#Tribun die Zweite

SA 5.22
SU 21.27
1 Bft aus West

Tiberius Sempronius Gracchus (* 162 v. Chr.; † 133 v. Chr.) war ein römischer Politiker, der als Volkstribun weitgehende Reformen durchsetzen wollte, jedoch am gewaltsamen Widerstand der Senatsmehrheit scheiterte und zusammen mit seinen Anhängern ermordet wurde. Mit dem Scheitern seiner Reformen begann das Zeitalter der Römischen Bürgerkriege. Nach seinem Tod wurde der aus der vornehmen plebejischen Familie der Gracchen stammende Politiker zur Symbolfigur für den Kampf gegen die Willkür der Oberschicht stilisiert.

Sagt eine bekannte Online-Enzyklopädie. Eigentlich ein typisches Politikerschicksal. Kenner der Szene würden hunderte ähnlicher Beispiele aus dem Hut zaubern können, das dürfen sie gerne in der Kommentarzeile tun. Everyday is a schoolday, wie meine Lebensgefährtin immer sagt.
Ich kannte den Politiker noch unter dem Namen „Crassus“. War zwar ein anderer, macht aber nichts. Jaja, Sprachen verändern sich eben. Ob man will oder nicht. Sonst müssten wir heute alle noch in erschlossenen indogermanischen Wörtern (*werdho) reden, und das dauernde Sternchen davor wäre doch lästig. (Witz für Linguisten…)
Auch das angeblich so tote Latein mutiert. So lernte par exemplum Kind 1 im Lateinleistungskurs (sic) ganz andere Ausspracheregeln für das Lateinische als wir, die wir auf einem einschlägigen humanistischen Gymnasium diese Sprache mit  den Mohrenkopfbrötchen aufsaugten, damals, als die Erde noch fast eine Scheibe war, jedenfalls überschaubar. Das Gymnasium, die höhere Lehranstalt, möchte ich sagen, ist ein Thema für sich und wird beschrieben werden (Futur 2), wenn ich meine Traumata im Griff habe.  Wir sprachen alle fließend Latein im Pausenhof, wandelten in Togen gehüllt und lernten unsere Geschichtsthemen.

All das ist heute anders. Tempora mutantur nos et mutamur in illis oder transit gloria mundi.
Heute sprechen nur noch Ärzte und Priester Latein, Sentenzen versteht keiner mehr. Macht ja nix. Aber die Schulaufgaben, das Lernen, das Wissen! Patrizia und Blebea sind jetzt schon bekannte und bildgewordene shooting-stars in der Szene. (Ich muss übrigens korrigieren: sie heißt ursprünglich sogar Partriza.) Und jetzt also neu  Tiberius, Volkstribun, auch Folgstribun genannt. (Vgl. FF, Patrizia und Plebea)

Irgendwann mal von dem gehört? Siehe oben. Reformen und so.
Was schreiben die findigen Kinder heute? In der sogenannten Hausaufgabenüberprüfung?
Zum Beispiel meines (3):

„Tiberius Gracchus ist ein Schriftsteller.“

Ja. Warum nicht? Könnte ja immerhin sein. Vielleicht hat er nächtens an der Olivenöllampe gesessen und Oden über seine fruchtlosen  politischen Kämpfe geschrieben, dabei laut und lateinisch seufzend. So wie FrauFreitag. Ach. Die seufzet jedoch deutsch. Guttural.

Aber es kommt noch besser. Gleiche Klasse, neuer Versuch:

„Tiberius Gracchus ist ein Fluss.“

Bitte langsam nachsprechen. Ein Fluss. Wegen Tiber, kapiert Alder? Kreischendes Gelächter. Das zieht mir echt den Stecker. So eine Kreativität! Da wäre ich doch gerne Lehrerin an der höheren Lehranstalt! Ick würd ma einpissen beim Korrigieren.
Jetzt versuchen wirs mal:
Helmut Kohl ist ein deutsches Gemüse.
Eisenstein ist eine Burg im Erzgebirge.
Rosa Luxemburg ist ein Märchenschloss von Lilifee.
Eisenhower ist ein Schmied der englischen Mythologie.
Naja.
Und so weiter.
Wenn ich nicht so müde wäre, fiele mir sicher mehr ein. Aber vielleicht ja dem geneigten Leser…

 

2 Gedanken zu „#Tribun die Zweite“

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