Schulfest

SA 5.29
SU 21.34
2 Bft aus West

Als FrauFreitag am Samstagvormittag im Schulfestort aus der Eisenbahn steigt, liegt der rheinhessische Sommer wie ein Federbett über dem Städtchen. Kaum ein Geräusch außer einigen zaghaften Grillen, die sich auch nur ab und an wagen, kleine Bewegungen zu machen. Die Schattensäume entlang zur größten Schule dieses Bundeslandes, in der noch immer 2 Kinder der oben genannten ihr Dasein fristen.
Angekommen: Schulfest im Sommer und 30°, die Ruhe ist komplett verschwunden.
In drei Gebäuden und überall dazwischen wird gezeigt, verkauft, präsentiert, gegessen, musiziert, gesucht, erklärt, gefördert und vieles mehr. Immer ein Zeitsprung, eine Art Dauerzustand, alle Schulfeste der Menschheit finden meines Empfindens parallel statt, Vergangenheit stürzt in Gegenwart und die Zukunft schimmert durch.

Kind3 fühlt sich heute gar nicht so und hat dazu richtig miese Laune, die klassisch miese Laune einer 13jährigen, wenn auch mit gutem Grund. Und jetzt Samstag- im Kunstraum, Fries zur Verschönerung des Gebäudes. Allerdingst wirklich sehr hübsch, was sie da gestaltet haben.
Kind1, der Sache längst entwachsen, lotst mich souverän durch das Schulgebäudeundgängeundsälelabyrinth, wir suchen Kind2, welches an entlegenem Ort einen Film präsentiert. Als wir den Film finden, ist das Kind schon freigestellt und wir schauen uns einfach allein die dokumentierte Kettenreaktion an. Auch sehr schön. Erinnert mich voll an:
https://youtu.be/5ukEUUzeGig

Nebenan verkauft eine Lateinklasse römische Brötchen und Lorbeerkränze aus Goldpapier, Patrizia und Blebea bieten einen Kurs in römischer Frisurengestaltung an.

Ich muss plötzlich dran denken, wie ich mal auf einem Schulbazar (Weihnachten, ca. 1980) schätzungsweise 27 selbstgehäkelte Muffs mit Tierköpfen vorne drauf verkauft habe, war das ne Arbeit die zu machen! Oder die Kronkorken-Buttons mit den Miniölgemälden, immer schön die Bierverschlüsse gesammelt und monatelang mit einem Einhaarpinsel — lass mer die Ruh…Schulfeste!

Draußen bei den Schulorchestern finde ich Kind2 in seiner Peergroup. Im Sonnenschein hören wir ein bisschen zu, ich darf bei ihnen sitzen. Das ist schon umwerfend, wie die hier immer so schön und laut musizieren. Der 17jährige mit der angesagten Frisur, der zunächst zaghaft, im 2. Teil aber ganz cool  zum satten Blechsound der Bigband singt „Save the last dance for me“ haut mich aus den Schuhen.
Überall Jugend, so viel zukünftiges Leben, FrauFreitag starrt all das Heranwachsende an und fragt sich, was daraus werden wird, daneben die gemeinsam gealterten Eltern geben zarte Hinweise und waren doch selbst erst…Zeit! Größtes anzunehmendes Rätsel!
Die Flure riechen nach diversen Hormoncocktails und als 4 oder 5 Jungs im Kostüm (oder heißt das Uniform oder Turnanzug? Sporchtzeug?) einer American Football-Mannschaft vorbeigehen, Schultern so breit wie eine 5.Klässlerin lang ist, drehen sich, ich habe das GENAU beobachtet, alle Frauen um, außer ich, denn ich muss mich an der Beobachterrolle festhalten.

Kurz nachdem die Sonne den Zenit überschritten hat, habe ich das helle Gefühl, alles gesehen zu haben, sogar schon unzählige Male, auch wenn ich selbst von wenigen gesehen wurde. Ich trete den geordneten Rückzug an und laufe ausgestorbene Kleinstadtstraßen entlang, in den Gärten ab und an eine Grille, der Sommer ist sehr hoch und groß und ich tauche ein in seine Stille, das Schulfest im Rücken, bis zum nächsten Mal…

 

 

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