Alsterwasser

SA 7.09
SU 19.57 MESZ
5 Bft aus Südwest

FrauFreitag summt.  Sie summt alle Seemannslieder, die sie kennt.
Sie war in Hamburg. Freie und Hansestadt. Und das soll ihr erst mal einer nachmachen. Also der Stadt.

Wieder durchs Rheinhessische wandelnd, denkt FrauFreitag zurück und versucht, das Kippen in Hans Albers‘ Stimme zu imitieren. Und dann diese dauernde Lust auf Fischbrötchen. Und auf Scholle Finkenwerder:

Die Scholle Finkenwerder Art, auch Finkenwerder Scholle ist eine traditionelle Zubereitung für Scholle. Namensgebend für das Gericht war der Hamburger Ortsteil Finkenwerder. Für die klassische Zubereitung wird der Fisch mit einer Stippe aus fettem Speck, Zwiebeln und Nordseegarnelen gefüllt. Anschließend wird der Fisch im Ofen gebacken. Als bekannte Variante gilt die Zubereitung in der Pfanne. Dafür werden die Schollen mit magerem Speck oder Schinkenspeck zusammen gebraten. [Mit Loriots Stimme: „Unsere Scholle Finkenwerder ist ein Kabeljaufilet in Senfsauce und wird immer gerne genommen“]
Blödsinn beiseite, mein Herz klopft.
Fährt man zügig in die Stadt hinein, geht es schon los: linksseitig die Hafenkräne. Was ist es, was diesen Anblick derart erregend macht? Ist es das Wissen um das alte Tor zur Welt, lange ehe es Internet und Globalisierung gab? Verklärende Sozialromantik. Worte wie „Ladung löschen„, „Heuer“ und „Fleet„. Die Erinnerung an all die Kadetten und Matrosen. Das Doppel-L und das Y in Hapag-Lloyd. Worte wie „Amerika-Linie„, „Dock 9„, „Elbtunnel“ und „Landungsbrücken„. Jedenfalls ist man schon schwach in den Knien, wenn man nur angekommen ist.

Dieses Mal ist ganz großes Kino, denn ich wohne bei einem Seemann mit Blick auf die Davidwache. Genauer: deren Rücken. Im Epizentrum. Eines Geschehens, das bewegend surreal ist. Dabei aber ganz echt. Es fällt leichter Regen, man sieht fast gar nichts, aber dann an den #Landungsbrücken entringt sich der Brust ein Seufzer und die Lungen füllen sich mit Elbluft und Duft und man kann einfach so ein Boot besteigen, denn das ist hier Usus und es wackelt ein wenig unter einem, was ein herrlich betrunkenes Gefühl hervorruft. Volle Kraft voraus, vorbei an unzähligen Docks, Schiffe und Containern und am Wort Blohm und Voss. Ziel ist Finkenwerder. Es liegt sehr lieblich im letzten Abendlicht hinter einen Vorhang aus Feuchtigkeit. So sieht das aus:

DSCF3638

Die Siedlung selbst ist auf Ihrer linken Seite ein allerliebstes Puppenstübchen, in dem man sofort einziehen möchte. Aber wir fähren zurück. Vielleicht auch besser so, denn auf ewig in einem Puppenstübchen wohnen und immer nur mit der Fähre hin und her – das ist ja auf Dauer auch nichts. Und diese dauernden Speckschollen.
Also zurück. Hafenstraße. Steht noch.
Dann St. Pauli – bei Nacht. Laut und rot und schön und schrill und verzweifelt und grässlich. Als ich Stunden später, es dämmert schon in der Kajüte liege, höre ich die Stadt. Sie summt, sie flüstert und pocht. Ihr Herz schlägt stetig.

Der nächste Tag schenkt den Hanseaten und ihren Besuchern Sonnenschein und wir schauen uns wirklich ALLES an und es ist so herrlich. Die Vergangenheit ist noch da, die Gegenwart sehr gegenwärtig und die Zukunft schimmert sachte. Eine Stadt mit Gezeiten! Nur wenige Meter abseits des Trubels sitzen wir schließlich auf einem ANLEGER, aber wo, verrate ich nicht. Die Zeit steht kurz still und das Wasser läuft leise und glänzend auf. Die Flut kommt. Sie flutet auch mein Herz. In meinem Kopf Wolfgang Borchert – ich finde die Seite sofort, es liegt ein greiser Zettel darin:

„Hamburg!
Das ist mehr als ein Haufen Steine, Dächer, Fenster, Tapeten, Betten, Straßen, Brücken und Laternen. Das ist mehr als Fabrikschornsteine und Autogehupe – mehr als Möwengelächter, Straßenbahnschrei und das Donnern der Eisenbahnen – das ist mehr als Schiffssirenen, kreischende Kräne, Flüche und Tanzmusik – oh, das ist unendlich viel mehr.
Das ist unser Wille zu sein. […]“

Nicht weniger.
Junge, ich komm bald wieder…

Wäsche

SA 7.58
SU 17.23
3 Bft aus West

Was ist das mit der Wäsche?
Diverse Hintergrundinformationen sind nötig, um den Wäschekult zu verstehen.
Dabei ist mit Wäsche nicht die kleine Wäsche gemeint, die zarte schwarze, die man mit der Hand wäscht und auf der Heizung trocknet und die trocken sein sollte, ehe die Kinder aus der Schule kommen. Mit Wäsche ist die handfeste Wäsche gemeint, der Wäschekorb, vorzugsweise aus Korb, der auf der Hüfte zur Waschmaschine getragen wird und der nach der eigentlichen Wascherei schwerwiegend rückengerecht eng am Körper zur Wäschetrockenstelle getragen wird und die Bizeps stolz anschwellen lässt. Denn darum geht es eigentlich. Ums Wäschetrocknen. Dies wird eine Liebeserklärung ans Wäschetrocknen.
Es tun FrauFreitag alle Menschen leid, die ihre Wäsche immer in einen Trockner stecken, denn sie bringen sich selbst um so viele Vergnügen.
Ich sprach vor längerer Zeit schon davon, vom gemeinsamen Wäschetrockenkult der FrauFreitag und ihrer Badeseefreundin. Wäscheaufhängen und Zähneputzen. Das tun wir am liebsten zusammen.
Nun begab es sich aber, dass FrauFreitag das Jahr mit einem langen Schweigen begann, welches gut begründet war, aber auch unbefriedigend. Und kein Thema schien eines zu sein. Bis die Badeseenfreundin sprach: „Ich habe unsere gemeinsame Hymne gefunden.“ Und sie zeigte sie mir und in mir brach ein Sturm los, der alle Wäsche von der Leine riss und in einer großen schönen Bewegung in den Himmel hob.
Wäsche.
Welch geistreiches Libretto! Welche Wahrheit! Welche Flut von Erinnerungen!
Und man muss wissen, dass OmaFreitag eine schöne Münchnerin war und das Bairische (ja: Bayern, aber das Bairische [Sprache]) mir deswegen lieblich vertraut und omalich warm in den Ohren streichelt, wenn auch HerrMontag seine edlen preußischen Augenbrauen verächtlich hochziehen mag.
Das also als Vorrede.

Vielleicht hat meine Mutter mich in den ersten Frühlingstagen meines ersten Frühlings schon in einem Wäschekörbchen zart gebettet und unter blühenden Bäumen mit einem mehr gehauchten als gesungenen Liedchen eingelullt, ich erinnere es nicht. Aber es braucht nicht vielmehr als einen Großwaschtag, eine Draußenleine welcher Art auch immer, ein lindes Lüftchen und reichlich Klammern, um mir wirklich gute Laune zu bereiten und zwar nachhaltig.
Die erste Leine, an die ich mich gut erinnere, war mittels eines ausgeklügelten Rollensystems vom Fenster unserer Küche (1. Stock rechts Altbau) zum gegenüber liegenden Balkon (1. Stock links) gespannt. Die Metall- äää-dinger, die die über zwei Rollen laufende Leine verbanden, waren mir Schiffe, die man hin und her fahren lassen konnte. Dabei konnte man, wenn man unbeobachtet war, sogar starken Seegang simulieren, indem man ordentlich an den Leinen ruckte. (Ich muss feststellen, wenn man „Verbindung Wäscheleinen“ googelt, findet man nicht, was man sucht. Sollte es diese schlauen „Schiffe“ wirklich nicht mehr geben? Oder was lehrt es uns über google?)
All das war wahnsinnig aufregend, galt es doch, bei all den Freuden nicht aus dem Fenster zu stürzen. Und man konnte der Mutter die Klammern angeben. Welche selbstredend Krokodile waren und gefährlich. Man konnte Klammern aneinanderklammern und so fast endlose Schnüre produzieren. Und es gab BÄRENKLAMMERN. In orange, pastellgrün, vanille und gelb. Und vielleicht auch anders. So sahen die aus und waren so feierlich und besonders und auch wäscheschonend, dass ich sie der Mutter nur für Lieblingskleidung anreichte:
Sodann flatterte die Wäsche aufs Traulichste zwischen dem Küchenfenster und dem Balkon der Nachbarin und trocknete in Sonne, Wind und Licht. Und FrolleinFreitag saß da und schaute zu und passte auf und fiel auch nicht aus dem Fenster. Wenn aber der Sommer sehr warm und schwül war, dann nahm die Mutter den Wäschesprenger (es waren die Zeiten vor der Dampfbügelstation – ein Wäschesprenger war eine Flasche aus Plastik mit einen gelochten Aufsatz,  mit dem man störrische Trockenwäsche vor dem Bügeln mit Wasser benetzte, lässig faltete, in den Korb warf, wartete und diese dann, wenn sie wieder nachgiebig geworden,  mit leichter Hand bügeln konnte . UND ES GING BESSER ALS MIT JEDER DAMPFBÜGELSTATION!)
Also mit diesem Wäschesprenger wurde die steinerne Fensterbank nass gemacht und es erhob sich der schönste Duft der Welt: verdampfender Sommerregen auf warmem Stein. Und meine Mutter war zu der Zeit eine rechte Zauberin, da sie solche Dinge vollbringen konnte.
Das war Wäscheleine die erste.
Es folgte: die Wäschespinne.
In dieser Ära konnte man im Garten stehen, ein Element das erst jetzt dazukam und das Glück komplettierte, und man konnte beobachten, wie man wuchs und im nächsten Jahr schon eine Etage höher Wäsche aufhängen konnte. Und man konnte darunter liegen und dem Geflatter zuschauen – bunte 70er Jahre und viel Frottee. Nicht mehr so voll kindlicher Poesie, aber immer noch schön.

Irgendwann der erste eigene Balkon, jetzt wieder urban und Hinterhof. Ein paar Reihen jenseits der Balkonbrüstung. Weniger Geflatter, da Studentinnenhaushalt. Aber das Eigene!

Erst mit der eigenen Familie und deren Ausbau und Wachstum wuchs die Wäsche zur Obsession. Es war viel.  Es gab lange Leinen.  Erst wieder zwischen Balkon und Scheune, dann auch im Garten. Und beides war großartig.
Man konnte HINAUS gehen. Da war Luft und manchmal Sonne und meist Licht. Man konnte die Symphonie komponieren – erst die Hosen, dann die Hemden, dann die Windeln. Oder nach Größen. Oder nach Farben. Oder Personen. Oder ganz wild durcheinander. Und die Kinder reichten die Klammern an, die natürlich Krokodile waren und gefährlich und es roch nach frischer Wäsche, die nass anders riecht als trocken und vor allem nach Luft und das ist gar kein Vergleich! Und wenn alles flatterte, konnte man mit der Gießkanne den heißen Hof nass machen und es roch herrlich wie Sommerregen und das war echte Zauberei.
Das geübte Auge erkennt natürlich, wenn die Wäsche trocken ist. Das, liebe Trocknerbenutzer_innen, sieht man an der Art des Geflatters. Aber das hindert keinen, ab und an mal HINAUS zu gehen, und zu FÜHLEN. Ob oder wie lange noch. Oder das Wetter im Auge zu behalten, mit dem man manche Wette abgeschlossen hatte. „Wetten, dass ich diese Maschine noch trocken bekomme, ehe es gewittern wird?“
Wenn ich mir mal was wünschen darf, dann eine schöne Wäscheleine, gerne vor schönem Hintergrund.
Die schönste Leine meines Lebens war nebenbei bemerkt auf Hallig Hooge auf der Hanswarft (remember #webcam), unvergessen meine roten T-Shirts vor dem grünen Gras und der Nordsee weiter hinten. Und was für ein Wind!

Und jetzt hören wir alle nochmal den bayrischen Burschen und unserer Hymne zu!

Die Stadt und der Erdkreis

SA 8.17
SU 16.01
3 Bft aus Südost
(Werte Berlin, Berlin)

Und zackbumm ist Sylvester.
Hier in Berlin böllern sie (wer genau?  ich sollte besser „man“ sagen oder mich in die unpersönliche Form des Passiv flüchten) – also nochma von vorne
Hier in Berlin wird schon seit minimum zwei Tagen rumgeböllert, Frequenz ansteigend. Da fühlt man die Party direkt nahen.
FrauFreitag gerät unverhofft ins Epizentrum der Republik. Und das kam so:
Die Sonne scheint und eigentlich wollte ich mal raus und durch die Stadt schwimmen, schließlich bin ich hier Gasttouristin, quasi.
Außerdem ist HerrSeemann in der Stadt und verkauft Bier am Brandenburger Tor. FrauFreitag, die ja vom Land kommt, denkt sich, sie geht da mal schnell hin. Spaziergang am Arm von HerrnMontag, Jahresrückblick im Tiergarten, Berliner Graublau als Hintergrund.
Jedoch muss man feststellen, nein, muss SIE feststellen, der Tiergarten ist weiträumig umgezäunt. 13 km Zaun hegen den arglosen Park ein.  Ist sicher wegen der Tiere, denke ich mir, damit die nicht von den Touristen und so weggeböllert werden, nachher.
Es wird somit für uns immer schwieriger, zum Tor der Republik durchzudringen, wir müssen die große Außenrunde nehmen und kommen dann an ein Nadelöhr. Davor stehen lauter Reiche und Kamele.  Quatsch.
Davor stellt sich der ordungsbewusste Bürger an. Rucksäcke, Messer, Koffer, Bomben, Alkohol, Pflastersteine und Boxhandschuhe darf man nicht mit in die Festmeile nehmen. Also bleibt HerrMontag, der natürlich all das dabei hat, schon mal draußen. FrauFreitag ist aber nicht 13 km am Zaun langgelaufen, um jetzt, in letzter Minute, aufzugeben. Also stelle ich mich fügsam an und schaue, wie das nowadays mit den Freiheitsrechten so ist.

Zuerst (Schleuse 1) wird unterschieden in MIT und OHNE Rucksack. Bzw. Handtaschen. Dann (Schleuse 2) wird unterschieden in bürgerliche Kategorien: männlich und weiblich.  MIT und OHNE.
Es gibt 2 Reihen männlich und eine Reihe weiblich. Das checkt schon mal keine_r. Und dann wird man abgefühlt. Hände hoch, Beine auseinander. FrauFreitag schafft es nicht, sich von den gutgebauten Securitydumpfbacken abfummeln zu lassen, brüsk wird in die Frauenriege zurückgeschickt und darf dann irgendwann rein. In die Festmeile.
Aufatmen. Ich bin in Sicherheit. Endlich keine Rucksäcke und Handtaschen mehr um mich rum. Somit frei und beschwingt dränge ich mich durch das nachmittäglich dichter werdene Gewühl, nur um hier zu sein. Und suche FreundSeemann. Und da isser auch! Auch in Sicherheit. Und macht die Leute betrunken. Genau vor der grooooßen Bühne, die im Rampenlicht deutscher Aufmerksamkeit steht, heute Abend und Nacht, von wo das Neue Jahr ausgerufen werden wird und ich steh auch gleich da vorne links. Was für ein Abenteuer! Und so unverhofft! (PS: sogar der rbb berichtet gerade darüber.)

Aber dann muss FrauFreitag wieder raus aus der größten Comfortzone der BRD. Am Arm von HerrnMontag wandelt sie durch Berliner Mauvegrau zurück in den 5. Stock, umgeben von Unsicherheit aller Art.
Aber die Entschädigung folgt auf dem Fuße und ist überwältigend.
Denn durch die Zeitverschiebung ist jetzt schon um 19 h auf dem Sommergartenplatz unten Feuerwerk, und die Raketen verblinkern alle haargenau hier vor unseren Fenstern und das ist das schönste Sylvester ever. Ich bin auf 0.00 h gespannt!
An dieser Stelle bleibt FrauFreitag nichts, als allen ein prächtiges Neues Jahr zu wünschen. Mit mehr Lametta, Sylvesterraketen, Konfetti und Punsch.
Ich schau einfach aus dem Fenster.

Sonnenwende

SA 8.22
SU 16.27
4 Bft aus Südwest

Frau Freitag geht spazieren. Sie hat Urlaub. Eine kräftige Frühlingsbrise zerzaust ihr die Frisur.
Es gab diverse Beschwerden. Die Leser_innen beklagen eine schlechte Blockführung. Völlig zu Recht.
Aber die Vorweihnachtszeit soll doch auch der Besinnung dienen. Und die findet eben stumm statt.

Jetzt ist Urlaub. Und die längste Nacht haben wir auch schon hinter uns.
Jetzt kann man spazierengehen im hellen grellen Sonnenschein, weht die mäßige Brise (4 Bft) den Rücken an, kann man die Jacke offen lassen und fühlt sich wie im Vormärz. Unter den Füßen klebt der Schlamm, die rheinhessische Lehmlandschaft verschmiert mich, aber diesen Preis zahle ich gern.
Weihnachtsgefühle im weitesten Sinne sucht man vergeblich. Auch das intensive Abspielen von Bing Crosby Scheiben ändert es nicht. Die Plätzchen schmecken gut, aber wie Kekse. Die Koniferen ums Dorf  duften nicht, ich weiß das, weil ich ihnen was abschneiden wollte, zwecks Heimeligermachung des armen Holzweihnachtssteckens, der von meinen Kindern abschätzig gemustert wird. Aber wenn erst rote und goldene Kugeln dran hängen…Ich möchte einfach keine Bäume mehr auf  dem Gewissen haben.
In die Post kann man nicht vordringen, auch nicht um Porto zu kaufen. Die Schlange windet sich bis weit hinein nach Dörfli. Ich beschließe spontan, die paar Weihnachtskarten zu einem späteren Zeitpunkt zu versenden. Ich lasse mir von einem Weihnachtsfest nicht mehr die nötige Kontemplation kaputtmachen.
FrauFreitag macht nicht mit. Nicht beim GeschenkeWahn, nicht beim Latenightshopping. Nicht bei Weihnachtsmarktexzessen. Nicht beim Plätzchencontest. Nicht beim Dekorationswettbewerb. Und sie hat sich auch keine festliche Kleidung für den Hlgbnd gekauft.

Ein Ergebnis meiner Besinnung war – unter anderm- dass  die Zeit ein knappes Gut ist. Wenn ich alle LebensPosten, die täglich getan werden müssen, sollten, gewollt würden usw, in einer sauberen excell-Tabelle aufliste, komme ich auf ca. 35 h täglich. Ich kann das auf Wunsch gerne erläutern.
Die 11 h täglich schenkt mir aber keiner. Zum Geburtstag gabs auch wieder keine Zeit. (Aber zum Glück auch keine Weihnachtssterne…) Was nicht ausgeführt wird sind leider oft nicht die dummen Dinge wie Steuerformulare ausfüllen, den Hausputz erledigen etc. Liegen bleibt vielmehr KONTEMPLATION. Lesen. Freundschaften pflegen. Mit Kindern (oder Erwachsenen) kuscheln. Wirkliche Geschichten schreiben. Und vieles mehr.
Die einzige Möglichkeit ist somit, die Zeit besser zu nutzen. Und also ganz vieles nicht zu tun. Dabei aber weiter Lotto spielen. Unverzagt. Dabei könnte man incl. Fahrzeiten schon 9-10 h tgl. gewinnen.

Jetzt gerade fühlt sich alles ganz richtig an. Die Sonne scheint. FrauFreitag geht spazieren und beobachtet die Krähen. Die sehen alle aus, als ob sie Karla hießen.
Kaum ist sie wieder zu Hause, beginnt ein Starkregen. Kekse und Kaffeeplörre. Und ran an die Geburtstagsbücher. Schließlich ist Vorweihnachtszeit…

„S ist Advent.“ (Loriot)

SA 8.08
SU 16.35
2 Bft aus Südwest
(Werte Saarbrücken)

Diese Sendung wird dem verehrten Leser_in wieder präsentiert aus Saarbrücken.
FrauFreitag versteht allmählich, warum Sarte und die Beauvoir immer in Hotels gelebt haben. Und sich gesiezt. Gegenseitig. Das ist so inspirierend.
Meine heutige Hotelkapsel ist groß genug, um sich darin umzudrehen. Auch genug Raum, eine Katze zu schwingen. Das Bad gibt FrauFreitag allerdings Rätsel auf. Ich bin ja nicht allzu umfangreich. Aber um meine Kleider zu ordnen, nachdem ich den Waschraum aufgesucht habe, muss ich die Tür öffnen, sonst Musikantenknochen. Und ich frage mich, wie andere Leute überhaupt je in die Dusche reinkommen wollen sollen. Hier wäre eine versteckte Kamera hilfreich und heiter.
Also lieber wieder raus hier, ich muss noch was essen und brauche ein Bier.
In der Innenstadt: Weihnachtsgetümmel. Ich frage mich: war das schon immer?? Ich muss MutterFreitag mal fragen. Was hat sich verändert? Das Draußen? Oder nur ich? Oder mein Empfinden? Links neben mir die Karrussells und Fressbuden, rechts das Auto von der Stadtreinigung. Ein Lärm wie im Fegefeuer. Hier ist kein Bleiben, entscheide ich und flüchte an die Berliner Promenade. Saarblick. Die Schwäne sind auch noch wach. Wieso die Berliner Promenade so heißt? Weil man hier jung ist und cool und kichernd Musike ausm Händi hört, oder als Junkie unter der Brücke wohnt.  Vielleicht. Oder vielleicht geht die von Ost nach West? Also ich bin nur wegen des Wortes hier…
FrauFreitag hat zum Glück ihre lauten Klackerschuhe an und den dunklen Lippenstift. So kann man freundlich interessierte Distanz zur Außenwelt halten und gelangt wohlbehalten in die türkische Restaurantenklave und von da, satt und mit Bier versehen, ins Hotel zurück.
Also?! Wie war das mit VorWeihnachten? Dezember? Winterzeit?

Und einmal früher in der Neustadt habe ich den ersten Schnee gesehen. Er flog zu einem Ball geformt an unser Wohnzimmerfenster im 1. Stock. Ich kannte das Material schon aus Büchern und wusste, wie es heißt. Wenn man raus wollte, musste man die kratzigen Acrylstrumpfhosen drunter haben. Gab es in Rot und Blau. Der Schritt  hing meist in Kniehöhe. Lieber hatten wir sie auf dem Kopf, um Langhaar zu simulieren. Dann hieß man Rosa oder Lila. Kratzig waren auch die regulären Kopfbedeckungen. Kratzige Pflicht. Mit Bändel unterm Kinn gehalten, also nicht ablösbar. Eine der größten körperlichen Freuden war das Kopfkratzen nach der Heimkehr an den heimatlichen Kohleofen. Und der war das Herz aller Dinge.  Davor kauern und den Glutgesichtern zuschauen. Warten, dass man alt genug sein würde, auch darin herumzustochern, auf dass alles hell auflodere. Oder zu hoffen, eines Tages diese Männerarbeit des Rüttelns versehen zu können, nicht ahnend, dass die Zentralheizung alle Pläne durchkreuzen würde.
Die Winterluft mit dem Geruch nach Steinkohle, was uns von den Bewohnern der DDR – Braunkohle – unterschied. Nur nachts kamen die in feuchtes Zeitungspapier gewickelten Bricketts zum Einsatz. Und dufteten herrlich. Mein Leben im Kohlenmonoxidrausch. Es war sehr schön. Und die Reste all der Feuden konnte man dann bei Glatteis einfach auf die Straße streuen. Wenn die Asche noch heiß war, war das ein besonders zischender Spaß. Das war ein Teil des Winters.
Sonst hatte FrauFreitag auch schon als Frollein im Dezember Geburtstag, was übel ist, wie alle wissen, die das auch haben.  Die Aufregung darob überlagerte immer die halbe Adventszeit.  Daher kommt Weihnachten für mich immer wahnsinnig überraschend, kaum dass ich mich von den Geburtstagsfesten erholt habe. Das ist unverändert.
Seit wir wissen, dass gehärtete Fette böse sind, gibt es auch dieses leckere Eiskonfekt nicht mehr, das in meiner Erinerung nur aus Palmin, Zucker und Kakao bestand.  Und Oblaten. Auch hier muss nachgefragt werden. Recherchiert und geforscht.
Also, ich muss das alles nochmal Revue passieren lassen. An Stadtreinigungsfahrzeuge und Konsumwahnsinn kann ich mich wahrscheinlich nur gerade nicht erinnern. Und habe auch gar keine Zeit, weil ich nämlich heimlich immer nur an meinen Geburtstag denken muss – wenn auch aus ganz anderen Gründen als 19soundso70. Weihnachten kommt danach. Ganz überraschend!

Ende November

SA 8.00
SU 16.29
4 Bft aus Südwest

Eigentlich sah der Tag mehr nach Andreas Gryphius aus. Schien mir aber dann doch etwas stark:

Menschliches Elende

Was sind wir Menschen doch! Ein Wohnhaus grimmer Schmerzen.
Ein Ball des falschen Glücks, ein Irrlicht dieser Zeit,
Ein Schauplatz herber Angst, besetzt mit scharfem Leid.
Ein bald verschmelzter Schnee und abgebrannte Kerzen.

Dies Leben fleucht davon wie ein Geschwätz und Scherzen.
Die vor uns abgelegt des schwachen Leibes Kleid
Und in das Totenbuch der großen Sterblichkeit
Längst eingeschrieben sind, sind uns aus Sinn und Herzen.

Gleich wie ein eitel Traum leicht aus der Acht hinfällt
Und wie ein Strom verscheußt, den keine Macht aufhält,
So muß auch unser Nam, Lob, Ehr und Ruhm verschwinden.

Was itzund Atem holt, muß mit der Luft entfliehn;
Was nach uns kommen wird, wird uns in Grab nachziehn.
Was sag ich? wir vergehn, wie Rauch von starken Winden.

(1637)

Aber dann schlägt der Wind um. Mit Kind1 hört FrauFreitag erst alle swingenden Weihnachtslieder, die wir kennen und dann Kakkmaddafakka. Dazu spielen zwei echte Champions Stadt, Land, Fluss, Berliner U/S-BahnStation, Krankheit, Schimpfwort. Der ältere Champion siegt gegen den Herausforderer dank Viktoria-Luise Platz und Prinzenstraße. Der Hund betet mich an. Das Leben hat eben doch zwei Seiten…und man soll den Tag nie vor dem Abend loben.
Vielleicht schreibt FrauFreitag auch mal wieder Geschichten. Wenn sie neben dem Glücksspiel Zeit findet.

SB-Tokio

SA 7.27
SU 17.03
2 Bft aus Süd
(Werte Saarbrücken)

Die heutige Sendung wird Ihnen präsentiert aus der Hauptstadt. Des kleinen südwestlichen Bundeslandes da neben Frankreich. Man sagt hier Salü und Merci. Aber anders betont.
FrauFreitag ist geschäftlich hier unterwegs. Der Herr an der Rezeption hat gerade gefragt. Aber doch privat. Also selbständig. Mal wieder so mit Rollköfferchen, dem kleinen. Sie sammelt Rechnungen und Verpflegungsbelege.
Das Hotel mit dem Namen [Stadt meiner Träume] liegt mitten in der Fußgängerzone dieser kleinen Hauptstadt. Das Badezimmer sehr chic, das Zimmerchen selbst zeigt sehr farbig, wie Farben falsch kombiniert und eingesetzt werden können. Ich lasse mal lieber das Licht aus und nutze die integrierte Laptopbeleuchtung.
Unten tobte noch vor einer Stunde der Kapitalismus in den üblichen Modeketten – jetzt kreischen nur noch vereinzelt Menschen. Direkt unter meinem Fenster ein Kinderkarussell. Ich sehe es als Gleichnis.  Zum Glück ist es jetzt ausgeschaltet und nur eine offensichtlich angetrunkene Frau meckert mit Ziegenstimme bis in mein Kuckucksnest hier im 4. Stock.
Ich war dann nochmal draußen. Man muss ja mal schauen und auch noch ein bisschen gehen. Nach der Arbeit braucht FrauFreitag Auslauf.
In einem Imbiss, vor dem sich die Menschen drängen, esse ich eine Nudel. Das Bier gibts dann nebenan. Es schmeckt scheußlich. Auf der Straße fallen mir Bettler auf, die sich als eine Art Gaukler gebärden. Sie wirken sehr mittelalterlich.  Freitagabend.
Die Menschen fliegen aus. Es ist – wiewohl schon November – warm und ich gehe mit offenem Mantel. Die Bierflasche in der Hand. Nicht ganz, wie es sich für ein Rollkofferdämchen gehört. Aber schön. Unbekannte Stadt in der ich keine_n kenne. Stolz auf das vollbrachte Tagwerk. Und nicht nur auf mein eigenes. In der Bundeshauptstadt schickt sich HerrMontag an, berühmt zu werden. Jedenfalls war er rechtzeitig fertig, um mitzumachen beim Spektakel. Der Rest geht jetzt von allein.
Wie ich so laufe mit meiner Bierflasche und sehr allein macht es „pfffffffffffffffffffffff“ und ich weiß plötzlich ganz genau, was progressive Muskelentspannung bedeutet.
Dann sitze ich wieder in meinem Nest hier oben, entrückt, und unten ist massenhaft Leuchtreklame in blau und pink und grün und ich stelle mir vor, es ist Tokio. Und es ist toll.
Und weil ich heute an der diesländischen Lottozentrale vorbeigegangen bin und da 24 MIO stand, habe ich kurzentschlossen gespielt. Und – wie ich gerade sehen muss – mal wieder keine einzige Zahl richtig. Wenn ich das richtig interpretiere, werde ich also morgen früh doch weiter arbeiten müssen. Selbst. Ständig. In Tokio. Na toll…

Perspektivwechsel

SA 7.14
SU 17.06
1 Bft aus Nordost

FrauFreitag hat Berlin rechts oben liegen lassen und ist auf ihr Landgut zurückgekehrt, dort nach dem Rechten zu sehen.
Weil man auch am Wochenende nicht den GANZEN Tag auf PowerPointPräsentationen starren kann oder will (auch wenn man soll), zieht sie ihre englischen Landlady-Sachen an und sprengt über die Felder. Wer nun glaubt, das sei vergleichsweise öde, der irrt.
Eine Hochnebeldecke deckt uns zu. Sie hält relativ warm und das Licht bleibt ganztags diffus. Das beugt Faltenbildung um die Augen vor.
Umso stärker fallen im Dauerdämmer all die Herbstfarben auf, die man überüberüberall sieht. Das hätte ich gerne mal erklärt, von jemandem, der mir dieses Phänomen erklären kann. Physiker oder so. Wieso ist das so?
FrauFreitag findet, jetzt ist die spannendste Jahreszeit. Sommer und Winter haben immer etwas statisches, sie sind die langen geraden Seiten des Jahreszeitensportplatzes. Man beißt sich durch. Zu warm oder zu kalt. Und immer mit einem Hauch Unendlichkeit.
Im Frühling und Herbst ist ständig was los. Wer nicht aufpasst, verpasst alles. Das sind die Kurven, in denen sich die Richtung ändert.

Weil sie selbst ihrer Scholle beraubt ist, strolcht FrauFreitag zuerst durch die Schrebergartenanlage. Dort berauscht sie sich am Geräusch fremder Blätterbesen. Überall wird gepflügt bzw. umgegraben, je nach Gartengröße und Ausstattung. Der Geruch von Laub und feuchter Erde – man möchte darin baden. Gibts das auch als Parfüm?
Alle sind fleißig und tun die Herbstarbeiten, die dran sind. Ausgraben, verpacken, Blumenzwiebeln eingraben, tschüss, bis zum Frühling, dann sehen wir uns wieder.
Braves Volk, denkt die Landadlige und reitet weiter.
Ihr Ziel: die Laufenten, die da vorne gehalten werden. Nichts, aber auch gar nichts, hilft verlässlicher gegen Griesgrämigkeit als ein Rudel Laufenten. Einst hatte ich selbst ein Pärchen…wer sie nicht kennt, schaut hier: (Das Menschen-Gerede bitte überhören. Nur dem Geschnatter lauschen.)

Kurz überlege ich, sie mit in mein Hexenhaus zu locken und ihnen dort im Salon einen Laufstall mit Schnecken einzurichten. Ihr frohes Gequak, wenn man nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt…die reinste Wonne.
Somit erheitert setzte ich meinen Weg fort, und prüfe, wie es den Pferden geht. Sie stehen malerisch in der Landschaft und wenden ihre Köpfe nach mir um. Recht so. Wir nicken uns zu.
Und die Schafe? Wollig. Gemütlich. Etwas dumm, aber nett. Auch die Heidschnucken stehen schmuck da in ihrem Pelz. Wir starren uns an. Hornträger. Bovidae.

Alles zum Besten auf den Ländereien. Ich finde noch ein paar Walnüsse und sehe, wie sich in der Ferne Vogelschwärme sammeln. Morgen ist November. Menschen habe ich keine getroffen. Alle waren in ihren Gärten hinter Hecken oder Mauern oder Wällen verborgen. Ist schon ganz anders als im Doppeldeckerbus in der Hauptstadt. Kaum zu glauben, dass es beides gibt.
Aber, und das ist ganz wichtig, man muss immer mal die Perspektive wechseln. Um dann wieder auf den Bildschirm zu starren…wenn mir langweilig wird, quake ich leise.

Schwindelerregend

SA 7.51
SU 17.49
2 Bft aus Ost

Und dann kommen allerhand sozial erfüllte Tage.
Faszinierend, dass man Freunde, Römer und Mitbürger von überallher manchmal leichter in der Bundeshauptstadt treffen kann, als anderswo.
FrauFreitag denkt an Nina Hagen und geht zuerst aufm Bahnhof Zoo ins Damenklo. O tempora, o mores, auch hier SANIFAIR, alles hygienisch rein. Der Eintritt für diese Enttäuschung immerhin ein €, das sind beinahe 2 Mark, also 4 Ostmark….ich weiß, was Sie jetzt denken…
Ich lasse mir von verschiedenen Genossinnen und Genossen ihre spezielle Seite der Stadt zeigen und finde alle spannend, außer das Arschloch aufm Antikmarkt, von dem ich mir doch tatsächlich sagen lassen muss, ich solle mich gefälligst verpissen. (sic. Entschuldigung. Ich bekam keine, obwohl ich danach verlangte. Leider war ich zu perplex, meine Sekundanten oder Tertianten vorbeizuschicken und um Satisfaktion zu bitten. Was ich rückblickend schade finde.)
Ein rauher Umgangston auf den Straßen, Hochspannung im Doppeldeckerbus oben vorne – schafft er die Kurve/den Radfahrer/den Kinderwagen? Phhhh, nochmal gutgegangen…
Mein schönstes Ferienerlebnis aber die echte Ohnmacht auf einem Musikkonzert in der Columbiahalle, die mir wirklich gut gefällt. Ob ich umgefallen bin, weil Rick McPhail so eine starke Anziehung auf mich ausgeübt hat oder ob es nur an Licht (Stroboskop) und Luft (keine) lag – wer kann es ergründen? Mir eindrücklich in Erinnerung jedenfalls der Moment des Aufwachens, als die eine Sanitäterin zur anderen sagt „ich kann den Puls nicht finden“ und ich murmele „aber ich rede doch noch mit Ihnen!“. Puls war letztlich doch da, FrauFreitag auch gleich wieder und die Zugabe habe ich sogar schon wieder gehört, fand sie aber nicht mehr so gut.
Gut fand ich es auch nicht, dass man ins DDR-Museum geht, weil die Besitzer sagen, ab 18 h sei es da leer, was aber gelogen ist und man dann aber in einer Art von Montagsdemonstration kaum an die zugegeben sehr interaktiven Exponate herankommt. Ist sicher ein schönes Museum, wenn alle nachts weg sind. Und auch lehrreich. Ich war mit einer Ehemaligen dort, das ersetzt viele Erläuterungtexte  und ist noch viel mehr interaktiver. Und es gibt da wirklich tolle Postkarten zu kaufen. Die man dann an alle schicken kann, die nicht das Glück haben, hier in der Hauptstadt im Herbstsonnenschein zu flanieren und sich alles anzuschauen, bis ihnen schwindelig wird.  Und dann auf dem bierbesudelten Boden liegen.

Gruß aus Berlin! Immer eine Reise wert! Ist mein Koffer noch da? Ja, da steht er…

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f3/Berlin-Mitte_Postkarte_012.jpg

 

Nur zu Besuch

SA 7.45
SU 17.55
3 Bft aus West
(Werte Berlin)

FrauFreitag ist in Berlin und fragt sich, welchen Status sie hat.
Also so richtig wohnen ist das natürlich nicht.  Eine Zahnbürste, ein paar Unterkleider, ein paar Bücher – das macht keinen Hausstand und keinen Daueraufenthalt aus. Obwohl sie auf der Straße schon ab und zu grüßen kann und im Penny weiß, welche Kassiererin die nette ist.
Touristin ist sie aber definitiv auch nicht. Dazu hält sie sich zu selten an den touristischen Plätzen auf und den Plan lernt sie immer schon im Schutz der Wohnung auswendig, um nicht damit an windigen Straßenecken Komödie zu spielen und nicht zu wissen, wie rum denn nun. (Ja, ich weiß. Da gibts auch ne App.)

Also vielleicht „zu Besuch“. Das steckt das schöne Wort suchen drin und außerdem bekommt der Besuch immer den besten Platz und das dickste Stück Torte. Das ist so wegen der Willkommenskultur.
Und was macht der Besuch der deutschen Hauptstadt so?
Also diese (Hauptstadt, nicht FF) trägt gerade die Farben der Saison, viel Gelbgold, Rot, Orange, Braun und Grün. Lässt allerlei davon auf den Boden fallen, zur Dekoration, ganz „als welkten in den Himmeln ferne Gärten“ (R.M. Rilke).  Dazu entweder bayrisch Blau-Weiß mit hoher Strahlkraft oder Steingrau. Jacke auf. Jacke zu. Und weil das alles so herrlich ausschaut und außerdem dringend Prokrastination betrieben werden muss, stürzt sich FrauFreitag erstmal in die U-Bahn. Nach Osten. Hier ist ja immer Osten oder Westen, hab ich schonmal gesagt. Und das ist ganz gut, da geht man wenigstens nicht verloren. Man kann nichts dagegen tun. Wir sind eben die Generation Kalter Krieg.
In der U-Bahn gehts immer schon los mit den ganzen Leuten. Das sind ja nicht nur sehr viele, sondern auch sehr verschiedene und mit vielen verschiedenen Sprachen, man kann hier super das Sendung-mit-der Maus-Spiel spielen. Meistens ist es heute Spanisch.
Dann steigt einer mit Becher ein, der spielt heute aber zum Glück keine Geige, sondern rappt. Von weitem hört sichs ganz cool an, aber dann aus der Nähe spricht er Rap wie Wrap aus, also Dürüm und kommt mir auch mit seiner Geschichte zu nah. Haft reimt sich auf bestraft und Leben auf nicht ergeben.
Nähe/Distanz ist hier eh so ein Thema. Also erstmal schnell raus aus der U-Bahn, ist eh gerade Endstation.
An der Warschauer Straße draußen wird hingegen wirklich cool gebeatboxt und schon wandelt die Stadt ihr Gesicht von deprimierend nach elektrisierend und ich drehe mich um und gehe tschkabummtschkabummkschsch nach Westen zurück, weil auf dieser Seite (natürlich Westen) des Ufers HerrMontag kunstschaffend tätig ist. Hier in Kreuzberg, genauer 52° nördlicher Breite, 13° östlicher Länge, entsteht gerade ein Schmuckstück, das Berlin hoffentlich bald einen neuen Touristenmagneten hinzufügen wird. Nur gewinnen muss er noch:
http://www.machtkunst-berlin.de/de/
In der Werkstatt ist alles in Ordnung, die Männer haben schmutzige Finger und Deutschlederhosen mit den sexy Zimmermannsreißverschlüssen an und es riecht nach Metall. Wenn man mich fragt: absolut preisverdächtig und wer Zeit hat bitte dann auch hingehen und abstimmen.
Aber bis dahin bitte nicht stören.
Also schwimme ich durch Kreuzberg und frage mich, was mir diese Stadt will. Ich beobachte sie wie einen Kerl, der spannend ist, aber von dem ich noch nicht weiß, ob ich ihn wirklich gut finde, ob ich ihn will. Und von dem ich nicht weiß, ob er mich will. Will Berlin FrauFreitag? Ich glaube, es schert sich einen Dreck um mich. Was mir ein glitzerndes Gefühl von Freiheit verleiht. Und von Glück, wenn ich mein bipolares Leben so betrachte. In Dinxheim in Rheinhessen ist es durchaus möglich, auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause keiner Menschenseele zu begenen – zumal nach 20 h. Denkt FrauFreitag, als sie sich durch die Oranienstraße drängt, in die sie irgendwie hineingespült wurde, ganz ohne zu suchen. Verrückt! Und wie sie so ausweicht, fällt ihr Blick auf einen Straßenaufsteller, der auf ein Museum im Hof hinweist.
Und schon ist klar, dass Berlin mich will, aber sowas von sehr, denn das Museum heißt „Museum der Dinge“ und da haut mich ja allein der Name schon um. Es ist im Seitenaufgang, 3. Stock und das Treppenhaus sieht aus, als müsse man zweifarbige Schuhe tragen (als Herr) oder einen Bubikopf unterm Hut (als Dame). Das finde ich schon immer sehr schön hier. Die Zeitsprünge. Eben noch 80er, dann, nur wegen einer Schrifttype in der S-Bahn: 1926. Und zurück nach heute, ins Museum der Dinge, das in 90 Minuten zumacht, aber der nette HERR an der Kasse sagt, das könne ich (die DAME) locker schaffen.
Sehr lehrreich.
Hier kann man was dazu lesen und anschauen:
http://www.museumderdinge.de/
Und hier lernt man sehr interessante Dinge über den Deutschen Werkbund:
https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Werkbund

In diesem Museum gibt es zahlreiche Dinge aller Art und Machart und man reist durch seine eigene/n Geschichte/n, denn den Kitschfischaschenbecher hatten meine Eltern und ich habe gern mit ihm gespielt, als ich noch FrolleinFreitag hieß. Und dann die Sachen, die Oma noch hatte! Oder die im Osten. Oder man selbst, im Westen, als man in den 80ern einen ersten eigenen Hausstand gegründet hat mit den schönen Flohmarktsachen, die hier als Designklassiker exponiert sind. Also wirklich sehr empfehlenswert für alle, die gern Dinge anschauen.
Trotzdem ist man wirklich nach gut einer Stunde fertig und stürzt sich wieder in die U-Bahn, die man ganz ohne zu suchen findet, und in der verirrte Spanier nach dem Deutschen Theater suchen – ja, richtig, in der U-Bahn. Zum Glück hab ich da diese App…diese jungen Leute mit ihren City-maps sind aber auch wirklich zu unbeholfen.

Hach, schon schön hier als immer wiederkehrende Besucherin mit Touristenvisum und dem besten Platz. Ja, ich glaube, ich will.

 

Väterchen Frost, Lagerlöf, Goethe und Fontane

SA 7.44
SU 18.40
2 Bft aus Nordnordost

 

Für R.D., A.P. und M.S.

Jetzt ist er also da. Es ging dann schnell.
Vielleicht haben die ziehenden Wildgänse ihn mitgebracht, die FrauFreitag seit Tagen mit ihren wilden Schreien den Verstand rauben. Ach, Akka,  nimm mich doch mit!
Heute früh habe ich ihn jedenfalls gesehen, mit roter Nase stand er grau im rauhreifigen Gras und grinste, während wir anderen alle die Schultern hochzogen und mit den Füßen trampelten.
Von Zeit zu Zeit seh ich den Alten gern. Man ist sofort wach und alles glitzert klar und kristallin. Man möchte sofort in die Sauna oder in den Baumarkt fahren, um überstürtzt einen Ofen zu kaufen und diesen mit oder ohne Genehmigung des Schornsteinfegers einbauen. Oder ein Lagerfeuer veranstalten, gerne auch aus vorhandenen Möbeln. Dann ein paar Kartoffeln darin rösten, darüber die Wildgänse ziehen lassen und Gott einen guten Mann sein.

Jetzt, in der kühlen Jahreszeit, muss man für Wärme sorgen.
Den Liebsten Socken und Pullover stricken. Geistige Getränke im Haus haben. Heiße Liebe im Herzen. Oder Eintopfgerichte im Bauch.
Wärmende Freundschaftsabende werden auch gerne genommen.
Gestern war so einer.
Da saßen wir, wie wir -wenn überhaupt je- so dann vor 28 Jahren zuletzt saßen. In trauter Eintracht ohne Weinseligkeit oder falsches Sentiment. Beim Biere. Fast spontan. Und ich glaube, unser Gelächter klang noch genau so, wie in der Schulbank. Echt belustigt, lauthals, manchmal mit einem leicht lästerlichen Unterton. Die Lehrer hätten uns noch immer gehasst oder geliebt, je nach Charakter.
Und all die schönen Sätze und Zitate können wir noch immer auswendig. Also ist es doch wahr. In der Schule lernen wir fürs Leben oder, wie wir Lateiner_innen sagen würden, „at schola ad vitam discimus“ oder so ähnlich (und dabei angeberisch dreinschauen).
Das wirklich schöne und faszinierende ist, wie ich finde, dass man sich durch all die Zeit wieder erkennt. Trotz Runzeln, Krähenfüßen und fehlender Haarpigmente.  Situationsbedingt musste ich an Goethe und seinen Faust denken:
„Und bleibt doch immer, was man ist!“
Der Mensch bleibt nescio essentiell.
Und alles Außenrum ist nur Tand. Gebilde von Menschenhand.
Oder?

Jedenfalls Danke für den schönen Abend!

 

Strange, stranger, strangest

SA 7.32
SU 18.57
2 Bft aus Ost

Das ruhige Herbstwetter hält an. Am Morgen quillt Zuckerwatte aus den Wiesen und in den Flüssen rauchen Wassermänner, man sieht es genau.
Im Ort fegen die alten Weiber die Straße und entfernen erste gefallene Blätter. Sie tragen Westen und wenn man sie grüßt, antworten sie leicht verwundert und man hört an ihrem Innehalten, dass sie einem noch eine kleine Weile nachblicken. Wer war das denn?
Wenn man ein paar Meter durch die frische klare Luft gegangen ist, bekommt man kalte Hände, ein Gefühl, das man bei aller Erfahrung beinahe vergessen hatte und das einen überrascht. Man bekommt rote Wangen und wenn man in den Zug einsteigt, einen Schweißausbruch, von dem man nicht weiß, ob er ok oder klimakterisch ist. Was nichts ändern würde.

FrauFreitag ist mal wieder als Alleinreisende unterwegs. Den Mittelrhein hinauf, warum es da so schön ist – wer weiß?
Undeinmal, vor langer, langer Zeit kam sie einmal aus Sibirien zurück, hatte Tage im Zug verbracht und unterwegs vieles gesehen und erlebt. In Köln musste sie umsteigen und das letzte, vertraute, heimatliche Stück wieder in einem normalen Sitzabteil der guten alten Deutschen Bahn zurücklegen. Es fühlte sich seltsam an, alles war seltsam, die Würstchenbuden am Bahnhof, die Leute und ihre Geschäftigkeit. Der Geruch bzw. seine Abwesenheit. Das deutsche Stimmengewirr. Und die Vertrautheit. Das Gepäck wurde mit Hilfe eines netten Gentleman in die Ablage gewuchtet, der dann auch neben ihr zu sitzen kam. Dieser Gentleman kam aus China und war das erste Mal in Deutschland. Er sprach Chinesisch und Englisch, FrauFreitag erklärte die Sehenswürdigkeiten rechts und links, die der frühe Morgen in rosiges Licht tauchte. Wir fuhren den Rhein, den längsten Fluss Deutschlands (der gegen die sibirischen Flüsse mit ihren schönen Namen wie ein Bächlein wirkte), entlang und es war FrauFreitags Aufgabe, in relativ regelmäßigen Abständen „Look, another castle!“ zu sagen, was den Gast zu stets neuen überschwänglichen Äußerungen hinriss und am Ende, jenseits von Bingen, wenn die Bilderbuchhaftigkeit langsam abebbt, schenkte er ihr ein winziges Fläschchen mit einem nach Wintergrün duftendem grünen Balsam, das ihr steter Begleiter gegen Kopfschmerzen und Insektenstichjucken wurde und dessen reiner Geruch schon die Moral hob, das Fläschchen kam also auch als eine Art „Riechsalz“ zum Einsatz, was heute bekanntlich viel zu selten passiert.
Kurz gesagt, wann immer ich heute diese Strecke fahre („Look, another castle“), denke ich an diese Fahrt, an mein Nachhausekommen oder was immer es war, an das Gefühl, bekannte Dinge mit neuem Blick zu sehen und sich in einen Fremden und seine mögliche Sichtweise der uns umgebenden Welt im weitesten Sinne hineinzuversetzen. Und an meine damalige olfaktorische Neuentdeckung, das Wintergrün.
Also den Rhein hinauf oder hinunter, wie mans sieht oder nimmt und ab Koblenz dann die Mosel entlang, steile Rebhänge als ewige Mahnung an den alten Germanistikprofessor und sein Lebenswerk, den „Atlas der kontinentalgermanischen Winzerterminologie“. Ortsnamen, die jedes Namensforscherherz lachen machen und weiter und weiter weg von allen Mitten des Landes, man kommt in absolute Randlage, macht Bekanntschaften in Bahnen, die wirklich und ich schwöre an jeder noch so kleinen Siedlung halten, die Landschaft nimmt immer mehr Raum ein, und eine der Bekanntschaften sieht aus wie ein bekannter und erfolgreicher Kabarettist, der immer Bananen am Flügel isst, nur dass diese Ausgabe die Entsprechung darstellt, wenn jener es damals nicht geschafft hätte, wenn er gestrandet wäre und jetzt mit 50 schon am Stock und in Rente. Zufälligkeiten des Lebens.

Diese sind denn auch ein Gesprächsthema.
Und natürlich: Die Flüchtlinge. Und ach und weh.
FrauFreitag wird immer wahnsinnig müde, wenn es zu diesem Thema kommt, zu „Asylmissbrauch“ , zu „Wirtschaftsflüchtlingen“, all diese Dreckswörter, die sich irgendwer mal ausgedacht hat, die dann von unbedachten Schreibern wie Viren verbreitet wurden wie Schnupfen, der allen eitrig das Gehirn verstopft, es macht mich müde, aber sie lassen einen nicht in Ruhe, sie wollen Meinungen, Antworten, alle wollen wissen, was man denkt.
Was ich denke.
Ich habe an diesem Tag mit sechs Menschen aus Syrien gesprochen, die meinen professionellen, also beruflichen Rat wollten. Diese Menschen sitzen mir gegenüber, in einem Büro, im hellen Herbstlicht, das ruhige Wetter dauert an. Sie haben Fragen, die ich ihnen zu beantworten versuche. Sie sitzen mir gegenüber und legen oft ihre Hände auf den Tisch, die ich dann bei meinen Erklärungen immer wieder anschaue, um ihnen nicht die ganze Zeit ins Gesicht sehen zu müssen, wo ich zu viel lese, vor allem, wenn ich unangenehmem Dinge erklären muss, Dinge, die mit Behörden, mit Verwaltung, mit großen Apparaten zu tun haben, Dinge, die geschürte Hoffnungen zerstören können, wenn man sie zu schnell erzählt oder falsch erklärt. Die Hände liegen vor mir auf dem Tisch und erzählen Geschichten, manchmal passen sie scheinbar nicht zu ihren Besitzern und den Vorstellungen, die man sich von ihnen macht.
Da ist der junge Mann mit nerdigem Aussehen, der wie Woody Allen agiert und alles umwirft, was er erreichen kann und der mich bekniet, an seiner Stelle ein einfaches Formular im Computer auszufüllen, was ich tue, weil er mich rührt, weil er so nett ist, sich zu stark parfümiert hat mit einem Duft, den ich eher in einem Bordell in Paris in der Belle Epoche erwarten würde, und auch, damit er mir nicht noch mehr Flurschaden anrichtet. Seine Hände sind im Vergleich zu seiner Größe klein, die Nägel zu lang, ungleichmäßig gekürzt, schartig. Computerexperte.
Der ältere Chirurg, gerade erst angekommen, sorgt sich darum, wie ein Pianist seine feinmotorischen Fähigkeiten zu verlieren, mit jedem Tag, an dem er nicht operiert. Seine Hände sind nicht, wie ich mir Chirurgenhände immer vorgestellt habe. Er hat seine Nägel so weit wie nur möglich abgekaut. Vor ihm liegt ein Stapel mit Zertifikaten und obwohl ich das für die Sache nicht müsste, schaue ich mir alle bunten Stempel gerne an, sie sind ein Symbol für ein Arbeitsleben, für Geleistetes, für die Hoffnung, durch sie auch hier, in dieser Fremde, noch einmal jemand sein zu können.
Das Arztehepaar, das von der Hauptstadt träumt, denn hier gibt es keinen Sprachkurs, der aber Voraussetzung für eine Arbeit wäre. Sie ist mutlos, hat im Kampf gegen Bürokratie Kraft verloren, ihr Mann und ihre Kinder halten sie aufrecht, sie ist kaum 40 und hat das Gefühl, das Leben liege schon hinter ihr. Ihre Hände tanzen und zucken und können nicht zur Ruhe kommen.
Menschen, Schicksale, Lebensgeschichten. Sie sitzen vor mir, erzählen, und wenn ich gut bin, werden sie ruhiger, lächeln, fassen Mut. Was kann ich sonst machen, außer Mut? Wenigstens kurz.
Ist es ein Wunder, wenn mich dieses Thema müde macht? Wenn ich nicht mehr an Stammtischen, in Zügen, egal wo, mit allen und jedem darüber reden möchte? Über all die persönlichen Ängste, die das Fremde macht?
Ach, was weiß ich? Wir dürfen nicht nachlassen.

 

Von äußren Zwängen wundersam geborgen

SA 7.18
SU 19.17
2 Bft aus Südwest

Tag und Nacht gleichen sich.  Herbst.
Bei google gestern das Herbstanfang- Eichhörnchen.
Draußen kräftiger Laubgeruch, blauer Himmel und rote Backen vom Fahrradfahren.  Im Gelände immer noch die Vollernter – das wird noch ein paar Tage so gehen. Alle Kinder krank mit Kopf- und Halsweh.
Auf FrauFreitags Tisch liegt seit heute ein angebissener Apfel. Wie kann das sein – bei der Allergie??  Aber: ich schaue absichtlich vorbei,  gehe trotzdem noch vor die Tür und lasse mir von einem angebissenen Apfel nicht vorschreiben, wo ich hinzuschauen habe.

„Ich werd mich nie verändern…“

FrauFreitag liegt mit hinter dem Kopf verschränkten Händen unterm Dachfenster. Der Urlaub verblasst wie der Himmel. Alltag siegt.  Immer.
„Sie lassen einen nicht“ – sagt Christopher Robin zu Pooh, dem Bären von geringem Verstand.
Ohne Murren erhebe ich mich kurz nach 6 Uhr früh, kaum dass der Wecker mich ruft. Es ist stockdunkel. Wanke in den Tag und zur Arbeit. Jetzt, wo ich wieder in Dörfli wohne, muss ich umso mehr in der Spur laufen. Der Zug wartet auf keinen, wenn er denn fährt. Da sitzt dann die ganze Arbeiterklasse drin. Und ich finde es schön. Draußen steigt der Nebel aus den Wiesen und die Sonne färbt den Tag rosa – passend zum X-phone. Und das Gras glitzert wie Swarovski-Kristalle. Das ist schon was. Dafür lohnt sich das frühe Erwachen.
Dann bin ich fleißig und verdiene, wie man so sagt, meinen Lebensunterhalt. Dann ist der Tag fast um und ich gehe wieder nach Hause, ins neue Heim.
(Lampen müssen jetzt definitiv her, aber welche?)
Man wurschtelt sich durch. Man gewöhnt sich ein. Man kommt langsam wieder an. Man erinnert sich noch. Manchmal erleidet man einen Rückfall und hat Geruchshalluzinationen, ferne Gärten, Obststände, gegrillter Fisch. Akute Sehnsucht. Fernweh.
Schluss mit „Toter Mann“ spielen im warmen Meer.
War das? Wirklich? All das macht mich nachdenklich.
Immer und immer und immer wieder diese Frage: Wie leben?

Wers weiß, kann er oder sie es mir bitte sagen? Einfach reinrufen…

 

Unter dem zunehmenden Mond

SA 7.09
SU 19.30
2 Bft aus Nordwest
(Werte Heimat)

Pauzpardauz, aber: wir waren vorbereitet!
Die Boeing rumpelt sanft auf Frankfurter Boden, kurzer Applaus brandet auf, FrauFreitag kaut stur Kaugummi und verdreht die Augen,  HerrMontag blickt zum Fenster hinaus, betont uninteressiert. Welcome back home.
Tags zuvor hatten wir noch in den sanften Wellen des Mittelmeeres geschaukelt, damit war aber spätestens am Flughafen  Schluss. Das ist schon ok. Dann lernt man auch wieder, wie die Welt geht. Läuft sich warm. Plötzlich hatten wir, also unsere Koffer, Übergewicht – 3 kg. Der ganze gute türkische Honig? Kostet soviel wie ein Besuch in einem guten Sushi-Restaurant.
Alsdann das Leben in seiner ganzen Fülle. FrauFreitag fühlt sich wie auf einem Rugbyfeld. An Frühstück ist nicht mal zu denken, es wird auch kein Lönch gereicht im Flugzeug, wir holen eben versäumte Schlafstunden nach, wenn wir nicht durch Lautsprecher angeschrien werden.
Moderne Zeiten, seufzt FrauFreitag und beschließt, sich für das I-Phone 6 S anzumelden. Gold oder Rosa. Oder doch Grau? Diese ständige Abwehr kostet auf Dauer einfach viel zu viel Energie. Im Oktober dann. Dann werde ich auch aus meiner Handfläche lesen.

Also Aufschlag in FRA – wir federn locker ab, werfen sodann alles Restgeld einem Sushi-Dealer auf den reichgedeckten Tisch und: wir bereuen nichts.  Rien de rien.

Allerhand Verwunderung. Wie? Kleider? Überall? Socken gar? Meine Füße fragen sich, was das soll, wehren sich, die Zehen zappeln wie Fischchen – ich kann es ihnen auch nicht erklären. Gewöhnt euch mal dran, das geht jetzt gut 6,7, Monate so!
16° C.
Die Bäume draußen noch grün, aber die Wipfel schon sacht vom Herbst gestreichelt, der Himmel sehr aufregend in allen Farben von Weiß über Blau zu allen Grautönen, Regen und Sonne – da ist schon was los. Um uns noch froher zu stimmen, legt er uns einen kompletten Doppelregenbogen hin, was wollen wir denn noch? OK.  Einverstanden. Willkommen, deutscher Herbst, seni seviyorum. Und jetzt bitte lächeln!

Wieder allein im Weinwunderland Rheinhessen versucht FrauFreitag sich als Rückkehrerin, auch hier ist Widerstand  zwecklos und bloße Vergeudung von Kraft und Zeit. Wird sie erwachsen?? Pffff.
Über dem ganzen Ort der Geruch nach Most, die Vollernter brausen durch die sonntäglichen Straßen, Traubensaft fließt wie Blut in die Rinnsteine, Saft klebt dunkel an meinen Naschfingern und meine Lippen sind bläulich geschminkt. Wo wochenlang nur Staub lag, ist jetzt wieder Erde, Nässe, Pfützen, die Teiche sind gut gefüllt, die Enten freuen sich und ich -ich mich auch.
Seltsam , wie sich immer, immer und immerwieder „Wirklichkeit“ in Geschichte_n, Erinnerungen und Legenden verwandelt. Wie das Leben uns in sein Netz einwickelt. Wie wir spätestens übermorgen ohne zu murren Schuhe und Strümpfe anziehen werden.
Noch klacken die Steine vom Strand in der Tasche, haben aber schon den Bezug  verloren, wir halten sie in den Händen wie Bücher oder alte Briefe, die uns viel erzählen können. Wenn wir wollen.
Der Mond nimmt wieder zu. Kein Stern weit und breit. Heute.

 

Patrizia und Blebea scheitern an Olympos

SA 5.38
SU 18.05
2 Bft aus Südwest
28° am Abend

Ehe FrauFreitag den Kitsch-Pullitzerpreis gewinnt, hier einige aktuelle Meldungen von der türkischen Mittelmeerküste:

Also allein die Fahrräder: keine Klingel, kein Licht, alle 5 Meter keine Luft mehr – das macht die Fahrt die Küste entlang schon aufregend genug. Besonders in der Dämmerung. Oder Dunkelheit.  HerrMontag ist zudem davon überzeugt, dass das Material seines Fahrradsattels eigentlich zur Panzerung von Mondraketen dient. Ich glaube, man nimmt alte Schildkrötenpanzer dafür her.
Und dann die dauernden Schildkrötenrettungen. Hach. Heute finden wir ein riesiges Exemplar der Gattung Griechische Landschildkröte (testudo hermanni) auf der Straße. Es stinkt entsetzlich, hat sich wahrscheinlich seit 100 Jahren nicht gewaschen,  und knurrt unwillig, als wir es von der Straße holen und neben einem toten Chameläon wieder aussetzen. Dabei nur zu seinem besten, denn gefahren wird hier wie in Berlin. An den Hinterläufen hat es -nebenbei bemerkt- die fettesten Zecken, die FrauFreitag in ihrem Erdenleben je gesehen hat. Ich erspare der Mitwelt die Bilder dazu.

Und wir sind eigentlich unterwegs, weil man im Urlaub auch mal in kültür machen muss. Nicht immerzu nur Strand und Beachvolleyball und Baywatch. Wir wollen die alten Steine der antiken Stadt Olympos anschauen.
Leser, schau hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Olympos_%28Lykien%29
Wir mussten uns auch damit begnügen, denn wir kamen nicht wirklich ans Ziel (Vorwegnahme des Endes, Stilmittel der Antizipation).
Man fährt also den ganzen Weg entlang, den wir immer entlang fahren, vorbei an vielen, vielen kleinen Pensionen und Restaurants, Zitronen- und Granatapfelhainen, hält sich hier und da zu einem kleinen Plausch oder einem kleinen Salat auf, geht mal eben rasch baden, vorbei am Gemüsehändler, der seine Ware leider immer in der prallen Sonne lagert, was nicht jeder Frucht dauerhaft gut bekommt, also speziell den Feigen nicht, und dann kommt endlich! ein trockener Flusslauf, in dem Ziegen herumstreunen und Mäh rufen, den wovon sollten sie bitteschön auch satt sein?
Den Lauf dann lang bis zum Strand runter, nur noch über die Brücke. Jetzt sind wir am anderen Ende unserer Buchtidylle angekommen. Und hier sind die Hipster versammelt, die Normbräune, alle Drogen des Universums, alles ist wahnsinnig dufte und gechillt, wie an jedem Normstrand der Welt. Wir hatten die Wirklichkeit wirklich schon vergessen.
Nur mit Mühe kann ich HerrnMontag überreden, weiter zu gehen, nicht umzukehren und aufzugeben. Die Kultur! Zugegeben: Der Ort ist phantastisch. Neben uns recken hohe Felswände in bizarrer Formation die Hälse, die Bucht ist klarblau und vorne rechts in der Mitte mündet tatsächlich ein Fluss. Und da muss es sein. Wir gehen durch die Rosenmontagsstimmung und kommen zum Eingang, also zum Anbeginn der antiken Stätte. Es wird eng.
Und enger. Und man hört, was mir sowieso dauernd schon im Ohr klingt, nur noch Russisch. Und ein wenig Deutsch, in all seinen dialektalen Ausprägungen.
Hinter uns ein Steinsarkopharg, 2000 Jahre alt, wir lehnen uns an und schauen den Massen zu, die anbranden und weiterströmen, über unsere Füße hinwegstolpern, uns an die Wand drücken – ich sehe Patrizia und Blebea, die mir heimlich (lykische) Zeichen machen, ein andermal wiederzukommen, wenn nur die Sonne und wir Zeuge sind, und man die Stimmen der Lykier hier wirklich hören könnte.
Wir treten den geordneten Rückzug an und freuen uns auf die Bilder im Internet. Schon eine tolle Erfindung…

 

Unter der abnehmenden Mondsichel

SA 5.37
SU  18.08
3-4-Bft aus Südost
aktuell 36° im Schatten
(Werte Antalya)

Seit einigen Tagen erkunden FrauFreitag und HerrMontag- alias Mr McGyver- einen südlichen Orbit, erweitern ihren Horizont und ihren Wortschatz, retten Schildkröten aller Größen und Gattungen zu Wasser und zu Lande und sind vorzugsweise liegend anzutreffen.

FrauFreitag_Schildkroete_Cirali
Die türkische Mittelmeerküste hält uns in ihren warmen Armen und wiegt uns sachte durch die Tage und Nächte. Überall weht die blutrote Fahne und nachts sieht man am Himmel mehr als nur einen einzelnen Stern neben dem abnehmenden Mond. Under a milky way schaukeln wir in Hängematten und liegen auf Liegen,  umweht uns der warme Duft unbekannter Nachtblumen, ruft das Käuzchen, regnen Sternschnuppen vom Himmel und als wir sie aufhoben waren es lauter blanke Taler.
Die wir dann am nächsten Tag wieder ins Restaurant tragen können, wo unter Maulbeerbäumen getafelt wird, Katzen und Hühner unter dem Tisch unsere Beine umschmeicheln und die Mutter in der Ecke ein Gözleme nach dem anderen ausrollt, mit ruhigen und immer gleichen Bewegungen, im Gleichklang mit dem Rauschen des Meeres. Die Ewigkeit. Mit Gemüse, mit Käse oder mit Tahin. Oder mit Spinat.

Einkaufzettel schreibe ich zweisprachig. In Obst- und Gemüsewörtern bin ich schon ganz gut, Verben lasse ich bewusst weg. Unfallgefahr.

Heute liegt eine schwarze Katze HerrnMontag zu Füßen, der füllt seine Skizzenbücher mit der Welt, wie sie sein könnte, draußen auf unserer Terrasse, die man schon vormittags nicht mit bloßen Füßen betreten kann, weil sie so heiß ist, dass man sofort ein Tänzchen machen muss. Gestern war es eine getigerte und die davor trug ein Lätzchen.
Im warmen Wind bewegen sich Mobiles aus kleinen Meereshölzern, nicken die noch grünen Orangen am Baum, fallen die Oliven aus den jungen Bäumchen, und sobald es dämmert, summen hunderte Zikaden ihre Lieder um die Wette, und wenn man im Restaurant Musik anmacht, singen sie laut im Gegenrhythmus. Einen ganze Reihe junger Pappeln strebt am Rande des Gartens auf, erinnert mich kurz an zu Hause mit ihrem Gepappel, dicht gefolgt von einer Hecke mit Brombeeren, die – kein Wunder – schon als Rosinen zur Welt kamen. Indisches Blumenrohr in vielen Farben. Rote Libellen.
Die Berge, die unsere kleine Welt begrenzen, sind mit Pinien (?) bestickt, die ihre balsamischen Düfte zu uns schicken und wenn man durch die Hitze des hereinbrechenden Abends einen langen, steilen, gefährlichen und steinigen Pfad bergauf gegangen ist, findet man viele kleine Feuer, die dort seit Jahrtausenden brennen, die brennenden Steine der Lykier, gespeist von einem Gasgemisch aus dem Innern der Erde, das sich an der Luft selbst entzündet, den hereinbrechenden Abend erleuchtet und Geschichten befeuert.

Mehrfach täglich erinnert man uns rufend daran, dass Allah groß ist. Dann müssen wir uns von der Wärme ausruhen und mit jedem Tag, der vergeht, wird der Abstand zu dem was man „Realität“ nennt größer und wächst und dehnt sich aus, unüberbrückbar wie es von hier aus scheint -und in seltenen wachen Momenten fürchte ich mich vor dem harten Aufschlag, der uns spätestens am Frankfurter Flughafen erwarten wird. Wenn wieder alle klatschen…

 

Was es alles gibt

SA 6.27
SU 20.32
2 Bft aus Ost

Es gibt eine blaue Matratze unter einem Dachfenster, durch das man den immer blauer werdenden Himmel sehen kann. Jetzt ist er schwarzblau.
Es gibt versprengte Gegenstände, die mir ihre alten Geschichten erzählen. Ich kenne sie und höre kaum hin.
Es gibt Schatten an den Wänden, die mir neu sind.
Es gibt wenig Licht, denn es gibt keine Lampen, schon gar nicht an der Decke. Aber es gibt eine Leiter.
Es gibt eine steile Treppe nach oben oder unten, je nachdem, wo man ist.  Sie knarrt freundlich, wenn man sie benutzt.
Es gibt Kleider, die nicht wissen, wo sie hingehören. Und es gibt Kleider, von denen ich nicht weiß, wo sie sind.
Es gibt Abendessen.
Es gibt ein Badezimmer ohne Spiegel, aber mit fließend Warm- und Kaltwasser und einem Wasserklosett.
Es gibt allerlei Tuben und Tiegel und Fläschchen, die alle in Kisten auf dem Boden stehen und sich wundern.
Es gibt eine Badewanne ohne Stöpsel und keinen Duschvorhang.
Es gibt reichlich saubere Handtücher.
Es gibt schlimmeres.
Es gibt Pflanzen auf Fensterbänken, die sich an neue Lichteinstrahlung gewöhnen werden. Und wachsen und blühen und verwelken.
Es gibt einen Keller, in den man Dinge stellen kann, von denen man gerade nicht weiß, was man damit machen soll. Und von wo man sie beim nächsten Umzug dann hochtragen muss.
Es gibt ein Zimmer mit drei Stühlen. Einer ist weiß, einer ist aus Korb und vom Sperrmüll und einer ist ein Klapp-. Man kann darauf sitzen.
Es gibt WLAN. Und ein funktionierendes Telefon, mit dem man mit der einen umgebenden Welt sprechen kann. Man kann auch angerufen werden. Es wurde schon getan.
Es gibt neue Geräusche und solche, die man schon kennt.
Es gibt blaue Flecken an den Beinen und trockene Hände vom Schmutz. Und aufgesprungene Lippen und verschwundene Lippenpflegestifte.
Es gibt Licht am Ende des Tunnels.
Es gibt zwei Postkarten, beide von der Nordsee. Eine kam heute und ist den ganzen Weg von Hallig Hooge gekommen.
Es gibt einen angefangenen Kasten Bier und andere Erfrischungen. Es gibt einen sauber ausgewaschenen Kühlschrank, der mir ganz allein gehört. (Das gab es letztmals vor 25 Jahren!)
Es gibt Sachen, die ich für Besucher bereitgestellt habe.
Es gibt eine sehr hässliche Küche, für die ich vielleicht Eintritt verlangen könnte. Für das Geld könnte ich dann eine neue kaufen.
Es gibt Pläne.
Es gibt eine wunderschöne Waschmaschine, aber noch keinen funktionierenden Anschluss für sie.
Es gibt zwei Kirchen gleich gegenüber. Eine sagt mir viertelstündlich die Zeit. Gerade sagt sie „halb“.
Es gibt einen Hof, in dem stehen einige Pflanzen, die mir gehören.
Es gibt eine neue Adresse, einen Briefkasten und blaue Fensterläden.
Es gibt noch viel zu tun und viel Zeit vor mir.

Der August

Erich Kästner

Der August

Nun hebt das Jahr die Sense hoch
und mäht die Sommertage wie ein Bauer.
Wer sät, muß mähen.
Und wer mäht, muß säen.
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

Stockrosen stehen hinterm Zaun
in ihren alten, brüchigseidnen Trachten.
Die Sonnenblumen, üppig, blond und braun,
mit Schleiern vorm Gesicht, schaun aus wie Frau’n,
die eine Reise in die Hauptstadt machten.

Wann reisten sie? Bei Tage kaum.
Stets leuchteten sie golden am Stakete.
Wann reisten sie? Vielleicht im Traum?
Nachts, als der Duft vom Lindenbaum
an ihnen abschiedssüß vorüberwehte?

In Büchern liest man groß und breit,
selbst das Unendliche sei nicht unendlich.
Man dreht und wendet Raum und Zeit.
Man ist gescheiter als gescheit, –
das Unverständliche bleibt unverständlich.

Ein Erntewagen schwankt durchs Feld.
Im Garten riecht’s nach Minze und Kamille.
Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille.
Wie klein ist heut die ganze Welt!
Wie groß und grenzenlos ist die Idylle …

Nichts bleibt, mein Herz. Bald sagt der Tag Gutnacht.
Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht,
ins Irgendwo, wie Tränen ohne Trauer.
Dann wünsche Deinen Wunsch, doch gib gut acht!
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

Saure Gurken- Witz

SA 6.12
SU 20.39
2 Bft aus Nordost
(35° C)

Es war zu erwarten, dass FrauFreitag der Hitze nicht lange Stand halten konnte. Angezählt liegt sie krankgeschrieben auf dem Sofa und lässt sich von Kind1 bekochen und Luft zufächeln.  In ihr tobt ein Kampf von Bakterien gegen ein Antibiotikum, das als Favorit gilt.
Das gibt Zeit, mal was zu lesen und ich möchte an dieser Stelle auf den Roman „Deutscher Meister“  von Stephanie Bart hinweisen, ein Roman über den Boxer Johann Rukelie Trollmann. Trollmann ist Sinto und das Jahr ist 1933.
Empfehlenswert!

Andere Geschichte: um FrauFreitag zu erheitern, erzählt Kind1 folgende WAHRE Geschichte, die m. E. hervorragend in die saure Gurkenzeit passt:

Viele geschätzte Leser werden den Youtubevideowitz kennen, wo der Opa das Tablet in die Spülmaschine stellt. Witzig.
Aber witziger, weil wahr, folgendes:

Es war einmal eine alte Frau, die besaß ein Mobiltelefon. Ihre erwachsene Enkelin aber, die ein gutes Herz hatte, zeigte ihr, wie man eine SMS schreiben könne. Die Großmutter, sie war eine kluge Frau, begriff.
Eines schönen Tages aber geschah es, dass die Oma dem Kinde etwas mitzuteilen hatte. Sie erinnerte sich an die moderne Welt und schrub auf ihrem Mobiltelefon eine Nachricht, sie der Jungfer zu schicken. Und so tat sie und steckte das Mobiltelefongerät in einen luftgepolsterten Umschlag und trug ihn zur Post und schickte ihn dem Kinde, welches die Nachricht einige wenige Tage später (es war vor dem großen vaterländischen Postbotenstreik) erhielt.
Da war der Freude und der Überraschung keine Grenze und ein lauter Jubel in der ganzen Familie.
Die Oma aber bekam ihr Mobiltelefon zurück.

True story. Witzig mit einem Schuss Tragik.

"Es gibt keine Wahrheit. Es gibt nur Geschichten."