Argentinien – Finnland

SA 5.19
SU 21.40
1 Bft aus West

 

Man sollte mal wieder was schreiben, meint die Umwelt, meinen die Kinder, meint auch FrauFreitag. Das Problem ist aber: sie sieht gerade nichts. Entweder gibt sie den Rennhamster und treibt Turbinen mit Nagerkraft an, oder, wie z.B. dies Wochenende, sie dümpelt. Liest. Putzt. Kocht. Bügelt. Liest. Ruht. Liest. Macht Quatsch mit Kindern1, 2 und 3. Und merkt erst nach über 300 Seiten, dass sie das Buch schon mal gelesen hat, vor einigen Jahren. Gut, es ist der 2. Band einer Trilogie und ich dachte wirklich, es sei mehr die Gesamtheit, die ich erinnere, bis dann ein Handlungshöhepunkt einen Erinnerungsfetzen im Hirn aufpustet und siehe: tatsächlich.  Ich werde es trotzdem noch (-mal) zu Ende lesen. Und dann Band drei, den kenne ich wirklich noch nicht.  Und nein, das ist nicht der Anfang von Altersdemenz.

Wo also sind die poetischen Szenen des Lebens?
Sie spielen sich derzeit im Inneren ab. Abschiede spielen eine bedeutende Rolle. Fast ist schon Juli und Juli wird der letzte Monat sein, den ich hier in dieser Wohnung verbringe. Und doch: schon hat der Kopf gepackt, schon sinnt FrauFreitag stundenlang über Farbkarten und denkt über die Einrichtung einer Bibliothek in Englisch Grün nach oder die einer Küche in Provenzalisch Blau oder doch Wohnen in Nerz? Schon läuft sie durchs Draußen und freut sich, dass sie so bald wieder ein Landei sein darf.
Und fragt sich: was wird mir fehlen? Der Stand der Sonne am Abend? Das Heimkommen in die Orangerie, wie die Lebensgefährtin und ich den alten Penny-Eingang nur leicht übertrieben nennen. Das zusammen da Sitzen und ein Getränk nehmen, nachmittags nach der Arbeit, abends oder nachts, nach Reisen, die Frisur bleibt Frisur, Dreiwettertaft. Vieles wird mir nicht fehlen, das ist ja auch der Grund, mal wieder die Kisten zu packen. Vieles lässt sich jetzt aber schon besser ertragen…

Eins wird mir sicher fehlen , obwohl ich das auch auf dem Land betreibe, nur ganz anders: das „noch Mal schnell aufs Rad und mal schauen, schauen, wie das Licht ist und die Luft“, abends. Das lieben die Kinder auch und es ist wirklich herrlich an diesen langen Sommerabenden.
Weils nichts anderes gibt hier, radeln wir immer an den Rhein, da ist ein wenig Licht und Weite und Schiffe dann und wann und ein Geruch nach Rhein und ein Gedanke an Nordsee und an hallige Momente. Auch wenns da eher hallt, haha, Grill an Grill und alle sind sie da, aber wo sollten sie auch sonst sein, wir sind ja auch da, Getriebene wir alle, mit oder ohne miteinander.
Und da habe ich gestern doch was Schönes gesehen:

Vorwort:
FrauFreitag leidet an der Tango-Krankheit und eines Tages, vielleicht, lernt sie den noch. Darauf kommts jetzt wirklich auch nicht mehr an. Bislang hört sie aber nur zu.
Und gestern höre ich Tangoklänge am Rhein, neben der Promenade. Von diesen angezogen nichts wie schauen, was da los ist und siehe: es wird getanzt.
Sommerabend, Rheingeruch, Goldlicht, Tangoklang.
Manche der Damen tragen Kleid und chice Schuhe, die Herren eher blass, aber manche Paare können schon ganz gut miteinander. Sieht toll aus, wie sie alle die Füße exakt ineinander stellen und verkreuzen und nur ganz selten gehts schief. Aha. Tango Argentino!
Ein Paar verheddert sich kurz aber dafür komplett,  das gibts also auch und tut gar nicht weh. Grundstellung einnehmen, weiter gehts.
Eine Dame, eine Künstlerin, schafft es hingegen, dem Herrn das Bein verstohlen mit ihrem Fußknöchel zu reiben, soviel Zeit muss sein.
Und eine ältere Dame, also sogar älter als ich – zumindest aussehend – wickelt ihr Bein sogar rasch, als sie glaubt, dass es keiner merkt, einmal ganz um den Herrn rum, schaut aber oben ernst und abweisend. Sehr schön. Ich möchte direkt Szenenapplaus beisteuern, aber das scheint sich nicht zu gehören.  Man schaut diskret.
Kann es ein, dass die Zahl, zu der man zählen muss, 8 ist? Ganz schön weit. Und das dauernde Hin und Her, das gerade die Damen veranstalten müssen, das schaff ich sicher nicht.
Der finnsiche Tango scheint mir eine mögliche Alternative zu sein.
Den geht man ja mehr.  Geht einer mit?

 

 

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