends einen langen, steilen, gefährlichen und steinigen Pfad bergauf gegangen ist, findet man viele kleine Feuer, die dort seit Jahrtausenden brennen, die brennenden Steine der Lykier, gespeist von einem Gasgemisch aus dem Innern der Erde, das sich an der Luft selbst entzündet, den hereinbrechenden Abend erleuchtet und Geschichten befeuert.

Mehrfach täglich erinnert man uns rufend daran, dass Allah groß ist. Dann müssen wir uns von der Wärme ausruhen und mit jedem Tag, der vergeht, wird der Abstand zu dem was man „Realität“ nennt größer und wächst und dehnt sich aus, unüberbrückbar wie es von hier aus scheint -und in seltenen wachen Momenten fürchte ich mich vor dem harten Aufschlag, der uns spätestens am Frankfurter Flughafen erwarten wird. Wenn wieder alle klatschen…

 

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>