Was es alles gibt

SA 6.27
SU 20.32
2 Bft aus Ost

Es gibt eine blaue Matratze unter einem Dachfenster, durch das man den immer blauer werdenden Himmel sehen kann. Jetzt ist er schwarzblau.
Es gibt versprengte Gegenstände, die mir ihre alten Geschichten erzählen. Ich kenne sie und höre kaum hin.
Es gibt Schatten an den Wänden, die mir neu sind.
Es gibt wenig Licht, denn es gibt keine Lampen, schon gar nicht an der Decke. Aber es gibt eine Leiter.
Es gibt eine steile Treppe nach oben oder unten, je nachdem, wo man ist.  Sie knarrt freundlich, wenn man sie benutzt.
Es gibt Kleider, die nicht wissen, wo sie hingehören. Und es gibt Kleider, von denen ich nicht weiß, wo sie sind.
Es gibt Abendessen.
Es gibt ein Badezimmer ohne Spiegel, aber mit fließend Warm- und Kaltwasser und einem Wasserklosett.
Es gibt allerlei Tuben und Tiegel und Fläschchen, die alle in Kisten auf dem Boden stehen und sich wundern.
Es gibt eine Badewanne ohne Stöpsel und keinen Duschvorhang.
Es gibt reichlich saubere Handtücher.
Es gibt schlimmeres.
Es gibt Pflanzen auf Fensterbänken, die sich an neue Lichteinstrahlung gewöhnen werden. Und wachsen und blühen und verwelken.
Es gibt einen Keller, in den man Dinge stellen kann, von denen man gerade nicht weiß, was man damit machen soll. Und von wo man sie beim nächsten Umzug dann hochtragen muss.
Es gibt ein Zimmer mit drei Stühlen. Einer ist weiß, einer ist aus Korb und vom Sperrmüll und einer ist ein Klapp-. Man kann darauf sitzen.
Es gibt WLAN. Und ein funktionierendes Telefon, mit dem man mit der einen umgebenden Welt sprechen kann. Man kann auch angerufen werden. Es wurde schon getan.
Es gibt neue Geräusche und solche, die man schon kennt.
Es gibt blaue Flecken an den Beinen und trockene Hände vom Schmutz. Und aufgesprungene Lippen und verschwundene Lippenpflegestifte.
Es gibt Licht am Ende des Tunnels.
Es gibt zwei Postkarten, beide von der Nordsee. Eine kam heute und ist den ganzen Weg von Hallig Hooge gekommen.
Es gibt einen angefangenen Kasten Bier und andere Erfrischungen. Es gibt einen sauber ausgewaschenen Kühlschrank, der mir ganz allein gehört. (Das gab es letztmals vor 25 Jahren!)
Es gibt Sachen, die ich für Besucher bereitgestellt habe.
Es gibt eine sehr hässliche Küche, für die ich vielleicht Eintritt verlangen könnte. Für das Geld könnte ich dann eine neue kaufen.
Es gibt Pläne.
Es gibt eine wunderschöne Waschmaschine, aber noch keinen funktionierenden Anschluss für sie.
Es gibt zwei Kirchen gleich gegenüber. Eine sagt mir viertelstündlich die Zeit. Gerade sagt sie „halb“.
Es gibt einen Hof, in dem stehen einige Pflanzen, die mir gehören.
Es gibt eine neue Adresse, einen Briefkasten und blaue Fensterläden.
Es gibt noch viel zu tun und viel Zeit vor mir.

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