Aus grauer Städte Mauern

SA 6.02
SU  21.01
2 Bft aus Süd

 

…zieht FrauFreitag durch Wald und Feld.
Besser gesagt durch Reben und Stoppelfelder.

Probehalber wagt sie sich in die alte neue Heimat vor, bezieht ein Zimmer bei Freundin L., wo in gemeinsamer Sache der Hund gehütet wird.

Am Abend, nach einigen Stauungen auf den Ausfahrtsstraßen der Stadt, empfangen mich Rheinhessen und die Freundin, ich komme gleichsam in eine Wellness-Oase. Mit Landbier in der Hand sehen wir von der Terrasse einem fulminanten Sonnenuntergang zu, der Himmel jenseits des Rheins ein Feuerwerk, das speziell für die Heimkehrende abgefeuert zu werden scheint. Hier ist das Alltag – mir ist es mehr. Der Hund liegt mir zu Füßen und dahinter die ganze Welt. Es duftet nach Abend, der überraschend früh kommt – Stadtkinder verlieren allzuleicht den Überblick.

In völliger Ruhe und Abgeschiedenheit schläft FrauFreitag 4, 5 Stündchen und erwacht, weil etwas sie weckt. Jemand hat mich gerufen. Es ist bald 4 Uhr, noch liegt alles im Dunkeln. Wie erwartet scheitern die Wiedereinschlafversuche und werden gegen 5 h abgebrochen, ich grabe mich lieber in einen Roman, bis mich das Licht draußen ruft. Turnschuhe zum Arbeitskleid und hinaus. Ich muss sehen.

Im Südwesten liegt eine blass- stahlgraue Wolkendecke mit einem Stich ins Mauve. Im Osten schickt die Sonne sehr rotbunte Strahlen nach oben, dazwischen liegen die blassen, schon abgeernteten Felder und leuchten, dass man es kaum glauben mag. Die Luft ist noch nachtfeucht und riecht nach Stroh und Korn. Kühl fährt sie mir unter dem Kleid die Beine hoch. Der Sommer lehnt schon in der Tür, er hat den Rucksack bereits gepackt aber macht noch Konversation, als wären seine Gedanken nicht schon unterwegs.
FrauFreitag als Abschiedsexpertin kennt dies Gefühl zu genau, um es bei Anderen zu übersehen. Noch tut er so, 38° sollen heute kommen, aber mein Schatten liegt schon hundert Meter lang vor mir und das Licht macht mir nichts vor.
Hier also wieder der Beweis: Zuhause ist, wo man die Lichtverhältnisse kennt.
Ein jäher Anfall von Glück schüttelt mich, als ich mit dem Hundekobold an der Seite früh um 6 auf meinen alten Aussichtshügel strebe, um kurz einmal in alle 3 Richtungen zu blicken – nur nicht rückwärts…

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