#Badesee, dritter und letzter

SA 5.50
SU 21.15
stramme 4 Bft aus West

(Vorgeschichten: #Badesee 1 und 2)

Die neue Zeit erfordert vor allem Flexibilität. Sagt man.

Wir darum ab ins Badeseeland, ein letzter Blick soll auf Seen und in liebliche Gärten geworfen werden, ehe auch dort ein Umzug stattfindet. Aus eben genannten Gründen.
Wir, das sind in diesem Fall Kind2 und FrauFreitag. Am Münchner Hauptbahnhof stoßen wir zufällig noch auf HerrnMontag, der aus der Bundeshauptstadt angeschwemmt wurde, und wo er schon mal da ist, nehmen wir ihn kurzentschlossen mit.

Noch verstellen keine Umzugskartons das Panorama in die 15 jährige Vergangenheit, noch ist der Blick unverstellt und unverfälscht und wir geben das gleiche Tschechov-Stück wie zu allen Gelegenheiten.  Das sieht so aus, dass man vorwiegend auf der Terrasse sitzt, ab und an kommt Bewegung in die Szene, die Damen wandeln durch den Garten und schnuppern an Rosen, die Herren legen die Köpfe in den Nacken.  Sie rauchen Zigarren. Journale liegen aufgeschlagen. Bienen und Grillen machen Sommergeräusche. Kind2 verblüfft die Zuschauerwelt mit Kartentricks.
Die Zeit steht vordergründig still, im Hintergrund beeilt sie sich um so mehr.
Ab und an rauschen neue Vokabeln durch die Luft, Bodenbeläge und Arbeitsplatten stehen im Vordergrund, auch der Name einer traditionellen englischen Farbfirma gehört zu Liste der Wörter 2015.

Bei den gewohnten Spaziergängen gaukeln vergangene Bilder wie Schmetterlinge auf und ab, man sieht derzeitige Teenager wieder mit ihren Laufrädchen vor sich herfahren, man sieht (und hört) neue Erwachsene wieder als Teenager, man sieht sich selbst mit weniger Grau im Haar. Das laute und das leise Wasser fließen wie eh und je schnell und langsam dahin, die große Straße, die  im Hintergrund gebaut wird, brauchts eigentlich gar nicht und beim Spazieren achtet FrauFreitag darauf, ihr den Rücken zuzukehren.  Sie zerschneidet unnötigerweise mein Bild der Vergangenheit.
Im Haus sind die Zimmer bevölkert von uns allen, die wir in den letzten Jahren in unzähligen Verwandlungsstufen hier waren, es gibt neue und alte WeißtdunochGeschichten, wir verwechseln die Jahre wie alte Damen und schauen uns an und wissen, was wir denken.

Am letzten Tag wird noch ein neuer Vorhang aufgezogen und ein bislang unbekannter Badesee präsentiert, die Alpenkette lagert malerisch im Hintergrund. Im Vordergrund die Bewohner, braungebrannt und see-erprobt rollen sie tiefe gutturale Laute in ihren Kehlen, die sie stets feucht halten. Sie provozieren HerrnMontag zu einer phonetischen Gegendarstellung des Deutschen und FrauFreitag, im Vorleben Dialektologin, ist begeistert ob der Breite des Lautfächers, der um sie erschallt. Das Lokalbräu schmeckt herrlich, die Sonne scheint genau richtig stark, die Kulisse ist bühnenreif, das Wasser – für Wasser – sehr angenehm, alle sinds zufrieden und es wird beschlossen, in Zukunft einfach AUSFLÜGE hierher zu machen – schließlich sind wir flexibel. Also, ich freu mich schon.

 

 

 

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